TKP Vermarktung vs. Suchmaschinenmarketing
17. Nov 2008
Eine TKP (Tausend Kontakt Preis) Vermarktung kann man als Webseitenbetreiber überdenken, wenn man sehr viel Traffic hat (1 Mio. PI’s im Monat). Bei der TKP Vermarktung wird man dann nicht pro Klick auf einen Banner, sondern pro 1000-Einblendungen bezahlt: Eine tolle Sache für den Webmaster – aber auch für den Werbetreibenden?
Große dicke Fische
“Wir brauchen eine Werbekampagne im Internet” sagt der Geschäftsführer des börsennotierten Global Players. Der Marketingleiter geht daraufhin zu einem der großen TKP Vermarkter und bucht 100 Millionen PI’s Skyscraper auf ein paar führenden Portalen im Netz. “Hauptsache wir haben Reichweite.”
Die Werbetreibenden zahlen hierbei etwa 10 Euro TKP x 100.000 = 1 Million Euro. 10 Euro sind nicht viel; Manchmal werden bis zu 40 Euro TKP verlangt. Lange Zeit hat sich das wohl gut gerechnet – diese Zeit nähert sich allerdings dem Ende. Man kann sich angesichts dieser Beträge (die wirklich so ausgegeben werden) wohl vorstellen, was für “dicke Fische” sowohl die Werbetreibenden als auch die Werbeempfänger bzw. Webseitenbetreiber sind. Keiner bucht auf Seokratie.de, es muss eine große deutsche Zeitung sein oder ein Magazin mit 5 Millionen Besuchern im Monat.
Und natürlich ist Suchmaschinenmarketing im Vergleich zu solchen Riesenbudgets eine günstige Werbeform. Wir sind Zwerge im Online-Marketing, schön “klein gehalten” von den dicken Fischen, die natürlich weiter existieren wollen.
Ihr glaubt mir nicht? Wer auf der OMD war, der weiß welche die größten Stände waren: Die Vermarkter und die großen Portale, die selbst vermarkten. Die SEO Stände waren dagegen ausnahmslos am Rand der Messe plaziert und meist sehr klein. Ist ja auch klar: Die größten deutschsprachigen Seiten basieren alle auf TKP-Vermarktung. Die größten Online Marketing Firmen sind TKP-Vermarkter. Alle machen damit ordentlich Reibach – und das soll auch so bleiben.
TKP oder Suchmaschinenmarketing?
Die Preise in der TKP-Vermarktung fallen stetig. Das liegt nicht an der Wirtschaftsflaute, sondern daran, dass Werbebanner eine veraltete Werbeform sind. Die Leute sind werbeblind geworden und nehmen Banner nicht mehr wahr. Ich merke es selbst, wenn ich Banner auf meinen Seiten einstelle: Niemand klickt darauf. Auf einen Affiliate Textlink dagegen klicken viele Leute und von den Google Suchergebnissen (Anzeigen) braucht man wohl gar nicht erst reden.
Branding
Firmen mit großen Budgets fahren natürlich beide Schienen. Oft wird das so begründet: Suchmaschinenmarketing ist dazu da um “irgendwie gefunden zu werden” und mit TKP-Vermarktung kann man sehr gut Branding betreiben, wenn man plötzlich überall präsent ist. Dass ein Besucher, der über eine Suchmaschine oder einen schnöden Textlink kommt teilweise doppelt so gut konvertiert wie ein TKP-Besucher, der versehentlich den Banner geklickt hat, das wird natürlich sehr ungern erwähnt.
Trotzdem gibt man für Suchmaschinenmarketing vielleicht 10.000 Euro pro Monat aus, für TKP-Vermarktung dagegen das Zehnfache. Warum? Das ist eben “Bannerwerbung” und für große Firmen einfacher zu verstehen als “bezahlte Suchergebnisse” (“Was ist das?”) oder gar Suchmaschinenoptimierung (“Sie optimieren die Suchmaschine??”).
Rechnen wir mal durch
Realistisch ist eine CTR (Click Through Rate) von etwa 2 % durch die Bank zu erwarten. Also klicken von 100 Leuten, die einen Banner sehen etwa 2 Leute darauf um sich die Seite dahinter anzusehen. Wenn ich für 1.000 PI’s (Page Impressions) 25 Euro zahle, dann zahle ich für jeden Klick etwa 1,25 €. Im Finanzbereich ist das noch vertretbar – aber in so gut wie allen anderen Bereichen ist das einfach eine unverschämt hohe Summe pro Klick, bei der man mit SEM oder SEO um einiges mehr erreichen kann.
Sieht man sich dann noch die Conversionrate an (Anmeldung, Kauf, Aktion pro 100 Besuchern), dann wird das Ganze wirklich teuer: Ich würde sagen, dass 1 % Conversionrate realistisch klingt. Das bedeutet, dass einer von 100 Besuchern, die bereits auf den Banner geklickt haben letztlich auch etwas kauft. Der CPO (Cost per Order, Kosten pro Bestellung) liegt dann bei 1,25 € x 100 Besucher = 125 Euro. Für welches Produkt lohnt es sich 150 Euro pro Verkauf auszugeben? Für einige schon – bei Autos liegt die Conversionrate aber nicht bei 1 %.
Im SEM und SEO-Bereich kann man durch Testen hingegen nur diejenigen Besucher auf seine Seite locken, die auch gut konvertieren. Somit läge hier die Conversionrate bei 2 % (mindestens) und der CPO bei 62,50 Euro.
Im Offline-Marketing würde das mit folgenden Methoden übereinstimmen: Der Kunde, der TKP bucht, pflastert einfach die gesamte Stadt mit Werbeplakaten voll, während der SEM/SEO Kunde seine Plakate nur in Gegenden aufstellt, wo auch seine Zielgruppe ist. Was nützt mir eine B2B-Werbung in einem Wohngebiet mit einer Arbeitslosenquote von 20 %?
Mich würde einmal interessieren, ob das Plakatfirmen auch so handhaben…
Web 2.0 Communites und TKP-Vermarktung
Sollte es ein zweites “Platzen der Blase” geben, so werden die SEO’s und SEM’s wohl am wenigsten davon betroffen sein. Am härtesten wird es meiner Meinung nach die Vermarkter und Werbetreibenden treffen, die noch auf dem TKP-Modell basieren. So manche große Web 2.0 Community verlangt bereits jetzt ein Zwanzigstel (!!!) des Preises, der in der Mediadaten-Ecke offiziell angegeben ist.
Die Werbetreibenden scheinen also langsam zu kapieren, das Bannerwerbung wohl nicht mehr so effektiv ist, wie sie noch vor einigen Jahren war. Trotzdem halten die “Großen” in der Online Werbebranche (und das sind die TKP-Vermarkter) das Thema SEO und SEM an der kurzen Leine. Irgendwann werden es die Werbetreibenden verstanden haben und nicht mehr auf TKP buchen, sondern über SEM und SEO. Dann werden einige große Seiten, die sich bisher über TKP-Werbung finanziert haben ernste Probleme bekommen.
So und nachdem ich jetzt einigen Leuten ordentlich ans Schienbein getreten habe, wünsche ich euch einen schönen Montag.
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Kategorie: In eigener Sache
About the Author: Julian Dziki is an SEO, Online Marketer & Affiliate since 2007.
Comments (10)
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“1,25 € x 100 Besucher = 150 Euro”
Wer findet den Fehler? Oder habe ich was übersehen?
Ansonsten ein guter Artikel, sehr ausführlich. Denke auch das TKP-Vermarktung keine Zukunft hat und das auch bald mehr merken. Ganz blöd sind die ja auch nicht
Ei ei… habs geändert, danke für den Hinweis!
Moin Julian,
Musik in meinen Ohren, leider nur in den meinigen
Habe mal für meine Tätowierer eine Seite gemacht, die pro Monat etwas mehr als 500K Zugriffe hat. Mit deiner Formel wären das immerhin 5.000€ im Monat fürs nichts tun…
So rechne aber nur ich, da meine Freunde absolut keine Werbung auf ihren Seiten wollen. Schade eigentlich!
Für die Hälfte des Betrags würde ich auch wieder mal was dran machen und sie wären bei ihren “Topbegriffen” wieder auffindbar. So ist es halt was für einen kalten Winterabend, wenn ich mich mal aufraffen kann etwas zu tun.
Viele Grüße aus dem langsam aber sicher kalten Chongqing,
Sven
Ein CTR von 2% bei Bannerkampagnen? Das kommt nicht hin. Schon 0,5% sind ein großer Erfolg.
Mit den TKPs gehts doch schon bergab. Die Vermarkter sind in den Affiliatenetzwerken und vermarkten dort “Restplätze”
Gruß
Las
@Las, ich weiß… da wurde ich heute schon geschimpft. In Social Communities gibts sogar noch weniger als 0,5 %.
Hallo Julian, wieder mal ein toller Artikel von Dir. Ich habe aber das Gefühl das sich Dein Blog immer mehr in Richtung Affiliate Marketing anstatt SEO entwickelt, ist da was dran?
Du vergleichst Äpfel mit Birnen bzw. Pull- mit Pushmarketing. Bei SEO und SEM WOLLEN sich die Nutzer mit dem Thema/der Marke auseinandersetzen, bei der TKP-Vermarktung SOLLEN sie (im Marketing spricht man von Penetration). Der Nutzer ist bei SEO und SEM also empfänglicher für die Werbebotschaft. Das liegt vor allem daran, dass der Kunde über die TKP-Vermarktung und andere Quellen (WOM, öffentliche Berichterstattung etc.) für das Produkt/ Thema sensibilisiert wurde. Er beginnt sich mit dem Thema näher zu beschäftigen und sucht auch bei Google danach. Erst relativ allgemein/unscharf, später genauer.
Das erklärt auch Wirkungsgrad und Preis der beiden Vermarktungsarten. Bei TKP ballert man quasi mit einem Maschinengewehr drauf los, während die SEOs schon fast mit Scharfschützen zu vergleichen sind. Natürlich im übertragenen Sinn.
Nicht zu vergessen: Branding-Effekte, Größe der Werbefläche, die Vielfältigkeit der Gestaltung sowie eine Alleinstellung auf dem Werbeträger. All das zahlt man bei der TKP-Vermarktung natürlich mit.
Jetzt kommt es natürlich auf den Werbetreibenden an: Ist es ein Händler, der bekannte und nachgefragte Produkte (bspw. LCD-TVs) über seinen Online-Shop verkauft, ist SEO/SEM natürlich unverzichtbar. Wenn es aber ein Hersteller ist, der eine neue Generation von LCD-TVs auf den Markt bringt, kommt er an TKP-Vermarktung nicht vorbei – er muss von heute auf morgen einen großen Werbedruck aufbauen, um schnell eine Nachfrage zu generieren. Das kann SEO/SEM in dieser Phase des Produktlebenszyklus nicht leisten. Weil Fabriken und Mitarbeiter schnellstmöglich ausgelastet werden müssen.
@ Affiliate König / Seodeluxe: Ich gehe demnächst eher in die Usability Richtung, weiß aber noch nicht, wo ich anfangen soll. Der Blog geht eben um die Dinge, die mich momentan interessieren. Das ist SEO, SEM, Affiliate Marketing und seit neuestem Usability.
Ich wurde gestern auch angerufen und mir hat das jemand erklärt. SEM/SEO ist eigentlich eher Vertrieb und kein Marketing. Ich studiere eben Geschichte und nicht BWL…
Bei Usability muss ich das Gelernte erst einmal umsetzen und eine positive Wirkung haben, bevor ich Mist rede, der gar nicht funktioniert.
Und @ Markus: Du hast Recht.
Trotzdem bleibt der Grundtenor: Die Budgets sind ungerecht verteilt, weil der Branding Effekt durch TKP Vermarktung immer mehr abnimmt.
Es wird sich sicher noch einiges verschieben, doch bin ich ganz optimistisch, was Banner und TKP angeht.
Die Argumentation würde zu Ende gedacht doch darauf hinauslaufen, dass Werbeformen wie Plakate, TV-Spots, Radiowerbung, Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften…alle dem Untergang geweiht wären.
Das glaube ich nicht, obwohl es natürlich sinnvoll ist, die Streuverluste so gut es geht zu minimieren.
Wenn man sich Google AdSense anschaut, sieht man doch, dass Banner auch kontextsensitiv eingesetzt werden können.
Doch ganz allgemein: Ich denke, dass hier ein Umdenken in der Branche notwendig ist, was Onlinewerbung angeht. Nur weil User auf einen Banner klicken können (!), heißt das nicht, dass das Geld umsonst ausgegeben wurde, wenn nicht geklickt wurde.
Vielleicht ändert sich da was, wenn Plakate und Anzeigen im Printbereich interaktiver (z. B. mittels QR-Codes) werden. Dann wird doch auch niemand sagen, dass man nur für die Interaktionen bezahlen möchte.
Und was die Banner Blindness angeht: Werbung wirkt nicht nur, wenn sie bewusst wahrgenommen wird.
Trotz meines ganzen Widerspruchs: schöner Artikel!
Da google wieder nur Käse ausspuckt: kennt jemand von euch eine Quelle mit validen Statistiken zum Tausender-Kontaktpreis? Hab auch beim BVDW oder mediadaten.de nix gefunden…
DANKE!