Sind Affiliates böse?
Neulich hat mich ein Beitrag im Abakus Forum über Affiliate-Seiten sehr verärgert. Zuerst einmal: Ich persönlich verkaufe nichts direkt, habe kein Lager und verschicke keine Produkte. Das Geld, das jeden Monat auf meinem Konto landet besteht zu 80 % aus Affiliate und Adsense Einnahmen. Wenn ich dann höre, dass jemand Affiliate Seiten zum Angebotsvergleich benutzt und danach die Cookies löscht damit derjenige, der geholfen hat auch ja keinen Sale generiert – und das auch noch von jemanden der selbst auf seinen Seiten Affiliate Programme benutzt, dann platzt mir der Kragen.
So geschehen im Forum: Es ging kurz gesagt darum, dass in den Top 10 fast nur noch Affiliate Seiten sind, was ich persönlich nicht schlimm finde. Jemand, der sich sehr gut im Bereich auskennt antwortete daraufhin sinngemäß: “Ich nutze die Affiliate Seiten zum Vergleichen der Angebote. Danach lösche ich alle Cookies und kaufe direkt beim Anbieter. In meinem Augen haben solche Seiten nichts in den Top 10 zu suchen und daher sollen sie auch nichts an mir verdienen.”
Ist Affiliatemarketing etwas Schlimmes?
Nein! Wenn ein Anbieter von Produkten selbst keine Ahnung von SEM oder SEO hat und seine Seite weit hinten rankt, warum soll er dann kein Partnerprogramm aufziehen, damit andere die Arbeit für ihn erledigen? Wenn ich etwas direkt verkaufe und damit 20 % Gewinn mache, was ist so schlimm daran, wenn ich es auch andere Personen bewerben lasse, kaum Mehraufwand habe und dann 5-10 % des Gewinns an den Affiliate abgebe? Nichts. Ich habe am Ende des Monats immer noch mehr auf dem Konto als ohne Affiliate Programm.
Im Forum war das Argument, dass die Produkte billiger seien wenn man keine Affiliate Provisionen abtreten muss. Das ist einfach nur Blödsinn. Dazu eine einfache Rechnung:
Kreditfirma A verkauft nur direkt Kredite und zwar 1.000 Stück im Monat. Sie macht damit einen Gewinn von 100.000 Euro im Monat. Kreditfirma B verkauft direkt nur 500 Kredite im Monat, was dann bei 100 Euro Gewinn pro Kredit 50.000 Euro wären. Kreditfirma B hat aber noch ein Affiliate Programm am Laufen und sehr arbeitssame Premium-Affiliates, die 3.000 Kredite pro Monat abschließen. Pro Kredit bekommt ein Affiliate 50 Euro, der Rest geht an die Hauptfirma. Am Ende des Monats haben die Firmen folgenden Gewinn:
- Kreditfirma A (ohne Affiliates) 1000 Kredite à 100 Euro = 100.000 Euro
- Kreditfirma B (mit Affiliates) 500 Kredite à 100 Euro + 3.000 Kredite à 50 Euro = 300.000 Euro
Logische Frage: Wer macht mehr Gewinn und wer kann dadurch langfristig wohl das günstigste Angebot bieten? An alle Affiliate-Hasser da draussen: Bitte erst denken und dann reden. So manche große Firma gäbe es ohne Affiliates heute gar nicht mehr. Affiliatemarketing ist eine Win-Win-Win Situation: Sowohl das Hauptunternehmen, als auch der Affiliate und sogar der Kunde profitieren davon.
Wenn man an Affiliate Marketing etwas verwerflich findet, dann soll man doch bitte in die Fabrik nach Taiwan fliegen wo der PC hergestellt wird und ihn direkt dort kaufen. Oder am besten gleich selbst bauen und die Rohstoffe natürlich selbst sammeln. Dann den PC mit dem (selbstgemachten) Lötkolben zusammenschweissen und das selbstprogrammierte Betriebssystem installieren. Zuletzt braucht man nur noch ein eigenes Netzwerk mit selbstgebauten Kabeln und Leitungen und gründet dann das “freie Internet” ohne böses Geldverdienen. Das Ganze wird dann über den hauseigenen Bio-Müll Stromgenerator angetrieben und wir leben glücklich in einer Welt ohne Geld. Nur wo bekomme ich dann meinen Kredit ohne Schufa her? Einfach Googlen…
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Danke für die andere Sichtweise – jetzt bin ich schlauer =)
Ich gebe dir grundsätzlich Recht. Aber deine Rechnung ist dann doch ein wenig zu einfach. Schließlich weiß man ja nicht, ob die Firmen wirklich mehr absetzen, wenn sie Affiliate-Programme anbieten. Man muss das wohl annehmen, könnte es aber nur belegen, wenn man eine Welt ohne diese Programme hätte. Dann würde man wohl davon ausgehen, dass die Kredite eh verkauft werden. Unabhängig, ob sie vermittelt werden oder nicht.
Trotzdem gilt: Wer die Arbeit der Vermittlung und des Vergleichs anbietet, sollte doch auch entlohnt werden. Wo ist das Problem?
Manchmal eben darin, dass ein Vergleich und eine gewissenhafte Vermittlung nicht statt findet, weil es nicht um Inhalte, sondern um Provisionen geht. Und das ist leider sehr häufig der Fall…
Bei der Berechnung zu Beispiel B hast du einen Fehler 500 * 100 = 50.000 + 3000 * 50 = 150.000.
50.000 + 150.000 = 200.000 und nicht 300.000.
Wenn man selber Seiten betreibt und einen großen Aufwand in diese steckt und dann ein Besucher meint die Informationen zu nutzen, wo Anbieter verglichen werden und ganze Ratgeberbereiche eingerichtet werden um den Besucher bei den wichtigsten Fragen zu helfen und dieser dann der Seite keine Provision für diesen hohen Aufwand gönnt, dann kannst du dir sicherlich denken, was man von so einem Besucher denken mag. Solchen Leuten gönnt man am liebsten nur kostenpflichtige Seiten, damit er an kostenlose wertvolle Informationen nicht kommt.
Affiliates sollen Böse Menschen sein? Wenn ich solche Kommentare wie aus dem Abakus Forum lese, fällt mir spontan die Deutsche Neidgesellschaft ein. Das sind die selben die sich nicht über einen Ref link anmelden, sondern direkt über den Betreiber. Denn wer möchte schon das jemand anderes womöglich von einem Profitiert…
Typisch Deutsch!
Lass dich doch nicht von solchen Äusserungen Ärgern. Soll er doch seine Cookies löschen wenn er möchte. Der Großteil macht es jedenfalls nicht!
Und ob Unternehmen ihre Produkte über Affiliate oder selbst vertreiben müssen sie immer noch selbst entscheiden. Wenn dann in den SERPS ihre Affiliate Partner vor Ihnen stehen, dann haben sie es quasi auch so gewollt.
Genau,
der Großteil macht es nicht!
Der Großteil der Leute, die das Internet benutzen und vergleiche über affiliateseiten benutzen, wissen noch nicht mal was cookies sind
Schöner Beitrag. Bin ganz deiner Meinung. Man muss natürlich aufpassen, dass Affiliates nicht provisionsfreien Umsatz abgraben, sondern sie auf Felder schicken, auf denen man selbst nicht aktiv ist. Wenn man mal die Reisebranche betrachtet, ist die Vermittlung über Affiliates sogar einer der günstigsten Vertriebskanäle – also keine Spur von Verteuerung.
Das ist die typische, deutsche Neidgesellschaft. Niemand kann jemand anderen etwas gönnen. Zum Glück stecken solche Leute dann aber wenigstens nicht tief genug in der Materie drin, um zu Wissen, dass beim Affiliate-Marketing der User nicht nur per Cookie getrackt wird, sondern MEISTENS noch viele andere Trackingverharen zum Einsatz kommen, so das sein Kauf letzten Endes doch vergütet wird
Prinzipiell bin ich deiner Meinung. Allerdings haben die Affiliate-Seiten unter den Top10 bei Google auch Nachteile. Sie sind unvollständig. Die Anbieter ohne Affiliate-Programm tauchen nicht auf, und zum beispiel bei Tagesgeldkonten sind es die besten. (m.E. ist es dort zur Zeit die Norisbank, und die hat kein PP und taucht auf keiner Vergleichsseite auf)
Der Kunde, der sich nicht auskennt, hat also den Eindruck, durch einen objektiven Vergleich (warum auch nicht objektiv? 99% der Menschen wissen nicht, dass es Affiliates gibt) das beste Angebot gefunden zu haben und sucht gar nicht weiter.
Ein bisschen war das auch der Grund, warum ich meine Seite gegründet habe. Beispiel: Die Zehnsations-Angebote. Da gibt es fette Provisionen bei Händlern, bis zu 30 Euro pro Abschluss. Für die deutlich besseren Angebote bei eBay-Händlern ohne PP kriegt man mickrige 15 Cent fürs Sofort-Kaufen. Was wird wohl mehr beworben in den ganzen Tarifvergleichen…?