Trust bei Google: Was bedeutet das eigentlich?

6. Juni 2011  |     |  11 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

Es wird immer zu oft und zu viel über „Trust“ (= Vertrauen) von Google geredet, ohne dass jemand Genaueres dazu schreibt. Jeder SEO schreibt sich heute auf die Brust „Man braucht Links von vertrauenswürdigen Seiten“ oder kurz: Man braucht „Trusted Links“. Aber wie sieht so ein Link aus und woran merkt man es, wenn die eigene Seite Trust hat?

Pagerank – Trustrank

Google gibt dem Pagerank schon lange keine große Bedeutung mehr, auch wenn er immer noch in den Algorithmus einfliesst. An dessen Stelle ist der Trustrank eingeführt worden, der theoretisch mit einer handgemachten Liste von 200 Seiten erstellt werden kann. Man nehme CNN.com , Whitehouse.gov und insgesamt die 200 größten und vertrauenswürdigsten Webseiten der Welt und gebe diesen den Status „Trusted 10“. Dann sieht man sich an, worauf diese Webseiten verlinken und gebe den Verlinkten den Status „Trusted 9“. Denn wenn CNN.com eine Webseite verlinkt, dann besitzt sie ein hohes Maß an Ansehen – CNN würde niemals auf Schrottseiten linken (sage ich mal blauäugig…).

Und jetzt kommt auch der Clou: Habe ich eine schlechte Affiliateseite und betreibe mit anderen schlechten Affiliateseiten Linktausch, dann haben alle diese Seiten meistens höchstens einen (fiktiven) Trustrank von 2, weil keine Zeitung, kein größeres Online Magazin und keine vertrauenswürdige Webseite auf Damenstiefel-guenstiger-24-experten.de verlinken würde. Ich bin also in der Linkpyramide sehr weit von den „Trusted 10“-Links entfernt, weil mein ganzes Linkumfeld kein Vertrauen von anderen Webmastern besitzt. Die schlechten Affiliateseiten bleiben also in ihrem eigenen Einheitsbrei von Trustrank2, während bessere Seiten auch mal einen sehr hohen Trustrank-Link bekommen können.

Klingt nach Pagerank? Nicht ganz. Der entscheidende Unterschied ist, dass beim Trustrank die besten Webseiten manuell bewertet werden, während ein Pagerank 10 zumindest theoretisch auch mit einer absoluten Spamseite möglich wäre. Ein erstklassiger Artikel hierzu findet sich übrigens bei hier von Dominik Scheiner in seiner Seminararbeit „Trustrank“.

Trust tatsächlich besitzen

Tja, woher weiß ich ob ich Trust habe, wenn ich nicht zu den Top200 Domains weltweit gehöre? Zunächst einmal hat Google höchstwahrscheinlich ein viel größeres Set von Domains, auch in Deutschland. Außerdem ist Trust nicht nur linkbasiert. Es spielen sehr viele Faktoren hinein. Dazu gehören:

  • Zeit: Wie alt ist die Seite? Was geschah in der Vergangenheit? Gab es bereits einmal Penalties?
  • Onpage Faktoren: Verkauft die Seite Links? Geht sie sehr freizügig mit Verlinkungen um oder verlinkt sie nur sehr selten nach außen?
  • Bekanntheit: Wie oft wird der Name der Webseite gegooglet? Wie viele „Mentions“ hat die Webseite auf anderen Webseiten?
  • Und natürlich: Von wie vielen Trusted-Seiten wird sie verlinkt? Von welchen? Seit wann? Auch in letzter Zeit? Und so weiter… 🙂

Am Trust-Algorithmus wird meiner Meinung nach immer noch gearbeitet, weil er so unglaublich umfangreich ist. Es zählen unzählige Faktoren hinein, die ständig angepasst werden. So kann auch ein „Datenschutz“-Link den Trustrank beeinflussen: Zwar vielleicht nur um 0,05 Prozent – aber wer von 1.000 möglichen Faktoren (meist intuitiv) 900 erfüllt, der hat dann eben meistens auch eine vertrauenswürdige Webseite. Auch die mittlerweile konkret formulierten Panda-Tipps seitens Google wie z.b: „Würde ich dieser Seite meine Kreditkartendaten geben?“ sind sicher ein wichtiger Faktor.

Trust erkennen

Früher konnte man Trust recht einfach erkennen: Eine Pferdeseite rankte auch für einen hartgesottenen Begriff im Finanzbereich, wenn man auf der Seite dazu einen Artikel geschrieben hatte. Leider ist das heute nicht mehr so einfach: Das Ranking wird immer stärker thematisch berechnet und eine Gesundheitsseite kann nur recht schwer etwas im Modebereich reissen. Vielmehr gibt es so etwas wie „Trust-Cluster“. Jeder, der für einen bestimmten Bereich SEO macht, dem fallen in den Top10 immer wieder die gleichen Seiten auf. Oft sind das natürlich Mitbewerber, aber es gibt auch genug neutrale Seiten im Netz.

Wichtig ist, dass man keine SEO-Brille bei der Begutachtung von Trusted Seiten aufgesetzt haben sollte. Oft sind diese Seiten nicht optimiert, uralt und haben teilweise auch gar keine guten Rankings. Aber das Gute daran ist eben: Sie sind uralt und meist sind die Webmaster Hobby-Experten auf ihrem Gebiet. Man kann auch mit verschiedenen Tools arbeiten, die einem beispielsweise Domains aufzeigen, von denen drei Konkurrenten einen Link haben. Wenn ich dann der vierte Link werde, dann schadet das sicher nicht. Andere Faktoren:

  • Linkkauf und -tausch nicht möglich: Gerade eben weil (!) man nicht so einfach dort einen Link bekommt ist er viel besser als andere
  • Erstklassiger Content: Wenn man bemerkt dass der Content wirklich gut ist, dann kann es sich auch um eine Trustseite handeln. Natürlich gibt es auch große Zeitungen, die trotz schlechtem Content Trust besitzen (die meisten eigentlich… 🙂  )
  • Alter der Webseite und „Geschichte“ der Domain: Viele setzen Trusted Domains mit Expired Domains gleich. Ich halte davon wenig. Zwar gibt es durchaus Expired Domains, die Trust haben – das ist aber keinesfalls der Regelfall
  • Kein SEO am Werk: Lustigerweise habe ich herausgefunden, dass kaum ein SEO eine wirklich Trusted Domain besitzt. 99 % aller Trusted Domains gehören normalen Webmastern, die kaum etwas von SEO verstehen
  • Keine ausgehenden Links mit Moneykeyword-Anchortexten auf der Startseite: Auch wenn eine Seite jahrelang Trust aufgebaut hat, dann kann sie ihn mit dieser Aktion schnell verspielen
  • Viele ausgehende Links auf viele gute Webseiten: Wenn das Linkprofil nicht nur natürlich ist, sondern man merkt dass der Webmaster sich sehr genau ansieht wen er verlinkt, dann haben wir eine Trustseite vor uns

Vielleicht denken sich jetzt einige, wie man an einen Link ohne Tausch oder Kauf herankommt? Das ist ja eben der Vorteil des TrustRanks von Google: Auch wenn es ein SEO irgendwie schaffen sollte, dort einen Link zu bekommen – der Großteil bekommt keine Trusted Links. Ich warne auch eindrücklich davor, auf guten Trusted Websites Links zu kaufen, auch wenn sie sauber sind. Meist ist der Trust dahin, wenn man die Seite 2-3 Monate später noch einmal ansieht, weil 90 % der Webmaster dann herausgefunden haben dass man mit Linkverkauf gutes Geld verdienen kann. Links von Trusted Seiten zu bekommen ist ein Abenteuer und die Kür des SEO. Mit Geld kann man das in der Regel nicht erreichen – viel wichtiger sind Überzeugungsarbeit und  – was sicher den Quality Ratern gefallen wird – schlichtweg gute Webseiten. Trotzdem muss man sich immer aktiv um diese Links bemühen – von selbst kommen sie auch bei guten Webseiten eher selten.

Eure Meinung?

Foto: © Michael Kempf – Fotolia.com

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11 Kommentare

  • Na der Artikel spricht mir endlich mal aus dem Herzen. Zu oft höre ich von selbsternannten SEO „Experten“, gute Links kann man nur kaufen. Ich schüttle dann innerlich nur mit dem Kopf und denke mir meinen Teil dabei. Komisch auch, dass genau diese Leute sich auch immer öfters ein neues Betätigungsfeld suchen. Vielleicht liegt es daran, dass die eine oder andere Seite plötzlich aus dem Index von Google verschwindet und man anschließend in Erklärungsnöte gerät.

    Dabei ist die Ansage von Google nicht nur eindeutig sondern auch logisch. „Macht eure Webseite für Besucher und nicht für Suchmaschinen“ Wer sich daran hält wird mit der Zeit genügend Vertrauen aufbauen. Zuerst bei den Besuchern und anschließend auch bei den Suchmaschinen. Oder kurz gesagt, ohne Fleiß kein „Bingo“…oder was reimte sich noch mal darauf 😉

  • Jedenfalls haben Trusted Links nichts mit Trusted Shpos zu tun 🙂

    Scherz bei Seite, ein sehr interessanter Artikel, wobei ich es für gewagt halte zu sagen, der TrustRank wäre anstelle des PageRank eingeführt worden. Der PageRank stellt ja nur einen nummerischen Wert für die Anzahl und Wertigkeit der Verlinkung einer Webseite da. Und kein SEO kann behaupten dass die Anzahl und Wertigkeit von Links nicht wichtig ist. Da hab ich andere Erfahrungen gemacht

    Außerdem bezieht sich der TrustRank ja auf eine Domain, der PageRank aber auf die einzelne URL sprich Unterseite.

  • Der Artikel stimmt im Grunde! ABER es kommt nicht drauf an ob eine Seite Links verkauft, sondern wie lange die Links bestehen bleiben und wie oft neue Links hinzukommen oder wegfallen. (Und vielen weitere Faktoren)

    Verkauft eine etablierte Seite über Monate nur wenige Links spielt dies für den Trust-Faktor keine Rolle! Diese sinnlosen Diskussionen über Linkkauf bringen mich zum Lachen! Beim Linkbuilding einfach das Hirn einschalten.

    Z.B:

    Ein Link auf der Startseite von Heise.de mit einem Money Ankertext wird von Google eher erkennt und geahndet als ein InLink mit einem natürlichen Linktext. Deswegen baut eure Links organisch auf und kauft euch vom Ersparten einen Lutscher!

  • Hallo Julian,

    sehr schön erklärt 🙂 Danke!

    Viele schöne Argumente um sauberes Linkbuilding besser „verkaufen“ zu können 🙂

  • Schöner Artikel, wo hast du denn das mit den 99 % herausgefunden? 🙂

  • Beschäftige mich gerade mit dem Thema wie ich für meine Seite Links bekommen kann. Da wird von vielen Anbietern wild und vage argumentiert. Danke für deinen hilfreichen Beitrag!

  • wirklich guter und ehrlicher Beitrag.

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