Yandex nimmt Links aus der Rankingberechnung heraus

10. Dezember 2013  |     |  16 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

Die größte russische Suchmaschine Yandex hat am Donnerstag bekannt gegeben, dass demnächst Links für eine Reihe kommerzieller Suchanfragen nicht mehr zählen werden.

Alexander Sadovsky - Head of Web Search bei Yandex Bildquelle

Alexander Sadovsky – Head of Web Search bei Yandex Bildquelle

Links werden nicht mehr gewertet

Alexander Sadovsky, Head of Web Search bei Yandex hat im Rahmen der Internet Business Conference in Moskau bekanntgegeben, dass für viele kommerzielle Suchanfragen im Jahr 2014 keine Links mehr als Bewertung der Suchergebnisse benutzt werden. Die Änderung wird rund 10 % aller Suchanfragen betreffen, was eine ganze Menge ist.

“There is a lot of noise around the links signal particularly for commercial queries and especially in Russia. We see a lot of paid links and even automated paid links where there is no human actually involved. The problem with these links is they’re frequently off-topic and are effectively cheating users.” Quelle

Desolate Linkverhältnisse in Russland

Linkkauf hat in Russland ganz andere Dimensionen als bei uns. Anders als in Deutschland oder in den USA ist es in Russland noch üblich, Links in Footerbereichen oder in Sidebars zu kaufen – und das in Massen. Linkkäufer werden überhaupt nicht abgestraft, Linkverkäufer nur ab und zu. Wer sich mehr für das Thema interessiert: Anna Oshkalo hat einen guten Post geschrieben, wie SEO in Russland funktioniert: Link building in Yandex SEO. Im Prinzip geht es zu, wie bei uns im Jahr 2005: Massenhaft Links aus Footern, völlig egal von welchen Seiten, bringen einen guten Erfolg. Es gibt sogar spezialisierte Linkbroker-Software dafür: Man braucht nur seine Keywords einzugeben und der Broker kauft automatisch täglich ein paar Links von diversen Webseiten. Man sieht sich die Domains nicht einmal vorher an, denn was hauptsächlich zählt, ist die Masse.

Linkkauf ist in Russland ein Multimillionen-Dollar-Business. Yandex straft Linkkauf nicht ab, mit 62 % Marktanteil ist es auch die mit Abstand größte Suchmaschine in Russland (Google hat nur 26 %). Auch Google.ru ist übrigens gezwungenermaßen viel entspannter, was Linkkauf angeht. Man kann ja schließlich nicht das gesamte Internet lahmlegen und jede russische Seite abstrafen. Schätzungen (von Yandex) gehen davon aus, dass 90 % aller Links im russischen Internet gekauft sind! Der Weg, den Yandex jetzt geht, ist interessant –  und könnte Schule machen?

Ranking ohne Links?

Wie berechnet Yandex das Ranking einer Seite, ohne Links heranzuziehen? Ganz einfach mit Auswertung des Userverhaltens. Mit Metrica hat Yandex einen ähnlichen Service wie Google mit Google Analytics und daher (wie Google auch) enorm viele Userdaten, mit denen man Seiten bewerten kann. Es ist ja Fakt, dass Google Nutzerdaten mittlerweile enorm stark bewertet – auch in Deutschland. Wer seine Usability verbessert, der bekommt mittlerweile auch bessere Rankings.

Aber wie bekommt eine neue Webseite Rankings? Alexander meint:

“There are two important strategies to consider; firstly for major sites targeting high volume important queries – for instance in Russia this might be [buying windows for houses], the key is to generate a lot of traffic to your site using all of the marketing and normal traffic generating methods open to you – which of course also includes links from high profile blogs or relevant sites.” Quelle

Übersetzt bedeutet das also, dass man mit anderen Kanälen erst einmal User generieren muss, die dann unbewusst als Tester der Webseite fungieren. Machen wir uns nichts vor, das läuft größtenteils über Toolbars, eingekaufte Daten und Browserdaten (Wie Google es mit Chrome & Microsoft es mit dem Internet Explorer macht). Wer anschließend enorm gute Usersignale an Yandex sendet, der bekommt mit der Zeit immer bessere Rankings.

Google auch bald ohne Links?

Natürlich stellt sich jetzt die Frage, ob Google seinen Algorithmus bald auch „linklos“ gestaltet. Ich denke, dass das nicht so bald der Fall sein wird. Nicht umsonst wird momentan erheblicher Aufwand betrieben, um Webseiten abzustrafen und manuelle Maßnahmen zu verhängen. Google will die Webmaster und SEOs zu sauberen Arbeitsweisen erziehen und so das Ziel erreichen. Nichtsdestotrotz sind Links im Algorithmus ja bereits unwichtiger geworden. Man kann auch ohne Links mittlerweile viel erreichen – früher ging das auf gar keinen Fall.

Google wird allerdings kaum einen so großen Aufwand mit unzähligen Quality Ratern betreiben, um dann Links als Signal abzuschalten. Allerdings wird man sich die Ergebnisse bei Yandex gespannt ansehen. Yandex hat da ein völlig anderes Problem, denn so gut wie jeder Link in Russland ist gekauft – an deren Stelle würde ich auch Links als Rankingfaktor komplett abschalten. So lange also noch einigermaßen viele natürliche Links in Deutschland und den USA existieren, wird Google weiterhin Links als starken Faktor zählen.  Barry Schwartz hat da die Überschrift seines gestrigen Artikels schon ganz gut formuliert: „Did Yandex Give Up On The Link Spam War?“ Ich denke, die Antwort lautet: Ja.

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16 Kommentare

  • Man würde es kaum glauben, aber Yandex ist, meiner Meinung nach, teilweise schon zukunftsorientierter als Google: Yandex.Island und die nicht Beachtung der Links bei den Ranking s sind die ersten Zeichen der sg. Futer SEO!

  • Eine logische Entscheidung, wenn man sich die Entwicklung des „Linkbuilding“ im Osten des Kontintents anschaut, Stichwort SAPE. Aber ganz ohne Links geht es dann ja doch nicht, man muss nur die richtigen Anchortexte verwenden… 🙂

  • Schade, dass Yandex den Kampf aufgibt. Für zukunftsorientiert halte ich einen Algorithmus, der Links nicht berücksichtigt, allerdings nicht. Wenn eine Seite viele gute und natürlich entstandene Links erhält, ist das ein starker Hinweis darauf, dass es dort wertvollen Content gibt. Das war genau der Unterschied, der Google als Suchmaschine ganz nach vorne gebracht hat.
    Nur muss man eben „natürliche Links“ erkennen. Darin wird Google immer besser. Wenn Yandex den Kampf jetzt ganz aufgibt, wird sie das langfristig nur zurückwerfen (IMHO).

  • Dann fragt sich nur, wann eben mit Usersignalen gespammt wird. Massenhaft virtuelle Clients, die Webseiten lange besuchen, viele Texte lesen und so sollten sich auch recht leicht simulieren lassen…

  • Andreas, Links werden nur bei Moneykeywords nicht mehr berücksichtigt.

    So zumindest erklärt das http://www.seroundtable.com:

    „Yandex is simply going to remove links as part of the algorithm for the query types that get spammed the most“

    Und wie ich oben geschrieben habe, kommt es auf den Anchortext an. „Plumpe“ Keywordlinks ziehen halt nicht mehr.

  • Ich denke auch, dass Googles Strategie langfristig erfolgreicher ist. Man schafft doch nur das eine manipulierbare Ranking-Kriterium ab, um es mit einem anderen Signal zu ersetzen, das ebenfalls manipulierbar ist.
    Da erscheint es mir wesentlich hilfreicher, die Manipulationsversuche zu unterbinden, oder zumindest in die für Google gewünschten Bahnen zu lenken.
    Ich meine letztendlich macht es für Google doch keinen Unterschied, ob ein Link natürlich entstanden ist, oder ob Natürlichkeit simuliert wurde. Solange das Ergebnis
    – guter Content wird in den SERPs nach oben gespült – stimmt, die Nutzer relevante Suchergebnisse erhalten und Googles Gewinne sprudeln, dürfte es dem „Suchmaschinen-Gigant“ doch egal sein, ob die Links aufgebaut oder „freiwillig“ gesetzt wurden.

  • Ich halte es nur für konsequent, die Links abzuschalten, wenn das System, für das die Bewertung von Links hauptsächlich geschaffen wurde, so unter Missbrauch leidet. Klar könnte man bei Yandex versuchen, dem Missbrauch Herr zu werden und ähnlich wie Google das Umfeld zu erziehen. Aber diese Maßnahmen müssen in Bezug zum Aufwand gestellt werden, den Yandex betreiben müsste, um Links zu bereinigen/bereinigen zu lassen. Vielleicht ist aber auch gerade die Aberkennung von Linkpower die Erziehungsmaßnahme. (?)

    Letztlich ist es ohnehin eine Frage der Alternativen. Wenn es andere Signale gibt, deren Auswertung zu sinnvollen Suchergebnissen führt: Warum nicht auf Links verzichten?

    Ich persönlich glaube zwar auch, dass ein guter Link eine starkes Votum ist … aber eben nicht das einzige, das für eine Website stimmt. Google macht es vor: Die Bedeutung von Links wird im Verlaufe der Jahre durch eine Vielzahl anderer Signale in Relation weiter abnehmen. Ganz gleich, ob das nun Citations, guter Inhalt, Umfeld des Suchenden, Suchhistorie, Click Through Rate oder die vielen anderen Möglichkeiten sind, Rankings zu beeinflussen.

    Denn auch Google kann sich nicht alleine auf Links verlassen. Und wer zu sich selber ehrlich ist, kann kaum behaupten, dass es trotz Penguin 1 bis x keinen Missbrauch bei Google gibt, mit dem Ziel bessere Rankings zu erzielen.

  • Schöne Diskussion hier 🙂

    Wie Jan und Robin, sehe ich es auch so, dass die anderen Signale, die jetzt bei Moneykeywords statt Links genutzt werden, genauso manipuliert werden können. Gerade bei der „kreativen“ SEO-Szene in östlicheren Gefilden, die weitgehend frei von Skrupeln agiert…

    Bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt.

  • Ganz ehrlich: die Linkalgorithmen werden sogar bald bei Google abgeschafft: SEO ist gerade in einer wichtigen Veränderungsphase. Das muss jedem klar sein, Linkbuilding wird bald der Schnee von Gestern….

  • Daniel

    „Google wird allerdings kaum einen so großen Aufwand mit unzähligen Quality Ratern betreiben, um dann Links als Signal abzuschalten.“

    Da es ja „nur“ 10% der Suchanfragen betrifft und nur die kommerziellen (aka linkverseuchten) Suchbegriffe davon betroffen wären, kann das durchaus Sinn machen. Google muss nur ein kurzer A/B-Test der SERPs machen und weiß dann genau welche Ergebnisse die besseren sind.

    Links braucht es dann nur mehr für den Domaintrust, aber nicht um geziehlt mit „zalando gutschein“ auf 1 zu kommen.

  • Sascha

    @Daniel: Du hast schon recht, die Serps sind im Bereich Gutscheine oft sehr schlecht. Aber wie stellst du dir das ohne Links vor? – nur mit dem Userverhalten?

    I.d.R. ist es doch so, dass ein User bei der Gutscheinseite sich nur den Gutschein abholt und wieder weg ist. Ergo wäre eine hohe Bouncerate die Folge. Ein hohe Bouncerate ist ja logischerweise kein gutes Signal. (Ja es gibt noch viele Andere)

    Meine Meinung hat es Google damals mit dem Brand-Update genau richtig gemacht. Wenn du eine Marke bist, dann rankst du besser! (Belohnung von langer harter Arbeit)

    In diesem Sinne

  • @Sascha: Ja, die Bevorzugung von Brands hilft sicher, Schrott aus den SERPs zu halten. Andererseits, wird die Hürde für geile neue Seiten dadurch nicht unnötig hoch?
    Außerdem bringt mich das wieder zurück zum Thema, das Blackhats praktisch jedes Signal faken können, das Google heranzieht. Auch Brand-Signale: http://www.jacobking.com/googles-brand-bias
    😉

  • Ich denke der Ansatz Content ohne Links oder linkähnliche Signale wie Citations zu beurteilen ist extrem schwierig, denn Nutzerverhalten gibt keinen Aufschluss über wichtige Faktoren wie Trust oder objektive Seriosität einer Informationsquelle. Gerade im medizinischen Bereich sehe ich da massive Probleme, denn daß z.B. die Diagnosen von Dr. Selbsternannt auf einem beliebten Forum plötzlich vor einer seriösen medizinischen Seite erscheinen ist sicher nicht wünschenswert. Ein Link von der medizinischen Fakultät einer Uni ist einfach mehr Wert, als 10000 Besucher die lange und gerne auf einer Seite verweilen, vielleicht nur weil die dargestellten Thesen besonders kontrovers und abwegig sind.

    Wie ermittelt man im ersten Schritt die erwähnten „high profile blogs“ und „relevant sites“ ohne nicht doch etwas wie Links zu berücksichtigen? Sind diese Nutzersignale wirklich nicht manipulierbar, z.B. über Referrer Spoofing oder einfach einen Haufen Microworker die lustig verlinkte Kommentare auf reputablen Seiten klicken?

    Das Netz basiert in seiner Grundstruktur auf Links, diesen fundamentalen Baustein auf der Wertung zu nehmen erscheint widersinnig. Spannend, aber ich bin da noch sehr skeptisch…

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