SEO: Inhouse oder durch eine Agentur?

30. August 2016  |     |  6 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

Wer das Online Marketing in einem Unternehmen aufbauen will, der steht oft ganz zu Beginn vor einer wichtigen Frage: Soll ich Mitarbeiter dafür einstellen oder eine Agentur beauftragen? Keine leichte Entscheidung! Heute präsentiere ich Euch die Vor- und Nachteile beider Seiten.

Entscheidung

© Maciej Bledowski / Istock

Vorteile von Inhouse-SEO

  • Euer SEO hat allein Euer Unternehmen im Fokus und nichts anderes. Er kennt die Philosophie, die Produkte, die Kunden und die Marketingstrategie bis ins Detail.
  • Euer SEO kann schnell reagieren, er hat ja nur Euch als „Kunden“.
  • Er kennt die internen Prozesse und weiß, an wen er sich wenden kann. Er sitzt in Marketingmeetings und bleibt immer auf dem Laufenden.
  • Er kann Kooperationen viel leichter einfädeln als eine Agentur – hier wirkt ein Mitarbeiter viel glaubwürdiger!

Nachteile von Inhouse-SEO

  • Betriebsblindheit kann ein großes Thema werden, besonders nach einigen Jahren.
  • Das Know-How des Mitarbeiters muss gefördert und entwickelt werden.
  • Der Inhouse-SEO kann sich nur schwer innerhalb des Unternehmens austauschen, andere SEOs sind nur über Konferenzen und außerberufliche Kontakte erreichbar.
  • Eine Vollzeitstelle muss ausgefüllt werden. Bei zu wenig Arbeit verliert das Unternehmen, zu viel kann der SEO nicht alleine stemmen. 35-40 Stunden sind fix, mehr oder weniger geht nur sehr schwer.

Vorteile von Agenturen

  • Das Know-How ist (zumindest bei den meisten) von Anfang an da und muss nicht ausgebildet werden.
  • Agenturen sind flexibel, Leistungen können hinzugebucht werden, ohne dass man neue Mitarbeiter einstellen muss.
  • Das Umfeld in guten Agenturen ist sehr fruchtbar und dynamisch, oft ist der Wissensstand frischer als bei Inhouse-SEOs.
  • Um Weiterbildung und Ausbildung kümmert sich die Agentur.
  • Agenturen haben Einblick in viele Märkte und Branchen und können hier viel aus anderen Bereichen einbringen.

Nachteile von Agenturen

  • Agenturen sind natürlich schwerer greifbar als ein Mitarbeiter, der direkt im Unternehmen sitzt.
  • Die Zielgruppe, der Markt und die Produkte sind vermutlich nicht so präsent wie bei einem Inhouse-Mitarbeiter.
  • Agenturen haben wenig, manchmal sogar keinen Zugriff auf die Ressourcen des Unternehmens. Sie haben (zumindest zu Beginn) nicht die Schnittstellen wie ein Inhouse-Mitarbeiter.
  • Man kann an Agenturen geraten, die schlechte oder sogar schädliche Leistungen für teures Geld verkaufen.
  • Das Know-How der Mitarbeiter ist manchmal leider unterdurchschnittlich, die Fluktuation in vielen Agenturen hoch. Ansprechpartner können oft wechseln.

Vorurteil: Agenturen sind viel zu teuer!

Auch als Chef einer Agentur denke ich mir manchmal: Könnte das nicht günstiger gehen? Nach einigen Runden auf dem Rechenschieber komme ich dann meistens in die Realität zurück. Agenturen haben auf den ersten Blick einen höheren Preis als Inhouse-Teams. Allerdings wirklich nur auf den ersten Blick, denn die Kosten sind immens.

So mancher denkt sich, er könne einen Berufsanfänger ohne Vorkenntnisse mit einem Grundgehalt und einiger SEO-Lektüre ausstatten und dann geht es los. Tatsächlich passiert sowas recht häufig und manchmal kann es auch funktionieren. Häufig allerdings gibt es Probleme:

Die versteckten Kosten eines Inhouse-Teams

  • Erfahrene SEOs verlangen ein hohes Einstiegsgehalt und mittlerweile auch nicht nur das: Der Arbeitgeber muss attraktiv sein und auch sonst den Anforderungen moderner Jobs genügen.
  • Auch Berufseinsteiger, die mit der Zeit gute SEOs werden, wollen schnell mehr Gehalt. Headhunter sind in unserem Bereich dauernd unterwegs. Manchmal geht der frisch eingelernte SEO genau dann, wenn er gut ausgebildet ist, zu einem anderen Unternehmen. Und dann muss die Suche von neuem beginnen.
  • Inhouse-SEOs brauchen Output von außen: Konferenzen, Schulungen, Trainings – all das kostet Geld. Aus Chefsicht aber viel wichtiger: Innerhalb eines Teams erzeugt es auch Neid, wenn der SEO als Einziger drei Mal pro Jahr auf eine Konferenz darf.
  • Viele Tools kosten eine Menge Geld.
  • Krankheit, Urlaub, Lohnnebenkosten und viele Dinge, die man als Arbeitgeber kennt, sind natürlich auch noch ein großer Kostenfaktor.

Letzten Endes bin ich mittlerweile der festen Meinung, dass weder Inhouse noch Agentur einen echten Nachteil oder Vorteil haben, was die Kosten angeht. Es gibt Inhouse-Teams, die man mit einem einzigen Agentur-Mitarbeiter ersetzen könnte. Oder auch Agenturen, die so viel kosten wie ein ganzes Team, aber nur so viel leisten wie ein Praktikant. Wichtiger ist nämlich die Frage: Habe ich eine gute Agentur? Oder ein gutes Team?

Die beste Lösung: Agentur und Inhouse in Kombination

Mittlerweile hat es sich sehr oft bewährt, dass man nicht vor der „Entweder … oder“-Frage steht, sondern die Agentur durch einen Inhouse-Mitarbeiter steuert und herausfordert. Diese Lösung ist auch aus meiner Sicht die beste.

  • Der Inhouse-Mitarbeiter kann die Maßnahmen der Agentur sehr gut einschätzen – und steht dabei auf Seite des Unternehmens.
  • Die Agentur hat einen festen Ansprechpartner. Dadurch verkürzen sich meiner Erfahrung nach die Wege und die Zusammenarbeit wird fruchtbarer.
  • Die Arbeit ist wunderbar skalierbar, denn zusätzliche Arbeit wird einfach auf die Agentur übertragen. Das belastet dann den Mitarbeiter nicht.
  • Wenn der Mitarbeiter das Unternehmen verlässt, hat man zumindest noch die Agentur, die weiter arbeiten kann. Umgekehrt ist das genauso, ein kompletter „Bruch“ findet also nie statt.
  • Die Geschäftsführung wird entlastet, der Mitarbeiter „übersetzt“ dabei zwischen Geschäftsführung und Agentur.

Voraussetzung für das Ganze ist natürlich, dass sowohl der Mitarbeiter als auch die Agentur eine gewisse Fachkenntnis haben. Ein lange gedienter SEO wird mit einer Billig-SEO-Klitsche nicht gut zusammenarbeiten. Umgekehrt könnte ein schlecht bis gar nicht geschulter Mitarbeiter von einer professionellen Agentur verlangen, Blogkommentare zu setzen – Ärger ist dann vorprogrammiert. Beide müssen sich unbedingt auf dem gleichen Level befinden.

Übrigens kann die Kombination Agentur + Inhouse auch mit einem kompletten Team bestens funktionieren. In diesem Fall wird die Agentur dann nur ab und an dafür genutzt, einen SEO-Blick von außen auf das Unternehmen zu werfen. Die Betriebsblindheit wird damit ausgeschaltet, die gefundenen Herausforderungen kann das Team dann Inhouse umsetzen.

Fazit

Die Frage, ob Inhouse oder Agentur, ist gar nicht so leicht zu beantworten. Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass man im Unternehmen einen gut erreichbaren Ansprechpartner hat. Manchmal fehlt es an einem solchen, meistens wenn der Ansprechpartner der viel beschäftigte Geschäftsführer ist. Da wäre die Lösung Inhouse + Agentur besser. Natürlich ist das aber auch eine Budget-Frage.

Aber machen wir uns doch nichts vor: Nehmt auf jeden Fall immer eine Agentur, am besten unsere! 😉

Was ist Eure Meinung zum Thema? Auch von den Inhouse-SEOs?

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6 Kommentare

Reaktionen auf diesen Beitrag

    • Ein toller Artikel mit ein paar neuen Ansätzen in der möglichen/zukünftigen Argumentation mit Kunden. Trotz dessen ist SEO alleine nicht das „Non-plus-Ultra“ für gute Vermarktung und zuviele Agenturen stürzen sich auf dieses Thema immer noch, ohne Kenntnisse im Bereich (Online-)Marketing zu haben. Da sehe ich/wir fatale Fehler blindlings auf entsprechende Agenturen zukommen 😉

    • Dennis

      Eine Agentur ist definitiv zu teuer. Wir hatten mal eine beauftragt und eine Aufstellung bekommen, die nur an der Oberfläche kratzte. Die Aufstellung bestand im Groben darin, dass man vorgefertigte Sätze hatte, die man uns offerierte. Am Ende hat das Ganze über 3K gekostet. Gebracht uns das nichts.

      Mittlerweile haben wir inhouse eine SEO Abteilung, die mit allen anderen Abteilungen zusammenarbeitet. Das ist viel effizienter, als alles andere.

      Auf eine Agentur würde ich nie wieder zurückgreifen, da diese schlicht die Leistung nicht erbringen kann, die nötig ist.

    • Hat die Agentur nicht den riesen Vorteil, das Grafiker (Bilder für Posts etc.), Texter, Webentwickler und SEO-Profis oft in einem Hause sind! Also alles aus einer Hand! Mit „nur“ einem SEO ist es ja auch nicht getan… Wer schreibt? Wer kümmert sich um die richtigen Bilder?

    • Ralf B.

      Nein, die Agentur hat nicht den direkten „alles aus einer Hand“ Vorteil, weil der Kunde die verschiedenen Leistungen ja auch alle bezahlen muss. Wenn der Inhouse SEO die Möglichkeit hat, dass die Firma auch einen Texter, Entwickler und Marketeer beschäftigt, kann er auf deren daily business zugreifen und die „Kosten“ bzw. der Aufwand ist dadurch abgedeckt.

      Nicht vergessen: SEO ist das Ergebnis von Teamwork. Suchmaschinenoptimierung ist schon lange nicht mehr das Werk einer einzelnen Person. Es gibt zwar einen Mitarbeiter / Angestellten, der dafür die Zügel in der Hand hat, aber unter dem Strich ist sie das Ergebnis von mehreren Abteilungen. Wenn man es richtig macht. 😉

    • Marco

      Am schlimmsten ist bei SEO Agenturen die Transparenz. Man weiß nie was sie wirklich machen und ob sie es mit reinem Gewissen umsetzen, oder überhaut Wissen haben. Jemand im eigenen Unternehmen will auch von profitieren und gibt das Beste. Eine Agentur nur so viel, wie Sie bekommt.

      Wenn kein persönlicher Kontakt da ist und auf Agenturseite keine ordentliche Struktur da ist, kann die Kommunikation schnell darunter leiden.

      An uns haben sich in jedem Fall schon zwei Agenturen verbrannt. Wir haben ein gutes Inhouse Team und sind mit unserer Seite im Vergleich zu den Marktbegleitern schon gut aufgestellt. Optimierungsbedarf an kleinen stellen gibt es immer, die jedoch keinen großen Erfolg bringen. Trotzdem wurden versucht immer wieder darauf rum zu kauen. Große Ideen, wie man in der Möbelbranche was erreichen kann, blieben aus. Wir dachten, dass eine Linkaufbau unserer technisch guten Seite helfen könnte, aber das Thema ist ja heute schon so gut wie durch. Hochwertige Links bekommt man nicht geschenkt. Das haben beide Agenturen bis zum Schluss nicht eingesehen und nicht mal Ihre Struktur geändert. Wir haben aus den Fehlern anderer gelernt oder besser wir haben dafür teuer bezahlt.

    • Schade, dass viele Agenturen offenbar schlechte Arbeit liefern….. Sehr enttäuschend! Aber es gibt auch positive Beispiele, die eben zeigen, das eine Agentur-power richtig was reißen kann! Und da spreche ich sicher nicht nur für uns.

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