Userverhalten und SEO: Der “weiche” Rankingfaktor

9. November 2012  |     |  10 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

Seit etwa 2010 gibt es ihn, doch kein Rankingfaktor ist so schwer zu fassen wie derjenige der Relevanz. Wie kann man “Relevanz” bei Google eigentlich erreichen? Wie misst die Suchmaschine diesen Faktor und warum bringt es nichts, ihn zu faken?

Mehr Relevanz in Suchergebnissen

Früher war alles besser. Da schaffte man es auch für “Schuhe Online Shop” in den Top10 zu sein, wenn man nur eine Affiliate Seite war, die auf Schuh-Shops verlinkte. Man benötigte einfach genug Keywords mit dem entsprechenden Anchortext und eine darauf optimierte (Unter-)Seite. Heute geht das nicht mehr. Warum?

User-Behaviour

Vereinfacht ausgedrückt: Wenn ein User nach “Schuhe Online Shop” sucht, dann will er einen Schuh Shop finden, keine Liste mit Schuh Shops oder einen allgemeinen Artikel über “Schuh Online Shops”. Die Liste hat er ja bereits in Google, wobei er dort sich einen Shop zum Klicken aussucht. Wer also die Domain SchuhShopListe24.de oder sonstiges hat, der wird nur sehr wenige Klicks bekommen.

Hier kommt der Algorithmus ins Spiel: Wenn ich als SEO auf ein Keyword optimiere, das nicht exakt zur Suchanfrage passt, dann komme ich immer noch in die Top10. Ab den Top10 wirkt aber ein anderer, sehr wichtiger Rankingfaktor: Das Userverhalten. In den Webmastertools könnt Ihr sogar genau sehen, was Google macht. Sie verschieben ständig Positionen in den Top10 und sehen nach, wie es sich z.B: auswirkt, wenn man die Domain auf Platz #9 auf den ersten Platz bringt.

Hier einmal ein Beispiel für “Suchmaschinenoptimierung München”

Positionswechsel in den Webmastertools sichtbar

Man kann hier sehr gut sehen, dass Seokratie.de meistens auf Platz 6-10 ist, aber auch mal auf Platz 5, 4 oder gar auf der zweiten oder dritten Seite. Es wird immer für einige wenige User ein anderes Ergebnis angezeigt und Google sieht sich dabei an, wie zufrieden die User mit den “neuen” Top 10 sind. Ist eine Seite nicht qualitativ hochwertig oder passt nicht zum Suchbegriff (wie “Schuhe Online Shop”), dann fliegt sie nach einer gewissen Zeit in den Top10 wieder heraus.

Wie findet Google das heraus?

Google sieht in der Regel nur das, was auf Google.de passiert. Das reicht ihnen aber oft auch aus! Wenn ein User nämlich auf “Schuhe Online Shop” klickt, die Affiliate-Seite besucht und unzufrieden ist, dann klickt er auf den “Zurück”-Button, kommt wieder zu Google und klickt dann auf das nächste Ergebnis. Wenn das nicht nur einer, sondern hunderte machen, weiß Google, dass diese Seite nicht so gut in die Top 10 passt. Dabei ist es egal, ob das Design schlecht ist, die Texte, der Preis eines Produkts oder sonstiges: Der User ist nicht zufrieden. Natürlich sieht Google auch, ob ein User erst einmal alle Ergebnisse ansieht und sich dann wieder einer bestimmten Webseite, die er vorher verlassen hatte widmet.

Absprungrate kann auch gut sein!

Das Ganze hat übrigens wenig mit Absprungrate zu tun. Denn wenn ich nach “Wie hoch ist die Zugspitze” suche, klicke ich auf ein Ergebnis, sehe meine Antwort und bin nach wenigen Sekunden wieder weg von der Seite. Wichtig ist jetzt, was danach passiert: Ich klicke kein weiteres Ergebnis an, sondern starte eine neue “Search Session”, suche also nach etwas anderem oder nach gar nichts.

Das Ganze geht sogar noch genauer: Google sieht auch, wie viel Fachwissen auf einer Webseite ist. Suchen viele User nach “Urlaub Österreich”, kommen auf eine Webseite und einige gehen danach zu Google zurück und geben “Urlaub Kitzbühel” ein, aber es geht niemand zurück und sucht nach “Urlaub Kärnten”, dann weiß die Suchmaschine, dass diese Webseite für “Urlaub Österreich” und “Urlaub Kärnten” Relevanz hat, aber nicht für “Urlaub Kitzbühel”. Ob Google allerdings schon so tief in Userdaten hinein geht, weiß ich nicht.

Was tun (als SEO)?

Man sollte nicht versuchen für Begriffe zu ranken, für die man es nicht verdient hat. Wer für “SEO Lexikon” ranken will, der konnte früher einen Artikel mit der Überschrift “SEO Lexikon” und Müll-Content schreiben und war bei genug Links auch in den Top10. Heutzutage musst man auf der Landingpage ein Lexikon sein, also wirklich mehrere Unterseiten anbieten, idealerweise eine A-Z Sortierung (wie jedes Lexikon) und Fachbegriffe erklären. Google ist dabei nicht so schlau, dass der Algorithmus “von sich aus” den Unterschied zwischen einem Lexikon und einem Artikel “Lexikon” erkennt, sondern die eigentlich “contentblinde” Suchmaschine sieht das durch das Userverhalten. DAS ist übrigens der Kernpunkt des Panda Updates gewesen. Natürlich braucht man gleichzeitig mehr Links als die Konkurrenz, aber je relevanter man ist, desto weniger Links braucht man.

 

Eure Meinung?

Foto Copyright: Dorottya Mathe / Shutterstock.com

 

 

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Über den Autor

Julian Dziki ist SEO, Online Marketer und Affiliate seit 2007. Suchmaschinenoptimierung München

10 Kommentare

  • Das meine ich auch.

    Das Userverhalten ist technisch viel einfacher als so mancher glauben mag und wenn man, wie du schreibst, tiefer in die Userdaten reingeht, dann gibt das sehr viele “indirekte” Rückschlüsse über die Qualität der Webseite.

    Ich würde sogar sagen, das diese Rückschlüsse, genau genommen logischerweise aussagekräftiger sein dürften als bestimmte Linkstrukturen und das besten, für Google, daran: Sie können es direkt steuern und messen.

    Also spätestens wenn es eine Seite geschafft hat, mit welchen Methoden auch immer, in die Top 30 zu kommen, wird sie sich im Userverhalten beweisen müssen. Merkt man z.B. oft daran dass ab 30 viel langsamer geht, wenn man an den “falschen” Schräubchen dreht :)

    Grüße

    Maxim

  • Hallo Julian,

    bin da voll bei Dir. Gefühlt würde ich sagen, dass die Top 3 zu einem großen Teil durch Usermetriken & Relevanz entschieden wird. Sicherlich brauchst Du noch Links aber nur, um die Chance zu haben in die Top 10 und damit in die Metriktests zu kommen.

    Einziger Wermutstropfen dabei ist aus meiner Sicht folgendes Szenario: Angenommen in den Top 3 ranken 3 Seiten. Ein Shop mit Markenprodukten zu höherem Preis, ein Shop mit qualitativ minderwertigen Produkten zum Schleuderpreis und ein Preisvergleicher.

    Die Usermetriken beim Preisvergleicher werden wohl besser sein, als die beider Shops, denn der Kunde möchte zunächst natürlich beim besten und günstigsten Shop einkaufen.
    Vergleicht man die Metriken der Shops miteinander, wird wohlmöglich der Günstigere gewinnen. Geiz ist schließlich geil! Das heißt also, dass der Shop mit dem Qualitätsangebot nahezu keine Chance hat, auf 1 zu ranken.

    Wie siehst Du das?

  • @Stefan, wäre das falsch? Wenn die Nutzer gerne billig shoppen möchten, sollten sie auch den billigen Shop auf der #1 finden.

    @Julian, wieso “sieht Google in der Regel nur das, was auf Google.de passiert”? Mit gut einem Drittel Marktanteil, könnte Chrome doch auch Daten sammeln und weitergeben, auch nachdem die SERPs bereits verlassen wurden…

    Habe noch keine Pakete daraufhin untersucht, vielleicht weißt du ja, dass sie es nicht tun. Falls nicht, wäre ich fast sicher, dass sie diese Quelle nutzen.

  • Hallo zusammen,

    Google verfügt mit der Toolbar oder eigenen DNS-Servern durchaus über Möglichkeiten, auch fernab der SERPs Informationen zum Nutzerverhalten zu sammeln. Auch das AdWords/Adsense-Netzwerk darf man dabei nicht übersehen. Schließlich werden eingebettete AdWords von Google getrackt. Es ist also nicht immer eine Google-Analytics-Installation erforderlich, damit Google weiß, wie lange ein Nutzer auf einer Website war, und was er dort gemacht hat.

    Steven

  • Zum Thema Spuren im Netz hier mal ein toller Link:
    http://goo.gl/9XedE

    Ich kann deine Beobachtungen bestätigen. Guter Inhalt wird auch bei Artverwandten Keywords in die Top 10 geholt.

    Es reicht aber nicht aus, jetzt nur den Content zu erweitern um ein besseres Ranking zu erhalten. Ich denke, der muss sich tatsächlich erst bewähren.

    Auch sollte man neu erstellten Content vorsichtig verlinken. Links aus nicht relevanten Quellen sind dabei eindeutige Signale.

  • …hat Spaß gemacht, den Artikel zu lesen. Somit komme ich immer wieder zum gleichen Ergebnis.

    CONTENT IST KING!!!!!

    Zusammen mit den Links ein Königreich. :D

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