Influencer-Marketing – 5 Dinge, die du als Anfänger wissen musst!

20. Mai 2015  |   ,  |  4 Kommentare
Ein Beitrag von Silja

Spätestens seit letztem Jahr in (fast) aller Munde: Influencer-Marketing. Was sich hinter dem neuen Buzzword verbirgt, wie ihr Influencer gewinnt und eine Auswahl gelungener Beispiele, lest ihr heute in unserem Blogpost. Als Highlight verrät euch Amelie vom angesagten Blog amazed so einige Insights zum Thema Influencer Kooperationen. Also: Dran bleiben lohnt sich!

1.   Was ist Influencer-Marketing?

“A brand is no longer what we tell the consumer it is – it is what consumers tell each other it is.” So definiert Scott Cook, der Mitbegründer von Intuit, den Begriff „Marke“ anno 2015 und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Um ebendiese Konsumenten zu erreichen, hat sich in den letzten Jahren ein viel besprochener, neuer Zweig des Marketings gebildet: Das Influencer-Marketing.

Im Grunde ist Influencer-Marketing keine neue Erfindung: Nur die Art der „Markenbotschafter“ und die Kanäle, um diese zu erreichen, haben sich geändert. Früher nutzten Marken z.B. Stars auf dem roten Teppich, um ihre Produkte zu bewerben, heute suchen diese ihre Influencer lieber über Instagram, YouTube & Co.

Kurz gefasst, könnte man Influencer-Marketing also grob wie folgt definieren:

    Firmen machen für sie relevante, wichtige Personen mit Onlinepräsenz ausfindig und setzen diese gezielt als Werbeträger und Markenbotschafter ein. Wichtig dabei ist, dass diese Personen Einflussnehmer auf die gewünschte Zielgruppe sind.

 

“Influencer” bedeutet aber nicht immer zwangsläufig, möglichst viele Follower oder Fans zu haben. Gerade wenn man als Firma Nischenprodukte vertreibt, lohnt es sich, eben in diesen Nischen nach seinem Influencer zu suchen und nicht nach den „Lifestyle-Onlinestars“, die möglichst viele Bereiche versuchen abzudecken. Ein weiterer, wichtiger Faktor, den man bedenken sollte, ist die Beziehung des Influencers zu seinen Followern. Interagiert er mit ihnen oder antwortet er prinzipiell nie auf Fragen, Kommentare usw.?

influencer marketing bdmi

Was sind eigentlich Influencer? Der BDMI liefert Antworten (Quelle)

2.   Warum es sich lohnen kann, Influencer-Marketing zu betreiben

Könnt ihr euch noch an den Fall Ikeahackers.net erinnern? Die Bloggerin Jules Yap stellte regelmäßig Ikea Hacks auf ihrem Blog vor und gewann schnell eine große Anhängerschaft. Eigentlich die perfekte Ausgangslage für Ikea, ein wenig authentisches Influencer-Marketing zu betreiben – aber weit gefehlt! Der schwedische Möbelgigant entschied sich lieber dafür, der ambitionierten Bloggerin eine Unterlassungsanordnung zu schicken. Ikea waren die eindeutigen Vorteile, Blogger, Instagramer und Co. für ihre Marke zu gewinnen, wohl nicht bewusst.

Für Unternehmen und Marken ist es wichtig, authentische und glaubwürdige Persönlichkeiten des World Wide Webs einzubinden. Laut einer McKinsey Studie erzielen Influencer-Marketing-Strategien mehr als doppelt so viel Umsatz wie klassisch bezahlte Werbung. Klar wird Ikea auch ohne Ikeahackers.net gute Umsätze einfahren. Aber gerade in einer Zeit, wo ein authentisches, kreatives Branding immer wichtiger wird, ist dies einfach verschenktes Potential.

Gibt man den Influencern kreativen Freiraum zur Umsetzung der geplanten Kampagne, so entsteht oft eine glaubhafte und kreative Zusammenarbeit, die neue, interessante Aspekte hervorbringt und das Beworbene in einem neuen Licht erscheinen lassen kann.

3.   Erfahrungsbericht oder Dauerwerbesendung – wie ist das mit der Transparenz?

Immer wieder gab es in letzter Zeit Vorwürfe gegen große Influencer, Produktplatzierungen nicht gekennzeichnet zu haben und somit ihre Fans bewusst zu manipulieren. Auf YouTube sieht man den tausendsten Kosmetikeinkauf, auf Blogs und Instagram findet man viele tolle Outfits, vermeintlich praktische Gadgets und Lobeshymnen auf ebendiese. Wonach man allerdings häufiger vergebens sucht, ist eine Kennzeichnung der professionellen Zusammenarbeit.

Influencer-Marketing ist wirklich eine klasse Sache, aber wenn man nicht durchgehend transparent agiert und zu oft kooperiert, besteht nicht nur die Gefahr, dass die Beteiligten Post von den Landesmedienanstalten bekommen, sondern sie schaden allen. Sowohl wird der Ruf des Influencer-Marketings, der dahinterstehenden Firmen, Agenturen und Marken ruiniert als auch die hinters Licht geführten „Konsumenten“ – und last but not least schießt der Influencer sich ebenfalls ein Eigentor. Das höchste Gut des Influencer-Marketings, die Glaubwürdigkeit, ist dann nämlich dahin.

blogger kritik

Nicht weinen! Influencer und Firmen, die Kampagnen transparent gestalten, sind klar im Vorteil

Demzufolge sollte Influencer-Marketing auf Nachhaltigkeit ausgelegt sein und nicht ausschließlich auf den maximalen Umsatzerfolg durch mangelnde Transparenz. Achtet als Marke darauf, dass eure Influencer die Zusammenarbeit auch für alle deutlich kennzeichnen. Postet der Influencer dann aber nur noch Kooperationen, ist seine Glaubwürdigkeit ebenfalls gefährdet. „Less is more“ ist auch hier die Devise. „Aber mit wem kann man denn dann überhaupt noch kooperieren?“

Wie ihr die passenden Influencer für euch findet, verraten wir im nächsten Abschnitt.

4. Wie findet man Influencer?

Wie schon eingangs erwähnt, findet man heutzutage seine Influencer am einfachsten auf Instagram, Twitter, YouTube & Co – eben den Sozialen Medien. Ihr müsst nur richtig suchen. Die Suche nach geeigneten Influencern für euer Produkt könnt ihr zum Beispiel über Tools wie BuzzSumo starten: Im Menü das Feld Influencer anklicken, Keyword eingeben und los geht’s!

buzzsumo

BuzzSumo findet für euer Keyword relevantesten Influencer

Das Ergebnis zeigt euch die Personen an, die in dem Bereich am einflussreichsten zu sein scheinen. Und jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. Schaut euch die Twitter- und Facebook-Profile der Influencer genau an: Wem folgen sie, wer folgt ihnen, worüber schreiben sie, zu welchen Themen kommentieren sie usw.

Um Kontakt aufzunehmen, könnt ihr den Profilen folgen und euch für eure Branche interessanten Konversationen anschließen. Im besten Fall entstehen so gegenseitige fruchtbare und ehrliche Kooperationen.

Das gleiche Prinzip funktioniert auch außerhalb von BuzzSumo. Sucht nach themenrelevanten Webseiten und durchforstet deren Fans und Blogrolls, Instagram, Twitter, Facebook und YouTube und nehmt Kontakt auf.

Wie so eine Kontaktaufnahme erfolgen kann und wann sie gut ankommt und wann nicht, erfahrt ihr jetzt in unserem Interview mit Amelie vom Blog amazed.

5. Wie gewinnt man Influencer (für seine Marke)?

amazed mag

Milena, Amelie und Antonia von amazed.

Wie treten Firmen, die euch als Influencer gewinnen wollen, an euch heran?

In den meisten Fällen bekommen wir per Mail der jeweiligen Firma eine Nachricht, in der wahlweise ein konkreter Vorschlag der Platzierung des bestimmten Produktes steht, oder in der von uns Ideen zur Umsetzung der Werbung erfragt werden. Zweiteres ist der häufigere Fall.

Welche Art von Kooperationen bist du/seid ihr bisher eingegangen?

Einige. Da wir alle drei von amazed leben und dadurch natürlich eine gewisse finanzielle Abhängigkeit herrscht, sind Kooperationen sehr wichtig, um unser Baby am Laufen zu halten.

Was muss ein Unternehmen haben, damit du als Influencer Interesse an einer Zusammenarbeit hast?

Professionalität und einen Sinn für das Geschäft mit Bloggern. Oft wird man als Blogger unterschätzt und nicht ernst genommen – in diesen Fällen reagieren wir meistens überhaupt nicht oder sagen ab. Außerdem muss das Produkt, für das geworben werden soll, im weitesten Sinne zu uns passen, und die Umsetzung sollte uns frei gestellt sein, da wir mit unserem Gesicht und Namen hinter dem Blog stehen, anders als Redakteure bei etablierten Magazinen.

Was war bisher die lustigste/verrückteste Kooperation, die euch vorgeschlagen wurde?

Einer unserer Favoriten war vor Längerem eine Anfrage einer Agentur, die für eine gewisse Süßigkeit geworben hat. Wir kennen den Stress, den Mitarbeiter in Agenturen haben, ihren Kunden gut platzieren zu wollen bzw. müssen. Jedenfalls versuchte die Agentur, uns die Süßigkeit in einem modischen Kontext schmackhaft zu machen – was in diesem Fall leider sowas von gar nicht funktioniert hat.

Was sind deine persönlichen drei Tipps an Unternehmen, um Influencer für sich zu gewinnen, bzw. sie von der Marke zu überzeugen?

Wichtig ist für uns, wie oben schon gesagt, professionell zu bleiben und dem Blogger bzw. Influencer auf Augenhöhe zu begegnen. Viele Blogger sind sich mittlerweile ihrer Reichweite und ihres Marktwertes bewusst und die wenigsten großen Blogs verkaufen sich unter Wert. Das sollte auch respektiert werden. Anfragen für ein Advertorial eines Produktes einer großen und bekannten Firma sollten entsprechend vergütet werden und ohne Kennzeichnung ist ab diesem Zeitpunkt sowieso nicht mehr zu denken. Nett bleiben hat auch noch nie geschadet!

Beziehen sich die Kooperationen auf den Blog oder teilt ihr das dann auch auf Instagram. Gibt es Firmen, die nur auf Instagram bestehen?

Es wird vorab besprochen, auf welchen Kanälen wir die Werbung bespielen sollen. Meist sind es der Blog, Facebook und Instagram. Es gibt natürlich auch Kooperationen, die ausschließlich auf einem bestimmten Kanal, also nur Facebook oder Instagram, bespielt werden – das sind dann meistens Gewinnspiele!

6. Gelungene Beispiele

Last but not least wollen wir euch natürlich besonders gelungene Beispiele des Influencer-Marketings nicht vorenthalten.

Skittels /Marshawn Lynch

Marshawn Lynch ist ein berühmter American-Football-Spieler und bekennender Skittels-Fan! Da dachte sich die Marketingabteilung der zuckersüßen Kaudragees sicherlich: „Warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden?“, und machte den Profisportler kurzerhand zum Gesicht einer Skittels-(Video-)Kampagne. Da der Seahawks-Spieler ja auch privat den bunten Kauspaß liebt, wird er auch entsprechend oft „off camera“ damit gesichtet. Da war Skittels Ikea einige Schritte voraus und setzte die Vorzüge einer privaten „Leidenschaft“ für einen werbewirksamen Auftritt ein.

 Was sind die effektivsten Gewichte überhaupt? Na klar- Skittels!

Tui Deutschland

Seit 2012 schon kooperiert Tui Deutschland mit Bloggern und rückt diese in den Fokus der Kampagnen. Oft werden besonders Reise- und Lifestyle Blogger „nur“ auf gesponserte Reisen eingeladen, doch für die Kampagne „ Tui Beach in Sicht“ ließ sich TUI ein neues Konzept einfallen. Das Besondere daran war, dass „Beach in Sicht“ von den Bloggern komplett alleine gestützt wurde.

Die Idee ist einfach: Bekannte Blogger wurden an verschiedene Strandorte eingeladen. Der User muss dann raten, wie viele Minuten der Blogger von der Unterkunft bis zum Strand braucht. Tippt der User richtig, gewinnt er eine Reise an den gleichen Ort. Tui rekrutierte vier beliebte Reiseblogger und nutzte so deren Reichweite erfolgreich. Den Trailer zur Kampagne gibt es übrigens auf unserer Lieblingsvideoplattform YouTube :-).

Im (gesponserten) Urlaub schmeckt’s am besten: Fröhliche Reiseblogger mit einer Tui Torte.

Techniker Krankenkasse – YouTuber Le Floid

Unter dem Hashtag #wireinander erzählen ausgewählte YouTuber den Followern von ihren Krankheitsgeschichten. Dabei handelt es sich um ein ausgeklügeltes Influencer-Marketing-Konzept der Techniker Krankenkasse. Zu vorgegebenen Themen, wie zum Beispiel Depressionen, berichten YouTuber wie LeFloid, und Gar Nichz von ihren Erfahrungen.

 Die Kooperation wurde auch brav gekennzeichnet: Gar Nichz für #wireinander (Techniker Krankenkasse)

 

Foto 1: © DAVIDS48 (istockphoto.com)
Foto 2: © amazed mag

 

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4 Kommentare

  • Steve

    War die Süssigkeit zufälliger Weise der Lindt Goldhase aus Schokolade? Den habe ich bei diversen Fashionbloggern als Accessoire zum Outfit mit dem Holzhammer reinplatziert gesehen.

  • Influencer Marketing ist an für sich eine Top Sache. Aber das Ganze schonmal im Fashion Bereich betrieben? Irgendwann schreib ich da mal einen Blogartikel darüber. Zu 90% kannst denen kommen mit was Du willst, du kriegst erstmal die quasi automatisierte Mail mit den Kosten die auf Dich zukommen. Ich verstehe ja, dass auch Blogger das Ganze nicht unbedingt für umme machen sollen/wollen. Aber auf eine einfache Anfrage hin gleich alle kreativen Ideen abzuschmettern und mit „Für 500€ schreibe ich einen tollen Blogartikel über Dein Produkt und setze dafür 1-2 Links“ zu antworten, da macht das alles keinen Spaß mehr. Wie gesagt, hab diese Erfahrung mit der Fashion Branche gemacht. Kumpel arbeitet im Bereich Videospiele, da sind die Leutz wohl deutlich lockerer drauf.

  • SilLy

    Hallo BroFist ,
    danke für deinen Kommentar und die Schilderung deiner Erfahrungen. Da hast du Recht: der Fashionbereich ist ein ziemlich umkämpfter Bereich. Mittlerweile werden schon sehr kleine Blogs mit allerhand Produkten „zum Testen“ versorgt. Gerade in diesen umkämpfen Branchen haben (auch schon die kleinen) Blogger ihren Marktwert erkannt und schöpfen diesen aus. Warum auch nicht? Wenn die Blogger die Produktplatzierungen kennzeichnen, ist doch alles bestens :-). Dass große Blogs mit einer größeren Reichweite dann quasi auch nichts „für umme“ machen, ist dann verständlich, oder? Diese werden oft mit einem immensen (Zeit)Aufwand betrieben und nicht selten leben die Blogger (und ihr Team) davon.
    Abgesehen davon kommt es sicherlich auch auf die Anfrage des Unternehmens an, die Art des Produktes usw. Betreibt man z.B. Blogger Relations ist das ein geschäftliches Verhältnis bei dem auf beiden Seiten Geld fließt. Man darf dabei nicht vergessen, dass die Unternehmen/ Marke davon ebenfalls sehr profitieren. Warum ist es dann Unternehmen nichts „wert“ für diese professionelle Zusammenarbeit zu zahlen? Influencer Marketing hat nicht mehr viel mit „Linkaufbau“ zu tun, sondern ist ein PR orientierter, eigener Zweig des Marketings.

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