Google Brand Update 2009

20. Dezember 2009  |     |  17 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

Hui, nun gab es ja doch eine ordentliche Änderung in den SERPs. Seit einigen Tagen listet Google bekannte Offline-Marken weiter oben als unbekanntere Online-Marken. Und das bei einer ganzen Reihe von Suchbegriffen. Im Netz gibt es jede Menge darüber zu lesen und etliche Beispiel bei Keywords wie “Girokonto” und viele andere. Die Seiten haben gemeinsam, dass sie meistens für diese Begriffe überhaupt nicht optimiert sind: Weder taucht das Keyword im Title auf, noch haben diese Seiten Links mit entsprechendem Anchortext. Wie macht Google das? Ich habe mal drei Theorien aufgestellt.

Theorie #1 Nutzerverhalten fliesst ein

Eine (sehr unwahrscheinliche) Theorie ist, dass Google das Userverhalten mehr berücksichtigt hat. Die Leute suchen also nach Computer und klicken dann irgendwo auf die X-te Seite, weil dort Alternate.de stand und sie von diesem Shop nur Gutes gehört haben. Ich denke aber nicht, dass Google derart vorgegangen ist. Die personalisierte Suche ist noch viel zu anfällig und ein Einbinden in die Hauptsuche ist hochkomplex – hier ist man einfach noch nicht so weit (außer bei Extremfällen wie Spam etc.).

Theorie #2 Manuelles Eingreifen

Ein oder mehrere Google Mitarbeiter haben anhand einer Liste die größten Marken Deutschlands herausgesucht und sie für bestimmte Begriffe manuell gestärkt. Hier ging man nach Markenbekanntheit, aktuellen Werbebudgets und Marktforschungsergebnissen. Diese Theorie finde ich sogar noch unwahrscheinlicher als die Nummer 1, denn Google hasst manuelle Eingriffe und vermeidet sie so gut es geht.

Theorie #3 Markenerwähnung?

Eines steht fest: Weder sind Links für diese neuen besonderen Rankings verantwortlich, noch sind es Onpage-Faktoren oder manuelles Abarbeiten von Marketingbudget-Listen. In den USA kam das Update ja schon vor einiger Zeit – einen Zusammenhang mit den neuen personalisierten Suchergebnissen will ich fast ausschliessen, weil Google hier sehr misstrauisch sein wird. Was ist es also dann?

Interessant ist folgender  Blogpost von  Google selbst, der mir schon bei seinem Erscheinen sehr seltsam vorkam. Hier geht es um die Frage eines Webmasters, die von Matt Cutts beantwortet wird: Werden linkunabhängige Verweise (also reine Erwähnungen von Domainnamen bzw. Markennamen) von Google in den Algo mit einberechnet? Die korrekte Frage lautete auf Englisch:

“Do you think web search will ever make use oft references (web site mentions that are not links) as a ranking signal?”

Daraus wurde auf Deutsch:

Wird Google vielleicht in Zukunft unverlinkte Hinweise auf Websites beim Ranking mit einbeziehen?

Interessant ist hier die Übersetzung: Nach vier Semestern Literaturwissenschaftsstudium mit Übersetzungstheorie fällt einem sofort auf, dass “Ever” eigentlich “Jemals” bedeutet. Die korrekte Übersetzung würde also heissen: “Glaubst du, dass Web Search JEMALS …”
“Jemals” fiel der deutschen Übersetzerin wohl gerade nicht ein, also nahm sie “in Zukunft”.  “In Zukunft vielleicht” klingt aber derart künstlich und kann auch kein sachlicher Übersetzungsfehler sein. “In Zukunft” lasse ich mir ja noch eingehen, aber was hat das “vielleicht” noch dort zu suchen? Hier wollte jemand eindeutig, dass die Aussage so ungenau wie möglich wird.

“Darauf habe ich zwei Antworten. Die erste ist, dass ich kein Ranking-Signal ganz ausschliessen will.”

Später sagt er dann im Englischen Original “We would run an analysis” (korrekt übersetzt mit “wir würden sie eingehender analysieren”). Zu glauben, dass sie es nicht schon längst gemacht haben, wäre wirklich naiv.

Wir haben hier also das berühmte Google-Versteckspiel. Interessant ist nicht, dass Matt Cutts sich so schwammig ausdrückt, denn das macht er immer. Interessant ist, dass dieses Posting dann noch schwammiger übersetzt wurde, nach dem Motto “lieber noch schwammiger, als dass wir uns verplappern”. Und am interessantesten ist überhaupt, dass Google diese Methode überhaupt erwähnt. Warum sollten sie das tun, wenn es kein Ranking Signal ist? Sonst wird auf dem Webmastercentral-Blog doch auch nicht großartig über die Zukunft philosophiert!

Fazit:

Ich bin der Meinung, dass das Brand Update mit genau dieser Methode etwas zu tun hat, sie aber letztlich diese Vorgehen noch um einen Faktor erweitert haben, um Spam ausschliessen zu können. Woran erkennt man als Googlebot eine große Marke im Internet? Es gibt meiner Meinung nach nur ein einziges Erkennungsmerkmal: Die Erwähnung auf möglichst vielen Seiten mit möglichst viel Trust.

Wie oft wird T-Online denn im Netz erwähnt? Unzählige Male! Fast alle Webseiten, die man jetzt neuerdings unfairerweise in den Top10 findet sind “Volksmarken”, also Unternehmen die sogar Omma noch kennt. Mir fällt kein anderer Faktor ein, den Google für die Berechnung hernehmen könnte.

Sistrix sagt dazu:

Allen gemein ist, dass die jetzt aufgestiegenen oder neuen Seiten nach bekannten SEO-Kriterien nicht optimiert sind: der Title-Tag enthält häufig nicht mal das Keyword und auch weitere Merkmale sprechen gegen ein „natürliches“ Ranking.

Wenn es also nicht Links sind, dann muss es Text sein. Auf der Seite selbst Onpage ist es sicher kein Text, weil die Seiten oftmals schlechte Onpage Optimierung haben. Also muss es Text auf anderen Webseiten sein.

Wie wird es genau gemacht?

Für meine Theorie ergibt sich jetzt ein Problem: Woher weiß Google, dass Pampers.de für das Keyword “Baby” besser ranken sollte und nicht für “Digitalkamera”? Ich denke, man geht hierbei von der Domain aus, also Pampers.de und sieht sich zunächst an wo sie erwähnt wird und welche Wörter alle erwähnenden Seiten gemeinsam haben. Bei Canon.de wird das am deutlichsten. Laut Sistrix Toolbox (Affiliatelink, bestellt euch das SEO-Tool!) sind die Veränderungen nur für Keywords, mit denen man “Canon” allgemein assoziiert:

  • “fotodrucker” von Position 100 auf 15
  • “spiegelreflexkamera” von 89 auf 4
  • “digitale spiegelreflex” von 95 auf 4
  • “eos” von 42 auf 9
  • “kopierer” von 44 auf 13

Die Canon Spiegelreflexkameras werden dabei in Texten anderer Websites sicherlich öfter erwähnt als Canon Kopierer. Mit Kopierern bringe ich Canon eher weniger in Verbindung und Canon wird in Zusammenhang mit “Kopierer” wohl auch seltener in Foren, Blogs etc. erwähnt. Typische Seiten auf denen Canon erwähnt wird, sind “Ich will mit eine Digitalkamera kaufen” oder “Kennt ihr einen guten Fotodrucker?”.

Diese Theorie finde ich persönlich am zutreffendsten – eine andere fällt mir im Moment nicht ein. Ich bin von ihr aber mittlerweile fast vollkommen überzeugt.

Veränderungen

Branding-Agenturen wird das sehr gefallen: Auch eure Offline Budgets bringen ab sofort etwas für SEO. Allerdings trifft das wirklich nur für sehr große Firmen zu – kleinere Unternehmen können damit nichts erreichen. Ich denke auch, dass die Menge an Texten und Erwähnungen, ab der eine Markenassoziation greift, von Google einfach so hoch eingestellt wurde dass man es manuell nicht oder nur mit sehr hohem Aufwand nachmachen kann. Trigami Kampagnen werden damit für SEO wieder interessant – hier hat Google sicher noch nicht nachjustiert.

Alles nur Theorie…

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Über den Autor

Julian Dziki ist SEO, Online Marketer und Affiliate seit 2007. Suchmaschinenoptimierung München

17 Kommentare

  • Tom

    Es fehlt noch die Möglichkeit/Theorie des Suchverhaltens also zum Beispiel wird ja “Spiegelreflexkamera Canon” laut Google-Keywordtool als vierthäufigste Variante gesucht. Damit dürfte klar sein dass Spiegelreflexkamera stark mit Canon verwandt/assoziiert ist. Wird ja auch als “Suggest” beim tippen sofort vorgeschlagen.

  • Hi Julian, sehe ich genau so wie du! Gutes Beispiel, dass These 1 und 2 nicht passen, ist dass die Mercedes Bank mit Tagesgeld hochgespult wurde.

    Ich glaub auch dass die Markenassoziation an anderen Rankingfaktoren gekoppelt ist (Links, Trust,…).

    Daumen Hoch für deinen Beitrag!!!

  • Auch wenn bei einigen untersuchten Brands das jeweilige Keyword nicht im Titel auftaucht würde ich dies nicht als Gemeinsamkeit bezeichnen.

    T-Online hat z.B. einige interne Leute für den Bereich SEO. Von daher würde ich “Nichtoptimieren” nicht als wirkliche Gemeinsamkeit ansehen.

  • Julian

    @Torsten: Das ist ja wohl auch klar. Optimierte Seiten sind genauso nach oben – nur bei den nicht-optimierten fällt es eben auf.

  • August

    Das hört sich nach guten Möglichkeiten für Keyworddomains an ;-)

  • LordOfPage

    Hi Julian,

    super Artikel (wie ich überhaupt Deinen blog sehr schätze) – aber ich bin nicht Deiner Meinung.

    Ich selbst hab mit meiner Seite auch vom brand update profitiert, aber meine Marke ist neu und noch dazu in einer Branche, wo kaum im Netz drüber geschrieben wird. Die von Dir bevorzugte Theorie kann mir also nicht geholfen haben.

    Andersrum werde ich aber wegen bestimmter Gimmicks auf meiner Seite total häufig mit Produkt + brand eingegeben. Das spricht für die (in der SEO-Szene im Moment wohl vorherrschende) Meinung, dass google wohl doch das User-Verhalten auswertet.

    Was mich allerdings wundert: Meine Aufrufzahlen sind jetzt nicht so groß, dass sie nicht manipulierbar wären (mittlerer 4stelliger Bereich). Will sagen: Wie will google in Zukunft verhindern, dass offline SEO betrieben wird, indem ich 30 Chinesen mit Fahrrädern in allen Großstädten durch die Internet-Kaffees schicke?…

    Gruß, LordOfPage

  • Toller Beitrag zu diesem aktuellen Thema. Ich habe auch einige interessante Veränderungen festgestellt. Ob diese Veränderungen jedoch positiv ist, dass sei dahin gestellt. Ich bin mal gespannt, wie sich das weiterentwickelt.

    PS: Den Blog finde ich sehr informativ.

  • Super Beitrag wie immer! Ich denke, dass es durch das Brand Update neue Seiten noch schwerer haben werden nach oben zu kommen. Das finde ich eigentlich Schade da die Infos die man dort bekommt nicht unbedingt schlechter sind.

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