Der Google „Sitequality Score“ für einzelne Keywords

29. Juni 2015  |   ,  |  9 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

Dass Google einen sogenannten „Quality Score“ benutzt, der die Qualität von Webseiten einschätzt, ist allgemein bekannt. Heute möchte ich dabei einen Aspekt noch einmal genauer herausgreifen. Den sogenannten „Sitequality Score“ auf Keywordbasis.

Mountain lake in National Park High Tatra. Dramatic overcast sky. Strbske pleso, Slovakia, Europe. Beauty world.

Was ist der „Quality Score“?

Nicht, dass man mich falsch versteht: Den einen Quality Score gibt es nicht bei Google, sondern höchstwahrscheinlich mehrere. Öffentlich bekannt ist nur der Adwords Quality Score.

Diese Scores berechnet Google (höchstwahrscheinlich)

Suchanfragen, die mit Eurer Webseite zusammenhängen

2009 führte Google mit dem Vince Update massive Änderungen ein. Plötzlich rankte Canon für den Begriff „Spiegelreflexkamera“ auf Platz vier, zuvor auf Platz 89. Große Marken fanden sich nun auf Positionen, die sie zuvor nie hatten – die aber eng mit dem Produkt / der Dienstleistung der jeweiligen Marke zu tun hatten. Damals führten wir das auf a) Erwähnungen im Netz oder b) korrelierende Suchanfragen zurück.

Viele User, die nach „Spiegelreflexkamera“ suchen, besuchen irgendwann auch die Seite von Canon. Wer einen „Handyvertrag“ möchte, der schaut auch einmal bei Vodafone vorbei. Warum? Weil diese Marken für diese Produkte bekannt sind.

Fokus auf passende Begriffe

Wer sich die Keyworddaten von Seokratie aus den Google Webmastertools ansieht, der findet etwa hier im Blog oft Suchanfragen wie „Seokratie Linkkauf“ oder „Seokratie Yandex“. Dabei suchen User gezielt nach Artikeln, die wir zu diesen Themen geschrieben haben.

Interessant, dass wir für diese Begriffe besonders gute Rankings haben. Auch auf anderen Webseiten gibt es oft Keywords,  die einfach besser laufen als andere. Warum? Ich vermute dahinter den „Google Quality Score für Keywords“.

Google Quality Score anhand von Suchanfragen

Nehmen wir an, es existieren zwei verschiedene Online Shops.

  • Shop 1 verkauft Sofortbildkameras. Sie machen SEO, gutes Content Marketing, Social Media und Pressearbeit. Außerdem produzieren sie Youtube-Videos mit Anleitungen und machen Werbung in Zeitungen und im Radio.
  • Shop 2 verkauft ebenfalls Sofortbildkameras. Sie machen aber weitaus weniger Marketing.

Personen, die eine Sofortbildkamera kaufen möchten, suchen ausgiebig und besuchen dabei viele verschiedene Webseiten. Nach einigen Tagen sind sie dann in der Regel so weit, dass sie ein Produkt kaufen möchten. Oft geben sie dabei den Namen des konkreten Produkts ein, zusätzlich dann noch den Shop, wo sie es kaufen wollen.

Hat Shop 1 besser geholfen und insgesamt ein besseres Erlebnis für den Nutzer gehabt, wird er wohl „Fujifilm Instax 300 Wide Shop 1“ eingeben. Oder aber er möchte sich noch einmal das Video anschauen, wobei er dann nach „Shop 1 Tutorial Youtube“ sucht. Vielleicht erinnert er sich auch an ein Kommentar auf Facebook und will es noch einmal genauer lesen, also gibt es „Shop 1 Facebook Instax 300“ ein.

Auf diese Weise werden produktspezifische Suchanfragen mit einem Domainnamen verknüpft und Google weiß, dass Shop 1 für Sofortbildkameras eine gute Adresse ist. Shop 2 hingegen sendet diese positiven Signale nicht an den Algorithmus – und hat deswegen wohl ein schlechteres Ranking.

… und für ganz bestimmte Keywords

Soviel zum Stand von 2011. Heutzutage ist Google in der Lage, weitaus genauer zu segmentieren. Sie wissen, dass Amazon.de ein sehr guter Online Shop für Notebooks ist, aber ein weniger Guter für Möbel. Entsprechend verhalten sich die Keyword-Rankings. Natürlich hat das auch mit der Strategie von Amazon zu tun: Elektronikartikel passen gut ins Sortiment, Möbel sind eher keine so erstrebenswerte Nische für den Versandgiganten. Aber genau so will es ja Google! Google möchte auf Position 1 das beste Ergebnis haben, nicht das best-optimierte Ergebnis.

Die Formel hat ein Mitarbeiter namens Navneet Panda in einem Patent untergebracht. Richtig, das ist der Google Mitarbeiter, nach dem das „Panda“ Update benannt wurde.

panda

Bild von Moz.com

In unserem Beispiel heißt das,

  • dass Shop 1 beispielsweise 200 Suchanfragen mit dem Begriff „Shop 1 Sofortbildkamera“ hat. Insgesamt suchen 10.000 Personen nach „Sofortbildkamera“. Der Sitequaliy-Score ist also 200 geteilt durch 10.000 = 0,02
  • während „Shop 2 Sofortbildkamera“ nur 10 Mal pro Monat gesucht wird, also 10 geteilt durch 10.000 = 0,001

Das Moz Video

Hier das Video in voller Länge:

Woher nimmt Google die Daten?

Ich weiß natürlich nichts genaues, aber folgende Quellen vermute ich:

  • Suchanfragen (logisch)
  • Reihenfolge der Webseite in der entsprechenden Such-Session: Wenn jemand, nachdem er „Dell XPS Notebooksbilliger“ eingegeben hat, in den folgenden Tagen nicht mehr danach sucht, hat er bei Notebooksbilliger.de wohl gefunden, wonach der gesucht hat.
  • Suchanfragen und Short-Klicks: Wer nach „Hotelbewertungen“ sucht und auf Yelp.de kommt, der wird wenig zufrieden sein und auf das nächstbeste Ergebnis, etwa Tripadvisor oder Booking.com klicken.
  • Browserdaten: Google nutzt die Daten von Google Chrome, Android Smartphones und vermutlich auch aus vielen anderen Quellen
  • GMail: Google liest Eure Mails nicht. Aber wahrscheinlich werten sie anonymisiert aus, ob und welche E-Mails jemand von bestimmten Unternehmen öffnet. Wenn hunderttausende von Usern die Notebook-Mails von Amazon aus dem E-Mail Marketing öffnen, die Mode-Mails von Amazon aber nicht – dann würde ich das auch berücksichtigen.

Wer glaubt, dass Google noch nicht so weit geht, der sollte mal schauen, was wir selbst seit kurzem bei Google Trends einsehen können.

Suchanfragen nach „Kaffee“ (blau) und „Bäcker“ (rot) von letztem Freitag / Samstag. 20 Minuten nach Sonnenaufgang, etwa um 5:40 Uhr gibt es den Peak. Um sieben Uhr ist der größte Ansturm wohl schon vorbei.

Was tun?

Betreibt Marketing! Schon lange reicht „nur SEO“ nicht mehr aus. Das Gute an suchbasierten Scores ist, dass man sie schlecht manipulieren kann. Naja, wobei es auch teilweise funktionieren zu scheint. Bevor man allerdings jetzt wieder einmal die Abkürzung geht, sollte man überlegen, wie man eine stärkere Marke aufbauen kann.

  • Social Media Marketing
  • Radio / Fernsehwerbung, wem das zu teuer ist: Der gute alte Prospekt tut es manchmal auch 🙂
  • Content Marketing
  • usw.

Nichts Neues

Diese Informationen sind natürlich für viele nichts Neues. Ich wollte heute nur noch einmal die Aufmerksamkeit auf diesen Rankingfaktor lenken. Mein Eindruck ist, dass er gerade in letzter Zeit viel wichtiger geworden ist. Hinter „Google Phantom“ könnte eine Update dieser Signale stehen. Denn obwohl das Patent 2012 bereits eingereicht wurde, wurde es erst letzten Monat genehmigt. Zufall?

Was denkt Ihr darüber?

Foto: © leonid_tit / Istockphoto

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9 Kommentare

  • Hallo Julian, ich sehe ein solches update sehr kritisch entgegen. Da die großen dadurch noch mehr Hub bekommen und ein kleiner noch viel mehr stemmen muss. Die Idee dahinter ist sehr gut! Aber fraglich ob überall anwendbar. Grüße Nico

  • Hi Julian,

    guter Beitrag, das Thema von Rand nochmal gut aufgegriffen.

    +THX!

  • Im Endeffekt dreht sich der Hund doch immer (noch) um seinen eigenen Napf – Mach es sauber, dann schmeckt es auch noch nach Jahren… 😉 (Im Fall des Napfes sind Jahre = Stunden ;))

  • Hallo Julian, klasse Artikel. Könnte durchaus so sein.
    @ Nico: Natürlich werden die Großen immer größer. Das ist der natürliche Laufe der Dinge. Schau in den Offlinebereich, dort ist das völlig normal. Die großen bekannten Marken haben es einfacher…
    Aber es gibt immer wieder gute Marken / Produkte, die sich durchsetzen und den Großen ein Schnippchen schlagen. Freeletics ist doch ein super Beispiel für Markenbildung…

    Fraglich ist für mich, wie ich ohne großes Budget auf mich aufmerksam machen soll. Wenn ich bereits ranke, ist das ok. Aber ohne Rankings und ohne Budget ist das ein sehr harter und steiniger Weg…

  • Servus Julian,

    das sehe ich mittlerweile auch so. Nur SEO ist leider ein sehr fragiles Konzept geworden. Besonders in den letzten Monaten konnte man gut erkennen, wie „willkürlich“ Suchergebnisse verändert wurden – ohne einen nachvollziehbaren Grund. Bin ich jetzt ein Magazin, dass sich auf HowTo´s spezialisiert hat, kann man auch schon mal in Existenznot gelangen. Der richtige Weg ist eben ein guter Mix.

    Nicht zuletzt bin ich der Meinung, dass die gravierenden SEO Schwankungen zur verstärkten SEA-Nutzung führen sollen.

  • Wirklich nette Sichtweise 🙂 Ich aber habe das Gefühl, das gerade dein Beispiel mit Amazon ein gutes ist. Denn Amazon schafft es immer mehr auf dem ersten Platz zu stehen, und das mit eher schlechtem oder auch komplett leeren Inhalt. Wie schafft Amazon das ? und wie sollen kleinere Seiten da noch mit Ranken können ? Ich habe das Gefühl das Amazon im Netz bald aufgestellt ist wie Wickipedia, die ja in der Regel auch Platz 1 besetzt haben mit den einfachsten Suchbegriffen.

  • Grüß Dich Julian! Interessanter Bericht. Gebe Dir in vielen Punkten Recht. AUßER bei Gmail .:-) Da bin ich mir sicher, Google ließt mit!

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