Google und die Zukunft
Als angehender Historiker habe ich viel mit Aufstieg und Fall von Personen, Weltreichen und Trends zu tun. Das einfachste Schema überhaupt ist “Aufstieg – Hegemonie – Niedergang”. So passiert mit den Griechen, mit den Römern, mit Spanien, mit dem United Kingdom, der Sowjetunion und vielen anderen Weltmächten. Google wird ebenso irgendwann niedergehen oder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden – das liegt einfach in der Natur der Dinge. Die Frage ist nur, wo sich Google momentan befindet? Noch beim Aufstieg, an der Spitze oder schon am beginnenden Niedergang?

Kritik wird lauter
Zunächst fällt auf, dass Google-Produkte mittlerweile nicht mehr so kritiklos aufgenommen werden wie noch vor einigen Jahren. Erstes Beispiel war der Chrome-Browser, der einfach zu viele Daten sammelt, weswegen Datenschützer auf die Barrikaden gingen – in Deutschland auch recht erfolgreich. Zumindest wurde das Produkt in Deutschland kaum genutzt und wird es bis heute wohl nicht in dem Maße, wie man es sich wohl gewünscht hatte.
Datenschutz genauer
In unserem heutigen Zeitalter (Informationszeitalter) macht Google sein Geld mit Informationen. Daten sind dafür unabdingbar und oberste Prämisse lautet: Daten sammeln, wo es nur möglich ist. Dass etwa Google Analytics gegen Datenschutzbestimmungen verstößt, das interessiert niemanden. Die Google Toolbar und der Pagerank – sie haben den netten Nebeneffekt, dass man den User gut bei seiner Arbeit beobachten kann.
In Zukunft wird es Google Chrome OS, Google Checkout und vielleicht irgendwann auch eigene Google Konten ( = echte Bankkonten) geben. Somit weiß Google nicht nur, was man am Computer macht, sondern auch was man offline einkauft und kann die SERPs nach den Kontoausgaben sortieren. Sogar Restaurant können dann Adwords schalten – eben nur bei ihren Stammkunden, die bereits einmal in diesem Lokal (oder auch einem ähnlichen) waren.
Don’t be evil
Auch das lockere Image lässt viele Leute vergessen, dass Google letzten Endes nur eine Firma ist. Aufgrund ihrer Größe und ihres Monopols schreibt Google jedoch im Internet die Gesetze. Die Legislative kommt in keinem Land hinterher und Konkurrenten sind allesamt viel zu schwerfällig. Denn Google ist trotz seiner enormen Größe extrem flexibel und reagiert innerhalb kürzester Zeit auf Veränderungen.
Der bl0ße Slogan “Don’t be evil” ist für einen Menschen mit geschichtlichem Wissen schlichtweg eine Beleidigung, da es bekanntermaßen schon öfter Wölfe im Schafspelz gab. Ich gebe keinen Cent auf diesen Slogan, er ist nichts als heisse Luft. Gerade wir Marketingmenschen sollten das eigentlich wissen.
Personalisierte Suche
Hinter der personalisierten Suche steckt noch etwas anderes als das Offenkundige: Google meint dich zu kennen. Was aber, wenn du dich nach zwei Jahren plötzlich radikal veränderst? Deine Suchergebnisse bleiben die Gleichen, weil du von Google schon längst in eine Schublade gesteckt wurdest. Und im Extremfall weiß man nicht einmal, dass es so ist. War es vorher eine freie Entscheidung, die man explizit auswählen musste, so trifft Google die Entscheidung nun automatisch für mich – und informiert mich nicht einmal darüber.
Ich kann es überhaupt nicht ausstehen, wenn jemand mir vorschreibt was gut für mich ist. Auch wenn ich die letzten drei Monate ständig nach einem BMW gesucht habe, möchte ich jetzt vielleicht doch einen Mercedes. Stattdessen bekomme ich trotzdem BMWs vorgesetzt. Und wenn ich irgendwann von Blogs die Schnauze voll habe, sehe ich trotzdem noch überall Blogs, weil ich vor 12 Monaten mal viele Blogs gelesen habe. Google geht mit der personalisierten Suche eindeutig zu weit. Demnächst wird mir noch vorgeschlagen, was für einen Pulli ich kaufen soll, nur weil jemand anderes an meinem PC mal einkaufen war.
Trotzdem
… trotzdem halte ich es wie bei der militärischen Vormachtstellung der USA in der Welt: Lieber die USA an der Spitze haben als ein Land, das die Menschenrecht überhaupt nicht achtet. Ich will nicht wissen wie der Irak Krieg gelaufen wäre, hätte ihn China geführt. Das soll nicht die USA rechtfertigen – aber wer die USA als Weltmacht insgesamt kritisiert, der muss eine Alternative bieten können. Einer muss immer an der Spitze stehen.
Genauso halte ich es mit Google: Momentan sehe ich lieber Google als Suchmaschine Nummer 1 als irgendeine andere Firma. Google darf jetzt nur nicht den entscheidenden Fehler machen und sich immer mehr unter den Nagel reissen. Google sammelt nicht nur Webseiteninhalte, sondern scannt mittlerweile auch Bücher – und arbeitet mit DNA-Daten, was ich für höchst bedenklich halte. Hoffen wir, dass Google auch in zehn Jahren noch eine tolle Firma mit vielen Innovationen ist und aus seinen Fehlern lernt. Mit Bescheidenheit wächst das Unternehmen zwar nicht schneller, bleibt aber dafür länger bestehen.
Ob es rechtliche Grenzen gibt, sollte Google nicht als Handlungsauslöser sehen. Vielmehr müssen sie sich selbst Gesetze machen – nicht alles was erlaubt ist, ist auch gut.
Eure Meinung?
Foto: Das Haus von Kaiser Augustus – Zentrum der Macht vor 2.000 Jahren und heute nur eine Ruine.
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10 Responses to Google und die Zukunft
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Hey Julian,
exzellenter Artikel wie immer und spiegelt meine Meinung auch so ziemlich wieder.
Auch wenn ich kein Historiker bin so glaube ich doch, dass zuletzt die Habgier nach immer Mehr meist (oder immer?) letztendlich der Grund für den Niedergang war und sein wird. Und wenn Google so weiter macht haben sies auch nicht besser verdient…
@Flo Schon richtig was Du sagst, aber auf der anderen Seite heißt es auch “Stillstand bedeutet Rückschritt”. Man muss seine Vormachtstellung ausbauen, nur muss man es in einem Maße mache der Erfolg bringt, daran scheitern die meisten.
Die Sache mit der personalisierten Suche war das, was für mich dem Fass den Boden ausgeschlagen hat. Weniger als SEO, sondern als Menschen, der im Netz unterwegs ist. Seit heute bin ich so radikal wie nie zuvor im Umgang mit Cookies. Goodbye Bequemlichkeit, Safety first.
Die personalisierte Suche für ALLE geht auch mir zu weit! Schön, wenn man eine Vorreiter-Rolle hat, aber an dieser Stelle finde ich es ausreichend genug, wenn Nutzer sich AKTIV für eine personalisierte Suche entscheiden könnten. Denn sind wir mal ehrlich: Ich schätze, dass mehr als 80% der Internetnutzer gar nicht wissen was ein Cookie ist und was genau Google da treibt…
“Google wird ebenso irgendwann niedergehen oder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden”
Dieser Satz ganz am Anfand des Artikels ist eine Sichtweise, die Historiker lieben. Im Glauben an diesen Satz liegt aber auch die ganze Gefährlichkeit dieser Interpretation: die jetzige Situation eines globalen Informationsmonopols, mit allem, was dazugehört, gab es in der Geschichte der Menschheit noch NIE. Darum ist es die Sichtweise des Artikel (“… wird irgendwann niedergehen” -> nun googelt ruhig weiter, das Problem wird sich von selbst erledigen) so kurzsichtig, wie gefährlich.
Nein, das Problem wird sich NICHT von selbst erledigen, solange sich User und Politik von Selbsterledigungsparolen einschläfern lassen.
Sehr schöner Artikel. Ich denke, meine einstellugn zu Google kennst Du.
Google ist auf dem Weg so Mächtig zu werden, wie sonst keine andere von Menshcen geschaffene Organisation. Gooogle ist bei uns allen so tief drin und kennt die Menschen so sehr, dass ich eine internationale und demokratisch legitimierte Kontrolle für nötig halte.
Am besten durhc den eignen Staat, der Netzpolitik nich tnur als ein reines Nerd Thema für die Zukunft betrachtet.
Ich wollte eine Alternative zu Gxxxxx vorschlagen: Mit benefind kann der Nutzer zugunsten karitativer Organisationen suchen, u.a. SOS Kinderdörfer, UNO-Flüchtlingshilfe, Deutschland hilft und andere. Die Suchtechnik liefert bing.
@hsot – Vielen Dank für diese kurze Werbeunterbrechnung.
Mh. “Niedergang” hört sich so negativ an. Ich würde mal behaupten, dass die Marktkräfte nach einem vorübergehenden Höhenflug dank Technologievorsprung durch Pionierarbeit zu wirken beginnen. Das ist bei Microsoft so und dass wird auch bei Google so sein….
Moinsen,
bis auf den China ist böse Spruch stimme ich dir voll zu.
China hat sich an dem Krieg überhaupt nicht beteiligt und lehnt auch eine Intervention im Iran ab… Ankriffskriege überlässt man da eher den USA und ihren Verbündeten
Du bist evtl. zu sehr auf dein Hauptfach konzentriert, sprich zu sehr mit der Vergangenheit beschäftigt. Aktuell sieht es so aus das man auch in China einen fairen Prozess erwarten kann. Das weiß ich weil einer meiner besten Freunde gerade vorm Kadi war und in erster Instanz lebenslänglich erhielt. Ich dachte sogar er landet unterm Fallbeil… Da war aber alles in bester Ordnung. Der Prozess hätte so auch in DE stattfinden können.
Sicherlich ist das Land noch im Umbruch, aber es tut sich an allen Fronten was.
Cheers nach München, hab da mal vor ein paar Jahren gelebt und die Stadt gehasst
Sven