SEODay 2011 Recap

31. Oktober 2011  |     |  16 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

Der SEO Day 2011 ist vorbei und ich komme leider erst jetzt zu einem Recap. Und dann schreibe ich noch über den SEOnauten, weil mir genau das Gleiche gekommen ist und er völlig Recht hat.

Gelunger Start des SEODAY

Wow, ich war wirklich überrascht! Es gab einige neue Dinge von den Speakern zu hören und Konferenz, Planung, „Rundherum“ etc. war alles perfekt organisiert. Nächstes Jahr könnte man noch Weißbier anbieten (Kölsch ist nicht meins) aber ansonsten war der SEODay wirklich toll gemacht! Was ich am Anfang als Nachteil empfand, war hinterher sogar gut: Da die Räume offen waren (man musste immer durch einen Vortrag durch, um zum nächsten zu kommen), hatte man auch mal die Chance zu gehen, wenn der Vortrag einem nicht so lag. Ich werde 2012 auf jeden Fall wieder zum SEODAY fahren. Es waren viele neue Leute dabei, wobei darunter die meisten „operative“ SEOs waren, also auch als SEOs arbeiten. Bei den Speakern war laut Aussagen der Teilnehmer wirklich niemand dabei, der sehr schlecht war – Hut ab!

Immer mehr „professionelle Newbies“

Genau wie Marco ist mir aufgefallen, dass viele vor Ort noch Anfänger im Bereich SEO waren. Mir ist aber gleichzeitig aufgefallen, dass es darunter auch einige gab, die nicht etwa einen Online Shop besaßen und „mal reinschnuppern“ wollten, sondern SEO-Verantwortliche in einem Unternehmen waren. In ihrer Jobbezeichnung steht unter anderem „SEO“, aber man hat diese Leute eben in den Beruf „hineingeworfen“ und da muss man sich erst einmal zurecht finden. Das war nicht nur beim SEODAY so, sondern auch bei der SEMSEO oder der SMX. Es gibt also immer mehr „Newbies“, die gleichzeitig nicht hobbymäßig SEO betreiben (wie es früher oft der Fall war), sondern einen festen Job haben und dort eigentlich professionelle SEOs sind.

Ein Beispiel war, dass ich nach meinem Vortrag gleich von zwei Leuten gefragt wurde, ob ich den Inhalt des Vortrags auch als Service anbiete. Konkret ging es darum, wie man sehr viele Blogs automatisiert zu einem Themengebiet findet. Ich zeigte das anhand von einigen Tools. Nochmal: Ich veranschauliche anhand von Tools Schritt für Schritt wie man vorgehen muss und dann will jemand hinterher, dass ich das für ihn mache? Ohne demjenigen jetzt zu nahe zu treten: Aber das ist die Arbeit eines SEOs – und das sollte man selbst können. Wenn nicht, kann muss man es lernen! Mir ging es darum, die Leute zu inspirieren, dass man ähnliche Dinge auch selbst herausfindet.

Ich habe das Gefühl, dass gerade neue Inhouse SEOs sich wie im Supermarkt fühlen. Da geht man zu einer Konferenz und trifft dort Leute, wo man Content, Beratung und Backlinkpakete einkaufen kann. Als Kunde ist das ja super – aber als Inhouse SEO sollte man doch schon ein wenig Ahnung haben, bevor man sich auf Shopping Tour begibt. Das pure Controlling kann man als SEO auch machen – aber dann bitte doch erst eine Ahnung haben und nicht handeln à la „Dann kauf ich mir ein Backlinkpaket mit Anchortext „Damenschuhe“ und dann ranke ich.“ Gerade Backlinkpakete klingen schön toll nach „rundum sorglos“ Paket. Könnt ihr aber die Qualität dieser Backlinks bewerten? Nachgucken, ob sich dahinter nicht ein riesiges und offenkundiges Seitennetzwerk befindet? Oder um (schlechte) Expireds? Könnt ihr den Preis einschätzen, ob er gerechtfertigt ist?

Lernkurve

Die Lernkurve im Bereich SEO ist unglaublich steil und man muss viele Dinge lernen. Woher bekommt man das Wissen? SEO bedeutet, dass man sich zuerst einmal die Grundlagen aneignet, Bücher wie „Website Boosting“ durchliest oder sich die Basics einmal anhört. Aber es geht hierbei um pure Grundlagen. Denkt ihr wirklich, dass das ausreicht? Dass man SEO in einer Woche lernen kann? In einem Monat? In einem Jahr?

Ihr müsst euch gegen andere SEOs dort draussen behaupten, die bereits seit Jahren in diesem Bereich arbeiten. Nicht nur, dass sie mehr wissen als ihr – sie sind auch viel besser verknüpft! Um das aufzuholen benötigt man überdurchschnittliches Engagement. Kein SEO, der richtig gut ist macht einen 9to5 Job, auch nicht als Angestellter. Man trifft sich öfter abends und auch am Wochenende surft man in diversen Blogs, wird mal von einem Kollegen angerufen oder skyped wild umher. Der „durchschnittliche Angestellte“ wird keinen Erfolg im SEO Bereich haben, außer er hat einen Vorgesetzten, der ihn gut anlernt. Zusätzlich wird SEO dadurch erschwert, dass sich die Dinge ständig ändern: Was man vor einem Jahr gelernt hat, muss heute nicht unbedingt noch State-of-the-Art sein.

Blogwissen / Buchwissen vs. Praxis

In Blogs und Büchern steht unglaublich wenig darüber, wie man in der Praxis als SEO arbeitet. Wenn ihr also keinen tollen Chef hat, der euch alles im SEO Bereich beibringt, dann müsst ihr hinaus in die weite Welt und andere kennenlernen! Wenn ihr das nicht macht, dann werdet ihr immer in eurem eigenen Brei herumschwimmen, ohne wirklich Ahnung von SEO zu haben.

Genug geschimpft…

Es liegt auch sehr viel Schuld bei Speakern und Blogbetreibern, weil wir vergessen haben, dass viele Leute erst mit SEO anfangen. Mein Vortrag war relativ fortgeschritten und in Zukunft werde ich das auch ändern. Es gibt sehr viel Wissen, dass jeder kennt, der immer auf den Konferenzen ist und zur „Szene“ gehört. Und über manche „Dummheiten“, wie diverse Fragen im letzten Panel über Expired Domains redet man einfach nicht mehr, weil es für viele zu trivial ist. Das Problem ist aber, dass niemand (mehr) darüber redet und somit Newbies auch nicht erfahren können, dass Dinge wie Expireds in fremden Sprachen einfach nicht (immer) ratsam sind.

Genau dieser Part wird nie erwähnt: Wissen, das für Newbies zu hoch ist, Experten aber gar nicht bringen, weil es in Gesprächen nicht mehr interessant ist. Beispielsweise kennen anscheinend viele nur „Panda“ als eine Penalty. Es wurden allerdings zeitgleich mit Panda viele Webseiten abgestraft, die ganz andere Penalties bekommen haben. Und wenn heute jemand jetzt eine Penalty bekommen hat, dann muss es sofort Panda sein. Dass es noch zig andere Gründe für eine Rankingabstrafung gibt, das weiß keiner.

Was aber tun?

Definitiv sollten SEO Blogger und Speaker wieder mehr an Neueinsteiger im Bereich SEO denken. Wie arbeitet ein SEO wirklich? Viele Newbies denken, dass die Arbeit der Speaker unvorstellbar riesig und komplex ist – Ich kenne aber Projekte und Kunden vieler Speaker und kann nur sagen: Die meisten kochen nur mit Wasser. Sie machen exzellente Arbeit – aber „Geheimtricks“ stecken hinter den meisten Sachen nicht. Nur gute Workflows und Erfahrung. Trotzdem werde ich auf der SEOKomm versuchen, einen anderen Kurs einzuschlagen, bzw. den Vortrag für alle gut zu machen (was sehr schwer ist): Sowohl Experten wie auch Anfänger sollten etwas davon haben.

Darin liegt unsere Aufgabe als Blogger & Speaker. Oder nicht?

Andere Recaps

(Liste geklaut vom Oliver, danke!)

Foto: Jens und ich – auch auf der Tanzfläche kompetent!  🙂 Gefunden bei Seo-Meets-Content.de

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16 Kommentare

  • Dank Julian für die Erwähnung. Es wird nicht leicht aber es darf halt auch nicht eskalieren, wie im Superpanel.

  • Ich als Newbie im Bereich SEO, muss tagtäglich mit Sachen ankämpfen und immer wieder Begriffe googeln oder einfach nachfragen. Interessant für ein Newbie wie mich wäre, was man als erstes tut, wenn man ein Blog aufsetzt…

  • Irgendwie erinnert mich diese jetzige „SEO-Diskussion“ über den jeweiligen Wissensstand und die daraus resultierenden Fähigkeiten, an die Diskussion die die „Webdesigner“ bereits vor Jahren hatten. Jeder der eine Webseite, mit welchen Endergebnis auch immer, erstellen konnte, nannte sich „Webdesigner“. Diese waren und sind, wenn es deren Zeit und Geldbeutel erlaubt auch auf Events vertreten, daher ist auch hier ein oftmals riesiger Unterschied zwischen denjenigen die den Job schon seit Jahren und professionellen Bedingungen ausüben und den „Hobby-Webdesignern“. Ein Möglichkeit dieser Problematik zu entgehen, sind Events für „Einsteiger“, „Fortgeschrittene“ oder „Profis“. Wer sich dann falsch einschätzt und durch die Panels eines solchen Events über- oder unterfordert ist, ist selbst schuld.

  • …in meinen Augen müssten die Konferenzveranstalter die Panels viel klarer nach Kenntnissstand aussteuern, oder nicht? Wenn jemand Rookie ist, ist das ja vollkommen i.O., aber am Ende des Tages müssen sich die Konferenzen entsprechend positionieren. Eine Konferenz die Anfängern und Profis gerecht wird? Mal sehen wer sich das auf die Fahnen schreibt ;o) Mich persönlich langweilen die so oft durchgekauten Basics, und mitunter deshalb gehe ich nur mehr selektiv auf Konferenzen. Gruß. Ralf

  • wie wahr !! Ein Grund für mich z.B. die SES Konferenzen nicht mehr zu besuchen ist es aber genau die Tatsache, dass hier nur noch Basic Wissen angeboten wird, die Titel der Panels aber so reisserisch klingen als wäre es super interessant.

  • Warum fühl ich mich so angesprochen – olle Lästerbacke… Ich finde ja für mein „erstes Mal“ habe ich mich ganz hervorragend geschlagen…

    Und das mit dem Kölsch kann so schlimm auch nicht gewesen sein, wenn ich mir überlege wie wir am Ende abgefeiert haben *g*

    Um nochmal an meine Freunde die Mit-Newbies zu richten: traut euch ruhig dort hin zu gehen, lest euch vorher ein bißchen Basiswissen an. Von dem Know-How der Anderen könnt Ihr nur profitieren und sogar mein persönlicher SEO-Held Julian gibt einem wenn man ihn vorher abfüllt (eigentlich macht er das selbst) den ein oder anderen gut gemeinten Rat.

    PS: Websiteboosting ist bestellt mr. affiliate 😉 (Yeah ein Reim)

  • Den Abschnitt finde ich besonders gut:
    Ihr müsst euch gegen andere SEOs dort draussen behaupten, die bereits seit Jahren in diesem Bereich arbeiten. Nicht nur, dass sie mehr wissen als ihr – sie sind auch viel besser verknüpft! Um das aufzuholen benötigt man überdurchschnittliches Engagement. Kein SEO, der richtig gut ist macht einen 9to5 Job, auch nicht als Angestellter. Man trifft sich öfter abends und auch am Wochenende surft man in diversen Blogs, wird mal von einem Kollegen angerufen oder skyped wild umher. Der “durchschnittliche Angestellte” wird keinen Erfolg im SEO Bereich haben, außer er hat einen Vorgesetzten, der ihn gut anlernt. Zusätzlich wird SEO dadurch erschwert, dass sich die Dinge ständig ändern: Was man vor einem Jahr gelernt hat, muss heute nicht unbedingt noch State-of-the-Art sein.“

    …. weil er einfach so wahr ist. Meiner Ansicht nach sollte man als SEO ein gewisses unternehmerisches Denken besitzen. Ohne das sieht es sehr schlecht aus!

    Viele Grüße und danke für den Beitrag,

    Dave

  • Naja … Ich fand das nivau in den Panels eigentlich sehr gut … Aber wenn ich sehe das Leute nach dem letzten Panel gleich abhauen ?!? Da fängt die Konferenz doch erst an! Die Inhalte aus den Panels (mit kleineren Ausnahmen) kann man sich auch locker in den SEO Blog anlesen und das erworbene Wissen (nach eigenen Testen) auf den Konferenzen diskutieren und verbessern … Zu einer Konferenz zu kommen und die Erwartung einer Crashkurs Schulung für Quereinsteiger finde ich schon fragwürdig …

    PS: David Gesundheit -> WTF?

    Gruß
    René

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