Google Quality Rater Guidelines 2013

13. November 2013  |     |  12 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

Mir ist aufgefallen, dass die letzten Updates der Quality Rater Guidelines in Deutschland überhaupt nicht großartig diskutiert wurden – obwohl sie wirklich aufregend sind! Ich würde heute gerne einmal ein paar Punkte mit Euch durchgehen.

Google Quality Rater Guidelines

Die Google Quality Rater Guidelines werden verwendet, um externen (!) Google Mitarbeitern eine Einführung in ihre Arbeit zu geben. Der Punkt „extern“ ist sehr wichtig, denn diese Personen arbeiten nicht direkt bei Google, sondern von zu Hause aus und sind meistens Teilzeitkräfte und Studenten. Ihre Aufgabe ist es, Webseiten nach bestimmten Kriterien zu bewerten. Die Ergebnisse dieser Bewertungen werden dann von den Ingenieuren bei Google benutzt, um den Algorithmus zu verbessern. Erstmals sind die Guidelines im Jahr 2008 aufgetaucht. Seitdem regelmäßig, aber diskutiert wurden die Guidelines im deutschsprachigen Raum zuletzt 2011.

Google selbst hat vor fast genau einem Jahr dann genug vom ständigen Leaken der Dokumente gehabt und selbst Guidelines öffentlich gemacht. Dieses offizielle Dokument kann man aber getrost in die Tonne treten. Es umfasst lediglich 43 Seiten und wurde stark zensiert. Die mir vorliegende Version umfasst mehr als 130 Seiten und ist von Mitte 2013, also wirklich sehr neu. Ihr findet sie nicht im Netz (und niemand bekommt sie, sorry – bitte nicht nerven!), dafür aber frühere Versionen, die bereits seit über einem Jahr die untenstehenden Inhalte enthalten. Einen Link kann ich Euch leider nicht liefern. Ich habe aber gehört, dass man nach Textbausteinen googlen kann, um Dokumente zu finden. 😉

 

Page Quality (PQ)

Die Page Quality steht für die Qualität einer einzelnen URL oder Webseite – unabhängig (!) vom Keyword. Interessanterweise hat nur Searchengineland in einem kaum beachteten Blogpost über die Inhalte des Dokuments berichtet, neben einigen anderen. Komisch, denn genau hier setzt der Panda Algorithmus an. Hier seht Ihr das Formular, das der Quality Rater ausfüllen muss:

qrg2013

Neu im Jahr 2013: Quality Rating stark verbessert

Ich finde alleine hier schon alles interessant! Zum Beispiel Punkt 2: Gibt es eine klare Trennung von Content und Werbung? Wenn es diese nicht gibt, dann ist das wahrscheinlich ein schlechtes Signal.

Wie gut ist der Content? Und wie viel davon gibt es? Quantität ist bei Google also nicht immer gleich Qualität.

Supplementary Content

Wie gut ist der „Supplementary Content“? Das sind zum Beispiel Dinge wie Kommentare, verwandte Beiträge, Produkte oder Videos und sonstige „Anhängsel“ an den Hauptcontent. Um das Rating „Highest Quality“ zu bekommen, muss man also nicht nur über guten Content verfügen, sondern auch über guten „Nebencontent“. Google sagt dazu:

„Supplementary Content can be a large part of what makes a High or Highest quality page very satisfying for its purpose. Features designed to help shoppers find other products they might also like can sometimes be as helpful as the MC of a shopping page. Ways to find other cool stuff on entertainment websites can keep users happily browsing. Sometimes, the comments on a blog post are the most interesting part.“

Interessant ist zum Beispiel, welche Art von Supplemental Content als gut bezeichnet wird, im Beispiel werden Rezept-Seiten genommen:

Nicht nur der Hauptcontent ist wichtig, auch der Nebencontent!

Nicht nur der Hauptcontent ist wichtig, auch der Nebencontent!

Page Quality der gesamten Domain

Quality Rater sollen neben einzelnen URLs auch komplette Webseiten und Domains bewerten. Hierbei geht es besonders um die Gesamtqualität der Webseite, die klare Autorenschaft und die Reputation.

qrg2013-1

Auch die gesamte Domain wird in den Ratingprozess mit einbezogen

Wichtig hier: Wer schreibt den Content? Ist es klar, wer der Autor ist? Das muss keine Einzelperson sein, sondern es kann sich dabei auch um ein Unternehmen handeln. Und findet man Informationen über die Betreiber gut oder sind sie versteckt oder unklar? Ist die Homepage (Startseite) up-to-date? Besonders wichtig bei Newsseiten und Blogs! Sehr komfortabel ist natürlich die Slider Funktion, die später noch genauer erklärt wird.

„You have probably noticed that webpages vary in quality. There are high quality pages: pages that are well-written, trustworthy, organized, entertaining, enjoyable, beautiful, compelling, etc. You have probably also found pages that seem poorly-written, unreliable, poorly-organized, unhelpful, shallow, or even deceptive or malicious. We would like to capture these observations in PQ rating. Unfortunately, if we ask you to rate the quality of a page without giving any guidance, the result is dissent among raters.
One rater will rate a page High quality, while another rates the same page Low quality. Why do we disagree?

  • We may focus on different parts of the page or different aspects of the page. One rater might rate based on the content of the page and another based on the layout of the page.
  • We may even have different ideas of what High quality means for a landing page. What makes an encyclopedia article High quality? What makes a product page High quality?

These guidelines are important because they explain what to consider when rating the quality of a landing page. When you read these guidelines, think carefully about the examples, and thoughtfully answer the questions about the landing page and website. As with all of your rating and feedback, this data is used for evaluation purposes only.“

Google ist mittlerweile auch (wie wir SEOs) an einem Punkt angelangt, an dem mehr Erklärungen vonnöten sind, als es früher der Fall war. Und es kann durchaus unterschiedliche Meinungen zweier Rater bei der gleichen Webseite geben. „Think carefully“ und „Thoughtfully answer the questions“ sind Begriffe, die früher nicht in den Guidelines aufgetaucht sind. Der Rating Prozess ist viel komplexer geworden.

„This data is used for evaluation purposes only“

Diesen Satz sollte man vielleicht auch erklären: Bei diesen Guidelines handelt es sich wie gesagt um Richtlinien für externe Quality Rater, die nicht direkt im Search Quality Team arbeiten, sondern von zu Hause aus. Ob die Daten aber tatsächlich nur für Evaluationsprozesse genutzt werden, wage ich zu bezweifeln. Natürlich werden Erkenntnisse aus diesen Daten in den Algorithmus eingearbeitet, aber warum sie auch nicht gleich direkt für die betreffenden Webseiten verwenden? Bing hat das schon offiziell bestätigt. Google behauptet nach wie vor, dass manuelle Ratings nicht direkt eine einzelne Webseite betreffen. Aber ich denke, dass das mittlerweile hinfällig ist, denkt man an die unzähligen Manual Link Penalties in Deutschland.

„At first, PQ rating may seem difficult. There are several aspects of the page and the website to look at and think about. As you gain PQ rating experience, you will be able to rate efficiently and with confidence. This type of rating takes practice.“

Gute Seiten zu erkennen und die Spreu vom Weizen zu trennen, dafür braucht man ein geschultes Auge. Im Prinzip ist die Arbeit eines Quality Raters die gleiche wie die eines guten Linkbuilders. 🙂

Your Money or Your Life (YMYL)

Richtig gehört: „Dein Geld oder Dein Leben.“ Das sind Webseiten, die sich mit wichtigen Dingen des Lebens beschäftigen. Dazu gehören erst einmal alle Seiten, die in irgendeiner Weise persönliche Daten abfragen, inklusive Kontodaten. Außerdem handelt es sich dabei um Seiten, die bei sehr wichtigen Entscheidungen Ratschläge geben. Das sind beispielsweise Seiten zum Thema Geldanlage, aber auch zur Kindeserziehung oder zur eigenen Gesundheit.

Für solche Seiten empfiehlt Google, noch einmal extrem hohe Standards anzuwenden. Man solle auch genauer auf die Reputation der Seite schauen und das Umfeld des Inhalts überprüfen. Viele Seiten gehören allerdings nicht in diese Kategorie, zum Beispiel Unterhaltungs- oder Spaßwebseiten.

Quality of the Main Content & Purpose of the Page

Hier geht es genau darum, was in den Augen von Google „guter Content“ überhaupt ist. Insbesondere ist wichtig, dass die Menge teilweise auch entscheidend ist. Eine Webseite über die französische Revolution zum Beispiel muss sehr umfangreich sein, denn dieses Thema ist sehr weit gefasst. Dabei werden übrigens auch nahestehende Links mit einbezogen. Denn sonst wären ja alle URLs plötzlich ellenlang. Besonderes Augenmerk sollen Quality Rater auf den Zweck der Webseite richten: Eine Webseite mit lustigen Katzenbildern ist dann High Quality, wenn sie lustige Katzenbilder hat. Als Beispiel ist in den Guidelines die Om Nom Nom Nom Seite aufgeführt, die ihren Zweck (einfach mal ansehen) voll erfüllt und unter solchen Seiten eine High Quality Seite ist.

 Highest Quality

Was ist eine gute Webseite in den Augen von Google? Nun, das kann man auch in den Google Webmasterrichtlinien nachlesen. Ich finde aber die Bewertungsperspektive auch sehr interessant:

„Highest Quality Pages

Highest quality pages are highly satisfying to users. Highest quality pages have a large amount of very high quality MC, very helpful SC, and use very good webpage layout. The author(s) of the content on Highest quality pages should have a very high level of expertise in the subject. (Reminder: On high quality websites, we do not need to know the name of the author who wrote the content on the page. When the website is a very high quality website, we will assume that pages are written with a high level of expertise.)
In addition, Highest quality pages are often found on websites that have a very good reputation from experts in the topic (even if average users or raters are unaware of the site or its reputation). Reputation checks are an important part of identifying Highest quality pages.
• Highest quality pages have an obvious purpose and they achieve that purpose very well.
• The MC of Highest quality pages is created by people with a high level of expertise in the topic.
• Highest quality pages have a very satisfying amount of MC.
• The page layout on Highest quality pages makes the MC immediately visible („front and center“).
• The space on Highest quality pages is used well.
• The SC on Highest quality pages is helpful and contributes to a very satisfying user experience.
• Highest quality pages usually have near professional quality content, even though ordinary individuals may create the content.
• Highest quality pages frequently appear on high quality websites with very positive reputations for their purpose or topic, such as:
– Award winning newspaper sites for news.
– Authoritative sites for medical information.
– Well-known “go-to” recipe sites for recipes.
– Highly regarded and trusted shopping sites.“

Interessant ist immer der „klare Zweck“ einer Webseite, den Google fordert. Aber ich muss ihnen da vollkommen recht geben. Eine Webseite ohne klaren Zweck oder ohne eingegrenztes Themenumfeld ist normalerweise eine sehr schlechte Webseite. Natürlich gibt es große Online Newsseiten. Aber für die „normalsterblichen“ Webseiten ist es am besten, man erstellt eine richtig tolle Seite über Aquaristik, anstatt die millionste Newsseite herauszustampfen. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber insgesamt hat Google da schon Recht.

„Front and Center“

Das Layout sollte laut Google so gestaltet sein, dass der Main Content sofort sichtbar ist – ohne Scrollen „front and center“. Das kann ich auch nicht oft genug betonen. Egal ob Shop oder Newsseite: Sorgt dafür, dass Euer individuelle Content so weit oben wie möglich steht. 728×90 Banner im Above-the-Fold Bereich machen so etwas kaputt, auch ein zu großes Seitenlogo kann dazu führen, dass der Main Content nicht sofort sichtbar ist – oder eben zu wenig davon. Diesen Fehler begehen leider viele Webmaster, auch von sehr guten Webseiten!

Fazit

Um besser zu verstehen wie Google tickt, sollte man sich das Dokument auf jeden Fall einmal durchlesen. Im Endeffekt steht dort nichts, was man als SEO nicht schon wüsste. Komisch finde ich allerdings, dass Google in diesen Dokumenten sehr konkret wird, während man in den Google Qualitätsrichtlinien immer noch recht schwammige Formulierungen zur Qualität des Contents findet. Hier wäre der Blogpost zum Panda Update als fester Bestandteil der Webmasterrichtlinien eine tolle Sache: More guidance on building high-quality sites. Vielleicht kommt das aber sowieso demnächst?

Eure Meinung?

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12 Kommentare

  • Vielen Dank für den interessanten Beitrag!
    Hab hier was vom März 2013 mit 134 Seiten 😉

    Grüße
    Lothar

  • Etwas wichtiges hast Du aber noch vergessen: Erstmals werden die interessanten ausgehenden Links aus dem Dokument mitgetrackt (Beispiele). Die Domain ist auch nett: raterh**.com

    Wer im Account eingeloggt ist und auf einen Link in der PDF klickt bei dem kann Google davon ausgehen, dass das Dokument vorhanden ist. Nicht schlecht gemacht 🙂

    Gruß, Jan-Ole

  • Guter Beitrag und wirklich erstaunlich das die Guidelines kaum noch diskutiert werden.

  • wenn ich das so durch lese, gehts immer mehr nach onpage in zukunft was SEO angeht…

  • Letztendlich Punkte die Sinn machen und die letztendlich auch für den User die interessanten Seiten in den Suchergebnissen nach oben bringen.

  • Danke, dass du das herausgekramt hast. Gibt wohl kaum eine Quelle, aus welcher man konkretere Eindrücke bekommst, wie Google tickt.

    „Gute Seiten zu erkennen und die Spreu vom Weizen zu trennen, dafür braucht man ein geschultes Auge. Im Prinzip ist die Arbeit eines Quality Raters die gleiche wie die eines guten Linkbuilders.“

    Stimmt, allerdings mit den gefährlichen Unterschied, dass ein Linkbuildier meistens persönliches interesse daran hat eine Seite nicht „versehentlich“ gut oder schlecht zu bewerten… ein QR nicht. :/

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