Wo ist dein Content?

6. Januar 2014  |     |  17 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

Pünktlich zum neuen Jahr sollten wir unseren Fokus mal wieder auf den Content legen – dieses Mal aber ein wenig anders als sonst. Es geht darum, wie der Content präsentiert wird. Das ist ein sehr wichtiger Rankingfaktor, der vielen nicht bewusst ist.

Was ist Content überhaupt?

Google versteht unter Content nicht nur Text, sondern jede Art von Inhalt. In einem Online Shop können das Produkte sein, auf einer Fotografie-Webseite Fotos. Auf der „Kontakt“-Seite eines Unternehmens hingegen ist es das Kontaktformular, bei einer Foto-Webseite sind es die Fotos.

Wie wertet Google den Content?

Google wertet den Content immer in Hinblick auf seinen Zweck, den er erfüllen soll. Das bedeutet, dass für unterschiedliche Arten von Webseiten auch unterschiedliche Kriterien herangezogen werden. Auf einer Fotografie-Webseite sollen Fotos an erster Stelle kommen, ein Kontaktformular wäre hier (zumindest als Hauptcontent) völlig fehl am Platz. Umgekehrt sollten auf der Seite „Kontakt“ des Unternehmens die Adresse, E-Mail und gegebenenfalls ein Kontaktformular stehen.

Jede URL wird von Google daraufhin untersucht, wie gut sie ihren jeweiligen, ganz bestimmten Zweck erfüllt. So steht es auch in den Google Quality Rater Guidelines:

„Why do we care about the purpose of the page? The purpose of the page will help you answer all of the landing page and website questions. All questions [Anmerkung: Hinsichtlich des Bewertens von Webseiten] should be answered in the context of the purpose of the page. Ultimately, your Page Quality rating will depend on how well the page achieves that purpose, given everything you have learned from answering the landing page and website questions.“ (Quelle: Quality Rater Guidelines)

Für irrelevante Suchanfragen ranken wollen

Ich kenne noch die guten alten Zeiten, als man schrottige Affiliate-Seiten baute und dann für Suchbegriffe wie „Hotel Berlin“ auf Platz 1 ranken wollte. Dabei reichte es aus, einen SEO-relevanten Text zum Thema „Hotel Berlin“ zu schreiben und dieses Wort oft vorkommen zu lassen, eventuell mit Synonymen und semantisch-verwandten Begriffen. Wieso geht das heute nicht mehr? Weil eine Seite zum Thema „Hotel Berlin“ eben einen bestimmten Zweck erfüllen sollte. Diese Zweck wäre es, Hotels in Berlin aufzulisten, konkrete Hotels zu nennen oder man heißt „Hotel Berlin“ und schreibt dort über sein Hotel (das „Hotel Berlin“ gibt es tatsächlich…).

Gravierender sind Beispiele im Affiliate Bereich, wie sie heute konkret vorkommen. Etwa die Kombinationen „[Markenname] Outlet“ oder „[Shopname] Gutschein“, wobei es dann für die jeweilige Marke zwar kein Outlet und keinen Gutschein gibt, aber dafür jede Menge Landingpages. Dort heißt es dann lapidar „Der gewünschte Gutschein konnte nicht gefunden werden“ und es werden Alternativen angezeigt. Im Sinne der Zweckerfüllung (Zweck = Gutschein für einen bestimmten Shop) hat diese Seite dann aber überhaupt nichts erreicht. Der Content ist laut den Vorgaben von Google schlecht, das Rating wird dementsprechend auch negativ ausfallen.

Mehr zu diesem Thema gibt es im Beitrag Wir haben nicht viel Zeit.

Front and Center!

Wie sollte Euer Hauptcontent in den Augen von Google dargestellt werden? Ob es nun Produkte sind, Bilder oder Text: Das Hauptstichwort, das Google zu diesem Thema nennt, ist „Front and Center“. Der Content sollte sofort, wenn ein User die Seite betritt, sichtbar sein. Hier einmal die Liste für Search Quality Rater von Google, frei übersetzt:

  • Der Hauptcontent sollte prominent „Im Vordergrund und zentral“ sichtbar sein. Er sollte sofort sichtbar sein, wenn ein User die Seite aufruft – ohne Scrollen.
  • Es sollte sehr deutlich erkennbar sein, was der Hauptcontent überhaupt ist. Das Seitenlayout und die Nutzung des Platzes, ebenso wie die Schriftgröße, der Hintergrund usw. sollten klar das klar erkennbar machen.
  • Der Hauptcontent und der Supplemental Content (Verwandte Produkte / Ähnliche Artikel) sollten den allermeisten Platz auf der Seite beanspruchen.
  • Werbung und der Supplemental Content sollten so platziert sein, dass sie nicht vom Hauptcontent ablenken.
  • Es sollte klar sein, was auf der Seite Werbung ist und was Content. Entweder durch explizite Benennung oder durch das Layout an sich.

Google kann sehen!

Google kann automatisch erkennen, was der Hauptcontent ist und wo er sich befindet. Google identifiziert, was der Zweck der Seite ist: Online Shops, Nachrichtenmagazine, Foren, Blogs oder Q&A-Portale bekommen jeweils eigene Kriterien an die Hand gelegt, was in diesen Fällen Content sein könnte. Google rendert  anschließend diese Webseiten, d.h. sie speichern eine (visuell recht grobe) Version der Webseite ab und analysieren das Layout.

Ja, damit kann der Googlebot mittlerweile auch „sehen“! Ich kann das natürlich nicht 100 % sagen und habe diese Thematik im letzten Jahr oft diskutiert, aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es schlichtweg so sein musst. Erinnert Ihr Euch noch an Google Instant Preview? Google zeigte damals Vorschaubilder von Webseiten in den Suchergebnissen. Dieses Feature wurde mittlerweile abgeschaltet, aber hier findet Ihr einen Screenshot.

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Google Instant Preview: Man kann gut erkennen, wie Google den relevanten Textbereich sogar grafisch markiert hat. Copyright Kai (Search One)

Im Beispiel sieht man, wie Google einen passenden Text aus dieser Webseite als alternative Description genommen hat, weil er besser zu passen scheint, als die herkömmliche Description. Der Text befindet sich nicht am Anfang, sondern in der Mitte der Webseite. Google hatte bei Instant Preview die Stelle des Textes dann rot umrahmt – für mich der eindeutige Beweis, dass sie rendern können. Könnten sie es nicht, wäre auch das Bild daneben rechts eingerahmt.

Werbung und Position bei Nachrichtenportalen

Nachrichtenportale, die zu viel Werbung „Above the Fold“, d.h. vor dem scrollbaren Bereich zeigen, werden von Google abgestraft. Außer sie sind eine große Tageszeitung oder sonst eine große Marke, denn diese dürfen bei Google bekanntlich mehr als andere. Wenn ihr aber ein kleines Nachrichtenportal seid, dann achtet auf diesen (wichtigen) Rankingfaktor. Je weiter oben Euer Maincontent liegt, desto besser. Das bedeutet auch, Menüs und eventuell sogar das Seitenlogo kleiner zu machen.

Hier noch etwas, dass Ihr vielleicht nicht wisst: Achtet ebenso darauf, dass Ihr nichts im sichtbaren Bereich habt, was für einen 80-jährigen ohne Lesebrille wie Werbung aussehen könnte. Denn auch wenn Google Seiten rendern kann, so tun sie es nur unscharf. Eine Ankündigung in Eurem Blog oder eine Gewinnspiel Aktion kann schnell irrtümlich für Werbung gehalten werden und innerhalb von wenigen Tagen (!) sind Eure Rankings dahin. Das gilt insbesondere, wenn Ihr Standardformate wie 728×90 oder 468×60 nehmt. Passt also auf!

Kategoriebeschreibungen in Online Shops

Kategoriebeschreibungen sind eigentlich Unsinn und nur Futter für den Bot. Trotzdem sind sie leider noch notwendig. Im Laufe des letzten Jahres haben wir aber interessante Dinge herausgefunden. Normalerweise werden Kategoriebeschreibungen dahin verbannt, wo sie Nutzer nicht zu viel „stören“, also in die Seitenleiste oder gar in den Footer. Wir haben das letztes Jahr anhand vieler Webseiten analysiert und heraus kam, dass Google solche „versteckten“ Kategoriebeschreibungen so gut wie überhaupt nicht mehr wertet. Natürlich sind sie besser, als wenn man gar keine mehr hätte (Stichwort: Interner Duplicate Content), aber Kategoriebeschreibungen „Below the Fold“ werden beinahe nicht mehr ins Ranking miteinbezogen. Google sieht den Content eben mittlerweile so, wie ihn Eure User sehen. Tipp: Besonders gut rankende Online Shops haben deswegen immer mehr ihre Kategoriebeschreibungen nach oben verfrachtet. Am besten machen sich momentan 2 kurze Sätze oberhalb der Produkte.

Fazit: HOCH mit dem Content

Alles, was Euch wichtig erscheint, sollte so weit oben wie möglich auf Eurer Seite sein. Diesen Blogpost schreibe ich übrigens gerade auf einem 13 Zoll Laptop, da ist „weit oben“ etwas völlig anderes als auf den meisten SEO-PCs mit ihren riesigen Monitoren. Achtet darauf, dass der Content relevant für die Suchanfrage ist und schreibt kurz, aber prägnant, worum es auf der Seite geht und was man dort finden kann. Für Nachrichtenportale kann ich nur sagen, dass man einen Mittelweg zwischen dem finden muss, was einem der Vermarkter oder das Google Adsense Team sagt und dem, was gut für das Ranking ist. Zu viel Werbung kann schaden!

Was ist Eure Meinung dazu? Wie handhabt Ihr das? Gehört Content immer mehr nach „oben“?

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17 Kommentare

  • hallo julian,
    danke. der artikel beitet im grund nichts neues, aber vieles, was durchaus in vergessenheit geraten ist! m.e. sind es oft die basics, die schlichtweg vernachlässigt werden.

    das der content nach oben soll, scheint sinnig. und das google das so sieht logisch. doch ich muss mich in den zusammenhang wundern, das ich bei g+ mit meinem notebook scrollen muss, wenn ich eine profilseite aufrufe und „über mich“ lesen möchte.
    ist das nicht ein gegesatz?

  • Ein sehr interessanter Beitrag, der meine eigenen Vermutungen ( diese aber in ganz kleinem Licht gesehen ) bestärken.

    Mir selber ist aufgefallen, das gewisse bekannte Blogs, Internetseiten immer mehr dazu tendieren den oberen Bereich nicht mehr mit Logos, Slider usw. voll zu pflastern. Der Trend zur Schlichtheit scheint so langsam durch zu kommen.

    Wobei ich denke das so mancher Besucher bei dem Besuch einer Internetseite was anderes erwartet.

  • Danke für den interessanten Artikel, Julian.

    Meine Meinung / Erkenntnis:
    Der Besucher muss mit dem Content interagieren. Ich optimiere gerne auf Interaktion mit dem Besucher und versuche Time on Site, Pages per Visit und Bounce Rate zu verbessern. Dazu müssen Besucher den Content lesen und die Page ansprechend finden. Dort, wo diese Kennzahlen am besten sind, habe ich auch langfristige und gute Rankings.

  • Hallo Julian,

    schöner Artikel – mal wieder :)! Bzgl. deiner Aussage „der Googlebot mittlerweile auch “sehen”“ kann ich Dir vollkommen zustimmen und bin hier derselben Meinung, auch was die Klassifizierung der Webseiten in grobe Themencluster angeht.

    Weiter so! Gruß Stefan 🙂

  • Schöner Artikel Julian… Für die Themen Clusterung brauch Google zumindest bei den Seiten die Adsense einsetzen auch meistens keinen Bot mehr. Da geben die Seitenbetreiber selber an was sie für eine Seite betreiben …

  • Micha

    Schön zusammengefasst, vielen dank! ‚Google kann sehen‘ würde ich so zwar nicht unterschreiben (Webseite rendern und Container highlighten != sehen und verstehen), aber nichsdestotrotz ist der Arikel für den Jahresanfang eine gute Erinnerung an das Wesentliche.

    Frage: Was aber mache ich, wenn der Content meiner Seite komplett Werbung ist?

    Ich rede von Preisvergleichen. Das Portal, dass ich gerade baue, mache ich, weil ich es selber gerne nutzen möchte, ich kann einen Mehrwert bieten, den man woanders nicht bekommt. Und der Aufwand, den ich momentan betreibe ist recht groß (Scraper, Bewertungsalgorithmen, interaktive Präsentation via Python Flask + Bootstrap). Dennoch vermute ich, dass ich Traffic wohl nur über Social bekomme, für Google bin ich schlicht nur ein Thin Affiliate (mit 30 Kategorien und 10.000 Produkten). Ideen?

  • Danke für den Artikel. Das mit der Kategoriebeschreibung beobachten wir auf. Nur reichen in der Regel 2 Sätze aus unserer Sicht nicht aus. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass mehr Inhalt auch mehr bringt. 😉

    Grüße aus Hürth bei Köln
    Michael von Funkzeug

  • Hallo Julian,

    danke für den interessanten Artikel. Man vergisst doch recht schnell wieder wichtige Dinge. Das Google dermaßen gut rendern kann, hätte ich nicht gedacht – deine Argumente klingen aber schlüssig! Artikel ist als Lesezeichen gespeichert 🙂

  • Peter

    Der „Fold“ und damit der „sichtbare Bereich“ sind bereits seit geraumer Zeit völlig überholte Konzepte, die ausschließlich durch die historisch geringe Bandbreite an Bildschirmgrößen und Anzeigegeräten entstanden sind.

    Da insbesondere Google sich dieser Tatsache bewusst sein wird, ist die Annahme, dass sie immer noch einen ominösen, sichtbaren Bereich als Relevanz-Kriterium heranziehen sehr weit hergeholt.

    Sicherlich wird Google Inhalte, die relativ zur Seitenlänge weiter ‚oben‘ erscheinen mehr Gewichtung geben, als Inhalte die später / ‚unten‘ erscheinen. Mit dem nur schwammig bis gar nicht definierten sichtbaren Bereich wird diese Bewertung allerdings – trotz möglicher Korrelation – nichts zutun haben.

    Die Warnung vor Teasern, die aussehen könnten wie Werbung, würde ich übrigens ebenfalls in das Reich der Legenden einordnen. „Denn auch wenn Google Seiten rendern kann, so tun sie es nur unscharf.“ ist kompletter Humbug. Das Rendering von Webseiten bezieht sich auf das Layout von Inhaltselementen und wird von Google – wenn überhaupt – dazu benutzt die grundsätzliche Sichtbarkeit und Reihenfolge von Inhaltselementen zu erfassen um die durch CSS evtl. anders als im Markup angeordneten Elemente miteinander in Kontext setzen zu können.

    Bilder (und das werden Teaser, die nach der hier geäußerten Theorie auch als Werbung aufgefasst werden könnten, häufig sein) hingegen ‚unscharf zu rendern‘ ist ziemlicher Quatsch. Der Rechenaufwand ein Bild via Filter aus dem originalen Zustand in einen Zustand zu überführen, wie ein „80-jähriger ohne Lesebrille“ es sehen würde ist insbesondere in Googles Dimension erheblich und bringt in der algorithmischen Auswertung keinerlei Mehrwert – außer wenn man sinnlose Farbkleckse analysieren will.

    Hier zu verbreiten, dass man innerhalb kürzester Zeit Rankings einbüssen würde ist spekulative Panikmache.

    Etwas weniger krude Theorien und ein bißchen mehr kritisches Denken würde hier definitiv nicht schaden.

  • Micha

    @Peter: Full Ack! Sehe das genauso. Ich denke es wird noch eine Weile ins Land gehen, bevor Maschinen Bilder erkennen und semantisch bewerten können. Und wenn es soweit ist, werden wir es als erstes an der Unwirksamkeit von Bilder Captchas merken (‚Klicke auf das Bild mit dem roten Ball‘)…

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