Warum immer die gleichen Themen?

28. November 2008  |   Allgemein  |  26 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

Manchmal verstehe ich einfach nicht, warum jeder zweite freie SEO eine Webseite zu den Themen Handy, DSL, Kredit oder Versicherungen hat, wenn es so viele kleine Bereiche gibt, in denen man tätig werden kann. Dort ist es einfacher und gerade für “Anfänger” oft vielversprechender.

Was fehlt im Netz?

Bei mir war es anfangs ja nicht anders: Ich habe einfach müllige Seiten zu allen möglichen Themen gemacht, nach dem Motto: “Machen ja viele, also muss es rentabel sein.” Weil es aber so viele (besser) machten, bin ich natürlich nicht mit meinen schlechten kleinen Seiten nach oben gekommen.

Fast alle meiner Projekte, die diese Zeit überlebten und seitdem erfolgreich geworden sind, haben eines gemeinsam: Sie bieten einen Mehrwert an, den es sonst nirgends gibt.

Kurz: Sie sind sinnvoll.

Die 182.000ste Seite zum Thema “Kredit” sollte man gar nicht mehr anfangen. Wer jetzt noch gut im Rennen ist, hat natürlich andere Karten. Ebenso anders verhält es sich bei einem komplett neuem Kreditangebot einer Firma, die mit mehreren Millionen Euro ins Geschäft einsteigt. Diese haben dann allerdings ein neues Produkt und nicht nur eine neue Seite mit den immer gleichen Produkten.

Ich sage nicht, dass es unmöglich ist mit einer Affiliate Seite heute noch nach oben zu kommen, aber es ist klüger, in neue Bereiche zu gehen wo sich nicht so viele tummeln.

Ein Beispiel hatte ich früher schon einmal erwähnt – niemand hat sich darum gekümmert: Briefmarken. Wer sich die Seiten in diesem Bereich ansieht, der weiß dass dort keine (oder kaum?) SEOs unterwegs sind. Es pfeift der Wind – aber nicht vom Traffic her!

Hoffentlich ist jetzt niemand sauer weil ich seine Nische promote, aber es ist ja nur ein Beispiel von vielen! Hier mal kurz eine kleine Checkliste, die ich immer in meinem Inneren durchgehe bevor ich ein Projekt dazu aufsetze.

Checkliste Briefmarken

  • Traffic: Sehr gut. “Briefmarken” liegt bei über 10.000 Suchanfragen pro Tag und bereits Longtail Kombinationen wie “DDR Briefmarken” schaffen es auf über 1.000 Suchanfragen pro Tag.
  • Zielgruppe: Briefmarkensammler sind meist männlich und besserverdienend, weil gebildet. Sehr gut!
  • Partnerprogramme: Die E-Filiale der deutschen Post und viele andere bieten Partnerprogramme an. Bei der deutschen Post kommt man auf 8 % PPS.
  • Adsense: Nicht gerade viel, aber es bietet eben kaum jemand professionell darauf.
  • Konkurrenz: Liebevoll gestaltete, uralte Seiten – allerdings kaum von echten Internet Profis. Es fehlen richtig gute Seiten – ein großes Portal habe ich nicht gefunden.
  • “Linkgeiz-Faktor”: Sehr wichtig für den Linkaufbau. Im Gegensatz zur Kreditsparte werden sicherlich viele Webmaster mit richtig guten Seiten einen freiwilligen Link setzen, wenn die eigene Seite qualitativ gut ist.
  • Community-/Mitarbeitsfaktor: Wie viele richtig engagierte Briefmarkensammler gibt es in Deutschland, die liebend gerne für ein Online Magazin zum Thema gratis Texte schreiben würden (*hust*)? Wie wäre die Beteiligung in einem Forum? Dieser “Mitmach-Faktor” ist auch sehr gut.
  • Fachtiefe / Kenntnisse nötig: Man benötigt jemanden, der sich gut im Thema auskennt. Davon gibt es aber viele – und Texter dürften in diesem Bereich nicht allzu teuer sein.
  • Extra-Bonus: Keine Rechtsberatung, aber laut Wikipedia sind Bilder von Briefmarken gemeinfrei, d.h. sie dürfen verwendet werden (soweit ich weiß, aber nur als Marken – die Motive allein sind etwas anderes, bitte den eigenen RA fragen). Ein sehr gutes Argument!

So ganz grob ergibt sich dann ein reeles Bild von den Chancen, den Kosten und vor allem dem vorraussichtlichem Gewinn. Man muss das Ganze dann natürlich dynamisch betrachten: Es kann sein, dass es eine enorme Konkurrenz gibt man aber ordentlich “Druck” macht und mit einem dicken Budget und einem Heer von Leuten ein Web2.0 Projekt aufmacht. Der Großteil von uns wird aber eher kleine One-Man-Show Projekte haben und sollte sich daher ruhige Gewässer aussuchen. Für die erste Einschätzung reicht daher diese kleine Liste. Wenn es dann konkreter wird, sollte man immer noch einige Tage warten und sich besser in das Thema einarbeiten, sowie andere Faktoren berücksichtigen.

Das absolute O.K. gebe ich mir persönlich immer, wenn ich, je mehr ich nachdenke feststelle, dass mein neues Projekt wirklich eine Bereicherung für dieses Themengebiet wäre. Im Briefmarkenbereich wäre ein täglich geführter guter Blog mit echten Inhalten (keine AV-Texte!) z.b. ein richtiger Hit, würde schnell in der “Szene” bekannt werden und auch völlig ohne SEO wahrscheinlich ein Renner. Mit SEO natürlich noch mehr. :-)

Das Thema “Briefmarken” war jetzt kein Witz – Hier ist wirklich eine richtig gute (und immer noch freie!) Nische! Vielleicht mach ich selbst auch noch was, wenn sich wieder niemand rührt. ;-)

SEO Wahlen: Die Kritik an den Seo-Wahlen habe ich übrigens auch mitbekommen. Ich wollte mich dazu nicht äussern, weil es in ein reines “Dissen” und “Linkbaiten” überging. Auch ich habe einige Fragen seltsam gefunden (bester SEO = unmöglich zu bestimmen) und es hätten mehr Leute nominiert werden sollen (z.B: Seo-News.at als Newcomer). Kritik sollte man allerdings nur öffentlich üben, wenn man auch echte Alternativen bietet.

Ein reines “Mann ist das schlecht” hilft niemandem weiter. Eine konstruktive Kritik verbunden mit einer neuen, eigenen und besseren SEO-Wahl wäre auf jeden Fall sinnvoller gewesen. Der Meinung ist auch Seolicious. Also in Zukunft bitte selbst besser machen oder hinsetzen und still sein.

Beitrag teilen:

Über den Autor

Julian Dziki ist SEO, Online Marketer und Affiliate seit 2007. Suchmaschinenoptimierung München

26 Kommentare

  • Eine Alternative zur SEO-Wahl? Keine SEO-Wahl. Ganz einfach. :-)

  • Ich finde deine Strategie, Nischen zu besetzen, wirklich interessant und sie erscheint mit sinnvoll. Du schilderst das sehr anschaulich. Danke.

    Btw; Dein Ziel, die Alexa Marke von 100.000 zu knacken ist ja fast schon erreicht ;-)

  • Stanley

    Ein sehr interessanter Ansatz mit den Briefmarken, nur sollte man sich in dem Thema auch auskennen – deshalb ist das leider nichts für mich.

  • Hallo Julian,

    sehe mich in dem Post ein wenig selber. Habe in letzter Zeit auch massig Seiten in umkämpften Gebieten “aufgebaut”. 3 Seiten sind schließlich auf dem richtigen Weg, allerdings hat mich das viel Mühe und Fleiß gekostet, die in anderen Bereichen vielleicht effektiver gewesen wäre. Man lernt nie aus. :)

    Gruß
    Benjamin

  • Hi Julian, also wenn ich Quick-n-Dirty in das Google Adwords Keywords Suggestion Tool schaue und mir die durchschnittlichen Suchvolumen ansehen, dann komme ich für “briefmarken” auf 304.000 Suchen täglich und bei “ddr briefmarken” auf 10.000 Suchentäglich. Wie kommst du auf Deine Zahlen? Ansonsten viel Erfolg im Philatelie-Business ;-)

  • Julian

    @ Marcel: Du solltest auf “Übereinstimmungstyp: Exakt” gehen, dann bekommst du den Traffic nur für dieses Key (ohne “Briefmarken + 2. Wort”) ;-)

  • Hi,

    ja das ist schön noch mal über nischen zu schreiben und eigentlich ist die Idee mit den Briefmarken ned schlecht. Nur kenne ich mich da ned wirklich aus. Ich möchte aber nur Projekte starten bei denen ich mich auch aus kenne. Aber leider finde ich ist es so schwer ne gute Nische zu finden da fehlt mir etwas die Kreativität

  • Die Idee ist scheisse. Wenn sie gut, wäre hättest du nicht drüber geschrieben, sondern es einfach selber gemacht ;-) … und schade das du die Oberdizzer auch noch verlinkst.

  • Stanley

    Hallo,

    nen paar Projekte in der Richtung gibt es aber schon…z.B. http://www.philaforum.com/

    Gruß,

    Stanley

  • Stanley

    @Andreas

    >Aber leider finde ich ist es so schwer ne gute
    >Nische zu finden da fehlt mir etwas die
    >Kreativität.

    so gehts mir auch :)

  • Friday

    Sehr gut geschrieben, Julian. Ich meine, dass Dein Platzhalter genau den Nerv trifft. Nischen gibt es ohne Ende, nur sind die meisten zu unflexibel, diese zu erkennen und eine richtig dicke Mark zu machen. Wir haben uns da ja schon das eine oder andere mal darüber unterhalten. Beispiele gibt es ohne Ende.
    Zum Thema Kredite: Wenn sogar unsere studierten Banker weltweit zu blöde sind, zu wissen, was ein Kredit ist, kann man das doch nicht von einem SEO erwarten. Das würde ich wirklich lassen heutzutage.

  • Finde die Sache mit den Nischen sehr spannend. Dort kann man sich einige starke Seiten mit der Zeit aufbauen. Man muss natürlich auch fehltritte kalkulieren… Aber gute Auflistung des Beispiels.

  • D!

    Hallo Julian! Ok, das Thema “SEO Wahlen” haken wir an dieser Stelle gleich mal ab ;) Wichtiger: Ich habe mir gerade mal deinen “Nischen”-Artikel durchgelesen. Deine Checkliste gefällt mir wirklich gut! Ich habe gestern selbst ein neues Projekt gestartet, wobei der Bereich (leider) auch etwas härter umkämpft ist. Naja, zumindest hat es nichts mit Krediten oder Versicherungen zutun ;)

  • Ah, sry hast recht, mein fehler… dann passt’s natürlich! ;-)

  • J

    Schön, dass mal ein SEO-Blog auch mal richtig konkrete Tipps liefert. Vor einem Jahr wäre der Artikel für mich jedoch noch viel Wertvoller gewesen. Mittlerweile habe ich selbst auch die ein oder andere Nische finden können. Weiter so.

  • J

    Sorry für das Doppelpost. Hab noch was vergessen. Die x-te Kreditseite und y-te Handypage gibt es meiner Mieinung nach vor allem auch deshalb, weil man dann einfach besser an Links tauscht. Zumal ja in vielen Foren immer gepredigt wird wie wichtig Themenrelevanz sei!

  • @Stanley: du nennst Philaforum eine Konkurrenz für ein echtes SEO Projekt?
    http://www.google.com/search?num=100&hl=en&q=site%3Awww.philaforum.com&btnG=Search
    Paar Seiten im Index, aber schon am Titel der Forenseiten erkennt man, dass da jemand höchstens rudimentäre Ahnung von SEO hat.

    Spannende Nische, nur dass sie langfristig gesehen nicht wachsen, sondern schrumpfen wird. Aber die alten Briefmarkenläden machen immer noch brauchbares Geld. Tipp: eBay!

    Es gibt aber dutzende anderer Nischen, die entdeckt werden wollen. Und als Nischen würde ich auch bereiche bezeichnen, in denen schon andere, aber eben nur 4-5 SEOs unterwegs sind – es gibt 10 Plätze bei Google und je longtailiger das Thema, desto mehr Abwechslung ist möglich… Am besten immer von eigenen Interessen und Begeisterungsfähigkeit ausgehen, denn Themen ohne Leidenschaft dafür zu bearbeiten ist am Ende nur Arbeit ohne Spass daran…

    lG
    Randolf

  • @Randolf

    das hab ich doch nie behauptet :)

    Wenn du noch ne hübsche Nischen-Idee hast dann her damit :)

  • seriousbadman

    tja, so habe ich das auch gemacht und bin auf nase gefallen, weil ichs nicht monetarisieren kann. muss man aufpassen.

  • Die Liste ist klasse.. schön mal konkrete Aussagen zu finden. Meistens halten die bloggenden SEOs mit ihrem Wissen da ja dicht ;)

    Wie genau machst du das mit dem Traffic?

  • Ich habe die gleiche Erfahrung gemacht: Nur eigenes und authentisches hat Chancen, gelesen zu werden. Man muss was (eigenes) zu sagen haben. Deshalb ist es besser, in sich zu gehen als sich zu stark von aussen beeinflussen zu lassen. Im Sprachgebrauch gibt es den Begriff “Worthülsen”. Worthülsen sind sinnentleert und gedanklos gebrauchte Wörter (Wikipedia). Für kopierte Blogs (damit meine ich auch nur die Themen), könnte man analog “Bloghülsen” verwenden. Im Gegensatz zu Worthülsen kommen aber Bloghülsen nie beim Empfänger an.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>