Ein recht hochtrabender Titel, aber vielleicht eine der größten Wahrheiten im SEO Bereich. Was ich heute versuche zu erklären, ist der Unterschied zwischen angelesenem Wissen und Erkenntnis durch tatsächliche SEO-Arbeit. Dieser Unterschied ist gewaltig und ist meiner Meinung nach auch der Grund, warum sich oft die Spreu vom Weizen trennt.

Praxis ist das A und O

Man kann noch so viel über SEO lesen – wenn man nicht selbst einmal eine Seite in die Top10 gebracht hat, hat man von der Arbeit kaum eine Ahnung. Beispiel Rankingfaktoren: Ja, es soll so um die 200 Faktoren geben, aber meinem Gefühl nach sind es weit mehr. Ich habe schon so einige Seiten in den Sand gesetzt, anfangs durch Unwissen und heute durch gezielte Tests. Meine damalige und heutige Hauptaufgabe bestand eigentlich immer darin, auszuprobieren was bei welcher Seite funktioniert. Dicke Links, dünne Links, Links mit oder ohne guten Anchortext, Startseitenlinks oder Webkatalog-Links: Was die anderen schreiben sollte einen guten SEO kaum interessieren.

Trial & Error

Wenn ich eine neue Idee habe oder diese irgendwo aufschnappe, dann probiere ich es selbst erst einmal aus. In vielen Fällen entpuppt sich diese Idee als Reinfall. Die 10 % allerdings, die funktionieren werden von anderen (noch) nicht genutzt und sind daher unglaublich wertvoll. Dass zum Beispiel kaum jemand über Site-History schreibt, finde ich doch bemerkenswert. Es dauert teilweise über ein Jahr eine Domain wieder in gute Rankings zu versetzen, wenn man eine Domain verbrannt hat (oder einen Kunden von einer anderen SEO-Agentur übernimmt, Grüße nach Köln…).

Auch gab und gibt es unzählige Beispiele von Domains, die von Anfang an gut ranken und nie wirklich Probleme mit Linkbuilding hatten. So zieht der gleiche Link bei der einen Seite nach 2 Tagen, bei der anderen überhaupt nicht. Und es gibt Tonnen von Threads bei Abakus, die die Frage stellen “Warum rankt diese Domain mit nur einem Link auf Platz 1?”. An dieser Stelle braucht man als Mensch jetzt den Drang, den Grund herausfinden zu wollen. Warum ist das so? Wer sich ausschliesslich im Tatsachenbereich bewegt, also angelesenes oder beigebrachtes Wissen stur umsetzt oder sich nicht von seiner Meinung abbringen lässt, der verliert unglaublich viel und ist meiner Meinung nach ungeeignet als SEO.

Gerade das “Um-180°-Drehen” habe ich schon mehrmals vollzogen und tue es immer noch regelmäßig, zum Leidwesen meiner Mitarbeiter. Geschmeidig bleiben ist die Devise und ständiges Überprüfen der Resultate, Analysieren, Lernen und (auch) revidieren.

Was sind gute Links, wann baue ich sie auf und wo bekomme ich sie?

Das ist wohl die Gretchenfrage in Sachen SEO. Man kann diese Frage nicht in Worten beantworten. Weder geht das in einem Satz, noch in einem Buch. Ich weiß nicht, wie oft ich Linktyp X mit Seitentyp Y ausprobiert habe. Nur mal so als Denkansatz: Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ich eine nagelneue oder uralte Seite mit einem bestimmten Linktyp ausstatte. Während er bei der einen Seite gut funktioniert, ist er bei der anderen Seite die Ursache für eine Penalty. Da ich sehr oft mit ganz neuen Seiten experimentiere, weiß ich wie kritisch der erste Link ist. Als kleine Weisheit zum Beispiel ist die Wikipedia ein absoluter K.O. Link für eine neue Seite. Wer jetzt sagt “Wie, Wikipedia-Links sind doch nofollow?!”, der sollte mal noch einmal genauer hinsehen.

Nicht alles glauben

Es ist unglaublich wichtig, dass man kritisch an SEO-Ratschläge hingeht. In vielen Blogs stehen Halbwahrheiten und teilweise auch komplett falsche Sachen. Wenn jemand sagt “Tut das nicht”, würde ich das zuerst überprüfen. Ein SEO, der schon lange Zeit dabei ist, hat oft eine gewisse Arbeitsweise. Eines habe ich gelernt: Es gibt unglaublich viele Wege in die Top10. Manche sind natürlich nicht so zu empfehlen wie andere, aber jeder arbeitet ein wenig anders. Den “goldenen Weg” für SEO gibt es nicht. Es gibt Leute, die mit Methoden arbeiten wo ich zuerst nur den Kopf schütteln kann. Wenn ich dann aber sehe, dass diese Methode erfolgreich ist, dann schaue ich mir das genauer an und übernehme eventuell ein wenig davon.

Stur nach Plan arbeiten ist auf jeden Fall keine gute Vorraussetzung für SEO. Das mag eine Zeitlang gut gehen, aber nirgendwo sonst muss man so am Ball bleiben wie in der Welt der Suchmaschinenoptimierung.

Zu guter Letzt noch zwei Linktipps: Die letzte Sendung des SEO-House war wirklich spitze! Mit Jens, Markus und Sepita würde ich gerne mehr Folgen hören! Im zweiten Linktipp offenbart Rand Fishkin die größten SEO-Fehler, die SeoMOZ jemals begangen hat.

URL: www.radio4seo.de/seo-house-7-inhouse-seos-agenturen

URL2: www.seomoz.org/blog/whiteboard-friday-the-biggest-seo-mistakes-seomoz-has-ever-made

Bild: Icanhascheezburger.com

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10 Responses to SEO: Erkenntnis ist, was dich von anderen abhebt

  1. Loewenherz sagt:

    Absolut Julian, ich kann dir vollständig zustimmen.

  2. Roland sagt:

    Danke für den informativen und vor allem mal erfrischend schnörkellosen Artikel.

  3. Max sagt:

    Ich bin zwar eher der Meinung, man sollte das Rad nicht immer neu erfinden und alles selbst nochmal machen, aber was in vielen SEO-Blogs und dergleichen steht, ist oftmals eine ziemlich unrunde Sache. Ich denke auch, man lernt bei SEO nie aus und sollte sich selbst hinterfragen können, denn die Welt dreht sich weiter und ist eben keine Scheibe(mehr).

    Webseiten sind nunmal nie in einem sterilen Raum und jeder zieht aus unterschiedlichen Reaktion verschiedene Schlüsse.

    Und ist Googles Ranking nicht auch manchmal nur ein großes Buch? ;)
    „Ein Buch ist ein Spiegel, wenn ein Affe hineinsieht, so kann kein Apostel heraus gucken.“

    Georg Christoph Lichtenberg

  4. Markus sagt:

    Hi, danke für die Erwähnung vom SEO House Podcast! Es wird noch mehere Folgen geben :-)

  5. SEO-Wissen sagt:

    Du hast schon Recht, dass es zuviele Tipps gibt, die zu unterschiedlichen Erfolgen bei verschiedenen Seiten führen. Ob es jedoch vorteilhaft ist, alle 2 Monate die Taktik zu ändern bzw. jedem zweifelhaften Trend zu folgen bzw. sich anzupassen halte ich auch für kritisch.

  6. jens sagt:

    Danke für das Lob. Wir arbeiten auch weiterhin an guten Gästen. Und sehr guter Artikel. Dieser beantwortet auch eine Frage, die mir oft gestellt wird. Wir (also mein Team – ich kann da nicht mehr “ich” schreiben) sind gut darin, große Seiten zu optimieren. Hier wirken alle Methoden der IA extrem gut, da es Links in Massen gibt und auch sehr viel Content vorhanden ist.
    Aber auch Änderungen am HTML können bei der Masse an Seiten erhebliche Auswirkungen haben. Weshalb der „Fehler“ von Rand auf die Verwendung von H1 zu drängen, für uns kein Fehler ist. Sicher, die Auswirkung ist geringer als man im ersten Moment denkt. In der Masse der Seiten und Rankings die wir haben macht es aber wirklich was aus. Und wenn man die Kosten in Relation setzt, ist es eine wirklich sinnvolle Maßnahme. Auf meinen Blogs interessiert es mich aber nicht wirklich.
    Und Linkbuilding ist bei uns komplett abweichen organisiert. Wir benötigen weniger starke Links, davon haben wir im Netzwerk einiges. Dafür haben wir andere Ziele. Und aufgrund des Brands können wir auch nicht alles machen, was sonst möglich ist. Dafür haben wir aber auch andere Möglichkeiten, die man einfach nur als Konzern hat.
    Sprich: Wir arbeiten einfach nicht wie ein Affiliate-SEO. Und wenn jemand eine neue Seite mit überschaubarem Inhalt schnell in die Top-10 bekommen will, werden meine Methoden wahrscheinlich nicht die Besten sein. Dafür sind die Methoden die man zur Optimierung von großen Website benötigt nicht unbedingt die Stärken von einem Affiliate-SEO der sehr gut im Ranking für Money-Keywords ist.
    In diesem Sinn, guter Artikel! Kampf dem SEO-Dogmen und immer bereit sein neues zu lernen!

  7. Domi sagt:

    Ungeschönt und knallhart – aber in der Kürzer liegt die WÜrze und vlt. bvewegt das einige mal zum Nachdenken :)

  8. Hansi sagt:

    Julian, du hast Recht.
    Jeder der sich mit Seo beschäftigt hat schon das eine oder andere versiebt.
    Die Fingerchen etwas ruiger zu halten, ist manchmal ein
    schwerres Oomen.
    Aber man kann es nur lernen, wenn man es schonmal erlebt hat und nicht blos von anderen abgeschaut hat.
    Ich habe auch schon einige Seiten ins Nirwane geschickt,
    aber ob man es selbst richtig begriffen hat. wage ich bei mir manchmal zu zweifeln.

    Am schlimmsten ist wenn man Nachts davon träumt…..
    hast du es richtig gamacht ???????

    Da such ich heute noch ein Arzt der mich heilen kann, aber vergebens…..

  9. Nico sagt:

    Sehr schöner Essay über SEO, Mythen und “Geheimwissen” ;D Ich baue auf try and error – damit fährt man doch noch am besten, wenn man effizient arbeiten will… die eigenen positiven Erfahrungen wird dann wohl aber keine an die große Glocke hängen ;-D

  10. SEOsapiens sagt:

    Auch wenn der Artikel schon etwas älter ist, ich stimme dem voll und ganz zu. Vor allem ich als jemand der sehr frisch auf dem Gebiet ist, ist es nicht immer einfach zu Entscheiden was richtig oder falsch ist. Ich bin da 100% der Meinung, dass die Erfahrung, die eigenen Fehler und Erfolge, sehr sehr wichtige Dinge für einen SEO sind. Nur Theorie hilft weder im SEO noch anders wo.

    Grüße, der SEOsapiens

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