Wie Userverhalten in die SERPs einfliesst – 3 berühmte SEO Mythen

8. Dezember 2009  |     |  6 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

Google personalisiert die Suchergebnisseiten (SERPs) nicht nur für einzelne Benutzer, sondern wertet insgesamt auch Webseiten nach dem Userverhalten. Die meisten Leute (auch SEOs) allerdings keine Ahnung wie das funktioniert. Ich weiß es auch nicht im Detail, jedoch kann man einige Missverständnisse mal aus der Welt schaffen, oder?

SEO Nomaden Stammtisch

Mythos Nr. 1: Die Absprungrate wirkt sich auf das Ranking aus

Wenn ein User direkt nach Betreten einer Domain keine weitere Unterseite ansieht, sondern auf eine andere Webseite oder Google wechselt, dann ist das ein Absprung. Klicken 80 von 100 Usern nicht weiter, sondern verlassen die Seite sofort wieder, dann beträgt die Absprungrate 80 %. Der erste Mythos lautet oft: Ist die Absprungrate einer Webseite zu hoch, wird sie nach hinten durchgereicht. Das ist falsch.

Die Absprungrate hat keine Auswirkung, zumindest nicht für sich alleine genommen. Wenn ein User zum Beispiel nach Informationen sucht, diese dann auf der entsprechenden Unterseite sofort findet und die Webseite dann wieder verlässt – was ist daran schlecht? Googlen – Info finden – weitersurfen.

Die Realität

Wichtig ist vor allem, was der User nach dem Verlassen der Seite macht.

  • Fall 1: Er drückt den Zurück-Button und kommt wieder auf die Suchergebnisse, wobei er dann eine andere Webseite anklickt. In diesem Fall war die erste Webseite wohl nicht befriedigend für die entsprechende Suchanfrage.
  • Fall 2: Der User drückt ebenso den Zurück-Button. Es kann natürlich auch sein, dass der User sich zuerst noch andere Webseiten ansehen will, hinterher aber dann auf die erste Webseite wieder zurückkommt. Kommt so etwas oft vor (User klickt – wird “untreu” – kommt aber dann wieder auf Webseite 1 zurück), dann kann die Webseite zu einer Authority werden – vielleicht sind das Webseiten mit Sitelinks bei generischen Suchbegriffen

So oder so ist die Absprungrate aber für Google nicht relevant. Wäre sie es, dann würden Webseiten, die Informationen sofort auffindbar und klar gestalten das Nachsehen haben. Auch viele andere Webseiten lassen z.b. bei Kontaktformularen die User gar nicht erst weiterklicken.

Mythos Nr. 2: Google Analytics kann schädlich sein

Oft hört man, dass Webseiten mit Analytics einen Nachteil haben können. Ist die Conversionrate eines Shops zu schlecht, dann merkt Google das mithilfe von Analytics und wertet die Seite insgesamt schlechter. Diese Vermutung ist auch falsch.

Die Realität

Google wertet Analytics insgesamt aus und erstellt auch Webseitenprofile. Eine einzelne Seite wird jedoch nie wegen Analytics Werten abgestraft werden. Warum? Ganz einfach: Google will, dass man Analytics benutzt! Würde ein Nachteil durch die Benutzung entstehen, dann würde morgen jeder Analytics ausbauen und Google hätte seine wertvollen Daten nicht mehr.

Mythos Nr. 3: SERPs durch Klicken beeinflussen

Google mag Manipulationen gar nicht – erst recht nicht, wenn sie auf technischer Ebene passieren. Die Mär von den 1.000 indischen “Klickern”, die immer nur die eigene Webseite anklicken ist zwar theoretisch möglich, braucht aber schon mehr als Hilfskräfte in Indien.

Die Realität

Google wird sich erst einmal wundern, wieso plötzlich so viele Leute in Indien nach “Tagesgeld” suchen. Das Ranking zu beeinflussen kann theoretisch schon möglich sein. Man braucht dafür aber deutsche IPs, entsprechende Rechner (1000x mit Auflösung 800×600 zu suchen ist auch nicht das Gelbe vom Ei) und muss insgesamt einigen Aufwand betreiben. Eine IP, die den ganzen Tag nur nach “Tagesgeld” sucht, ist nicht sehr vertrauensvoll und wird von Google unter Umständen ignoriert. Der Hauptgrund gegen solche “Klickorgien” liegt allerdings im erzielten Effekt, der einfach zu gering sein wird: Allen Unkenrufen zum Trotz macht das Nutzerverhalten nur einen sehr kleiner Teil des SEO-Rankings aus.

Ein entsprechendes Vorgehen wäre also zwar möglich, ist in der Praxis aber völlig unrentabel. Ich würde einen solchen Aufwand lieber in Usability und SEO stecken: Ehrlich währt dann doch am Längsten.

Zum Schluss noch ein kleiner Reminder: Am Donnerstag, dem 10.12.09 findet wieder das letztes Jahr so erfolgreiche “Saufen für Kinder” statt. Für jeden getrunkenen Glühwein spenden wir zwei Euro an hilfsbedürftige Kinder. Mehr Infos gibt es unter http://www.seo-nomaden.de/ und wohl auch in knapp einer Stunde per SEOFM, das unbedingt weiter bestehen muss!

Bild: SEO Nomaden Stammtisch – SEO Mythbusters unter sich

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Über den Autor

Julian Dziki ist SEO, Online Marketer und Affiliate seit 2007. Suchmaschinenoptimierung München

6 Kommentare

  • 1. Es macht Sinn die Klicks auf ein Suchergebnis für die personalisierte Suche zu verwenden. Keine Frage.
    2. Es macht Sinn die Klicks zur Bewertung der allgemein Qualität der Suchergebnisse bzw. einer Algorithmusänderung zu nutzen.
    3. Ob es aber auch Sinn macht die Klicks generell zum Ranking der Suchergebnisse heranzuziehen ist eine ganz andere Frage. Ich würde da schon wiedersprechen wollen. Wenn es wirklich ein Faktor mit Bedeutung wäre, wäre es meiner Meinung nach relativ einfach und im Verhältnis zum möglichem Gewinn auch günstig zu manipulierender Faktor. Letztlich sind wir uns aber ja einig dass es kein Faktor von größerer Bedeutung ist.

    Was Mythos 1 angeht. Zur Bewertung eines Algorithmus ist die Absprungrate sicherlich interessant. Aber es gibt mehr als genug Gründe mehr als ein Suchergebnis anzuklicken, als die reine Qualität. Ich hab die Angewohnheit gleich mehrere Suchergebnisse in Tabs zu öffnen. Es mag auch Suchergebnisse geben, bei denen erst mehrere Seiten ein gesamtes Informationsbild ergeben.

  • Das bestimmte Sachen einfliessen ist schon daran zu sehen, dass es immer wieder massive und kurze Vermischungen in den SERPS gibt, die nicht auf Trustverschiebungen beruhen. Ich sehe die Logik im Test und wenn getestet wird, wäre es logisch, dass auch ausgewertet wird. Gleiches gilt für Key-Refs, die mal kurz da sind und dann nicht zu rekonstruieren sind.

    Wie genau, wird uns wieder nur BIG G sagen können und die halten ja bekanntlich dicht.

  • Ich finde schon leicht gewagt, von außen (außerhalb von Google ;-) von Mythen und von “Realität” zu sprechen.
    Bei der Mythos-“Widerlegung” 1 meine ich, den Zeitfaktor zu vermissen. Sicher macht es einen Unterschied, ob jemand nach nur wenigen Sekunden zurückkehrt oder nach einer Minute.
    Willst Du ernsthaft als gesichert behaupten, dass z. B. folgendes Uservotum von Google gänzlich als Signal ignoriert wird/würde:

    Von 100% aller auf Platz 1 klickenden Usern kehren 85% nach 3 Sekunden zurück zu Google und klicken auf Platz 2. Von dort kehren 98 % dann nicht zurück. 10% kehren analog nach 5 Sekunden zu Google zurück und der Rest von 5% bleibt “verschollen”.

    Gäbe es denn ein besseres Post-Signal als: “Für dieses Keyword ist dieser Treffer augenscheinlich nicht relevant”
    Natürlich darf auf der Zielseite nicht nur ein Bild oder ein Satz Text stehen. Aber das ist G. ja bekannt und hey – solche Seiten ranken in der Regel nicht auf 1…

    Ich fände es dämlich, wenn Google auf klare (!!) Bounce-Signale nicht reagieren würde. So weit ich mit erinnere, gibt es dazu auch ein Patent. Muss ich mal suchen.
    Den Einwand von Jojo (per Tab mehrere Ergebnisse klicken) muss man ernst nehmen – aber hier wäre die Frage, in wie weit sich das zeitlich messen lässt. Mit gedrückter STRG-Taste in FF drei Links zu klicken dauert wahrscheinlich 1-2 Sekunden und ist in jedem Fall “schneller”, als zurückzukehren. Exakt deswegen machen Webprofis das ja, weil es schneller geht. Und fraglich bleibt, wie viele von 100 Usern tatsächlich so ein “besonders” Userverhalten an den Tag legen. Wir reden ja hier über die breite Masse.

    Den Absolutheitsanspruch der Widerlegung von Mytos 1 kann ich also zumindest so nicht nachvollziehen. Ich glaube schon, dass man hier sehr vorsichtig sein muss und G. das auch ist. Einfach mal die Bouncerate messen und Schlussfolgerungen ziehen – so dämlich ist G. nicht. Wenn sie es machen, gehen sie sicher diffiziler vor. Aber dass es es völlig außen vor lassen – das kann ich mir ebenfalls nicht vorstellen. Es ist DAS Usersignal schlechthin.

    Mythos 2: Klingt plausibel. Als verantwortungsvoller SEO wäre ich trotzdem an dieser Stelle vorsichtig. Sich einerseits als Braut (z. B. per Linkaufbau) aufzuhübschen und G. gleichzeitig sogar unter den Slip sehen zu lassen… Weiß nicht, ob das eine so gute Strategie ist. Obwohl ich Deine Überlegungen teile, dass sich G. das nicht erlauben könnte, die Daten zu verwenden. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, wie man das jemals erkennen oder nachweisen sollte. Die Signale, die G. auswertet sind so vielschichtig und im Web gibt es fast keine direkt nachweisbaren Ursache-Wirkungsbeziehungen… Ich bin sicher, dass man bei G. schon mal ansatzweise analysiert hat, ob die Analytics-Daten und die Rankings sich einigermaßen entsprechen. Einen spürbaren Einfluss auf das Ranking messen wir auch noch nicht. Aber das beutet nicht, dass das immer so bleibt. Ich bin ja bekanntermaßen ein großer G-Fan. Aber Analytics ist der einzige G-Produkt, dass ich bei Kunden niemals einsetze bzw. nur nach Kundenaufklärung (rechtlich m. E. nach in D nicht legal) bei ausdrückl. Kundenwunsch und wenn es der Kunde schriftlich bestätigt. Hinterher weiß das nämlich dann niemand mehr… ;-)

    Mythos 3: Geb ich Dir völlig Recht. Da kann man gleich noch Mythos 4 nachschieben: Firmen schädigen ihre Mitbewerber, in dem sie indische Klicker beauftragen, auf deren Adwords zu klicken. Erstens fiele das schnell auf, zweitens und viel wichtiger: Wo sind sie denn die indischen Klicker bzw. wo findet man sie, um sie zu engagagieren? ;-)

  • Hi,
    ich habe gerade Mal bei G. folgendes eingegeben:

    „indische Klicker für Webseite gesucht“

    Das Ergebnis ist ganz interessant. Die ursprüngliche Quelle scheint das bekannte Magazin „Der Spargel“ vom „Atze Sprinkler-Verlag“ zu sein.
    Die ursprünglichen Namen sind hier leicht verfremdet, aber ich bin mir sicher, dass man auch so drauf kommt, wer gemeint ist.

    Es gibt sie also doch – und sie wohnen wahrscheinlich nicht in Schubladen, sind blau und lieben Schlumpfinchen.

    Falls ich die Zeit dazu finde, werde ich an der Sache mal dranbleiben, denn jedes Wort, das es gibt, schafft auch irgendeine Manifestation im wirklichen Leben.

    Vielleicht finde ich ja einen bekennenden indischen Klicker oder einen ehemaligen ebensolchen–wer weiß?

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