Interne Verlinkung & SEO

23. Oktober 2013  |     |  25 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

Die sogenannte „interne Verlinkung“ ist beinahe eine eigene SEO Disziplin, die von SEOs ganz unterschiedlich angegangen wird. Einige beachten sie überhaupt nicht, was ein Riesenfehler ist. Andere bekommen von ihr graue Haare, was gerade bei größeren Webprojekten schon passiert sein soll. Ich werde hier heute auf keinen Fall die Lösung für „interne Verlinkung“ bieten, denn das wäre völlig unmöglich. Aber ein paar gute Ansätze für Leute, die sie bisher nicht so sehr beachtet haben, sollten drin sein!

Sieht so eure interne Verlinkung aus? Dann mal an die Arbeit!

Sieht so eure interne Verlinkung aus? Dann mal an die Arbeit!

Pagerank fließt auch intern!

Was viele oft vergessen: Pagerank, oder nennen wir es lieber „Linkpower“ fließt auch auf internen Seiten weiter! In der Regel ist die Startseite die am besten verlinkte Seite. Viele externe Links zeigen auf die Startseite, außerdem (meistens) jeder interne Link. Die nächste Hierarchiebene bilden Kategorieseiten, weil sie ebenfalls intern von überall verlinkt sind, da sie sich in der Navigation befinden. Den schlechtesten internen Pagerank (oder, wie Onpage.org ihn z.B: als Onpage Rank bezeichnet und auch ausrechnet) hat demnach ein einzelnes Produkt auf Seite 10 einer Kategorie oder eine einzelne Meldung eines Newsportals aus dem Jahr 2004.

Hier hilft es, mit „verwandten Produkten“ oder „ähnlichen Meldungen“ zu arbeiten, um dann einzelne Produkt- oder Newsseiten nicht zu einer Einbahnstraße verkommen zu lassen. Zudem gibt es nicht nur wegen den tollen Tag Clouds auch Tag-Seiten. Mit Tag-Seiten oder (wie z.B: Kai sie nennt) Silos kann man außerhalb von Kategorien auch thematisch zusammenhängende Hubs bilden.

Kurz: Je öfter und besser eine Seite intern verlinkt ist, desto besser für SEO!

Ach wenn es doch nur so einfach wäre. Fahren wir fort:

Die Macht der internen Verlinkung

Kai Spriestersbach hat dieses Jahr einen super Vortrag über die Macht der internen Verlinkung gehalten. Die Präsentation ist online verfügbar und ist auch ohne viel Text selbsterklärend. Gleichzeitig merkt man, wie komplex das Thema ist und dass man für jede Domain eine individuelle Lösung parat haben sollte.

Ich finde es klasse, wie er das Siloing konkret gelöst hat, insbesondere bei Jameda.de. Hier findet man auch eine typische Vorgehensweise bei großen Domains, die Kai gleich zu Beginn gemacht hat:

Inventur abhalten

Am Anfang steht die Frage: Wie viele Produkte habe ich überhaupt? Wie viele Kategorien? Wie viele Tags? Wie viele Regionen? Und wie viele Landingpages brauche ich?

Demgegenüber sollte man sich überlegen, wie man diese Fülle an Unterseiten

  • logisch strukturiert
  • kategorisiert
  • gut crawlbar macht
  • in Landingpages aufteilt
  • möglichst flach in die Hierarchie mit einbringt

Wie viele interne Links (auf einem Dokument) sind zu viel?

Diese Frage wurde auf dem SEODay 2012 gestellt und löste auf dem Expert Panel hitzige Diskussionen aus, seht selbst:

Holger Etzel brachte dann auf der SEO Campixx dieses Jahr einen Vortrag darüber, wer denn nun Recht hätte und worauf man sonst noch achten sollte.

Wie viele Links denn nun?

Das muss man immer im Einzelfall betrachten. Gerade bei sehr großen Webseiten liegen die internen Linkzahlen auf der Startseite meistens um die 500 internen Links.

  • T-Online: 344 interne Links
  • Zalando.de: 529 interne Links
  • Spiegel.de 566
  • Welt.de 656
  • Idealo.de 487

Ich würde überlegen, ob es nicht nur aus SEO Gesichtspunkten, sondern auch logisch Sinn macht, mehr als 500 Links auf die Startseite zu setzen. Aber sorry, pauschal kann man gar keine Aussagen treffen. Jeder, der einmal mit der internen Verlinkung einer größeren Webseite zu tun hatte, der weiß wie kompliziert so etwas ist. Der Knackpunkt ist: Eigentlich sollte jede Unterseite von der Startseite aus verlinkt sein, um die größtmögliche Power zu bekommen. Aber T-Online hätte dann rund 450.000 Links auf der Startseite – das wäre für den User und auch für die Ladezeit nicht sonderlich gut. Also sollte man Silos bilden und ein Gleichgewicht zwischen „gut verlinkt“ und „gut für den User“ finden.

Reasonable Surfer Modell

Das Reasonable Surfer Modell spielt nämlich ebenfalls eine große Rolle. Google wertet längst nicht mehr alle Links gleich stark, sondern danach, wie prominent der Link untergebracht wurde und wie wahrscheinlich es ist, dass User auf diesen Link klicken. Bei 500 internen Links bekommen also nicht alle 1/500 der Linkpower ab, sondern manche mehr und manche weniger. Wer also seinen Footer mit einem „SEO Menü“ ausstattet und dort viele Links unterbringt, macht es unter Umständen nicht richtig.

Links müssen nicht immer oben stehen

Ich habe bemerkt, dass diese Daten nicht nur rein statistisch über die Webseite gelegt werden, sondern auch „real“ berechnet werden. So habe ich bei einer Domain fünf gleiche Menüpunkte, wobei ein Menüpunkt rein vom Linktext her mehr zum Klicken verleitet als die übrigen vier. Dieser Menüpunkt taucht in den Sitelinks auf, die anderen nicht. Auch „kleine“ Links im Footer können demnach einen höheren OPR haben als große Links. Ins Impressum sieht jeder gerne hinein, oder klickt auf „Kontakt“. Ich denke, dass Google solche Daten über Chrome und andere Toolbars bekommt.

Anchortexte und internes Nofollow

Nur am Rande, weil ich das in letzter Zeit erstaunlich oft gefragt wurde: Google Penguin zielt nicht auf interne Linktexte ab. Hier könnt Ihr also das Kind beim Namen nennen und Eure Unterseite „Kreditvergleich“ mit dem Linktext „Kreditvergleich“ verlinken. Wichtig noch: Google wertet nur den ersten Linktext aus, den sie im Quelltext finden. Interne Nofollow Links sollte man komplett vermeiden. Hierzu Matt Cutts:

Hilfe, mein Menü ist zu groß! Trick 17 mit Javascript

Wer aus Nutzergründen oder warum auch immer sehr viele interne Links auf der Seite benötigt, diese aber nicht alle für Google crawlbar machen will, der kann wie folgt vorgehen: Man kann interne Links durch Javascript verstecken. Einfach so geht es nicht, man muss dazu das Javascript in einer externen Datei auslagern und diese Datei in der robots.txt sperren. Ein bisschen shady ist das schon, aber oft leider die einzige Lösung.

Nützliche Tools für die interne Verlinkung

Fazit

Die interne Verlinkung ist eines der wichtigsten SEO Themen überhaupt. Oft bearbeiten SEOs dieses Thema leider nicht, weil zu trocken, zu kompliziert oder weil man es einfach nicht besser weiß. Man sollte die interne Verlinkung aber nicht nur auf dem Radar haben, sondern immer der jeweiligen Seite und Situation anpassen. Wer tiefer in das Thema einsteigen will, der nehme sich den Inhouse SEO einer großen Webseite und redet mal mit ihm ein wenig darüber. Ich kenne einige, die das als ihre Hauptaufgabe im SEO Bereich sehen – und damit viel Erfolg haben!

Weitere Quellen

Foto: Vadim Petrakov / Shutterstock.com

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25 Kommentare

  • Marc

    Ist es wirklich nicht zu viel des guten wenn man in den Footer nochmal wichtige Links setzt, die z.B. auch schon in der Header Navi sind und zudem noch in der Sidebar (Auch auf Startseite) Und dann noch mal im Content der Startseite teils verlinkt ?

  • Hallo,

    sehr schöner Beitrag über diese Problematik. Wird von vielen SEO`s oftmals komplett unterschätzt.

    Würde mich freuen, demnächst weitere Beiträge dazu zu lesen.

    Ciao!

  • Klasse Artikel Julian, allerdings kann ich den Hinweis von Kai in seiner Präsentation bezüglich des Nachladens von Navigationspunkten aus dem FlyOut von Check24 nicht ganz nachvollziehen. Wenn man aktuell JavaScript deaktiviert, sind auch diese Navigationspunkte, wie bspw. auf Folie no.24, bereits in der FlyOut-Navigation enthalten.

    Die Geschichte mit den Footerlinks und teilweise riesigen Textwüsten am unteren Ende einer Startseite, wie bspw. beim noch relativ neu gerelaunchten Auftritt von OTTO, sind für mich ein klares Zeichen, dass man beim Erreichen bestimmter Ziele, u.a. auf Basis interner Verlinkung, nicht immer den Nutzen für den Anwender im Fokus seiner Aktivitäten gestellt hat. Anders ist es einfach nicht zu erklären, dass Footerbereiche wie bei OTTO, Zalando oder Check24, so aussehen wie sie aussehen…

  • …das tat der SEO-Seele richtig gut!
    Ich muss ein neues CMS für meinen Arbeitgeber (Reiseveranstalter) im Mai einführen und ich sehe mit dem aktuellen System so viele Probleme in der internen Linkstruktur, dass ich diesen Artikel gerade sehr gut gebrauchen konnte. Das Thema wird noch viel zu oft klein gehalten oder völlig zerredet.

    Danke…

  • Johannes

    Danke, Julian! Sehr guter Artikel, welcher das Thema auf den Punkt bringt. Die interne Verlinkung ist vor allem bei Websites mit vielen Unterseiten das A und O und diese können unwahrscheinlich viel bewegen.

    Ich finde das Menü bei der Süddeutschen Zeitung (http://www.sueddeutsche.de) einen interessanten Lösungsansatz: Hier werden, durch den Verzicht einer Fly-Out-Navigation, die von dir gennanten 300-500 internen Links auf auf nur rund 100 interne Links reduziert.

    Allerdings frage ich mich, ob der eine Klick mehr für den User – im Bezug auf die Usability – dies wert ist. Was hälst du von dieser Menü-Variante?

  • Meine Meinung ist hier, dass man sich hierbei intensiv mit der Planung der Navigations- und Informationsstruktur de Seite beschäftigen sollte z.B. über ein Mapping. Linkstrukturen sollten auch immer Themen Silos abbilden.

  • Zum Video: Das Argument von Marcus fand ich ein wenig merkwürdig.

    Wenn ich von der Startseite auf 1000 Unterseiten verlinke, kommt in der Tat bei jeder Seite nur 1/1000tel der Linkpower an.

    Aber wenn ich erst auf 100 Unterseiten verteile und von dort aus auf jeweils 10 Unter-Unter-Seiten kommt dann auch nicht mehr, sondern noch weniger an.

    Das das strukturell trotzdem oft Sinn macht, steht auf einem ganz anderen Blatt 😉

    LG vom Wannsee,

    Sebastian

  • Anon

    Hey,

    und was ist wenn das .JS doch als interner Link gezählt wird? Gibt heutzutage wesentlich sichere Methoden, bei denen Google den Link intern nicht zählt. Guckt euch z.B. mal Ladenzeile genauer an.

  • Okay, dass macht Sinn. 🙂

  • ich bin mir nach dem Lesen des Artikels jetzt immer noch nicht ganz sicher ob es ratsam ist, im Footer interne Links aufzubauen zu Herstellerseiten oder LandingPages.

    Also überwiegt die Tatsache von der Startseite aus mehrere interne Links zu schalten ..

  • Die interne Verlinkung ist wirklich so eine Sache, an der ich selber auch dringend arbeiten muss. Zu gerne wird dieser Punkt vernachlässigt.

  • …eine konkrete Casestudy wäre mal fein! Sprich ein Verantwortlicher einer (großen) Seite, und was er damit bewirkt hat. Da habt ihr bestimmt ein par Internas, die ihr ausplaudern könntet ;o) Gruß. Ralf

  • Schöner Artikel – vielen Dank! Wieder mal etwas dazu gelernt und leider habe ich jetzt auch wieder mehr Arbeit. Bis jetzt habe ich mir nie wirklich darüber Gedanken gemacht.
    Naja, 2014 machen wir alles besser 🙂

  • Kann mich Ralf nur anschließen. Es wäre wirklich spannend zu sehen, inwiefern das Siloing bei großen Seiten funktioniert. Wie lange es dauert bis Effekte sichtbar sind. Ob es Unterschiede zwischen Navigationslinks und Inner-Textlinks, sowie Footer-links gibt. Und natürlich auch, ob dieser Effekt bei kleinen Seiten ohne klar trennbare Themenwelten ebenfalls existiert. VG, Axel

  • Bezüglich mehrerer Links (z.B. zuerst aus der Navigation und dann noch mal aus dem Fließtext eines Artikels) habe ich gerade einen Test durchgeführt. Aktuell ist es immer noch so, dass der erste Link im Quelltext zählt. Außer es ist ein Bild.
    http://www.nxplorer.net/blog/2014/02/linktext-google/

  • Lara

    Hallo Julian,
    vielen Dank für diesen Artikel und die Slides von Kai. Ich habe eine Frage zu dem Trick 17 mit JavaScript. Würdest du diesen Trick bereits Online-Shops mit einer großen Navigation empfehlen, die viele Unterkategorien haben? Du hast zum Beispiel in deiner Liste Zalando mit 529 internen Links auf der Startseite erwähnt. Oder ist der Trick für noch größere Domains gedacht?

    LG
    Lara

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