Search Engine Ranking Factors 2011 & Mein Senf – Teil 1

7. Juni 2011  |     |  24 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

Die Search Engine Ranking Factors von SEOmoz sind seit jeher ein absolutes Muss für jeden SEO weltweit. Sie spiegeln die Meinung von den weltweit anerkannten SEO Experten zu einer Fülle von Rankingfaktoren dar. Das läuft so ab: 132 Experten bekamen einen Fragebogen und mussten Fragen beantworten, beispielsweise „Die Wichtigkeit von Keyword-Domains“. Besucher der SMX München durften ja schon exklusiv einen Blick auf die Vorab-Version werfen – jetzt ist die ganze Studie da. Ich werde mich mit ihr in mehreren Beiträgen befassen, da sie einfach so unglaublich wichtig ist!

Disclaimer

Alle Zahlen mit einer 0 davor, z.b. 0,22 sind automatisch ausgewertete Zahlen (Correlation Data), bei denen SEOmoz über 10.000 Seiten analysiert hat und jeweils darauf schaute, wie viele der gut gerankten Webseiten den jeweiligen Faktor enthielten. Diese Zahlen sind also automatisch erstellt und keine (!) Expertenmeinungen.

Alle Zahlen mit zweistelligen Werten, z.b. 50 oder 74 sind die Experten, die meinten dass dieser Faktor sehr wichtig ist.

Keyword Domains

Wie wichtig sind Keyword-Domains? Laut dem Algorithmus sind Keyword Domains von 0,38 Rankingwichtigkeit auf magere 0,22 heruntergefallen. Das hat meiner Meinung nach aber nichts damit zu tun, dass Keyword Domains schlechter gerankt werden. NOCH funktionieren sie sehr gut. Vielmehr gab es das Brand Update, in denen Marken wie Amazon, Sony & Co. viele Rankings gewonnen haben. Keine dieser Marken hat eine Keyword-Domain und allein das könnte es schon erklären. Wichtig ist hierbei bei den automatischen Werten zwischen Korrelation und Kausalzusammenhang zu unterscheiden.

Ein Beispiel: Domains mit Bindestrichen sind laut Studie letztes Jahr auch viel schlechter gewesen als Domains ohne Bindestrichen. Hier beisst sich aber die Katze in den Schwanz: Denn wenn ich vorhabe ein richtig großes Projekt an den Start zu bringen, dann nenne ich es nicht videorekorder-guenstig.de , sondern Vigoxx.de. Ich erfinde also lieber einen Domainnamen, als einen mit Bindestrich zu nehmen. Bindestrich-Webmaster sind eher Amateure und deswegen ranken diese Seiten schlechter, nicht weil sie Rankingnachteile haben. Ich hoffe, das hat jeder verstanden…

Also meiner Meinung nach hat dieser Faktor nicht verloren, auch wenn Google der Exakt-Match Faktor ein Dorn im Auge ist.

Keyword-Domains vs. Keyword24 & Co.

Das bestätigt meine Beobachtungen. Laut den Experten ist es also am besten, wenn das Keyword exakt dem Domainnamen entspricht. Ich würde den zweiten Faktor „Keyword is present in root domain name“ sogar noch weniger gewichten, weil die Unterschiede zwischen Keyword.de und Keyword24.de schon sehr groß sind. Aber man hat immer noch sehr große Vorteile beim Keyword „Consulting“, wenn man statt „Firmenname.de“ die Domain „FirmennameConsulting.de“ hat, auch wenn diese Vorteile viel geringer sind, als bei einer reinen Consulting.de Webseite.

Rankingfaktoren: Links auf die Domain insgesamt

Hier mal die drei wichtigsten Rankingfaktoren für eine Domain in Bezug auf Links.

Der wichtigste Faktor zuerst: Die Anzahl der unteschiedlichen Domains, die auf die eigene Domain verweisen ist immer noch der wichtigste Rankingfaktor. Natürlich kann man das nicht so verallgemeinern, denn sonst würden wir nur noch spammen. Trotzdem haben wir es hier wieder mit Correlation-Data zu tun, also mit Ergebnissen von über 10.000 Domains. Als drittwichtigster Faktor taucht aber gleich auch die „Authority“ der Domains auf, also der Trust der verlinkenden Domains. Auch im Jahr 2011 ist die Tatsache, ob der Anchortext partiell (d.h. „findet sich in diesem Kreditvergleich“) mit dem Keyword gefüllt ist, der zweitwichtigste Rankingfaktor.

Wichtig ist hier auch niemals zu vergessen, dass der eine Faktor den anderen aushebeln kann: Habe ich viele verlinkende Domains, aber keine Authority, dann stehe ich trotzdem nicht gut da. Ebenso verhält es sich mit Authority, aber keinen Anchortext-Links. Ihr könnt ja gerne mal Seokratie.de durch ein paar Tools jagen. Ich habe für diese Domain noch niemals Links aufgebaut. Und wie sind meine Rankings? Bescheiden! Einer meiner häufigsten Anchortexte ist „Julian“ und „Julian Dziki“. Nein, ich kommentiere eigentlich nicht viel – aber ich werde oft mit „Habe ich beim Julian drüben gefunden“ verlinkt. Und jetzt ratet mal, auf welcher Seite ich beim Suchbegriff „Julian“ stehe… 🙂

Follow / Nofollow

Lustigerweise ist der einzige Faktor, der als negativ bezeichnet wird, wenn man zu oft mit „Follow“ anstatt mit „Nofollow“ verlinkt wird. Deswegen wird auch seit Ewigkeiten von guten SEOs gepredigt, dass man sich auch um Nofollow Links kümmern sollte. Wer mal durch natürlichen Linkaufbau viele Links bekommen hat, der weiß wie unglaublich hoch dieser Anteil sein kann. Ich denke dass es sich bei der kleinen Zahl 0,04 nicht darum drehte, dass der Faktor schlecht gewichtet war. Vielmehr hat es wohl nur eine kleine Anzahl von „SEO-Domains“ erwischt, die partout keine Nofollow Links aufbauen wollten. Der Effekt kann also hoch sein, auch wenn es nur wenige betreffen mag.

Andere wichtige Linkfaktoren

Im Folgenden noch einmal die absoluten Zahlen der Umfrage, wer welche Faktoren als sehr wichtig eingestuft hat:

Hier wieder auf Platz 1: Die Anzahl der verlinkenden Domains. Und noch einmal gleich von mir die Warnung: Es nützen auch 5.000 verlinkende Domains nichts, wenn die Links nicht einen gewissen Trust bringen! Faktoren 2 und 3 in der Grafik sagen genau das aus: Die „Raw“ importance ist schwer zu fassen, aber eben dieses generelle „Versuche von möglichst vielen guten Domains Links zu bekommen“.

Über Faktor 3 habe ich gestern erst geschrieben: Die Distanz der Domain von einem „Trusted seed set“, die von Algorithmen wie dem TrustRank oder mozTrust verdeutlicht wird. Der mozTrust funktioniert für deutsche Webseiten leider überhaupt nicht (oder nur sehr schlecht), was sehr schade ist. Auch die weltweiten Experten sehen diesen Faktor direkt hinter der Anzahl der unterschiedlichen Domains, die auf eine Webseite verlinken.

Topical Relevance: Hier hat im Vergleich zu den Vorjahren der Einfluss stark zugenommen. Man braucht also themenrelevante Links mehr denn je. Früher hieß es noch „Weil Google das irgendwann erkennen wird“ solle man themenrelevante Links aufbauen. Heute sind sie soweit, erkennen Themenrelevanz zumindest in (sehr) groben Zügen und keiner käme mehr auf die Idee unrelevante Links im großen Stil zu aquirieren.

Velocity of link aquisition: Immerhin der Faktor Nummer 6, wobei er bei vielen zu Faktor Nummer 1 werden kann. Manchmal höre ich Aussagen wie „Wir waren ganz oben auf Platz 1 und jetzt sind wir plötzlich wieder gefallen“. Meist hat man dabei in den letzten drei Jahren massiv Links aufgebaut und als man Platz 1 erreicht hatte, hat man den Linkaufbau eingestellt und sich mal ein wenig ausgeruht. Google erkennt das und der zeitliche Verlauf des Linkbuildings ist mittlerweile sehr wichtig geworden. Gerade aktuell habe ich einige Domains im Visier, wo die einzige Erklärung der Faktor Zeit ist. Gab es früher solche „Zeit-Penalties“ nur bei absolut neuen Projekten, oder bei Projekten die nach jahrelangem Stillstand plötzlich massiv Links aufgebaut hatten, so sind gerade hier und gerade in den letzten Wochen die Antennen von Google verfeinert worden.

Bilder alle von SEOmoz Ranking Factors, hier auch die komplette Analyse

 

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24 Kommentare

  • Großartiger Artikel, absolute Zustimmung. Bitte mehr davon 😉

  • Sehr gut auf den Punkt gebracht. Knüpft sich nahtlos an Deinen absolut empfehlenswerten Post von gestern an.

    Gruß
    Marcus

  • Hallo,

    fantastischer Artikel. Endlich bekommt man mal mehr Durchblick, was bringt was bei der Suchmaschinenoptimierung.

    Vielen Dank!

    Gruss aus der Schweiz
    Daniel

  • Klasse Artikel, hab zwar nicht alles gleich beim ersten Mal lesen verstanden, aber jetzt geht’s 🙂

    Beste Grüße aus dem Vogtland
    Marco Stengel

  • Der Vollständigkeit halber sollte man noch erwähnen, dass der berechnete Korrelationskoeffizient (Korrelationswert zwischen zwei Merkmalen, also die Zahlen mit 0,xx) einen Wert von −1 und +1 annehmen kann. Bei +1 gibt es einen 100%igen positiven, linearen Zusammenhang zwischen zwei Merkmalen, bei -1 gibt es dann umgekehrt einen 100%igen negativen, linearen Zusammenhang. Je näher der Wert an Null ist, desto geringer ist auch der linerare Zusammenhang. Wie oben richtig beschrieben, liegt aber auch bei einem Korrelationskoeffizient von +1 nicht zwangsläufig Kausalität vor. Vielleicht hilft das die obigen Werte besser zu interpretieren.

  • Hallo,

    ich kann mich Christian nur anschließen: Aus statistischer Sicht ist ein Korrelationskoeffizient z.B. von „0,38“ ein Hinweis darauf, dass zwischen zwei Werten eben KEIN Zusammenhang besteht (oder höchstens ein sehr schwacher). In den Wissenschaften gilt ein Korrelarionskoeffizient < 0,80 oftmals als "nicht der Rede Wert". Aus meiner Sicht sind die meisten "Erkenntnisse" in diesem Artikel – basierend auf so geringen Koeffizienten – eigentlich duch nichts belegt. Anders ausgedrückt: reine Spekulation.

    Nix für ungut 😉

  • graffito

    Volle Zustimmung! Besonders zu der Einschätzung Keyword-Domain.

  • Julian

    @Christian und Arndt: Ein Korrelationskoeffizient von 1 würde bedeuten, dass dieses eine Rankingmerkmal alleine ausreicht, um bei Google gut zu sein, bzw. dass alle Webseiten dieses Merkmal haben. Das ist schlichtweg unmöglich, denn dann wäre der Algorithmus sehr einfach. Korrelationskoeffizienten von 1 sind etwa „ist eine Webseite und kein Auto“ oder ähnliche Sachen.
    Und @Arndt: In welchen Wissenschaften gilt das als „nicht der Rede wert“? Wenn man von einer Tatsache spricht, z.b. „Alle Autos haben 4 Räder“, dann können natürlich Werte von über 0,80 erreicht werden.
    Wenn man es aber mit einem Moloch wie dem Google Algorithmus zu tun hat, dann gelten diese Werte schlichtweg nicht. Mathematisch ausgedrückt ist keine Linearität vorhanden, weil die Merkmale nicht intervalskaliert sind. 🙂

  • @Arndt
    Anfänglich habe ich das genauso gesehen wie du. So wurde uns das übrigens auch in der Vorlesung erklärt. Das Problem an dieser Stelle ist die große Anzahl an Faktoren, die einen Einfluss auf das Ranking hat. An dieser Stelle ist eher das Verhältnis zu anderen Faktoren wichtig und da ist ein Wert von merh als 0.3 schon ziemlich gut. SEOMoz hat ja auch in der Vergangenheit öfter mal Korellationszahlen veröffentlicht und bei den meisten Faktoren liegen die Werte teils deutlich darunter.

    Grüße
    Pascal

  • Hallo und vielen Dank für die sehr gelungene Zusammenfassung und Erläuterung!

    Viele Grüße aus Rosenheim,
    Alex

  • Was die Korreelation in der Wissenschaft angeht, so ist es eher so, dass man sagt: Wenn die Korrealtion Gewalt reicht nicht aus. Hier müssen mehr Faktoren herangezogen werden. Genauso wäre es dann bei Seomoz eigenltich: wäre die Korrelation aller Faktoren > 0,8 (Also nicht die einzelnen) Also Autos haben vier Räder oder 3 oder 6 und sind blau oder weiss oder rot oder schwarz und haben mindestens ein Lenkrad, sollte > 0,8 ergeben. Ergibt aber nun bei SEOmoz tatsächlich relativ wenig. Zeigt also: Von den Faktoren noch relativ weit vom Goolge Algo entfernt. Relativ gesehen aber wohl am nächsten dran, was man derzeit aussagen kann. Das ist halt genauso wie mit jeder Blackbox. Aber hier werden auch zwei ungleiche zhlen verglichen nämlich einmal Erkenntnisse aus den seomoz Zahlen und einmal Meinungen. Bildleser Meinung mit messbaren Erfolgen zu vergleichen kommt aufs Gleiche raus. Ich weiss wovon ich rede 😉 Und nein ich setze SEOs nicht mit Bild Lesern gleich. Nur mit Leuten die interpretieren ohne einen Einblick zu haben.

  • @Pascal: Du sagst es: Es sind VIELE Faktoren! Ein Grund mehr all diese Ergebnsise anzuzweifeln. Denn eine schnöder Korrelationskoeffizient zwischen ZWEI Variablen (übrigens stets ohne Signifikanzniveau angegeben!) sagt nicht wirklich was aus, wenn es dutzende (bekannte/unbekannte) „Stör“-Variablen gibt.

    Auch weiß niemand, ob die zu Grunde liegenden Daten normalverteilt sind, was ja für die Auswahl des Korrelationskoeffizienten entscheidend ist.

    Wenn überhaupt, dann müssten hier multiple Regressionen berechnet werden (wie z.B. eine Hauptkomponentenanalyse). Aber das scheitert natürlich an der Datengrundlage, die Google nicht rausrückt … 😉

    Nix für Ungut!

  • @Arndt
    Ich wollte auch nicht sagen, dass die Ergebnisse der Weisheit letzter Schluss sind 😉 Hinzu kommt das Problem mit Daten: Bedenkt man man die riesige Anzahl aller Queries (vor allem das, was an Longtail hinzukommt), bräuchte man wohl einen wesentlich größeren Stichprobenumfang um Ergebnisse zu bekommen die statistisch besser abgesichert sind.

    Btw. No offense taken 😉

    Grüße
    Pascal

  • Auch aus diesem Artikel geht mal wieder hervor, wie wichtig ein natürlicher Linkaufbau ist. Da kann man sich ja mal fragen, warum teilweise mehrere 100 Projekte nur zum Linktausch betrieben werden, die für den Besucher kaum einen Mehrwert bieten.

  • Sehr schöner Artikel – mit einem Korrelationskoeffizientenlastigem Kommentarteil 🙂 Das Ranking für „Julian“ ist ja wirklich mal spannend.

  • Bin schon ein paar Tage später dran, erst jetzt den Artikel gefunden. Sehr guter Artikel!

  • Respekt für diesen hervorragenden Artikel zum Thema Suchmaschinenoptimierung. Einfach klasse. Bitte weiter so! Gruss Ralph

  • Super Artikel, der Artikel hat meine verschlafenen „Linkaufbau Augen“ geöffnet. Danke dafür.

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