Nischenseiten im Jahr 2014

4. August 2014  |     |  18 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

Früher hatte man als SEO unzählige Nebenprojekte, wenn man etwas auf sich hielt. Das Stichwort hieß „Projektieren“: Man erstellte dazu ein kleines Projekt mit mehreren Unterseiten und versuchte das Ganze dann ranken zu lassen. Früher hat das gut funktioniert – heute auch?

mfa-seiten

Zur Erklärung: „MFA’s“ sind Spamseiten, „Made for Adsense“. Ohne echte Inhalte, eben nur für Adsense (Klicks) gemacht. Bildquelle SEOmemes.com

Nischenseiten damals und heute

Ich hatte auch sehr viele davon: Nischenseiten zu unzähligen Themengebieten. Das Ganze ging damals relativ einfach:

  • Man registrierte oder kaufte eine Exact Match Domain (Domain mit Keywordnamen, etwa Kreuzschraubenzieher.de).
  • Man kaufte Content ein und platzierte ihn auf der Domain
  • Man wartete auf gute Rankings (oder betrieb Linkbuilding)
  • Man platzierte Adsense / Amazon / Affiliate Werbung auf der Seite

Das Ganze machte man dann nicht mit einer Domain, sondern mit Dutzenden. Das ist natürlich vereinfacht ausgedrückt und den genauen Prozess konnte man noch sehr gut feintunen, aber im Groben lief das so ab.

Auch ich hatte solche Projekte. Teilweise hatten sie nur eine einzige (!) HTML Seite, beziehungsweise zwei (mit Impressum) und waren dann auf Platz 1 für Ihr Keyword.

Geht so etwas heute noch? Ja, bei…

Wenn ich jetzt schreibe, dass so etwas nicht mehr geht, weil Google die Qualitätskriterien geändert hat, dann werden mir sofort ganz viele Gegenbeispiele gezeigt, bei denen es noch funktioniert. Auch werden sich einige Leute zu Wort melden, die tausende solcher Domains besitzen und damit sehr viel Geld verdienen. Solche Leute meine ich nicht. Das kann alles noch gut funktionieren und tut es auch.

Allerdings…

Diese wirklich sehr schlechten Projekte finde ich heute eigentlich nur noch über diverse „Projektverkauf“-Gruppen bei Facebook oder über einschlägige Foren. In den echten Suchergebnissen und für Suchbegriffe mit viel Traffic kommen solche Mini-Seiten nicht mehr nach oben. Seiten, die keinen wirklichen Mehrwert bringen und dann nur über 5-10 Unterseiten verfügen, scheint Google sehr schnell direkt aufs Abstellgleis zu stellen.

99 % solcher Miniprojekte bringen heute nichts mehr!

Domain- und Projektmessis

Ich kenne einige Leute, die sich im Laufe der Jahre zu wirklichen „Messies“ entwickelt haben und wild Domains und Projekte kaufen, verkaufen und bauen. Wie schon gesagt: Ich war da früher auch sehr aktiv und habe auch noch die ein oder andere kleine Sammlung. Die meisten dieser Seiten dümpeln allerdings vor sich her, bringen keine wirklichen Einnahmen und Rankings haben sie sowieso nicht. Aber „das Hosting bringen sie noch rein“, wenn die Domains 12 Euro pro Jahr machen. Von daher behält der typische Domainmessi diese Domains auch (ich zähle mich einmal auch dazu).

Online Shop Messis

Der Spezialfall unter den Projektmessis sind Personen, die das ganze mit Online Shops aufziehen. Ich kenne viele Shopbetreiber, die zehn oder zwanzig Shops haben, wobei die meisten überhaupt keine Besucher haben. Meistens hat man einen großen Shop, während die anderen „Klone“ desselben sind. Argumente für diese Shops sind meistens

  • Risikostreuunng: Je mehr Shops man hat, desto weniger macht es aus, wenn einer Rankingverluste hat
  • Mehr Rankingmöglichkeiten: Man kann für „Badelatschen“ gleich mit 5 Shops in den Top 10 sein!

Die Risikostreuung hat noch nie funktioniert: Meistens ist es nämlich so, dass nur einer von zwanzig Shops relevante Einnahmen liefert. Wenn dieser Hauptshop abschmiert, dann helfen auch die anderen 19 Shops nichts. Bei den Rankingmöglichkeiten verkalkulieren sich viele und unterschätzen enorm, dass man dann auch SEO für 19 Shops betreiben muss. Und aus Erfahrung weiß ich: Die Wahrscheinlichkeit, dass man 19 Shops im gleichen Thema nach oben bringt, liegt bei 0.

Nischenseiten heute

Heutzutage ist es mit kleinen Nischenseiten à 4-5 Unterseiten fast unmöglich geworden, gute Rankings zu erzielen. Es kommt selbstverständlich auf die Qualität des Contents an, bei entsprechendem Content funktionieren natürlich auch 1-seitige Projekte.

Was heute nicht mehr geht

  • Die Unterseiten der Projekte nur nach Keywords auslegen
  • In Sachen Content keinen Mehrwert bereitstellen, besonders in Bereichen, wo es bereits auf anderen Seiten viel Mehrwert gibt

Was heute super funktioniert (und damals nicht)

  • Sich auf den Content fokussieren
  • Sich auf den User fokussieren
  • Dazu gutes SEO
  • … und schon sind die Rankings da!

Gerade bei Nischenseiten geht so etwas heutzutage mit wenigen oder gar keinen Links! Während man früher für jedes noch-so-kleine Projekt Linkaufbau betreiben musste, geht es heute auch mit weniger Links. Das Geld, das man früher in Linkbuilding (Anstrengungen) investiert hat, ist heute definitiv am besten im Content aufgehoben. Denn hier hat die deutsche „Projektierer-Szene“ meistens ihr größtes Manko.

Fertige Projekte kaufen?

Wie bereits erwähnt, schaue ich öfter einmal in Foren und Co. vorbei, was für Projekte angeboten werden. Mein letztes Projekt habe ich allerdings 2010 gekauft und bitter bereut. Wenn Ihr euch nicht gut auskennt, lasst es am besten einfach sein.

Tipps zum Projektkauf:

  • Gute Projekte mit stabilen Einnahmen verkauft man in der Regel nicht. Falls doch, ist in 50 % der Fälle etwas faul am Projekt. Vorsicht bei solchen Angeboten!
  • Urheberrechte von Texten (UND BILDERN!) solltet Ihr dringend genau überprüfen. Sonst drohen Euch teure Abmahnungen. Der Vorbesitzer kann dann nicht in Regress genommen werden!
  • „Einnahmen und Besucherzahlen wurden bisher nicht überwacht, daher keine Statistiken“: Das bedeutet, dass das Projekt einfach keine Einnahmen und Besucher hat!
  • Wenn der Verkäufer Einnahmen oder Besucherzahlen veröffentlicht, dann sind diese leider in 90 % der Fällen übertrieben. Glaubt es nicht. Lasst Euch Screenshots von den entsprechenden Belegen geben!
  • Bei Contentprojekten müsst Ihr Euch JEDEN Artikel durchlesen. Falsche Tatsachen, rechtswidrige Inhalte, rechtlich fragwürdige Formulierungen gibt es oft genug. Ihr haftet dann dafür.
  • Projekte, die auf Ebay angeboten werden, sind zu 99,9 % Schrott. Der Rest kann aber gut sein! 🙂

Ihr findet, dass ich eine negative Einstellung gegenüber Projektkäufen habe? Da habt Ihr ganz Recht! Baut Eure Projekte am besten selbst, dann wisst Ihr, woran Ihr seid! Natürlich gibt es auch seriöse und gute Contentprojekte, aber diese muss man schon sehr lange suchen!

Wie macht man gute Nischenseiten?

Die Feinheiten sind natürlich komplex, aber das Wichtigste ist: Mit viel Liebe wird jede Nischenseite ein Erfolg. Überlegt Euch von der Userseite her, was der User zum Thema „XY“ auf Eurer Nischenseite finden will, dann wird sie ein Erfolg werden. Der Hauptgrund, warum Nischenseiten nicht erfolgreich sind, liegt meiner Meinung nach oft an der mangelnden Textqualität bzw. dem mangelnden Fokus darauf, was User wirklich wollen. „Das Ding soll ranken“ ist anscheinend die einzige Devise vieler Projektierer, aber so leicht ist das halt heute nicht mehr.

Ressourcen für Nischenseiten

Hier noch einige gute Ressourcen für Nischenseiten:

Wie ist Eure Meinung? Lieber viele Projekte oder wenige, dafür gute? Habe ich Recht? Oder total unrecht? 🙂

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18 Kommentare

  • Da bin ich ja mal echt gespannt, habe mich direkt für das Projekt eingetragen.

    Die Punkte bei Projektverkäufern kann ich auch nur unterstreichen. Häufig sollen gewisse Projekte 5 stellige monatliche Umsätze bringen und werden dann verkauft, weil man trotz wenigen Aufwand „keine Lust mehr“ auf dieses Projekt hat. Also ehrlich. Wer soll das bitte glauben? 😀

  • Ich liebe das Thema der Nischenseiten!

    Mein 1. Projekt war damals http://www.brennholz-polen.de. Durch die Domain und ein par Unterseiten rankte das Projekt sehr gut. Da die selbe Zielgruppe auch noch nach Holz aus Tschechien fleißig suchte, ergatterte ich die Domain brennholz-tschechien.de und baute dort 3 Unterseiten auf. Nach nur 2 Monaten ist es bereits auf Platz 8 und wird sicher noch auf Platz 1 im kommenden Winter schieben. Ganz ohne Ausgaben!

    Ich denke, dass Nischenseiten nur schnell und wirksam funktionieren, wenn man die passende Domain zum Suchbegriff hat. Sonst wird es wirklich schwierig.

    Liebe Grüße

    Florian

  • Guter Artikel.
    Nischenseiten gehen auch 2014 noch. Es muss nur die Nische klar definiert werden und es muss natürlich auch mal die Konkurrenz angesehen werden. Daran scheitert es oft, finde ich. Es gibt schon noch einige Nischen, wo es kaum, wenig oder gar keinen Content gibt. Dort kann man mint guter Recherche einsteigen und sich versuchen.

  • Der beste Alt-Google-Vergleich stelle ich immer gerne mit Bing an. Sämtliche Seiten, welche damals noch bei Google auf den Top3 erschienen sind, stehen jetzt bei Bing auf den Top3. Bei Google sind die Seiten teilweise nicht mal mehr in den Top100.

    Zum Linkbuilding: nicht mal das musste ich früher betreiben. Im Notfall mal ein Eintragstool und 2 Wochen später waren die Top 3 sicher!

    Allerdings ist meine Hauptseite auf den Weg in die Top10 – eine Hauptseite die ich immer vernachlässigt hatte. Für mich ist Panda und Co. also noch immer ein böhmisches Dorf.

  • Sehr gut, genau so seh ich das auch. Trotzdem ein paar Ergänzungen:
    „Nischen“ ist inzwischen ein sehr schwammiger Begriff, finde ich. Ich nenne meine Projekte eher „kleine Projekte“ – denn jedes saubere kleine Projekt lässt sich inzwischen über Content skalieren. Genau das wäre der zweite Hinweis: Größe und Rankings sind immer nur ein temporärer Zustand – wenn das Projekt nicht Seo-technisch verbrannt wurde.
    Und drittens, weil im Text nicht erwähnt: natürlich nutzen saubere, kleine Projekte (die auch im Google+ Profil verzeichnet sind) auch immer dem Linkbuilding. Denn wenn es inhaltlich Sinn macht und damit für Besucher sinnvoll ist, dann verlinke ich natürlich auch kreuz und quer in den Projekten hin und her. Das ist dann kein „Linkbuilding“, sondern „weiterführende Information für Besucher“ – läuft aber aufs gleiche hinaus.
    Gruß, Martin

  • Hallo, Julian!

    Erst einmal vielen Dank für den Artikel – ich finde ihn sehr inspirierend, was in meinem Fall bedeutet: Ich merke, was mir als einfachem Content-Manager eines Gesundheitsportals noch alles fehlt

  • Ich habe mir bisher zwei Projekte gekauft und beides mal war es ein Reinfall. Ein Projekt lässt sich sicher mit viel Zeit noch retten, das andere ist einfach verloren.

    Ich teile also eindeutig deine Meinung und rate jedem zur extremer Vorsicht beim Projektkauf.

  • Ein sehr guter Beitrag, wenn es denn stimmt.
    Denn das bedeutet dass jemand, der etwas von seinem Fach versteht und dieses in Worte fassen kann, oben mit spielt.
    Im Grunde ist das der Weg „back to the roots“. WordPress als CMS, die guten Inhalte und ein paar Plugins um Amazon und Co einzubinden. Als Sahnehäubchen ein paar SEO Grundregeln und etwas Vernetzung in Facebook. (Das jetzt auch nur als grobe Zusammenfassung)

    @Peter
    Ich nutze aus Prinzip kein Google sondern Bing und andere. Es gibt, je nach Suchbegriff, erhebliche Unterschiede aber bei manchem sind die Ergebnisse fast identisch.

  • Danke Julian für den Artikel und die gute Zusammenfassung des Themas. Ich sehe es wie Martin und nenne Nischenseiten heute eher kleine Projekte. Im Fokus sollte immer die Erwartung des Besuchers stehen – gib dem Besucher das was er erwartet (und vielleicht noch ein paar nützliche Add-ons) dann funktionieren Nischenseiten oder Miniprojekte auch heute noch problemlos. Natürlich wie von Julian gut beschrieben bei veränderter Aufgabenstellung (Fokus auf Content und nicht auf Links oder EMDs).

    Die von dir so genannten „Messie-Zeiten“ in der man jeden Schrott aufbauen und ranken kann sind (wie ich finde Gott sei Dank) vorbei.

    In diesem Sinne, frohes (und sinnvolles) Projektieren! 🙂

    Grüße, Hans

  • Moin,

    das quondos.de Projekt klingt spannend. Habt ihr schon eine Preisvorstellung?

    Viele Grüße
    Christian

  • Julian Dziki

    Hallo Christian,

    Wenn Du Dich zum Early Bird anmeldest: 29 Euro pro Monat.

  • Wie kann ich denn den Wert einer Seite schätzen? Zum Beispiel keine zum verkauf stehende, sondern eine bestehende die mir gefällt und ich ein Angebot machen möchte.
    Oder wie findet man den Wert seiner eigenen Website heraus?

  • Hallo Hr. Ochmann,

    wenn Du eine unabhängige Prüfung willst, kannst Du einen Dienst beauftragen. Habe dazu mal einen Beitrag verfasst evtl. hilft Dir das weiter.

    http://domainhostinfo.de/domainbewertung-erstellen-lassen

  • Hallo,

    das mit dem Projektkauf kann ich nur unterstreichen. Lieber selber machen und Erfahrungen sammeln, die man im Nachhinein noch verbessern kann.

    Ansonsten funktionieren „Nischenseiten“. Warum auch nicht, wenn man den Leser einen Mehrwert bietet und Produkte vergleicht? Solche Seiten vermisse ich sogar in manchen Bereichen, wo ich schon mal etwas kaufen wollte.

    Grüße

  • Grüß dich Julian,

    riesiger Artikel, vielen Dank dafür! Auch wenn ich bisher noch nie ein Projekt gekauft habe, wäre das für mich auch keine Alternative. Wie Florian schon sagte, lieber selber machen und Erfahrungen sammeln.

    Auch wenn das sicher der Weg mit einem erheblichen Mehraufwand, ist das wohl aber der nachhaltigste.

    Besten Gruß
    Sebastian

  • Vielen Dank für den Artikel, der heute mal wieder mein Postfach in Richtung eines unbelehrbaren Kundens. verlassen hat.

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