Wie beeinflusst Twitter das Ranking?

6. Januar 2011  |   ,  |  30 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

Twitter wird zur Berechnung der normalen Google- und Bing-Suche benutzt. Das ist Fakt und seit etwa einem Monat bestätigt. Danny Sullivan trug einige Fragen an Google & Yahoo heran, die ziemlich genau beantwortet wurden. Was natürlich nicht beantwortet wurde, ist die Wichtigkeit dieser Signale und wo sie überhaupt eingesetzt werden.  Ich versuche heute einmal Google Engineer zu spielen und baue mir meinen Twitter-Algorithmus. Natürlich sind die Angaben ohne Gewähr! 🙂

Matt Cutts bestätigt Einfluss von Twitter auf Webrankings

Hier noch einmal Matt Cutts offizielle Bestätigung von Sullivans Artikel. Twitter und Facebook werden, soweit zugänglich für das Ranking benutzt. Auch hier wird allerdings nicht (nur) auf die Anzahl von Followern und Tweets geschaut, sondern auch auf deren Qualität.

Wenn ich Google Ingenieur wäre…

Spielen wir mal durch, dass ich ein Googler wäre: Es gibt zwei Konstanten, die man beachten muss. Die Häufigkeit, wie oft eine Webseite getwittert oder retweetet wird und noch dazu wie viele Follower derjenige hat.

Ein großes Qualitätskriterium ist aber nicht nur wie viele Follower man hat, denn die kann man ja in Tausenderpacks bei Ebay kaufen. Viel wichtiger ist, wie oft die Tweets eines Twitterers retweetet werden. Das geht automatisiert nämlich nicht mehr so einfach. Ich würde sogar in die Ebenen darunter gehen und nachsehen wie oft die Tweets der Retweeter wiederrum retweetet werden, um die Qualität der Follower des jeweiligen Twitterers herauszufinden.

Beispiel 1: Ich habe einen Account mit 10.000 Followern und twittere meine Webseite, die daraufhin keiner retweetet. Der Effekt sollte nicht groß ausfallen.

Beispiel 2: Ich habe einen Account mit 2.000 Followern, twittere meine Webseite und 200 davon retweeten meinen Beitrag. Diese 200 Retweets generieren daraufhin weitere 500 Retweets. Das würde mir als Ingenieur ein eindeutiges Signal geben, dass diese Webseite / Newsmeldung besonders relevant ist.

News!

Die Rankingkriterien von Google News sind momentan nicht ideal, das weiß Google auch. Hier muss man also etwas verbessern. Bei Google News muss man enorm schnell reagieren, hier kommt es auf Minuten an. Als Ingenieur würde ich daher die Twitter Ergebnisse besonders stark in das Google News Ranking einbeziehen. Wird ein Beitrag besonders oft von Trusted-Followern retweetet, so schiebe ich ihn gleich nach vorne. Bei Tests zeigt Google sogar bereits die Retweets an.

Long-Time-Ranking

Für die normalen Suchergebnisse wäre mir diese Art von Berechnung zu kompliziert und teilweise auch unsinnig: Die Produktdetailseite eines Online-Shops wird ja nicht gerade oft getwittert. Hier würde ich anders vorgehen:  Zunächst zählen hier auch die Qualität der Tweets, Retweets und Twitterer, wie oben bereits beschrieben. Dann würde ich allerdings nicht einzelne Beiträge, sondern alle Beiträge insgesamt mit allen Tweets insgesamt in das Ranking einfliessen lassen – und zwar in den Trust-Score. Eine Seite, die also oft getwittert (und vor allem retweetet) wird, hat dann also Rankingvorteile.

Beispiel 1: Eine News-Webseite wird über längere Zeit oft von guten Twitterern verlinkt. So einer Seite würde ich Rankingvorteile geben und zwar insgesamt, nicht den jeweils einzelnen Artikeln (also +Trust).

Beispiel 2: Eine Webseite wird durch eine Aktion / ein Gewinnspiel oft bei Twitter erwähnt, allerdings nur in einem kurzen Zeitraum. Einer solchen Webseite würde ich nur geringe Vorteile geben, genauso wie bei Links werden die Vorteile über die Zeit langsam wieder abnehmen.

Insgesamt würde ich allerdings aufpassen, dass es hier keine großen Vorteile gibt. Sicher finden einige SEOs hier Schlupflöcher, deswegen dürfte der Effekt insgesamt im normalen Web-Ranking gering sein. Erst wenn man genug Langzeiterfahrungen gemacht hat, würde ich hier mehr ansetzen.

Zusätzliche Algorithmus Anpassungen

Einige Sachen würde ich noch einbauen um die Twitter-Qualität zu messen:

  • Verhältnis Follower-Following: Wer 10.000 Leuten followed und 10.001 Follower hat, der hat keinen Trust
  • Verhältnis Tweets – Retweets: Wie oft werden Tweets des Users retweetet?
  • Twitter Score: Wie viele Twitterer hat ein Tweet erreicht und wie hoch ist die Prozentzahl der Retweets insgesamt?
  • Mentions: Wird die Marke oft in Tweets genannt ohne verlinkt zu werden?

Nur Vermutungen…

Das waren natürlich jetzt alles nur Vermutungen, aber so in etwa kann ich mir die momentane Google Einbindung vorstellen. Wer andere Ideen hat: Hier gibts ein Kommentarfeld! 😉

Jetzt teilen: Share on Facebook12Tweet about this on TwitterShare on Google+0Email this to someoneShare on LinkedIn24

E-Book: Der Weg zum erfolgreichen Online Shop

  • Das 47-seitige E-Book mit 72 konkreten Tipps für Deinen Online Shop
  • Einmal wöchentlich exklusiver Content für das Marketing Deines Shops
  • Unser Newsletter (1-2x pro Woche)
E-Book kostenlos downloaden

30 Kommentare

  • Ein sehr interessanter Artikel!
    Ich meine keiner von uns kann ja wissen wie der Algorithmus wirklich ist, aber das ist ein Szenario, das wirklich Sinn macht.

    Ich frage mich nur wirklich wie ausgereift der Algorithmus ist mit dem Verhältnis der reellen follower (wie auch hier geschrieben mit dem kauf im ebay).

    Diese Twitter „Netzwerke“ müssen sich ja momentan noch sehr rehabilitieren, sonst würde es nicht so viele Bots geben.

  • Danke schön für Mitnahme in die Algorithmus Welt! Und echt interessant, soweit von der Realität kannst du nicht sein! 😉 kann man ja wirklich plausible erklären! 😉

    Und du hast einen neuen Follower!

  • LordOfPage

    Ich sehs ähnlich wie Du: Für den News-Bereich Riesenrelevanz von Twitter, weil eigentlich der einzige (!) Weg, im News-Bereich rein algo-gesteuert schnell reagieren zu können.

    Im Long-Time-Bereich Relevanz nahe null, da zu leicht fake-bar. Auch wenn Du mit den retweets natürlich recht hast, aber auch das ist im Zweifel schnell programmiert.

    Da könnte ich mir bestenfalls indirekt abrufbare Wirkungen vorstellen, wie etwa, dass ich während eines echten oder getürkten Twitter-Peaks leichter ein paar starke Links auf die Seite draufschieben kann, ohne dass die wegen Spam-Verdacht abgewertet werden.

  • Ordentlicher Artikel. Ich bin schon seit jeher der Meinung, dass ein gesunder Mix aus allen Online-Marketing-Kanälen (Online-PR, SEO, Social Media, Affiliate, …) gesünder ist als die Konzentration auf einen Kanal. Das ist immer noch die nachhaltigste Strategie. Die Verzahnung von Social Media und SEO ist nur eine logische Konsequenz. Nur: Der Artikel dreht sich um eine Stärkung des Rankings für die betreffende Seite durch Tweets und nirgendwo ist ein „Tweet“-Button zu finden …? 😉

  • Julian

    Hi, vielleicht ist er nur zu klein: Bei „Über den Autor“ findest du den Button.

  • Julian

    Und falsch positioniert…

  • Ahhhh … dort. 🙂 Den hatte ich absichtlich ignoriert, da ich dahinter deinen Twitter-Account vermutete. Bin schon so sehr an Tweet- und Retweet-Buttons gewöhnt, dass ich die normalen Twitter-Buttons nicht mehr als Share wahrnehme. Sorry. 🙂

  • Guter Ansatz und nachvollziehbar. Ich interpretiere Deinen Satz „Erst wenn man genug Langzeiterfahrungen gemacht hat, würde ich hier mehr ansetzen.“ so, dass Du – außer im News-Bereich den tatsächlichen Einfluss noch recht gering im Vergleich zu den „klassischen“ Wegen siehst, oder? Zumindest ich würde die Situation so einschätzen, dass – auch im Sinne eines ausgewogenen Mixes – die übermäßige Konzentration auf Twitter gegenwärtig nicht so zielführend ist. Wobei natürlich die in der Brand-Diskussion aufgekommenen Offline-Faktoren („Offline Einfluss durch Flyer etc.“) noch schwerer algo-mäßig aufarbeitbar sind. Denke ich irgendwie zumindest 🙂

  • Hallo Julian, schöne Beschreibung eines potentiellen Szenarios, wie Google ein twitter- internes Ranking vornehmen könnte. Die viel entscheidendere Frage ist aber doch (im Hinblick auf Deine Überschrift) nicht, welche einzelnen Tweets wie gewertet werden sondern das Verhältnis von Twitter zu allen anderen Einflußgrößen. Gerade long-time! Wie schätzt Du das ein?

  • Julian

    Hi Sebastian. Sehr sehr gering.

  • ..und deswegen kann man bestimmt bald nicht nur Follower kaufen, sondern auch Retweets. 😉

  • Sehr interessanter Artikel. Dennoch würde ich die Anzahl der Follower überhaupt nicht, wenn nicht sogar als Negativkriterium werten.
    Ich habe einen Twitteraccount, bei welchem ich regelmäßig bestimmte Follower blocke. Meist sind das Follower, die irgendwelche lustigen blauen Pillen usw. anbieten und bei denen ich 100% überzeugt bin, das sie mit meinem Content überhaupt nichts anfangen können.

    Würde ich diese nicht regelmäßig löschen, hätte ich so um die 4000 Follower. Nun habe ich so ca. 100. Ich habe noch nicht verstanden, warum die mir folgen, also was sie SEO technisch gesehen davon haben, aber es ist ernsthaft 100% sicher, das sie meinen Content nicht wirklich wollen. Also was könnten sie davon haben?

    Deswegen würde ich die Anzahl der Follower erst gar nicht beachten, sondern wie im Beispiel 2 quasi nur die Retweets (und oder die Einzigartigkeit des Contents)

  • Julian

    Viele Accounts haben „Auto-Follow“ an. Deswegen followen manche Accounts tausenden von Leuten, damit sie ebenfalls tausende von Followern bekommen. Das ist der Grund warum dir so viele folgen.

  • Hi, Julian !

    Ich glaube, dass diese Signale echt überbewertet werden. soll Matt doch sagen was er will. sie wollen mitspielen, klar. aber ich sehe keinen echten effekt zwischen ranking, Facebook und twitter. Alles Hype. Beide haben ihr Vorteile nicht im Bereich der Suche zu mindest nicht außerhalb der News.

  • Ich gehöre ja nicht zu den Viel-Twitterern … kann FB für meine Zwecke mehr abgewinnen, möchte aber dennoch durch meine häufigen Aufenthalte in Indonesien an unserer Partner-Uni eine Beobachtung zu folgendem Punkt zu bedenken geben:

    „one to many“ als Trust-Güte gegenüber „many to many“ zu präferieren ist meiner Ansicht eine kurzsichtige maximal temporäre Definition und widerspricht der Netzarchitektur!

    In Asien besteht kulturbedingt ein anderer Vernetzungsgeist — man fühlt sich in der Gemeinschaft wohl — was bedeutet, wer twittert, „followed“ vielen und hat auch häufig genau so viele Follower. Das ist dort deutlich stärker in allen Netzwerken zu beobachten. In Folge dessen sind damit frei nach Prof. Dr. Peter Kruse (http://www.youtube.com/watch?v=sboGELOPuKE und http://www.youtube.com/watch?v=_YTBmkoWpoY) qualitative Aufschaukelungseffekte nicht mehr quantitativ messbar. Anders ausgedrückt — die Statistik kann daraus keinen vorhersehbaren Value oder Trust ableiten — was übrig bleibt sind Resonanzmuster und die bedürfen einer sorgsamen Bewertung.

    Somit bedarf dieser Algorithmus einer sukzessiven Anpassung (keep the balance) je mehr mündige „extrem starke Bürger“ twittern bzw. sich extrem stark vernetzen und sich das alte Upside-Down- bzw. Schneller-Höher-Weiter-Denken auch im Informationsaustausch über Twitter als Maß für Güte egalisieren wird.

    Quod erat demonstrandum … meine 5 Cent!

  • Sehr schöner Artikel, der, egal ob richtig oder nicht, zum Denken anregt und ich denke, dass sei erlaubt 😉
    Ob es „nur“ ein Hype ist bezweifle ich, denn wenn man sich die Entwicklung anschaut, erkennt man sehr deutlich, wie wichtig die sozialen Medien für die Internetnutzer geworden sind.
    Man sieht es ja daran, wie viele Artikelpost auf Twitter angepriesen werden und für einen konstanten Traffic sorgen.

    Der einzige Punkt, den ich etwas schwächer bewerten würde ist der Twitter Score. Sobald man mehr als 15 Twitter-Usern folgt, beginnt schon die Phase, in der die Timeline stets mit aktuellen Posts gefüllt ist. So sieht es bei den meisten Twitterern aber aus (also das sie mehr an nur 15 Personen folgen) Demnach liegt hier eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit vor, dass den Tweet überlesen wird.
    Hinzu kommt, dass man diesen Score im Zeitraum von 24 Stunden, 7 Tagen in der Woche und 52 Wochen im Jahr betrachten muss. Inwieweit das ein Ranking positiv beeinflussen kann, kann ich nicht sagen.

    Insgesamt muss ich jedoch sagen, dass du dir da einen schönen Algorithmus zusammengesetzt hast, der gar nicht mal so abwägig wäre.

    Liebe Grüße

  • webmatr1x

    @Julian ich dachte die Auto-Follow-Funktion wurde abgeschafft?

  • Sehr interessanter Artikel. Danke dafür.

  • Hallo! Finde also deine Vermutungen stichhaltig. Na ja, mal sehen wir, man sollte noch viel testen und probieren, und die Resultaten werden später selbst für sich sprechen

  • Daniel

    „Verhältnis Follower-Following: Wer 10.000 Leuten followed und 10.0001 Follower hat, der hat keinen Trust“

    Also ich finde zehn mal so viele follower wie selbst following ppl ist doch ganz ordentlich ;-).

  • Julian

    Ups, war nur ein Tippfehler!

  • Echt klasse Beitrag – super erklärt.

    Danke dafür

    PS: Du hast einen nen Vogel der dir folgt 😉

  • Warum ist es nicht so einfach, automatisch zu retweeten? Ich könnte mir eher vorstellen, dass variierte Tweets zu einer Seite relevant werden. Nehmen wir an, wir haben ein Netzwerk von 2000 Twitterern, die sich im wesentlichen gegenseitig folgen, dann sind Retweets aus diesem Netzwerk sicher etwas wert. Wichtiger wäre es aber, wenn unterschiedliche Netzwerke, die untereinander schwach verbunden sind den Artikel – mit unterschiedlichen Hashtags und Formulierungen twittern; Stichwort Natürlichkeit. 1000 Retweets der gleichen Message und das in kurzer Zeit deuten eher auf Manipulation hin als variierte Tweets aus unterschiedlichen Netzwerken.
    Insgesamt wird es wohl ein Kriterium unter vielen sein, z.B. wird von einer Seite, die gerade aufgemacht hat und plötzlich mit tausend Tweets auftaucht – hoffentlich – nicht hochranken.

  • Ist das nicht alles zu kompliziert gedacht? Aus dem ersten Beispiel ergibt sich doch schon eine simple Grundstruktur:

    1. Ein Tweet und keine Retweets = 1 Link
    2. Ein Tweet, 200 Retweets und davon nochmal 500 Retweets = 701 Links

    701 (schwache) Backlinks sind sicherlich besser als 1 schwacher Backlink.

  • Julian

    Nein, weil man mit deiner einfachen Rechnung ziemlich einfach Tausende von Accounts erstellen könnte, mit denen man dann twittert.

  • Moin,

    Twitter-Signale bei Google News eine hohe Relevanz zu geben, würde bisheriges Vorgehen komplett konterkarieren. Sehe die Einblendung der Empfehlungen nur als Gimmik an, genau wie die Bewertungen in normalen Serps. Evtl. in Richtung Personalisierte News ein Indiz, mehr nicht.

    Und für die Organic Search glaube ich, dass Google da nicht so banal „denkt“ und Freunde, Follower oder irgendwelche Verhältnisse bewertet. Der Google-Algo funktioniert auch ohne große Extrawurst für solche Seiten…

    Bottomline: Erwarte realtiv wenig Trustvergabe, sondern eher Einfluss in Richtung QDF und Personalisierung…

  • SEO Flatrate

    Sehr interessanter und aufschlussreicher Artikel. Vielen Dank dafür!

  • danke für die interessanten infos. da müssen wir wohl noch einiges tun damit wir unser twitter account von google wahrgenommen wird. aber man nichts desto trotz macht twittern irgendwie auch spaß 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Willst Du fit in SEO werden?

Abonniere unseren Newsletter und bleibe in Sachen SEO, Inbound- & Online-Marketing auf dem Laufenden.

Du kannst den Newsletter jederzeit wieder abbestellen.