Webprojekte kaufen: Internetseiten als Geldanlage

25. Juli 2010  |     |  19 Kommentare
Ein Beitrag von Julian

Es liegt nahe, dass man nicht immer eine neue Webseite erstellen und mit Backlinks versorgen muss, sondern auch mal ganze Webprojekte kaufen kann. Ich habe das schon relativ oft getan und bin insgesamt gut damit gefahren. Interessant finde ich, wie wenige Leute bisher in Deutschland dieses Modell kennen.

Warum kauft man Webprojekte?

Mal abgesehen von den “Riesen-Exits” so mancher Startups kann man auch kleinere Webseiten kaufen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Man bekommt ein Projekt mit existierenden Besucherzahlen und – idealerweise – auch monatlichen Einnahmen. Zudem kann man mit gut gerankten Projekten seine anderen Webseiten auch stärken, indem man Links von ihnen hergibt. Als Investment kann man die Ganze Sache natürlich auch sehen. Hier gibt es zwei Dinge zu beachten: Zum einen natürlich das stumpfe Rechnen, “Wie lange muss ich Einnahmen generieren, bis das Projekt wieder den Einkaufspreis reingespielt hat” und zum anderen sollte man auch das potenzielle Wachstum im Auge haben. So gibt es viele Projekte, die ohne SEO bereits gute Positionen haben – Wie sieht das erst aus, wenn man aktives SEO betreibt?

Was kosten Projekte?

Puh, also da gibt es eine unglaubliche Fülle von Faktoren. Ich versuche einmal einige aufzuzählen, die für mich persönlich in den Ver- oder Einkaufspreis mit einfliessen:

  • Besucherzahlen: Hier kann man grob auf die zu erwartenden Einnahmen rückrechnen. Natürlich sollte man dabei berücksichtigen, dass Besucher im Finanzbereich weit mehr wert sind als im “Gratis-Wallpaper”-Bereich
  • Einnahmen: Es ist natürlich ideal, wenn man die Einnahmen bereits kennt. Noch besser ist es, wenn man weiß, wie man selbst die Einnahmen steigern kann. Viele Projekte sind auch einnahmemäßig schlecht ausgerüstet. Das reicht von schlechter Anzeigenplatzierung bis hin zu falschen Partnerprogrammen.
  • Backlinks und Rankings: Hier gilt allergrößte Vorsicht! Manche Projekte ranken nur aufgrund von Links anderer Projekte des gleichen Webmasters. Wird das Projekt dann verkauft, fallen die Links weg und das Ranking ist dahin. Noch dreister kann es passieren, dass Projekte aufgrund gekaufter Links ranken – die fallen dann bei Verkauf natürlich auch weg. Auch ohne diese Sachen sollte man natürlich gucken, wie stabil die Rankings sind. Ging es im letzten Jahr auf und ab, war das Projekt stabil oder ist es gar gewachsen?
  • Trafficquellen: Viele Projekte beziehen ihren Traffic nicht von Google, sondern von Referrern und / oder Adwords. Bricht dieser Referrertraffic weg, dann war es das auch mit den hohen Besucherzahlen. Im Zweifelsfall nachfragen!
  • Inhalte / Aufwand: Wie viel Content hat das Projekt? Handelt es sich um ein paar Seiten oder ist es ein Newsportal mit 1.000 Artikeln? Wichtig für die meisten Käufer ist auch der Aufwand, den man hineinstecken muss: Ein statisches Projekt bedeutet fast keinen Aufwand, bei einem Newsprojekt muss man Artikel schreiben (lassen). Am schlimmsten sind Communities, die man je nach Größe auch überwachen muss: Das drückt den Verkaufspreis oft enorm. Auch bestehende Shops (mit Artikeln) werden meist eher schlecht verkauft – denn kaum jemand hat Lust auf ein Lager und Produkte verschicken, wenn er das nicht sowieso schon macht.
  • Keyword-Domain: Viele Projekte sind nicht aufgrund des Projektes teuer, sondern weil sie zusätzlich noch auf einer Keyword-Domain laufen, die per se schon mal einiges kosten kann.
  • Zukunft: Was macht das Projekt schätzungsweise in einem Jahr? Ein Beispiel wären Projekte über DVDs oder die Finanzkrise: Diese Sachen sind jetzt vielleicht noch aktuell, aber in 3,4,5 Jahren kräht kein Hahn mehr danach.
  • Thema: Das Thema ist natürlich insgesamt auch super-wichtig: Geht es um Kaninchenzüchten oder um Forex? Interessant ist auch der eventuelle Wiederverkaufswert: Wo kein Markt vorhanden ist, bleibt man auf dem Projekt sitzen.
  • Ehrlichkeit: Sehr oft sind die Angaben bezüglich Traffic oder Einnahmen schlichtweg übertrieben. Lasst euch auf jeden Fall Statistiken zeigen, bevor ihr kauft!

Die alte Formel “Einnahmen mal 24, 36 oder 48″ kann man nur in den seltensten Fällen anwenden.

Käufer und Verkäufer

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Preise gerade weil jeder unterschiedliche Kriterien hat, oft unglaublich weit auseinanderliegen. Das Wichtigste beim Verkauf ist: Realistisch bleiben. Nach dem Motto “Vielleicht ist der Kerl so dumm und zahlt mir 20.000 € für das Projekt” wird man niemals erfolgreich verkaufen. Genauso ist es umgekehrt: Schnäppchen kann man manchmal machen, aber für ein Projekt mit 1000 Besuchern pro Tag im Finanzbereich 500 Euro auszugeben, kann man auch vergessen.

Geldanlage

Zunächst einmal Klartext: Eine sichere Geldanlage sind Internetprojekte keineswegs. Niemand weiß, was in 5 Jahren im Internet los sein wird. Daher lohnt es sich vor allem, kurzfristig zu investieren und möglichst viel zu streuen: Lieber 10 kleinere Investitionen als eine Große. Als Laie kann man ein Webprojekt als Geldanlage sowieso komplett vergessen: Hier gibt es einfach zu viele Faktoren, die man nur mit Fachwissen gut beurteilen kann.

Renditen bis zu 50 % p.a. sind allerdings keine Seltenheit, wenn man das nötige Know-How (und ein bisschen Glück) hat. Trotzdem sollte man natürlich nicht sein gesamtes Geld in solche Investments stecken (= 1×1 der Geldanlagen), sondern nur etwa 10-30 % seines Kapitals daraufhin anlegen. Hohe Rendite = Hohes Risiko ist eine Grundformel, von der auch das Internet keine Ausnahme macht.

Wo kauft man Webprojekte?

In Deutschland gibt es nur www.Sedo.de als akzeptable Domainbörse. Akzeptabel deshalb, weil dort genügend Projekte zur Auswahl stehen. Allerdings sind die Sortierungsfunktionen  völlig veraltet: Angaben zu Einnahmen werden ebensowenig gemacht, wie andere wichtige Faktoren. Die Besucherzahlen werden nur getrackt, wenn man den Sedo-Verkaufsbanner sichtbar auf seiner Seite integriert. Man kann den Traffic natürlich auch per Mail schicken – aber wer macht das? Gerade größere Projekte wollen ungern den Banner auf ihrer Webseite haben, gerade weil man ja nicht nach zwei Tagen verkauft, sondern oft lange warten muss bis sich ein Käufer findet. Und viel wichtiger: Wer glaubt diesem Traffic, wenn man nicht direkt sehen kann, woher die Besucher kommen? Das liegt natürlich auch daran, dass Sedo sich anscheinend als reine Domainbörse versteht und von Projektverkauf eher weniger wissen will. Hier wäre allerdings großes Potenzial vorhanden.

Der direkte Weg zum Kauf hat meist keinen Erfolg: Wenn man Webmaster anschreibt, ob sie ihr Projekt verkaufen wollen, bekommt man eigentlich immer ein forsches “Nein” oder einen Wucherpreis serviert.

In den USA gibt es die Verkaufsbörse www.Flippa.com, die mir von der Webseite her viel besser gefällt. Großes Manko: Es werden zwar oft detaillierte Statistiken zu Besuchern & Einnahmen gegeben, die aber in sehr vielen (!) Fällen einfach gelogen sind. Hier sollte man wirklich drei Mal hinsehen, bevor man ein Gebot abgibt – nirgends ist es so unsicher Projekte zu kaufen, als im internationalen Bereich. Dafür sind die Preise deutlich niedriger als in Deutschland: Mehr Rendite, mehr Risiko also.

Zu guter Letzt: Wer seine Webseite verkaufen möchte (mit Einnahmen & Rankings, sowie Verkaufspreis), der darf sich übrigens gerne bei mir melden! ;-)

Bild: Icanhascheezburger.com

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Über den Autor

Julian Dziki ist SEO, Online Marketer und Affiliate seit 2007. Suchmaschinenoptimierung München

19 Kommentare

  • Hallo Julian, guter und interessanter Artikel!

    Bei der Bewertung der Projekte kann man möglicherweise auf das Ertragswertverfahren zurückgreifen. Hier werden die Erträge des Blogs mit dem Zinssatz einer Alternativanlage verglichen.

    Ganz einfach gesagt: Der Blog bringt monatlich 700 € und verursacht übers Jahr gesehen 250 € Kosten. Nach bisherigen Kenntnissen wird diese Situation auch in Zukunft so bleiben. Demnach haben wir konstante jährliche Einnahmen i. H. v 8400 € (12 * 700 €) abzgl. 250 €, also 8150 €.

    Nehmen wir nun den aktuellen Zinssatz für langfristige Bundesanleihen (hier vllt. 5, 10 oder 15 Jahre; eher 5), also 2,5 %. Dazu rechnen wir noch einen Risikozuschlag (Risikosituation des Blog) von 7 % (sind aus der Luft gegriffen, üblicherweise befindet sich dieser in einem Bandbreite von +3 bis + 10 %), da die Einnahmequelle “Blog” mit vielen Risiken verbunden ist. So entsteht ein Kapitalisierungszinssatz von 9,5 %.

    Jetzt wird die sog. ewige Rente berechnet. Hier teilt man den prognostizierten Jahresüberschuss durch den Kalkulationszinssatz:

    8150 €/ 0,095 = 85790 € = Wert des Blogs

    Das obige Verfahren stellt die Ertragswertmethode in ganz groben Schritten dar. Normalerweise plant man die Erträge der nächsten 3 – 5 Jahre mittels einer Detailplanungsrechnung. Verhandlungsspielraum bietet natürlich der Zinssatz (Basiszins + Risikozuschlag) und die Höhe der zukünftigen Jahresüberschüsse.

    Der Vorteil: Einen plausiblen Wert des Blogs ermitteln
    Der Nachteil: Ermittlung der einzelnen Parameter

    Bei Blogs, die hohe Erträge erwirtschaften, sollte man unbedingt einen Experten der Unternehmensbewertung ansprechen, bevor man sich auf Methoden á la “Umsatz mal 4″ o.ä. einässt.

    Ich gehe im August mit einem Online-Tool zur Bewertung von Unternehmen auf den Markt. Einfach mal vorbeischauen und für den Newsletter anmelden! (Klick auf meinen Namen)

  • Schöner Beitrag zu einem schwierigen Thema. Die Suche nach schönen Projekten ist sehr zeitintensiv, besser finde ich einfach im täglichen Weballtag die Augen offen zu halten und ggf. ein Projekt mal genauer anzusehen (die Sicht dafür muss jedoch zuerst antrainiert werden).

    Habe jedoch selber noch nie ein solches Investment gemacht – hoffe es kommt noch.

  • Sehr interessantes Thema! Bin eigentlich auch immer auf der Suche nach neuen Projekten, meines Wissens nach sieht es an Website Marktplätzen in Deutschland wirklich sehr mager aus.

    Auch eBay hat ja eine Domain/Projekt Kategorie, ist aber vermutlich auch keine gute Alternative.

    Kannst Du kurz beschreiben, wie Du glaubst, dass man gut Projekte mit Potential findet? Es tun sich damit sicher viele schwer.

  • Max

    Schöner Beitrag. Manchmal lassen sich Projekte auch noch über größere (Webmaster-)Foren ergattern, aber das hat auch oft mit Glück zu tun, dass man da drauf stößt. Kann sich aber lohnen, gerade wenn jemand aus zeitlichen Gründen sein Projekt abgeben will/muss/soll.

    OT: Dein “Buchen-Button” unter den Postings ist sehr schwer lesbar, zumindest die blaue Schrift.

  • Guter Beitrag zu einem bei mir aktuellen Thema. Ich habe eine Domain mittels Sedo gefunden. Backlinks ca. 1000 (nix besonderes dabei), Sichtbarkeit in Sistrix nicht gerade der Hit, Domain selbst beinhaltet zwar das Keyword ABER nicht sowas besonderes das man diese UNBEDINGT haben muss…. Gesagt, getan! 500,- Euro via Sedo dafür geboten, Rückmeldung kam am nächsten Tag: “22.000 Euro, man habe schließlich mit der Domain in den vergangenen Monaten 6stellige Umsätze gemacht”…. Wir reden aktuell von einer SEDO-parkingseite, war es auch die letzten Monate…

    Es gibt also auch genug Anbieter die einfach nur Preisvorstellungen jenseits von gut und böse haben

  • Guter Artikel. Ich stimme Till zu, eine Ertragswertberechnung macht Sinn. Ich würde den Risikozinssatz jedoch sogar noch höher einschätzen, gerade weil man in dem Bereich echt nicht weiß ob das Ding in 3 Jahre überhaupt noch jemand liest. Wahrscheinlich kommt man wegen des hohen Risikos dann an Werte die näher am 4er Multiplikator sind.
    Was auch mit einfließen darf in die Kalkulation sind etwaige Synergien, die sich bei dem Käufer ergeben. Wenn dieser mit Gewissheit den Umsatz verdoppeln kann (durch die im Artikel genannten Maßnahmen) dann kann er auch ruhig etwas überzahlen. Das Investment sollte sich dann immernoch lohnen.

  • Guter Artikel. in der Praxis gibt es aber folgende Probleme.
    Der Domainer sieht nur den Wert der Domain. Der SEO nur Einnahmen von Adsense, Linkverkauf und co.
    Der Tatsächliche Wert ist aber meist viel höher. Da man mit neuen Projekten auch mehr Möglichkeiten für Linktausch/Linkvermietung etc. hat.
    Meist wird gerade mal letzte Jahreseinnahmen/12 * 10 bezahlt.
    Meiner Meinung nach zu wenig.
    Darüber hinaus wird bei den Einnahmen meist “geschwindelt”, so haben Projekte die ich gekauft habe nur etwa die hälfte der Angeblichen Einnahmen generiert. Mit meinen wenigen Zukäufen bin ich allerdings trotzdem zufrieden.

    Hätte auch einige Projekte abzugeben Bereich mittel xxx bis xxxxx. Wer Interesse und Budget hat kann mir gerne Mailen.

  • Netter Artikel. Und vllt hast du ja interesse am folgenden Projekt http://www.sedo.de/search/details.php4?domain=widerstand-berlin.de denn dies will ich gerne abstossen.

  • Klasse Artikel!

    Bei fairen Geboten, hab ich auch was nettes mit Umsätzen im Bereich x.xxx:
    http://www.hsdpa-umts-prepaid.de/

    Beste Grüße,
    Oliver

  • Top artikel, Julian. Lass dir doch mal von SEDO Statistiken geben, wie die Projekte verkauft haben die letzen Jahre. Das wäre spannend!

  • Sehr interessanter Artikel. Und auch der Beitrag von Till ist sehr hilfreich. Ich beschäftige mich eigentlich nicht hauptberuflich mit dem Thema SEO etc.. Mache mir aber seit einiger Zeit Gedanken, wie ich meine Projekte (Thema Videoüberwachung, Sicherheitstechnik, etc) in eine neue Partnerschaft einbringen kann. Auch wird es sehr spannend, einem Partner die werthaltigkeit dieser Projekte plausibel zu machen.

  • Diese Seite steht zum Verkauf: http://www.hsdpa-umts-prepaid.de

    Umsätze im x.xxx Bereich. Wer ernsthaftes Interessa hat, kann gerne mal anklopfen.

    Beste Grüße,
    Oliver

  • Vielen Dank für die Infos. Hast ein recht interessanten Artikel geschrieben. Auf was man auch heute noch bei einem Webprojekt schauen sollte, ist die Listung bei dmoz. Das bringt immer noch ordentlich Links und spricht generell für die Webseite.

  • interessante, aber final recht hypothetische Ausführungen. Klassische Unternehmensbewertungen sehen lediglich die reinen IST-Zahlen, Perspektiven sieht man nur bedingt. Webprojekte kauft vermutlich aber nur jemand aus SEO- oder Marktausweitungsgründen. Wie ist die Site gelistet, wie alt sind Domains, reine Datenbanklistigs/Kataloge oder echter, gepflegter Textcontent (Wert der Seite=Texterhonorar pro Wort?), gibt es innerhalb des Projektes eigene Synergien, gibt es bereits Einnahmen – reine Werbeeinnahmen oder auch operativ (z.B. eine Shopwebsite mit realen Verkäufen/Erlösen) ect.
    Sachade, dass dazu nicht mehr nachgetragen wurde, hielte ich für sehr interessant

  • Mich dünkt gerade der Verkauf im Internet richtig übersättigt mit Mist. Oder täuscht das?

  • Vielen Dank für die Infos

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