Siteklinik #2: Die Produktdetailseite
Kurz vor der phänomenalenen SEOCampixx gibt es den zweiten Teil der Siteklinik. Heute geht es um die Produktdetailseite (bevor wir zu den Kategorien und zur Startseite kommen).
Einzigartiger Inhalt
Das größte Problem von Takatomo.de ist, dass es zu wenig Inhalt auf den Produktdetailseiten gibt. Google will im Idealfall auf jeder Seite unique Content haben. Das bedeutet nicht nur, dass die Produktbeschreibung einzigartig ist: Google achtet auch darauf, wie das Verhältnis von sich-wiederholendem Content zu unique Content ist. Sieht man sich etwa die Seite https://www.takatomo.de/webshop/products/de/DAVID-FUSSENEGGER/Kapuzendecke-mit-Dackel-in-pink-von-David-Fussenegger.html an, so hat man Links die Navigation, oben Dinge wie “Datenblatt drucken” und unten den Footer bzw. manchmal noch ähnliche Produkte.
Der eigentliche Produkttext hat 43 Wörter. Das ist viel zu wenig und wir müssen das Verhältnis von unique Content zu Navigation ändern.
Raus damit!
- Artikeldatenblatt drucken: Macht niemand, zumindest nicht im B2C Bereich. Es sind ja auch keine Computer oder sonstige Produkte, bei denen sich ein Datenvergleich lohnt. Ich würde diesen Menüpunkt kommentarlos streichen.
- Frage zum Produkt: Klickt man darauf, so bekommt man eine Fehlermeldung. Usability-mäßig ist das sehr schlecht. Wer eine Frage hat, der ruft an oder schreibt eine Mail. In dieser Form ist es sinnlos. Ich persönlich würde hier einen Live-Chat einbauen oder die Funktion ganz weglassen.
- Woanders günstiger: Das funktioniert offline gut, aber im Online Bereich wird niemals jemand dieses Formular ausfüllen, sondern einfach bei dem günstigeren Anbieter kaufen! Wozu gibt es Preisvergleiche? Der Kunde muss ja nicht woanders hingehen, sondern ist nur einen Klick vom Mitbewerber entfernt. Raus damit.
- Lesezeichen setzen: Diese Funktion finde ich gar nicht mal schlecht. Problematisch ist nur, dass das Lesezeichen immer auf die Hauptseite gesetzt wird. Wer ein Lesezeichen setzt, der will auch auf genau dieser Seite landen. Das sollte man ändern.
- Auf meine Wunschliste: Man muss sich anmelden, um das Produkt auf seine Wunschliste zu schicken. Aber was für eine Funktion hat diese Liste? Sehen das andere Leute? Warum sollte ich das machen? Meiner Meinung nach ist das für Amazon.de eine tolle Funktion. Takatomo.de hat dafür aber (noch) viel zu wenig Traffic. Und bevor ich eine Liste erstelle und diese dann jemandem schicke, sende ich demjenigen eher den Link zu einem bestimmten Produkt.
- Bookmark/Mail: In meinen Augen ist auch das eine unnötige Ablenkung des Users und des Bots. Wer die Inhalte teilen oder veröffentlichen will, der macht das in der Regel direkt und ohne diese bunten Buttons. Social Media macht man nicht nur durch das Einfügen von Buttons auf seiner Seite.
Diese Dinge werfe ich nicht nur wegen Google raus. Es ist eine Tatsache, dass die Conversionrate nach unten geht, je mehr “Brimborium” auf einer Seite vorhanden ist. Der User soll kaufen und nicht an einer Community teilnehmen.
Die Produktbeschreibung
Erst einmal findet man sie auf verschiedenen anderen Seiten wieder. Unten sieht man gleich ähnliche Artikel, die exakt den gleichen Text (bis auf die Farbe “blau” bzw. “pink”) haben. Bei großen Online Shops mit hunderttausenden von Produkten kann man so etwas verstehen. Mit 1.100 Produkten kann man allerdings noch einzigartige Beschreibungen texten (lassen). Auf einer Produktdetailseite geht es um Transaktion. Die drei großen Tugenden einer perfekten Webseite für Google sind aber Transaktion, Information und Navigation.
Information!
Es wird viel zu wenig informiert. Die wichtigsten Dinge stehen da, aber wer nur das Nötigste macht, der gewinnt keinen Hauptpreis. Mögliche Informationen hier sind:
- Was ist eine Kapuzendecke? Was ist ihr Sinn?
- Material: Wofür die Viskose?
- Wie kann man diese Decke waschen?
- Für welches Alter ist die Decke gedacht?
- Kann mein Baby den Reissverschluss verschlucken?
- Schadstoffgeprüfte Textilien: Mein Baby kann die Decke also in den Mund nehmen?
- Ist die Decke warm?
- Wer ist David Fussenegger? Nämlich eine renommierte Firma, die bereits seit 1832 Decken herstellt! Hier sollte man eine Box mit Informationen zum Hersteller bereitstellen. 2-3 Sätze genügen. Diese Box ist dann zwar auch “sich-wiederholender Content”, aber er bietet eindeutig einen Mehrwert für den User.
Vielleicht merkt man jetzt, wie viel Usability eigentlich in SEO steckt. Ich habe bis jetzt weder Keywords noch Title erwähnt. Nach “Kapuzendecke” suchen laut Keyword-Tool etwa 22 Leute pro Monat. Nach “Babydecke” suchen über 22.000 Leute pro Monat. “Kinderdecke” ist mit 3.600 Suchanfragen auch noch gut dabei, aber seien wir ehrlich: 80×80 cm ist für Babies, nicht für Kinder.
Title & Keywords
Bei der Keywordrecherche fand ich heraus, dass direkt nach Kinderdecke auch der Begriff “David Fussenegger Kinderdecke” bzw. “Fussenegger Kinderdecke” gesucht wird. Marcus hat das Glück, gleich mehrere Fussenegger Decken im Angebot zu haben. Hier kann man nun eine Keyword-Cloud bilden, aus der sich die verschiedenen Produkttitel ableiten lassen.
- Hersteller: David Fussenegger (bzw. nur “Fussenegger”)
- Art: Babydecke, Decke für Babies
- Material: Baumwolle, Bio, Öko
- Farbe: Grün, Rot, Blau etc.
Hieraus sollte man nun jeweils unterschiedliche Landingpages generieren. In der Praxis nehmen wir also für die aktuelle Seite z.b. als Title “Babydecke pink David Fussenegger – Bio-Baumwolle” und für z.b. https://www.takatomo.de/webshop/products/de/DAVID-FUSSENEGGER/Kapuzendecke-mit-Dackel-in-blau-von-David-Fussenegger.html nehmen wir dann einen anderen Schwerpunkt als Title: “Öko Decke für Babies in Blau von David Fussenegger”. Ich würde immer “ART / MATERIAL – FARBE – HERSTELLER” nehmen und dabei verschiedene Kombinationen generieren und die Keywords auch vertauschen. Wir bekommen dann für das erste Beispiel “Babydecke pink David Fussenegger – Bio-Baumwolle” eine Menge Suchanfragen, auf die der Title passt:
- Babydecke pink
- Babydecke pink bio
- Babydecke pink Baumwolle
- Babydecke Fussenegger
- Babydecke pink bio baumwolle
…und viele mehr. Es geht heutzutage in den meisten Fällen nicht um ein einziges Keyword, sondern um ein Keyword-Spektrum, das man anbieten sollte. Die Seite muss auch dazu passen, deswegen sollte man möglichst viele Informationen bringen. Der Text sollte sich dann am Thema orientieren. Ich bin wirklich kein Werbetexter, aber versuche mal zumindest sinngemäß eine ordentliche Beschreibung.
Beispiel 1:
“Diese besonders warme pinkfarbene Babydecke von David Fussenegger ist aus Bio-Baumwolle hergestellt. Ihre Materialien sind den speziellen Anforderungen für Baby-Textilien gewachsen, wofür das Siegel “Textiles Vertrauen” nach Oeko-Tex® Standard 100 und die GOTS Zertifizierung (Global Organic Textile Standard) stehen. Es sind keine verschluckbaren Kleinteile enthalten, weswegen diese Decke für alle Altersgruppen geeignet ist. Die Decke ist für den Sommer / Winter geeignet und man kann sie leicht mit bis zu XY° Grad in der Waschmaschine waschen. Die Viskose dient dazu, den Stoff weicher zu machen und lässt die Decke besser atmen.”
Wohlgemerkt ist das der Text für eine einzige Produktseite. Er sollte in dieser Form nirgends noch einmal vorkommen. Das ist eine Menge Arbeit, aber: Es lohnt sich!
Die Herstellerbox kann dann so aussehen:
“Über David Fussenegger (Logo): Die traditionsreiche, 1832 von David Fussenegger gegründete Firma wird heute in der 6. Generation von Klaus Ladstätter weitergeführt. Produziert wird “Made in Austria” in Dornbirn/Vorarlberg. Jährlich erscheinen vier Kollektionen für unterschiedliche Zielgruppen und Saisons.”
Die Herstellerbox kann man ruhig kopieren. Sie dient dem Mehrwert für den Nutzer und fördert die Conversionrate.
Technische Aspekte:
Meta-Keywords braucht man nicht. Eine Description kann niemals schaden. Sie sollte vor allem zum Klicken animieren. Keywords aus der Suchanfrage, die in in der Description vorkommen werden fettgeschrieben, womit das eigene Snippet sich in den SERPS abhebt. Der Fokus sollte aber eindeutig auf dem User liegen, denn die Description ist kein Rankingkriterium.
Im Footer wird (siehe letzter Artikel) der Title nochmals wiederholt. Das Alt-Attribut gibt immer den Produktnamen aus. Prinzipiell ist das nicht schlecht, aber ein wenig könnte man das Alt-Attribut immer vom Title abändern. Schlecht ist auf jeden Fall, dass bei zwei Bildern 2x der gleiche Alt-Text genommen wird. Das sollte man ändern. Das 2. Bild sollte also z.B: “Öko Prüfsiegel für die Babydecke von David Fussenegger” heissen. In der Breadcrumb-Navigation kann man die Seite, auf der man sich befindet anklicken. Hier sollte nur der unverlinkte Text stehen, man ist ja bereits auf der Seite. Die Überschrift sollte sich an den Title anpassen. Die Unterüberschrift ist eine Kombination aus Artikelnummer und Suchkombinationen. Die Artikelnummer 6218/20 mag für manche Leute wichtig sein. Sie ist aber nicht so wichtig, als dass man sie in <h2> schreiben müsste.
Fazit:
Im Prinzip wurden zwei Ansätze verfolgt: Zum einen wurde Überflüssiges entfernt. Zum anderen wurden zusätzliche (fehlende) Informationen gegeben und es wurde versucht, die typischen Fragen von Suchenden / Kunden zu beantworten. Das merken nicht nur die Kunden, sondern eben auch Google. Bloß weil man etwas verkauft, hat man noch keine Berechtigung bei Google auf Platz 1 zu erscheinen. Diese muss man sich verdienen: Zum einen natürlich durch technische Indexierbarkeit und Keyword-Optimierung; Zum anderen (und das ist die SEO-Kür!) durch wertvolle Informationen, die aus der Produktdetailseite mehr machen als eine pure Verkaufsfläche.
SEO-Campixx Siteklinik!
Wichtig: Am Sonntag gibt es eine Live-Siteklinik von mir auf der SEO-Campixx. Eigentlich ist es eine WordPress-Siteklinik, aber es dürfen sich ruhig andere auch melden. Wer also dort ist und seine Seite einmal analysiert haben möchte, der kann mir gerne vorab eine E-Mail schreiben und sich einen festen Platz reservieren. Ich wäre euch darüber sehr dankbar, weil ich dann schon daheim etwas vorbereiten kann. Auf der Campixx wird von meiner Seite auch ein wenig mehr verraten und auch in Sachen Linkbuilding & Co. werde ich etwas offenherziger sein als hier im Blog.
Mit Takatomo geht es dann nächste Woche und wohl noch eine ganze Weile weiter. Wie immer bitte ich euch, zusätzliche Infos und/oder Fragen in die Kommentare zu schreiben.
SEO-Bus
Bis dahin wünscht mir Glück, denn morgen geht es um 10 Uhr los mit dem SEO-Bus, organisiert von der KatzeVogelSitz GmbH ab nach Berlin. Mit dabei sind SERPita, der Tastenkasperl, der Stanzl, der Alexander und der Boris von 1,21 Watt, Lic. oec. publ. Diplombetriebswirt Andy, Schoebs (without friends), Timon, die Suchmade und viele andere verrückte SEOs. Leider konnten wir trotz Beziehungen zu Jochen Schweizer nicht genügend Panzer organisieren, außerdem erfüllt (außer mir) keiner die Vorraussetzung “Gute körperliche und geistige Verfassung”, weshalb wir nun doch mit einem US-amerikanischen Schulbus nach Berlin fahren müssen, inklusive Bier & Sushi. Wie langweilig!
Auf der Campixx freue ich mich auf jeden Fall über nette und interessante Gespräche, auch mit neuen Leuten!
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Deine Ausarbeitung ist super. Bei dem Punkt Preisvergleich habe ich andere Erfahrungen und die sind ganz gut. Zum Einen ist man besser informiert sollte ein Mitbewerber die Preise gesenkt haben und zum Anderen bekommt man vom Kunden die Chance den Preis zu unterbieten. Finde es daher und weil es einiges bringt eine schöne Sache.
Viele Grüsse
Maik
Ich hab den Beitrag noch nicht ganz zu Ende gelesen, möchte aber gleich etwas los werden, ehe ich heute Abend nochmal in Ruhe drüber lesen.
Diese “Frage zum Produkt” Geschichte würde ich nicht entfernen. Nur viel besser einbauen. Z.b. nutze ich in meinem das selbe Formular in einem Highslide-Effekt eingesetzt. Vorteil: Der Kunde kann direkt seine Frage zum Produkt los werden, muss nicht erst in die Kontaktseite springen, die E-Mail kopieren oder das Telefon zur Hand nehmen und bleibt so auf der Produktseite.
Für den Händler ist es von Vorteil, er sieht im Postfach direkt um welchen Artikel es sich bei der Anfrage handelt, kann schnell reagieren und Antworten und der Kunde bekommt eine schnelle Antwort.
Einfach mal in meinem Shop auf ein Produkt klicken, da sieht man das eigentlich ganz schön.
Auch die Sache mit dem “Billiger gesehen” ist je nach Branche nicht verkehrt. Muss jeder Shopbetreiber selbst entscheiden. Eventuell lässt sich der Text auch in ein Button umwandeln, um weniger gleichen Text zu haben?
Bis später
Konstantin
Sehr interessant und spannend für mich. Ich freue mich doch sehr auf weitere Infos. Habe zwar nur knapp 500 Produkte im Shop aber mit der einzigartigen Produktbeschreibung ist es leider garnicht so einfach.
Gruss
S.
Danke, das meiste hier ist einleuchtend und spannend. Man lernt hier immer was.
Frage: Kann es sein, dass die genannte Beispiel-Seite (pink Kapuzendecke…) bereits wieder Parameter verändert hat?
“Frage zum Produkt” geht.
Footerbereich: entspricht weder deiner VORHER noch deiner NACHHER Schilderung…
Oder verändern sich die Inhalte dynamisch?
Sehr schön an einem Beispielt erklärt wie man’s verbessert. Danke!
Da ich kein SEO bin, ist mir an der oben verlinkten Seite (Kapuzendecke mit Dackel…) erstmal was ganz anderes aufgefallen…
… das verwendete ÖkoTex Siegel ist in der Form unzulässig – das ist ein Dummy ohne Prüfnummer und Prüfinstitut…
Da kann der Shopbetreiber erstens von ÖkoTex auf die Mütze kriegen – und außerdem noch von einem böswilligen Konkurrenten abgemahnt werden…
Das sollte schnellstens durch das zum Produkt gehörende Öko-TexLabel ersetzt werden (das jeweils korrekte Label kriegt man vom Hersteller der Produkte…)
Außerdem dachte ich, dass die Infos zum Widerrufsrecht von jeder Seite aus verlinkt sein müssen – nach meiner Kenntnis reicht das Widerrufsrecht als Teil der AGB nicht aus…
Grüße