Not provided – Fluch oder Segen?

12. Oktober 2013  |     |  12 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

Wie mittlerweile die meisten von Euch mitbekommen haben werden, zeigt Google seit etwa einem Monat bei mittlerweile rund 81 % der organischen Zugriffe kein Keyword mehr an, sondern lediglich (not provided).

So fühlen wir SEOs uns seit (not provided).

So fühlen wir SEOs uns seit (not provided).

Hintergründe

Google leitet seine User mittlerweile standardmäßig auf die Https-Version von Google, bei der Webmaster dann keine Keywords mehr als Referrer sehen, sondern nur noch den Ausdruck (not provided). Hintergründe könnten laut SearchengineLand die Prism Affäre, Datenschutzbedenken und der Wunsch nach mehr Google Adwords Kunden sein. Über Google Adwords sieht man nämlich noch seine Keywords. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis statt momentan 81,6 % der Keywords 100 % (not provided) sein werden. Laut Notprovidedcount.com wird bei weiterem Ansteigen am 15.11. der Punkt erreicht sein, an dem man überhaupt keine Keywords mehr sieht.

Es wird ebenfalls spekuliert, ob Google eine neue kostenpflichtige Version von Google Analytics plant, die dann die Keywords überträgt. Das könnte durchaus sein, denn sehr viele Webmaster wären bereit, für diese Informationen zu bezahlen. Andererseits sehe ich dann schon dicke Kartellklagen in Brüssel von Econda, Etracker & Co. auf Google zukommen.

Zunahme von (not provided) Suchanfragen in den letzten Wochen

Zunahme von (not provided) Suchanfragen in den letzten Wochen

Fluch oder Segen?

Es ist eindeutig negativ für Webmaster, dass sie jetzt weniger Daten bekommen. Und es gibt keinen Grund zu behaupten, dem wäre nicht so. Während Google immer mehr Daten von uns Webmastern verlangt, geben sie uns im Gegenzug immer weniger. „Datenschutz“ als Grund vorzuschieben oder als Google überhaupt noch dieses Wort zu gebrauchen, ist blanker Hohn. Zumal Google Adwords Daten unkommentiert einfach immer noch verfügbar sind. Datenschutzrechtlich macht das überhaupt keinen Sinn.

Man sieht ab sofort nicht mehr, welche Keywords zu einer bestimmten Landingpage geführt haben, ob es vielleicht die falschen Keywords waren und entsprechend auch nicht, warum User (keywordbasiert!) mit einer Seite eventuell unzufrieden waren. Online Shops haben zwar noch korrelierende Daten aus Google Adwords, aber bei Webseiten, die kein Google Adwords schalten (etwa Zeitungen) wird es sehr schwer.

Aber…

Viele Experten sehen den Einschnitt als gar nicht so schlimm an, wie eine Umfrage auf SEO United neulich ergeben hat. Ich zitiere hierfür gerne Malte Landwehr

„Wer im Web 3.0 angekommen ist, der sollte verstanden haben, dass Keyword-basiertes SEO tot ist. Ok, so richtig tot vielleicht noch nicht. Aber eben ein aus-sterbendes Modell, in das es heute nicht mehr lohnt zu investieren.“

Ich gebe Malte da vollkommen recht. Mein Weihnachtsmärchen über den Longtail ist mittlerweile fast 5 (!) Jahre alt. Und seitdem hat sich der Longtail noch mehr ausgeweitet, weil 2-5-Keyword Suchanfragen immer mehr zunahmen, während die echten „Moneykeys“ abnahmen.

Bringt es etwas, auf bestimmte Keywords zu optimieren?

Meiner Meinung nach „Nein“. Es gibt nur wenige Branchen, in denen es sehr eng eingegrenzte Keywords gibt und kaum Longtail. Insgesamt aber sind es fast immer Keyword-SETS auf die man optimiert und die Summe der „Nebenkeywords“ übersteigt oft bei weitem die großen Money-Suchbegriffe.

Nehmen wir einmal Suchanfragen von Seokratie.de aus dem Jahr 2010 als Beispiel, denn damals gab es noch kein (not provided).

Grau sind die "Nischenkeywords"

Grau sind die „Nischenkeywords“

  • Es kamen rund 20.000 Besucher über 8.200 Keywords.
  • 50 Keywords wurden mehr als 40 Mal gesucht
  • Die allermeisten Besucher allerdings kamen über Keywords, die nur 1x (!) gesucht wurden
  • Dabei sind Suchbegriffe wie „affiliate marketing artikel leicht umwandeln und auf anderen blogs posten“ oder „gibt es eine möglichkeit neues konto hinzufügen mehr als 50urls pro account bei google analytics

Ganz ehrlich: Haben wir jemals das volle Potenzial von Keyword-Analysen ausgenutzt? Meiner Meinung nach hat man immer bereits Keyword-SETs bearbeitet und nie einzelne Keywords. Naja, zumindest einige von uns. Sehr viele wollten aber immer schon für „Kreditvergleich“ auf Platz 1 sein, was der Grund war, wieso sie Anchortexte mit diesem Keyword ausgestattet haben und deswegen heute im Google Penguin Filter hängen! Die Keywordfokussierung von uns SEOs hat uns also im Großen und Ganzen mehr geschadet als genutzt!

Hoffentlich gibt es die Entwicklung vom Keywordfokus weg. Umgekehrt könnte es nämlich auch sein, dass viele Webmaster nun nicht mehr erkennen, wie wichtig Longtail-Suchanfragen sind und demnach denken, dass nur die „großen“ Keywords etwas bringen.

SEO früher

Viele Kunden gingen oft so an SEO heran:

„Ich will für Keyword XY auf Platz 1 sein, schaffen sie das?“

Die meisten SEOs versuchten dann, die Seite mit dem entsprechenden Keyword im Anchortext zu verlinken, die Seite auf das Keyword auszurichten und vieles mehr. Der Fokus lag auf dem Keyword!

SEO heute und in Zukunft

„Ich möchte mehr Google Besucher und mehr Umsatz, schaffen sie das?“

Heute kann man dann dem Kunden vermitteln, dass man zusammen an der Seite arbeiten muss, um sie qualitativ besser zu machen. Dass man statt Links mit Keyword-Anchortexten echte Partnerschaften von (ebenfalls) guten Seiten braucht, um insgesamt besser von Google bewertet zu werden. Der Fokus heute liegt auf der ganzheitlichen Optimierung der Seitenqualität. Dass man „Bananen“ in den Title schreibt, wenn man Bananen verkauft und dort nicht „Äpfel“ stehen sollte, ist eine Trivialität und kein wirkliches SEO.

Vorteile von (not provided)

  • Man sieht, welche Landingpages Traffic bringen, welche nicht
  • Dadruch wird man sich jetzt genauer die Landingpages ansehen und überlegen, ob sie qualitativ gut sind oder nicht
  • Auf die Absprungrate wird mehr Wert gelegt werden
  • Webmaster und SEOs werden vermutlich weniger auf Keywords optimieren, sondern mehr auf „insgesamt gutes SEO“ und auf gute Inhalte
  • Statt „Links mit Keyword X“ zu setzen, geht es jetzt vielleicht bei noch mehr SEOs in Richtung Marketing und echten Kooperationen

Nachteile von (not provided)

  • Analysen auf Keywordbasis sind faktisch unmöglich, das schließt vielleicht leider auch Analysen bezüglich des Longtail-Traffics ein
  • Anpassungen auf Keyword-Ebene werden schwieriger. Man weiß nicht mehr, ob Suchende vielleicht über falsche Keywords auf die Seite kommen
  • Man sieht keinen Umsatz mehr über bestimmte Keywords

Fazit

Natürlich ist der Wegfall der Keyword-Daten für uns kein Vorteil. Dass der Schritt auch für Google nicht unproblematisch ist, merkt man daran, dass im Google Webmasterblog oder als Pressemeldung nichts dazu geschrieben wurde. Man scheut sich also, das Thema an die große Glocke zu hängen, denn es wirft viele unbequeme Fragen auf: Wenn Datenschutz der Grund für die Abschaltung ist, wieso übergibt Google Adwords dann noch Keywords? Insgesamt denke ich aber, dass die positiven Vorteile für das Netz und auch für SEO überwiegen.

Momentan ist die SEO Landschaft gespalten: Die einen „setzen“ (kaufen / spammen) Links und arbeiten keywordfokussiert, die anderen haben sich weiterentwickelt und setzen auf gute Inhalte und echte Kooperationen unabhängig von irgendwelchen festen Metriken. Für die zweite Gruppe ist die Entwicklung weg vom keywordbasierten SEO ein großer Vorteil, für die erste Gruppe vielleicht ein Grund mehr, sich weiterzuentwickeln.

Video von Rand Fishkin zu (not provided)

Kleine Anmerkung noch zum Video: Selbst Rand Fishkin hat kein gutes Wort für Google übrig und das ist für ihn sehr unüblich. Ich denke, das liegt insbesondere daran, dass einige Features von Moz Analytics jetzt völlig unbrauchbar sind – und das, bevor die Software überhaupt veröffentlicht wurde.

Weitere Ressourcen:

Foto: FuzzBones / Shutterstock.com

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12 Kommentare

  • Erstmal vielen Dank für den Beitrag bezüglich „Not Provided“.
    Selbstverständlich ist auch mir der Anstieg von „Not Provided“ über Google Analytics aufgefallen.

    Ich hätte diesbezüglich zwei weitere Fragen:

    1. Wie ist es mit den Daten zur Absprungrate bei Google Analytics? Kann man die auch noch wirlklich bewerten, wenn die hoch anfallen wie z.B. 75% od 82% ?

    2. Welche Updates von Google signalisieren, dass immer mehr die Kooperation mit anderen Blogs und das „unique“ Content beim Ranking eine Rolle spielen?

    Vielen Dank für deine Mühe Julian.

  • Julian, das ist einer Deiner besten Beiträge! Danke für die Einschätzung.

  • Nur 81,6% ? Bei meinen Projekten bin ich da im Schnitt bei 95% seit Anfang Oktober. Es ist zwar ärgerlich, aber ehrlich gesagt, es ist auch nicht besonders schlimm. Zumindest würde ich dafür nicht bezahlen um in Zukunft die Keywords wieder zu sehen.

  • Mit diesem Artikel hast Du mir viel Arbeit erspart.
    Das Thema habe ich aktuell mit vielen meiner Kunden.
    1. warum Google Analytics nicht mehr die Daten auswirft…
    2. sie verstehen nicht (vor allem langfristige Kunden) warum man nicht mehr auf Keywörter optimieren sollte…

    Jaja

  • Der Hinweis auf den Longtail ist berechtigt, gut und vielleicht löst er ja bei dem einen oder anderen ein Umdenken aus.

    Den Absatz „Bringt es etwas, auf bestimmte Keywords zu optimieren?“ muss man wohl etwas relativieren – für einen Blog ohne klare kommerzielle Ausrichtung wird sowas immer anders aussehen als für Affiliate Seiten und Shops. Meiner Erfahrung nach ist es gerade bei Shops so, dass der Anteil des Longtail Traffics im Vergleich zu dem Traffic den 1-2 starke generische Keyword Rankings bringen eher gering ist.

    Zum Zitat von Malte Landwehr: Korrekt ist das aus meiner Sicht nur, wenn man „Keyword-basiertes Seo“ durch „Keyword-fokussiertes Seo“ ersetzt. Wie soll Seo und eine Optimierung ohne keywords funktionieren? Genau die Keywords und deren Suchvolumen spiegeln doch das Interesse und die Nachfrage wieder. Eine Optimierung einer Seite ohne Blick auf die relevanten Keywords ist Quatsch.

    Er meinte wohl auch eher die reine Betrachtung, Verlinkung und Optimierung starrer und stark umkämpfter generischer Keywords sei nicht der moderne Weg – das Stimmt! Aber absehbar werden die Keywords egal ob short- oder longtail im Zentrum jeder Optimierung stehen – wer nicht auf Keywords und das damit verbundene Nutzerverhalten blickt handelt doch planlos

  • Julian

    Hi Güngör,

    1. Wegen Absprungrate: Ja, Du kannst sie schon noch bewerten, wenn Du noch Vergleichsmöglichkeiten hast. Bei redaktionellen Portalen z.B: sind Werte um 70-80% „normal“, bei Online Shops sind es eher 20-30 %. Vergleichen kannst Du mit alexa.com oder similarweb.com

    2. Die Linkabstrafungen signalisieren das. Und bei Content geht es nicht nur um unique Content, sondern um wirklich interessante Inhalte. Das zeigt einfach die Praxis. Früher hatten Projekte mit tollen Inhalten aber wenigen Links keine guten Rankings – heute schafft man es auch mit weniger Links nach oben, wenn die Inhalte gut sind.

  • „.. setzen auf gute Inhalte und echte Kooperationen“ – dürfte ich mal wiederholt fragen, was denn „echte Kooperationen“ sind? )))

  • Julian

    Hi Vitaly,

    Ich kann nur sagen, wie wir das sehen: Wir versuchen Webmaster davon zu überzeugen, auf die Inhalte unserer Kunden zu verlinken, ohne Geld zu bezahlen. Oder wir stellen selbst ellenlange, sehr sehr gute Artikel bereit, die Webmaster dann sehr gerne bei sich einbinden, weil sie wirklich gut sind. Oder wir interviewen Leute. Oder wir fahren bei ihnen vorbei, reden mit ihnen. Die Liste ist sehr lang! Im Prinzip: Je mehr Aufwand betrieben wird, desto besser und desto mehr bewegt man sich von reinem Linkbuilding weg hin zu echtem Marketing. Frage beantwortet?

  • Yup, Frage beantwortet! 😉 Vielen Dank!

  • Hey Julian,

    schöne Argumentationsliste mit Vor- und Nachteilen. Danke.

    Und ja, mal wieder ein sehr wertvoller Artikel. Mein Vote für „Bester SEO-Blog“ hast Du schon!

    Liebe Grüße,

    Tobi

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