Gastbeiträge sind ok!

22. Januar 2014  |     |  15 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

Jeder macht einmal Fehler. So auch Matt Cutts vor zwei Tagen, als er der SEO Gemeinde in seinem privaten Post ziemlich deutlich sagte, dass Gastbeiträge als Weg um Links zu generieren vorbei sind. Nur um dann in Kommentaren und zusätzlichen Anmerkungen wieder zurückzurudern.

Matt Cutts hat die Schnauze voll.

Matt Cutts hat die Schnauze voll.

Die Situation

In Deutschland bekomme ich ab und an Anfragen wegen Gastbeiträgen auf verschiedenen Seiten. Bis heute hat mich kaum eine davon überzeugt. Ich bin durchaus bereit, einen qualitativ hochwertigen Artikel ohne jegliche Gegenleistung auf einer unserer Seiten zu posten, aber die Artikel sind meistens unglaublich schlecht.

Ich habe gerade eine Anfrage im Posteingang entdeckt und nach ihr gegooglet. Ich würde sowas nicht öffentlich posten, bin aber dankbar dass es die Netzstrategen gemacht haben. „Briefwechsel: Selber Hallo“.  Alleine schon der Titel des „Gastbeitrag“ ist derart einfallslos, dass man wirklich traurig wird. „Warum Online Marketing so wichtig ist“ hat vielleicht 1996 noch als Beitrag gezogen, aber heute nicht mehr. Der Artikel strotzt nur so vor sachlichen und stilistischen Fehlern und darüberhinaus sollte man auch noch auf englisch auf die Spam-Mail antworten, weil die Leute (wahrscheinlich von einem Casino) nur die Mail und diesen einen Beitrag übersetzt haben.

… in den USA

Dabei ist die Situation in Deutschland noch nicht einmal eskaliert. In den USA hingegen wurde aus einer legitimen Taktik für PR (und nebenher Linkbuilding) eine massenhafte Spam-Bewegung. Man versendet einfach wahllos an Leute Gastbeiträge und hofft, dass von 100 Personen einer oder zwei Antworten. Oder man kauft Gastbeiträge, das gibt es mittlerweile auch als Service. In einem Angebot bekomme ich fünf Gastbeiträge für 69 Dollar. Was will man dazu noch sagen? Muss ich da argumentieren?

Gastbeiträge sind in den USA DIE Linkbuilding-Taktik geworden. Hierzulande gibt es das noch nicht so stark, aber in den USA machen es wirklich die allermeisten SEOs. Und die meisten machen es mindestens so schlecht wie in obigem Beispiel, oft sogar noch schlechter.

Was unterscheidet Gastbeiträge von gekauften Links?

In dem obigen Fall (5 Beiträge für 69 $) ist die Antwort einfach: Nichts. Es handelt sich schlichtweg um gekaufte Links, die noch dazu den Titel „Gastbeitrag“ haben. Es wird so getan, als wäre alleine die Verwendung des Wortes „Guest Post“ ein unüberwindbarer Schutzschild für Quality Rater. Und genau diese Einstellung will Matt Cutts jetzt eindeutig zerstören.

Es gibt echte Gastbeiträge im Internet. Nehmen wir als Beispiel einen aktuellen Beitrag von gestern. Im Beitrag „Online Marketing und SEO: 5 Experten Prognosen für 2014“ habe ich mit vier anderen Fragen von Peer Wandiger für seine Leser beantwortet. Es floss kein Geld und Peer kam auf mich zu, nicht ich auf ihn. Der Backlink ist mir ziemlich wurst, auch wenn er von einer Seite wie Selbstständig im Netz sicherlich super ist. Ist das Linkbuilding? In gewisser Weise vielleicht. Aber es ging nicht um den Link, sondern darum, dass Peer seinen Lesern gute Informationen bieten wollte, ich ihn kenne und ihm gerne helfe. Nebenbei entdeckt vielleicht der ein oder andere dann den Blog Seokratie und abonniert ihn. Ich habe Peer jedenfalls nicht panisch angerufen und gebeten, den Beitrag offline zu nehmen, nur weil Matt Cutts eine Neuigkeit verbreitet hat.

Ich würde die Grenze so ziehen: Wenn der Hauptaspekt der Link ist, dann ist ein Gastbeitrag nicht empfehlenswert. Wenn es dagegen darum geht die eigene Reputation zu vergrößern, seine Reichweite auszubauen und die eigene Kompetenz unter Beweis zu stellen, dann sind Gastbeiträge völlig legitim. Die Frage ist: Würdet Ihr den Gastbeitrag auch schreiben, wenn es keinen Link, sondern nur eine Erwähnung gäbe?

Der große Fehler von Matt

Matt ist in einer Zwickmühle. Schon immer hat er geschrieben, dass Gastbeiträge völlig ok sind, solange der Hauptzweck nicht SEO ist. Hier das Video dazu:

 

„Just be mindful that it can be taken to extremes.“

Dieser Satz im Webmastervideo ist zentral. Er spricht von „High Quality Guest Posts“, die ok sind und von „Low Quality Posts“, die nicht ok sind. Unser 69 Dollar-Angebot gehört sicherlich zu letzterem. In den folgenden Videos hat er immer wieder versucht, den Unterschied zu erklären.

Psychoanalytische Deutung

Meine Meinung: Matt hat es satt. Er hat immer wieder genau gesagt, was der Unterschied zwischen guten und schlechten Gastbeiträgen ist. Schätzungsweise 5 % der SEOs kennen den Unterschied und halten sich daran, während 95 % einfach nur herauslesen „Gastbeiträge sind ok, Google kann mir nicht schaden“. Ich denke nicht, dass Google gegen wirklich gute Gastbeiträge vorgehen wird. Es geht um die 95 % der Gastbeiträge, die einfach nur gekauft werden, die von miserabler Qualität sind und sich in keinster Weise von gekauften Links unterscheiden.

Matt Cutts ist auch nur ein Mensch. Und ich kann mir vorstellen, dass es frustrierend sein muss, seit Jahren immer wieder das Gleiche zu predigen, nur um dann festzustellen, dass einem die Worte im Mund umgedreht wurden und Spammer daraus tolle Produkte gemacht haben. Das war so mit Infografiken, das ist jetzt so mit Gastbeiträgen. Deswegen schreibt er auch:

„Added: It seems like most people are getting the spirit of what I was trying to say, but I’ll add a bit more context. I’m not trying to throw the baby out with the bath water. There are still many good reasons to do some guest blogging (exposure, branding, increased reach, community, etc.). Those reasons existed way before Google and they’ll continue into the future. And there are absolutely some fantastic, high-quality guest bloggers out there. I changed the title of this post to make it more clear that I’m talking about guest blogging for search engine optimization (SEO) purposes.

I’m also not talking about multi-author blogs. High-quality multi-author blogs like Boing Boing have been around since the beginning of the web, and they can be compelling, wonderful, and useful.

I just want to highlight that a bunch of low-quality or spam sites have latched on to “guest blogging” as their link-building strategy, and we see a lot more spammy attempts to do guest blogging. Because of that, I’d recommend skepticism (or at least caution) when someone reaches out and offers you a guest blog article.“

Es sollte zudem nicht unerwähnt bleiben, dass der Beitrag auf dem privaten Blog Mattcutts.com veröffentlicht wurde und er dort auch das Recht hat, seine persönliche Meinung zu sagen.

Meine Tipps für Gastbeiträge

Natürlich könnte das Search Quality Team jetzt alle Gastbeiträge verteufeln, aber das wäre nicht schlau. Stattdessen wird man sehr genau auf Gastbeiträge schauen, wie es auch schon Matt Cutts angedeutet hat. Hier meine Tipps, aber natürlich ohne Gewähr!

  • Für Gastbeiträge fließt kein Geld, niemals!
  • Gastbeiträge sollten ohne jegliche Gegenleistung akzeptiert werden. Wird Euer Beitrag nur gegen Geld oder Gegenlinks veröffentlicht, dann war er wohl nicht gut genug
  • Gastbeiträge sollten zeigen, dass Ihr Euch in Eurem Thema auskennt und diese Kompetenz in den Beitrag mit einfließen lasst
  • Fragt Euch: Würdet Ihr diesen Gastbeitrag auch schreiben, wenn es keinen Link dafür gäbe?
  • Keyword-Links in Gastbeiträgen sind absolut tabu!
  • Gastbeiträge sollten nur ein kleiner Teil Eurer Linkbuilding Strategie sein, auf keinen Fall die einzige Strategie!

Links

Hier mal ein paar Beispiele, wie Ihr an echte Links kommt.

Wie denkt Ihr über Gastbeiträge? Wie geht Ihr vor?

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15 Kommentare

  • Hi Julian,
    vielen Dank für die Erwähnung meiner Antwort „Selber hallo“, mit der ich auf die von dir hier wunderbar zerpflückte Spam-Anfrage reagiert habe.
    Dass ich mich damit aus SEO-Sicht in etwas Gefahr begebe ist mir klar – in erster Linie geht es uns im Blog aber nicht um Google, sondern um die Information & Aufklärung unserer Kunden.
    Und die werden leider auch ständig mit diesen Anfragen konfrontiert und verstehen nicht so genau, was es damit auf sich hat.
    Das nächste mal werde ich einfach Deinen Beitrag hier verlinken, wenn ich mal wieder gefragt werde, ob das was bringt… 😉

    Viele Grüße,
    Stephan

  • Hi Julian, ich habe mich gestern auch ein wenig über den Matt aufgeregt, noch viel mehr aber über die Leute, die jetzt schon wieder totale Angst haben und alles am liebsten hinwerfen würden. Falls es wen Interessiert: http://www.projektieren.de/suchmaschinenoptimierung-seo/matt-wer.html

  • Julian

    Hi Jens,

    Wie gesagt, er ist halt auch nur ein Mensch. Und wenn man sich mal in ihn hineinversetzt, hat er schon Grund ein wenig sauer zu sein.

  • Nicht umsonst sage ich ab und zu ganz gern: „Wenn Matt Cutts von etwas abrät, dann sollte man es machen – und umgekehrt!“ Haut natürlich nicht immer hin, aber bei den Gastartikeln sehe ich absolut kein Problem. Gastartikel haben eine lange Tradition und sind keine Erfindung der SEO-Branche. Dass einige auch dieses Element missbrauchen, ist bedauerlich, aber nicht zu ändern. Grundsätzlich halte ich einen Gastartikel eher für ein Werkzeug bei der Markenbildung (auch/vor allem für Personal Brands). Und da muss dann halt durch Kompetenz inhaltlich überzeugt werden – dann bleibt man auch in den Köpfen der Leser hängen. Und da braucht es dann im Zweifel auch überhaupt keinen Backlink, Hauptsache Namen/Brand werden genannt. Damit ist dann das Ziel schon erreicht.

  • Ich habe die Diskussion oder das Video von Mr Cutts nicht gesehen. Ehrlich gesagt geht es mir immer mehr auf die Nerven was er von sich gibt.

    Auch die Unterscheidung von einem guten und einen schlechten Gastbeitrag finde ich nahezu vermessen. Nicht jeder ist geborener Autor und entwickelt sich.

    Meine ersten Texte sehen auch ganz anders aus als aktuelle Texte.

    Und wenn es zu einem Text gehört einen Link zu setzen, dann gehört der Link eben rein. Links sind das ureigenste Wesen des Internet.

    Cutts verlangt dass man um Links herumschleicht wie die Katze um den heißen Brei. Für mich geht das etwas zu weit. Bloggen muß irgendwo auch noch Spaß machen.

    Es gibt auch Texte die man schreibt weil der Gegenüber der deutschen Sprache nur bedingt mächtig ist, wohl aber hohes Wissen hat. Und wenn man auf dessen Blog verlinkt und er das Wissen geliefert hat, was soll daran verkehrt sein?

    Es gibt so viele Varianten und Berechtigungen von Gastarikeln und Links dass ich Cutts nicht zutraue das unterscheiden und einordnen zu können.

  • Ich kann Julian bepflichten – sich mal in den Mann reinversetzen hilft wie jeder gute Perspektivwechsel. Da draussen sind ne Menge nervige Spammer unterwegs. Das man Matt nicht alle Dingen glauben kann, hat sich ja nicht zuletzt mit „not provided“ bestätigt. Also holen wir mal den vielerort ungebrauchten Menschverstand und fragen uns was wir egentlich erreichen wollen…Reichweite und mehr Traffic in/von unserer Zielgruppe. Dann sollten wir uns auch auf den Arsch setzen und richtig guten Inhalt für die Websites schreiben, auf denen sich unsere Zielgruppe rumtreibt. Das man vorher oder mit dem Inhalt im Gepäck eine saubere Verbindung herstellt – versteht sich dann irgendwie auch von selbst.

  • Da bin ich ganz bei dir Julian. Mal wieder viel heisse Luft. In homöopathischen Dosen ist es völlig ok.

  • Kai

    Gastartikel, Content Marketing, Infografiken blablabla. Es schlägt doch alles in dieselbe Kerbe.
    Schaffe durch den Content Mehrwerte und du solltest sicher von Google und seinen Lakeien sein, treibe Schindluder und du wirst langfristig keinen Erfolg haben.

    Das Problem ist und bleibt aber nunmal von Google, dass sie es nicht hinbekommen zwischen Mehrwert und Schindluder zu unterscheiden. Sie werden zwar besser, mehr aber auch nicht.

    Sie erkennen schlechten Content und strafen ihn ab (Panda), einseitige Keywordlinks und strafen sie ab (Pinguin und manuelle Penaltys) bevorzugen Brands (Brandsearches) und honorieren guten Content (Onpage Daten), aber nichtsdestotrotz haben sie das Problem des Linkbuildings allgemein (egal ob man das Pferd nun Gastbeiträge oder Infografiken nennt) überhaupt nicht im Griff.

  • Wie so oft, wurde eine Aussage von Matt mal wieder überbewertet. Ein wenig gesunden und sachlichen Menschenverstand, kombiniert mit dem Wissen was drüben über dem großen Teich in Bezug auf Gastbeiträge passiert, hätte dazu geführt das man sich jegliche Aufregung gespart hätte. Wer schlechte Qualität bei Gastbeiträge akzeptiert und sich dann im Nachhinein über eine mögliche Abstrafung von Google aufregt, der ist selbst Schuld und nicht die Gastbeiträge an sich.

    Warum sollte bei guter Qualität der Gastbeiträge online ein anderer Maßstab als offline gelten? In Zeitschriften und Magazinen, gibt es regelmäßig Fachbeiträge von „Externen (Experten)“ zu bestimmten Themen, die nicht von der eigenen internen Redaktion erstellt werden.

    Fazit: Tief Luft holen und weiter machen mit der Arbeit!

  • Lara

    Hi Julian,

    wusste ich doch, dass du mal zu Gastbeiträgen was geschrieben hast 🙂

    Deshalb komme ich nochmals auf diesen Artikel zurück. Meine Frage dazu:

    Ein Gastartikel, in welchem sämtliche Links (Artikel enthält keine Keyword-Links) zum Autor oder auf andere kommerziellen Sites auf nofollow sind, dürfte ohnehin kein Problem für Google sein, auch wenn für die Veröffentlichung tatsächlich Geld geflossen ist?

    Also Portal wird für Veröffentlichung des Gastartikels bezahlt, Links sind nofollow > googlekonform?

    Denn es gibt ja auch die Gastartikel-Strategie zum Reputationsaufbau, bei es dem Autor weniger um die Rankings bzw. Linkbuilding geht.

  • Julian Dziki

    Hi Lara,

    Also 100 % Google- (und auch rechtskonform) ist der Artikel erst, wenn er auch als „Anzeige“ oder „Sponsored Post“ gekennzeichnet ist. Es sollte also dort stehen. Aber falls das so ist, dann ja: Kein Problem für Google.

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