Google Richtlinien für Webmaster aktualisiert

4. Oktober 2012  |     |  3 Kommentare
Ein Beitrag von Julian

Vor knapp zwei Wochen wurden die neuen Richtlinien bereits in einem (privaten) Googler Blog kurz vorgestellt und dann der Blogpost wieder offline genommen, weil manche Dinge anscheinend noch nicht fertig waren. Seit vorgestern sind die neuen Guidelines öffentlich.

Endlich neue Webmaster Richtlinien!

Warum ist das wichtig?

In den Richtlinien für Webmaster erfahrt Ihr aus erster Hand, was Google will und was nicht. Obacht / Achtung / Vorsicht: Dabei handelt es sich nicht zwangsläufig um das, was auch praxistauglich ist. Vielmehr liegt die Betonung darauf, dass Google nicht will, dass man diese Techniken einsetzt. Ob sie tatsächlich abgestraft werden, ist eine völlig andere Sache. Manche Dinge möchte Google zwar nicht, aber sie können momentan wenig dagegen unternehmen.

Ein Beispiel

Die Richtlinien für Webseiten, die an Affiliate Programmen teilnehmen, sind sehr umfangreich geworden. Dort heisst es:

“Beispiele für Thin Affiliate-Websites:

  • Seiten mit Produktlinks, bei denen die Produktbeschreibungen und Erfahrungsberichte direkt von dem ursprünglichen Händler kopiert wurden, ohne eigene Inhalte oder Mehrwert hinzuzufügen”

Viele von Euch kennen sicherlich diese tollen “Eierlegende-Wollmichsau”-Premium Plugins, mit denen man automatisch Amazon Produkte (oder die von anderen Shops) posten kann. Die meisten dieser Plugins werden von Google erkannt. Aber: Es gibt viele Webseiten, die dieses Scrapen von Content überaus schlau machen und damit oft auch sehr gute Rankings bekommen. Google will diese Webseiten nicht in den Suchergebnissen, kann aber nicht immer dagegen vorgehen. Daher kann man diese Richtlinie eher als “Wir wünschten uns, Webmaster würden dieses oder jenes nicht mehr machen” interpretieren. Ihr solltet aber bedenken, dass Google mit Hochdruck an einer Lösung dieses Problems arbeitet.

Intention der neuen Richtlinien

Wichtiger als die eigentlichen Inhalte der Richtlinien ist vielleicht, warum Google diese überhaupt aktualisiert hat. Meiner Meinung nach gibt es hierfür verschiedene Gründe:

  • Transparenz: Google muss mehr Transparenz zeigen (Stichwort Monopolstellung). Das beinhaltet besonders das Search Quality Team.
  • Aktualität: Man muss natürlich mit der Zeit gehen. Verschiedene Dinge wie Rich Snippets gibt es schlichtweg erst seit kurzem und dafür braucht man Richtlinien.
  • “Wir wissen, was Ihr macht”: Einige der Richtlinien beziehen sich exakt auf aktuell praktizierte Vorgehensweisen. Man will uns SEOs damit sagen, dass diese Vorgehensweisen auf dem Radar von Google sind.
  • Offizielle Stellungnahme zu kontroversen Themen: Die letzte Intention ist die für mich als SEO wichtigste. Ich bringe gleich ein Beispiel.

Kaufen von Links

Bisher war Linkkauf offiziell so definiert, dass man gegen einen Geldbetrag einen Link bekam. Mittlerweile zählt dazu jedoch auch noch etwas anderes:

“Kauf oder Verkauf von Links, die PageRank weitergeben. Dazu gehören der Austausch von Geld für Links oder Posts, die Links enthalten, sowie der Austausch von Waren oder Dienstleistungen für Links. Darüber hinaus zählt dazu auch das Senden “kostenloser” Produkte, wenn Nutzer im Gegenzug etwas darüber schreiben und einen Link einfügen.” Quelle

Viele SEOs haben bis dato damit argumentiert, dass das Versenden kostenloser Produkte ja per se kein Linkkauf sei. Die Mitarbeiter von Google sind aber nicht blöd und haben selbstverständlich mitbekommen, wie sehr das Versenden kostenloser Produkte in manchen Bereichen überhand genommen hat. Ich habe neulich eine Bloggerin kennengelernt, die nur deswegen das Bloggen angefangen hat, damit sie Gratisprodukte geschickt bekommt!

“Links, die in Artikeln ohne richtigen Zusammenhang eingefügt werden, z. B.:
Die meisten Menschen schlafen nachts. Sie können günstige Decken im Geschäft kaufen. Eine Decke hält Sie nachts warm. Sie können auch ein Heizgerät kaufen. Es erzeugt mehr Wärme und Sie können es im Sommer einfach abschalten, wenn Sie in den Frankreich-Urlaub fahren.” Quelle

Das ist ein wirklich dummes Beispiel von Linkkauf, aber ich habe schon ähnliche Beispiele gesehen. Ich denke, dass solche Links bereits algorithmisch erkannt werden können. An den Keywordlinks (Frankreich Urlaub) liegt es hier nicht, sondern an der fehlenden Themenrelevanz. Zum Thema Keywordlinks sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass viele Redakteure großer Zeitungen fast nur so verlinken, es also nicht an den Linktexten liegt. In der Regel erwähnen Redakteure jedoch die verlinkte Webseite, bevor oder nachdem sie verlinkt wird. Die Intention von Google ist an diesem Beispiel recht deutlich: Es geht um die Verbindung von schlechtem Content und schlechten Links. Wer also thematisch innerhalb eines Artikels “herumhüpft”, nur um seine Links einfügen zu können, der verstößt gegen die Richtlinien.

Sonstige Bereiche

Inbesondere im Onpage Bereich bietet Google jetzt wirklich hilfreiche und umfassende Informationen an. Ein Beispiel ist der Punkt internationale Webseiten, in dem genau die Vor- und Nachteile beschrieben werden, wie man mehrsprachige Webseiten behandeln sollte. Auch die Informationen über Seitennummerierung haben sicher bisher nur wenige umgesetzt.

Fazit

Google hat wieder einen Schritt weiter in Richtung Offenheit gemacht. Dass das nicht überall gut ankommt, kann man bei den Kommentaren von SEO-United lesen. Warum hier allerdings so viele Emotionen im Spiel sind, verstehe ich nicht wirklich. Google ist seit sehr langer Zeit hinter Linkkauf her, die Widgetbait-Strategien oder “Wir schenken Dir ein Produkt” sind ja nur leichte Abwandlungen davon. Bleibt nur die Frage, was mit Google Adwords passieren würde, wenn ich über die kostenlosen Gutscheine schreibe, die ich schon öfter bekommen habe…? ;-)

Bild: Nicku / Shutterstock.com

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Über den Autor

Julian Dziki ist SEO, Online Marketer und Affiliate seit 2007. Suchmaschinenoptimierung München

3 Kommentare

Reaktionen auf diesen Beitrag

  • Wäre interessant wenn Google eine Art Scan für die eigenen Seiten anbietet – in dem sie gleich Probleme oder Fehler in einem Art Ampelsystem darstellen würden… Da weiß man gleich woran man ist :)

  • Daniel

    Danke für den Hinweis! Ich finde es erstaunlich, dass viele Thin Affiliate-Websites immer noch nicht von Google erkannt werden. Da gibt es im Technikbereich Webseiten, die zwei Bildschirmseiten Amazon-Links mit 300 Wörtern Textbroker-Content zusammenschmeißen und trotzdem auf Seite 1 ranken.

    Ein Problem, was ich bei hochwertigen kleineren Affiliate-Seiten habe, ist, dass die Onlineshops die sehen und anfangen den Content und die Vergleichsfunktionen auf ihrer Webseite nachzubauen. Der Mehrwert wird also sofort wieder zunicht gemacht -.-.

  • Tanja

    Such einfach mal nach “Produkttester” – da geht gerade ein Markt, der in den letzten Jahren großes Wachstum hatte, den Bach runter ;-) Das bekannteste Beispiel dafür dürfte trnd sein. Tausende Produkte werden verschickt und innerhalb kürstester Zeit schreiben tausende Blogger über das gleiche Produkt eine Review, natürlich mit entsprechenden Links gespickt… ich denke genau das ist es worauf Google es in erster Linie drauf ankommt.

    Aber auch sonst dürften viele Firmen und Agenturen “Produkte” für sich erkannt und genutzt haben. Ob nun, wie meist im Low Budget Bereich oder auch mit höheren Budget. Ich würde fast behaupten in einigen Bereichen haben die Produkte die vor ein paar Jahren mal so populären Gewinnspiele ersetzt.

    Nun fällt eine weitere Schiene, die für viele bedeutete “viele Links in kurzer Zeit” durch die Richtlinien weg. Da ist das Geschrei natürlich groß. Mal abwarten was mit den Produkttester Blogs passiert, davon gibt es tausende… oder mehr? ;-)

    Wie auch immer, unterm Strich ist es “Missbrauch” und dagegen geht Google nun vor. Als Bloggerin, der solche Angebote immer schon ein Dorn im Auge waren (frag nicht wie viele solcher Anfragen ich in den letzten Jahren per email oder telefonisch erhielt) begrüße ich diese Entscheidung.

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