BIG-SEO: Woran große Portale am meisten arbeiten

23. März 2011  |   ,  |  8 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

In der Regel beziehen sich SEO-Tipps nur auf kleine Webseiten, die nicht gut oder gar nicht ranken und in Zukunft bessere Rankings erzielen wollen. Wie sieht aber die SEO-Arbeit aus, wenn man bereits eine große Webseite und gute Rankings hat? Hier kann ein SEO nicht im stillen Kämmerlei arbeiten, sondern muss hinaus in die große Welt, genauer: In die anderen Abteilungen.

#1 Content Management

Ich würde mal behaupten, dass ein sehr großer Teil der Arbeit eines Inhouse-SEOs im Content Management liegt. Hier mal ein paar Aufgabengebiete:

  • Interne Verlinkung: Oft sind wichtige Seiten zu weit von der Hauptnavigation entfernt oder ein beispielsweise alter Nachrichtenartikel könnte durch neue interne Verlinkung gewinnen. Auch die Frage, worauf man von der Startseite aus linkt, kann in eine wochenlange Diskussion mit Geschäftsführern, Programmierern, Designern und Produktmanagern leiten
  • Redaktion anweisen: Ob es Produktbeschreibungen sind oder Nachrichtenartikel – Jeder muss wissen wie er Texte für SEO verfasst
  • Landingpages: Sind die Landingpages optimal? Oft nicht!
  • Welcher Content überhaupt: Wie viele Seiten machen wir? Mache ich nun aus einem Artikel 2 Seiten, bekommen zwei ähnliche Produkte unterschiedliche Produktbeschreibungen, machen wir einen neuen Themenbereich und welche Themenfelder sind noch für SEO interessant?

 

#2 Abteilungspolitik

Meiner Meinung nach ist eins der wichtigsten Kriterien für einen guten Inhouse-SEO oder Dienstleister für große Portale, wie er sich in die Unternehmensstruktur einfügt. Weder ist eine „Hier komm ich, SEO ist das Wichtigste und ihr gehorcht mir jetzt“-Mentalität von Vorteil, noch eine Duckmäuschen-Mentalität: Viel Durchsetzungsvermögen aber vor allem Kommunikationsfähigkeit und Konsensbereitschaft sind die wichtigsten Attribute.

  • Programmierung: Seitenladegeschwindigkeit, URL-Struktur, 301-Weiterleitungen, Titles, Descriptions und dutzende andere Bereiche – bei der Programmierung stößt der SEO meist auf die heftigste Gegenwehr und muss um seine Slots kämpfen. Programmierer müssen den praktischen Nutzen hinter SEO erkennen, dann machen sie auch gerne Slots frei.
  • Corporate Identity: Ein Linktausch kommt nicht zustande, weil der Linktauschpartner nicht zur Philosophie des Unternehmens passt? Oder ihr habt einen tollen Link geholt, aber man will nicht auf dem Portal vertreten sein? Solche Probleme können auftreten.
  • Geschäftsführung: Wie viel Budget wird für SEO freigegeben? Wird SEO im Unternehmen groß geschrieben?
  • Content-Manager: Wie gut ist der Content der Webseite? Dazu gehören auch Dinge wie Produktfotos oder die Qualität der Redaktion.
  • Marketing & PR: Betreibt man Offline-Kampagnen, Kooperationen, Gewinnspiele? Wie gut ist die PR-Abteilung? Kommen dadurch beispielsweise Links von großen Nachrichtenseiten zustande?
  • Social Media: Wer macht Social Media und wie gut? Dieser Punkt wird immer wichtiger, wie ich bereits sehr oft in letzter Zeit erwähnt habe.

#3 Unternehmensstrategie und -positionierung

Auch das Unternehmen selbst ist sehr wichtig.

  • Markenbekanntheit: Ein wahnsinnig wichtiger Faktor für SEO in letzter Zeit, der immer mehr an Bedeutung gewinnt. Ist das Unternehmen eine große und bekannte Marke? Oder nur ein kleiner Player?
  • Unternehmensstrategie: Geht das Unternehmen in Sachen Werbung sehr aggressiv vor? Arbeite ich bei / für ein Traditionsunternehmen oder einen Aufsteiger, der sich erst noch bekanntmachen muss?
  • Positionierung: Wie positioniere ich mich innerhalb der Zielgruppe? Hier hat man mehr oder weniger Verlinkungsmöglichkeiten. Bin ich eine Reste-Rampe oder ein exklusiver Versandhandel?

Tipp des Monats

Das Wichtigste bei der Arbeit für ein größeres Unternehmen ist es, von allen diesen genannten Bereichen allen einen SEO-Faktor hinzuzufügen. Mit allen diesen Faktoren kann man für sich als SEO Nutzen ziehen. Ein Beispiel: Hat die Redaktion erkannt, dass ihre Artikel mehr Besucher haben wenn sie einen anständigen Titel für ihre Beiträge wählen, dann habe ich sie bereits gewonnen. Dann kann ich als SEO auch einmal fragen, ob man aus einem bestimmten Artikel nicht zwei Artikel macht oder mir vielleicht sogar bestimmte Artikel wünschen.

Beispiel 2: Wenn das Marketing und ich nebeneinander her leben ohne miteinander zu sprechen, dann laufen unsere Synergien nicht zusammen. Passend wäre es beispielsweise, dass beide über die Aktivitäten des anderen Bescheid wissen oder sich gegenseitig Tipps geben. Es hilft auch dem generellen Marketing, wenn der neue Werbeslogan auf anderen Webseiten vorkommt.

Auch die Unternehmensstrategie sollte passen: Es gibt einige Beispiele von großen Unternehmen, die im Netz völlig anders auftreten als in der Offline-Welt. Hier merkt man, dass etwas nicht passt. Als SEO muss ich mich der Unternehmensphilosophie unterordnen und darf nicht kurzfristige Linkmiete betreiben, wenn das Unternehmen schon 50 Jahre besteht (und weiterhin auch bestehen will).

Kurz: Man sollte versuchen, sich in so viele Bereiche wie möglich einzuklinken. Natürlich hat der Arbeitstag nur 8 Stunden, deswegen sollte man abwägen: Wo hat meine Arbeit den größten Hebel? Was wird am meisten vernachlässigt und ist am weitesten von SEO entfernt? Ist die Programmierung des Shopsystems / Content-Management-Systems nicht SEO-tauglich, dann sollte ich dort ansetzen. Fehlt mir aber der Rückhalt der Geschäftsführung, dann werden die Programmierer meine To-Do’s unter Umständen erst im Jahr 2020 umsetzen. Andererseits kann der Rückhalt der Geschäftsführung ruhig fehlen, wenn ich mich mit der Programmierung und den Textern gut verstehe und wir als Team arbeiten. Teamarbeit ist wohl das wichtigste Stichwort. SEOs sind Exoten in größeren Unternehmen und man sollte zuerst erklären, warum man überhaupt wichtig für das Unternehmen ist. Man darf nicht überfahren à la „Wir machen das mal so, das ist gut für SEO“, sondern sollte genau erklären, warum es gut ist und was es für das Unternehmen bringt. Denn letzten Endes wollen (in der Regel) alle Beteiligten nur das Beste für das Unternehmen.

© Maximilian Haupt – Fotolia.com

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8 Kommentare

Reaktionen auf diesen Beitrag

    • Sehr guter Post! Die meisten Punkte kenne ich gut und kann ich nur unterstreichen.

    • Jan Königstätter

      Viele wichtige Punkte sind hier genannt worden.
      @Programmierung
      Eine gute Methode ist, bei neuen Teilen möglichst alles/viel richtig machen zu lassen. Das ist vom Aufwand meist kostenneutral, und deshalb wesentlich leichter zu bekommen.

    • Daniel

      Super interessanter Artikel, den ich gerade verschlungen habe. Da ich selbst vor der Problematik stehe und ein paar Aufgaben als Seo in meiner Firma übernommen habe, kann ich diese Punkte gut nachvollziehen.

    • Sehr schöner Artikel, ich denke auch es ist wichtig den jeweiligen Beteiligten genau zu erklären was SEO dem Unternehmen bringen kann. Denn denn dann werden die Abteilungen oder Mitarbeiter viel er bereit sein die Punkte umzusetzen.

    • Interne Verlinkung ist wohl die mächtigste SEO-Stellschraube bei richtig großen Portalen – Was auch der Grund ist, warum Amazon, eBay und Co. bei fast allen produktbezogenen Keywords auf der ersten Ergebnisseite ranken.

      Auch wenn der Artikel schon etwas älter ist: Gibt es eigentlich irgendwo nähere Infos oder Bücher zu Inhouse-SEO von großen Websites? Ich könnte mir vorstellen, dass, vor Allem was die interne Verlinkung anbelangt, einiges automatisiert ablaufen kann – zumindest wenn man entsprechende Software hat, die Keywords bewerten, und die Konkurrenz analysieren kann…

    • Anita

      vielen dank dafür, „Big-SEO“ kommt viel zu oft zu kurz!

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