Hasst Google Affiliate Seiten?

9. Oktober 2013  |   ,  |  13 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

Immer wieder geistern in diversen Foren und auch auf Blogs Kommentare oder Beiträge umher, die meinen, dass Google Webseiten mit Affiliate Links abstraft. Das ist definitiv nicht so.

Google zuhören?

Es ist manchmal schon bezeichnend, dass wir ständig über Google mutmaßen, uns aber niemals deren offizielle Aussagen anhören. Direkt auf der Startseite der Google Webmasterrichtlinien gibt es ein Video des Search Quality Members „Michael“, in dem er ab Sekunde 0:35 zu Affiliate Seiten Stellung nimmt.

Kernaussage:

„Auch Websites in Partnerprogrammen sollten Mehrwert schaffen und Nutzern einen Grund geben, sie zu besuchen. Eine hochwertige Partner-Website wäre z. B.ein Fahrrad-Blog mit Bewertungen und  Kommentaren. Eine Website mit geringer Qualität wäre z. B. ein Blog, das nur kopierte Produktbeschreibungen mit Informationen des Partners enthält. „

Die bloße Auflistung von Produkten alleine bietet also keinen Mehrwert. Jede Affiliate Seite sollte in den Augen von Google heutzutage mehr bieten. Hier einmal ein paar Beispiele:

  • Produkttests
  • Produktbewertungen anderer User
  • Einzigartige (!) Fotos und Videos
  • Produktvergleiche (aber gute, d.h. Vor- und Nachteile zweier Produkte auflisten, keine reinen Produktlisten)
  • Hintergrundinfos, exklusive Infos
  • Insgesamt eben zur Suchanfrage passen!

Prinzipiell straft Google also keine Affiliate Seiten ab und sieht es auch nicht negativ, wenn eine Seite Affiliate Links hat. Allerdings fällt es sehr negativ auf, wenn die Seite keinen großen Mehrwert bietet. In diesem Fall spricht Google von den sogenannten „Thin Affiliates“. Hier der entsprechende Auszug aus dem Dokument für externe Google Mitarbeiter 2011.

5.1 Thin Affiliates
A thin affiliate is a website that earns money from affiliate commissions. It exists only to make money. The spammer shows content from other “real” merchant sites, such as Amazon or eBay, or a good hotel or travel website. When users click on links to buy products or make reservations, they are redirected to the “real” merchant page.
The thin affiliate offers no additional information and does not try to help users. This is a moneymaking spam technique.
5.1.1 Recognizing Thin Affiliates
To help determine if a page is a thin affiliate, you can do the following:

  • Click buttons on the page. Click on a “More Information” or “Make a Purchase” button. If you are taken to a merchant on a different domain, it is probably a thin affiliate. You will not be able to make the purchase on the affiliate webpage.
  • Check properties of images on the page. Right-click on an image on the page with your mouse and look at “Properties” to see where the image originates. Check to see if the address of the image is the same as the address of the page or if it is the address of a “real” merchant?
  • Look for original content on the page. Affiliate pages that include original content in addition to the affiliate link are not spam
  • Look at the domain registrants. If clicking a button takes you to another page, check to see “who is” the registrant (or owner) of the two domains. If the registrant is the same, the page is not a thin affiliate. Please follow the instructions for checking whose in Section 3.3.1.

5.1.2 Not all Affiliates are Thin
Some affiliates are created to help users. Anyone can become an “affiliate” of merchant sites such as Amazon and link to Amazon products. Webmasters may do this to show products they like or to help users find a good deal.
For example, if the affiliate offers price comparison functionality, or displays product reviews, recipes, lyrics, etc., it is usually not a thin affiliate, and, therefore, not spam.

Folge den Richtlinien

Die Guidelines sind wohlgemerkt schon etwas älter und ich denke, dass die Messlatte inzwischen weit höher gelegt wurde. Generell geht es aber darum, ob die Seite wirklich für die User hilfreich ist oder als einzigen Zweck hat, den Traffic von Google über die Affiliate Seite bis zum Merchant zu leiten. Viele Affiliates denken nämlich so: Content, Testberichte und Zusätze werden als Conversionkiller angesehen, die noch dazu viel Geld kosten. Ist ja auch logisch: Wenn es nichts anderes als Affiliate Links gibt, klicken auch mehr Leute auf Partnerprogramme!

Affiliates haben es meistens schon verstanden

Gute Affiliates haben immer schon verstanden, dass die Webseite auch qualitativ gut sein muss. Eisy.eu ist zum Beispiel eine gute Affiliate Seite. Wenn Ihr jetzt sagt, „Stimmt ja nicht, das ist der Blog von Eisy!“, dann wisst Ihr was eine sehr gute Affiliate Seite ausmacht: Sie wird als solche gar nicht wahrgenommen. Ich will Soeren hier nicht beleidigen: Eisy ist auch noch weit mehr als eine Affiliate Seite – und genau das ist der Knackpunkt!!

Meine einfache Regel

  • Steht Geld verdienen im Vordergrund, ist die Seite meistens schlecht
  • Steht eine tolle Webseite zu machen im Vordergrund, ist die Seite meistens gut

Entschuldigung, das ist eine sehr dumpfe Regel, aber sie ist leider so einfach.

Affiliate Links cloaken?

Viele Affiliates cloaken ihre Links. Nicht nur, dass sie sie auf Nofollow stellen, sondern oft wird noch eine interne Weiterleitung angelegt, die dann in der robots.txt gesperrt wird. Der Grund liegt darin, dass man verschleiern möchte, dass man auf der Seite Affiliate Links hat. Ich finde das Blödsinn und denke nicht, dass es viel bringt. Natürlich gibt es Algorithmen bei Google, die die Anzahl der Affiliate Links zählen – aber alleine daraus kann man doch kein Qualitätskriterium für eine Webseite erstellen? Anders sieht es natürlich aus, wenn man eine Seite betreibt, die vorgibt ein Online Shop zu sein und dann bei Klick auf das Produkt auf die echte Shopseite leitet. Wer also übermäßig Affiliate Links verwendet, könnte cloaking verwenden – auch wenn ich denke, dass Google solche Links algorithmisch sehr leicht erkennen kann.

Trotzdem gibt es einige Gründe, Affiliate Links zu cloaken, die aber nichts mit SEO zu tun haben. Mehr dazu bei Yoast.

Google wird Affiliate

Ich wäre blind und blöd, würde ich nicht auch sehen, was Google langfristig plant. Momentan geht Google in die lukrativsten Affiliate Märkte und erstellt dort eigene Such-Verticals wie beispielsweise die Google Flugsuche oder die Google Hotelsuche. Diese neuen Geschäftsbereiche von Google sind qualitativ deutlich schlechter als die momentan besten Affiliate Seiten im Markt. Vergleicht einfach mal die Hotelsuche mit Tripadvisor oder Booking.com – alleine die reine Anzahl der Bewertungen ist ein Witz bei der Hotelsuche. Und trotzdem hat sich Google einfach den conversionstärksten Platz reserviert – dreist! So sieht das momentan aus:

Die "tolle" neue Hotelsuche.

Die „tolle“ neue Hotelsuche.

Unter den normalen Anzeigen gibt es also noch einmal Anzeigen – dieses Mal von Google, die natürlich keine Klickpreise bezahlen müssen und daher erst recht nicht auf den Quality Score zu achten brauchen. Bedanken dürfen wir uns bei den Aktionären und der neuen Politik von Google. Peer Wandiger hat dazu erst gestern einen guten Artikel geschrieben.

Was bedeutet das für Hotel- oder Flug-Affiliates? Ganz einfach, dass man mit Google konkurriert. Die Luft, gerade in diesen Bereichen wird momentan sehr dünn. Persönlich bin ich mir aber nicht sicher, ob sich die Google Flug- und Hotelsuche halten können. Zum einen gibt es da kartellrechtliche Bedenken, zum anderen auch strategische und wirtschaftspolitische. Google verdient ja auch gut an den Adwords Ausgaben von Booking.com – wieso denen dann das Wasser abgraben? Andererseits verdient Google mit ihrer „neuen“ Suche auch richtig viel Geld. Wie die Entwicklung letztlich aussehen wird, kann man aber kaum vorhersagen. Ich zumindest würde einen großen Bogen um Hotels und Flüge als Affiliate machen und mich anderen Bereichen widmen.

Solange es noch geht, denn auch bei Autoversicherungen hat Google ein Portal geplant. In England ist es bereits online und – seien wir ehrlich – eine echt schlechte Seite. Der Launch in Deutschland sollte spätestens im September erfolgen. Entweder verzögert sich der Start erneut, denn geplant war ursprünglich Anfang Juli. Oder man steht vor größeren Problemen beziehungsweise hat mit dem englischen Portal nicht den gewünschten Erfolg erzielt.

 Fazit

Die Antwort auf die Frage lautet: Nein, Google hasst Affiliate Seiten nicht. Aber sie achten sehr stark darauf, ob Affiliate Seiten einen wirklichen Mehrwert bringen. Wir sollten nicht so naiv sein und das ausschliesslich Algorithmen zuschreiben. Google hat mittlerweile die Manpower, sich Seiten per Hand anzusehen und herunterzuranken, wenn sie keinen Mehrwert bieten. Oder sie machen es algorithmisch. Fest steht allerdings: Dauerhaft (ich rede nicht von Spam, der geht noch super!) sollte man als Affiliate nur noch arbeiten, wenn man eine wirkliche Bereicherung für das Netz ist.

Im Widerspruch dazu steht die eigene Produktpolitik von Google. Sie bauen selbst Affiliate Seiten und auf Mehrwert wird nicht geachtet. Eine solche Seite würde bei Google aus dem Index fliegen, weil sie eben keinen unique Content enthält. Man misst hier mit zweierlei Maß und ich denke, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

Eure Meinung?

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13 Kommentare

  • Hallo Julian,

    ein schöner Artikel! Google hasst Affiliate Seiten nicht (btw. Google hasst oder liebt überhaupt keine Seiten, der Algo kennt keine Emotionen 😉 )

    Nur was mich sowohl bei den von Dir zitierten Google-Richtlinien als auch bei Dir selbst doch heftig zum schmunzeln bringt ist „It exists only to make money.“ bzw. „Steht Geld verdienen im Vordergrund, ist die Seite meistens schlecht“ … sorry, aber auch bei den von Dir als postitive Affiliate-Seiten genannten Websites Tripadvisor und Booking.com, sowie bei 1000enden anderen guten (Affiliate-)Websites steht trotzdem auch „Geld verdienen im Vordergrund“ und ja, sie existieren auch nur „to make money“. – Ich halte diese Aussagen für sehr platt, wenn nicht sogar falsch! – Ich bin sogar der Überzeugung, dass die Webseiten die ohne Absicht Geld zu verdienen existieren in einer verschwindenden Minderheit sind. Deshalb halte ich dieses Kriterium, zumindest so formuliert, für unbrauchbar.

    Besser wäre wohl so zu formulieren: „Affiliate-Webseiten, die sich keine Mühe geben zusätzliche (zum Merchant) Informationen zu den Produkten und Angeboten anzubieten, sondern nur platt die Informationen über die Produkte und Angebote vom Merchant übernehmen, und bestenfalls mit irrelevanten Inhalten ‚anreichern‘.“

    OK, das klingt jetzt recht sperrig und ist sicherlich auch noch nicht gut und fertig ausformuliert.

    Just my 2ct

  • Mathias

    Hallo Julian,
    wie immer sehr hochwertiger Artikel! Danke und weiter so!
    Wichtiges Fazit auch für Shopbetreiber die über e-Commerce Plattformen wie ebay, amazon und Co. anbieten: niemals den eigenen hochwertigen Content in der Produktbeschreibung für die e-Commerce Seite verwenden. Sonst verwässert der eigene Pagerank bei google!

    Mit den dann steigenden Umsätzen auf der e-Commerce Site sinkt parallel der Umsatz auf der eigenen Seite – der direkte Weg in die Abhängigkeit der Schwergewichte.
    Beste Grüße
    Mathias

  • Naja – Cloaking hätte ich es jetzt nicht genannt, aber es ist auch kein nennenswerter Aufwand die Links über eine Umleitung zu schicken. Meistens ist dies ohnehin schon notwendig, weil man die Klicks tracken möchte oder die Links aus einer Datenbank zieht. Nofollow ist ebenso obligatorisch und wenn man schon dabei ist sperrt man das Verzeichnis noch in der robots.txt.

    Das ein paar Affiliate-Links eine gute Seite zum Absturz bringen können, halte ich allerdings auch für ausgemachten Unsinn.

  • Chris Weil

    Nach Definition von Goolge wäre also Trivago auch eine Thin Affiliate Seite? Komisch… sie ist trotzdem fast überall in den Top 10 ist 😉

  • Hi Julian,

    ich denke die Luft für Affiliate gerade in den „hippen“ Bereichen (Shopping, Reise) ist schon dünner geworden und wird es weiter werden.
    Selbst mit Produktbewertung und-vergleich würde ich mich auf mittlere Sicht nicht in Sicherheit wähnen.
    Produktanfragen fängt Google ja schon gut ab, da aus den Portalen Userbewertungen einzuspeisen machen se ja auch schon. Und Vergleiche und Tests von den Brands in dem Bereich (z.B. Heise, ct…) da zu integrieren und denen bissle Traffic durchzuleiten, wenn der User den ganzen Test lesen will, ist ja auch kein Hexenwerk. So wird sich dann auch ne Anfrage ala Sony Z1 Testbereicht mittelfristig direkt auf Google on Top „erledigen lassen“.
    Was bleibt für Affiliates, wird sicher der Long Tail bleiben.

    LG
    Ronny

  • Du bestätigst genau das, was mir seit Monaten auf der Zunge liegt. Damit meine ich nicht das Fazit zu den Affiliate-Links, sondern die Tatsache, dass ohne Ende Halbwahrheiten ins Netz gestellt werden, ohne wirklich auch nur Ansatzweise eine Ahnung zu haben.
    Oftmals gibt es deutlich mehr Infos als man glaubt und nur weil ein anderer etwas geschrieben hat, heißt das noch lange nicht, dass das auch richtig ist.

    Na ja… Mit Affiliate-Seiten habe ich mich insgesamt noch zu wenig beschäftigt, um die Inhalte Deines Artikels zu bewerten. Aber es klingt zumindest alles schlüssig. Wobei ich es ähnlich wie der Coach sehe: Webseiten ohne Monetarisierungsgedanken sind rar.

  • Chris Weil

    Hi,
    ich habe mir Trivago jetzt mal ein bisschen länger angeschaut und bin von ihrer Cloaking Methode begeistert.

    Wenn man mit Integrity die Links der Seite durchsucht wird man feststellen, dass es keinen einzigen externen Link gibt. Zusätzlich wird kein normaler Link zur /redirect Seite oder dem redirect Verzeichnis (wie bei yoast beschrieben) gesetzt sondern JavaScript auf einem Div ausgeführt, wenn der Nutzer darauf klickt: onclick=“window.Clickout.shortClick(this, false);“ weitere Informationen sind dann via data-link, data-partner, data-item – Attribute gesetzt. Die Methode scheint mir im ersten Augenblick sehr gelungen zu sein und normale Nutzer werden gewiss nicht auf die Idee kommen, dass Trivago eine Werbe-Seite ist.. Inwieweit Google der Sache auf die Spur kommt würde mich an der Stelle echt interessieren 😉

    VG
    Chris

  • Juhu endlich mal ein selbstständig denkender SEO, der sich auch wirklich Gedanken macht was er da tut und nicht einfach nachplappert oder sinnlosen Müll schreibt ohne Inhalt. xD. Klingt hart, ist aber nicht gegen dich gerichtet. Ich finde den Artikel super interessant geschrieben, ehrlich begründet und logisch nachvollziehbar aufgebaut. Aktuell ist das aber leider Mangelware im Web, kein Wunder das Google so leichtes Spiel hat.

  • Affiliate Links finde ich auch nicht schlimm. Wenn, wie schon hier gut beschrieben, der Content auf der Seite gut ist. In meinen Augen muss dieser nicht mal unbedingt Unique sein, wenn er übersichtlich gegliedert ist und einem Gut das Produkt erklärt.

    Dass die Anzahl der affiliaten Links keinen Unterschied macht, finde ich auch gut. Z. B. chip.de stellt viele Produkte vor und macht zu jedem noch einen Preisvergleich (Bestenlisten). Bei 10 Produkten und 10 verschiedenen Plattformen sind das ja 100 Links insgesamt. Da es jedoch sehr logisch und übersichtlich aufgebaut ist, sind die Listen sehr angenehm.

  • Hallo, ich befasse mich gerade jetzt mit dem Thema da ich als Fashionblogger ebenfalls gerade Affiliate versuche.
    Ich habe ein paar affiliate Links auf meiner Seite http://www.whaelse.com/grosskariert/ (rechte sidebar bei den icons). Aktuell weiss ich nicht ob ich diese cloaken sollte, oder einfach so lassen. rel=“nofollow“ sind sie schon.

    Könntet ihr, die mehr Ahnung davon haben, mir einen kurzen Tipp geben?
    – setzt man gecloakte affiliate links dann auf 301, 302 oder 307 ?…

    ich würde das ganze dann über einen header redirect und einem robots geblockten folder /goto/ machen… ? ist das so überhaupt in Ordnung?

  • Julian Dziki

    Hi Jacky,

    Viele machen es über 301 und sperren dann das Verzeichnis /goto/ in der robots.txt. Ich bin davon allerdings gar kein Freund und würde es einfach mit „Nofollow“ machen.
    Google weiß übrigens ganz sicher auch bei geblockten Verzeichnissen, dass es sich dabei um Affiliate URLs handelt. Die Links so zu „verstecken“ macht – finde ich – keinen Sinn mehr.

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