Ein Unding: Twittern statt Bloggen
Speziell in der SEO-Szene hat sich seit der Einführung von Twitter ein Unding verbreitet: Statt zu bloggen benutzt man neuerdings einfach Twitter. Ist das nun eine Verbesserung oder Verschlechterung?

Häppchenweise News
Ich habe mich sehr lange gegen Twitter gewehrt, nutze es aber nun auch seit längerer Zeit. Fakt ist, dass man durch Twitter an mehr Informationen kommt als bisher und diese mithilfe von Twitter auch viel einfacher filtern kann. Eine halbe Minute reicht aus, um die interessanten Dinge zu lesen – der Rest wird einfach überlesen. Der zweite Fortschritt ist die Geschwindigkeit, mit der man via Twitter Informationen erhalten kann. Teilweise verbreiten sich News innerhalb von wenigen Minuten.
SEO-mäßig schlecht
Wer früher einen tollen Beitrag geschrieben hat, der wurde mit einem Trackback erwähnt und bekam so einen Link. Heute wird getwittert und nicht mehr in Blogs verlinkt. Ich würde sogar behaupten, dass man damit unter Umständen mehr Traffic bekommen kann als beim klassischen Blogverlinken; Aber zu welchem Preis? Links gibt es nicht mehr. Obwohl Marcells Linkbait des Jahres wirklich unglaublich gut angekommen ist, war es eher ein “Twitter Bait” als ein klassischer Linkbait. Hätte er so eine Aktion vor einem oder zwei Jahren gemacht, hätte es Links regelrecht gehagelt!
Blogs verfallen
Die meisten deutschen SEO Blogs haben ihre Postingfrequenz drastisch heruntergefahren, meiner ist da keine Ausnahme. Ist ja auch klar: Wenn ich etwas zu sagen habe, dann reichen oft 140 Zeichen aus – warum sollte man sich die Mühe machen und einen ganzen Blogpost dafür schreiben? Ich finde das keine gute Entwicklung. Kurze News kann man antwittern, aber ansonsten wird die SEO-Szene langfristig immer längere Blogposts brauchen; Manches lässt sich eben nicht in 140 Zeichen erklären.
Geld mit Twitter verdienen?
Klar kann man massenhaft Traffic auf seine Seite bringen, wenn man viele Follower hat. Aber seien wir mal ehrlich: Das große Geld wird Twitter machen, wenn sie einmal Werbung auf ihren Profilen schalten. Und wir SEOs lassen uns freiwillig zu billigen Contentproduzenten degradieren. Wir sind doch sonst nicht so! Wieso hosten wir nicht selbst und binden Werbung ein? Das gilt jetzt nicht nur für SEO-Twitterer, sondern für alle die Geld im Netz verdienen. Wir haben unsere Blogs doch auch nicht auf xy.wordpress.com gehostet, wo man vollkommen vom Fortbestand von WordPress abhängig ist!
Mächtiges Marketing
Es gibt einfach Sachen die ein gutes Marketing haben. Und manchmal sind auch Marketing-Experten eben einfach nur Konsumenten. Bestes Beispiel: Das Iphone. Ich schätze mal, dass grob die Hälfte meiner SEO-Bekannten ein I Phone haben. Ist es denn besser als andere Handys? Nein. Aber das I Phone wird ja gar nicht mehr als Handy bezeichnet, es ist eben “das” Iphone. Mein Nokia-Nachkriegshandy reicht mir auch heute noch. Wäre es günstiger, würde ich mir ein Iphone überlegen. Aber als jemand der im Marketing arbeitet und damit auch Handytarife vergleichen können sollte, ist das Ding einfach nur eines: Teuer und meiner Meinung nach sein Geld nicht wert! Über 1000 Euro für ein Handy???
Zurück zu Twitter…
Nichts ist umsonst und wir werden unseren Preis für Twitter schon noch zahlen. Es gibt ja nicht plötzlich mehr User im Netz – wir haben den Traffic nur weg von unseren Seiten hin zu Twitter verlagert. Und statt (wie früher) Blogbeiträge zu schreiben, retweeten wir nur noch die von anderen. Ich bin kein Reaktionär und bin neuen Entwicklungen immer grundsätzlich positiv gegenüber eingestellt. Aber meine Alarmglocken läuten wenn man immer nur das Positive an etwas Neuem sieht.
Weg mit Twitter?
Natürlich ist es Quatsch jetzt Twitter zu verteufeln und seinen Account zu löschen. Aber wieso sieht man sich nicht einmal nach Alternativen um? Wieso sind wir in Sachen Twitter so kompromisslos einer Meinung? Wieso nutzen wir Twitter überhaupt? Das ist, wie wenn ein Angler sich von seinem eigenen Köder fangen lässt. Ich werde auf jeden Fall meine Twitteraktivitäten minimieren und wieder mehr bloggen.
Was meint ihr?
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Du hast natürlich vollkommen recht. Auch bei mir hat sich der Abstand zwischen sinnvollen Posts stark vergrößert. Ein Problem ist auch, dass die News nur noch auf Twitter kommentiert werden. Im eigenen Blog muss man deshalb um jeden Kommentar kämpfen.
Zum I-Phone habe ich genau deine Meinung. Es ist einfach nur Teuer und es gibt vergleichbar bessere Handys wie das Nokia N97. Aber selbst das braucht man nicht. Ich nutze auch ein Nokia aus der älteren N-Serie und bin damit super zufrieden.
Also bei den meisten ‘SEO-Bloggern’ bin ich ganz froh das die nach 140 Zeichen fertig sind mit ihrem Gesülze. In Deutschland hat doch eh niemand wirklich was zu sagen hier in der Szene, da braucht man dann auch kein Blogpost draus machen.
Bei solchen Aktionen wie dem Linkbait des Jahres sieht man ganz klar das sowas nur noch retweetet wird, aber das meiner Meinung nach auch völlig ok, weil es ist eben nur ne kurze belustigung, keine wertvolle Ressource nichts was irgendjemand brauchen könnte. Ressourcen, etwas mit dem die Leute wirklich was anfangen können, was ihnen in ihrer Arbeit hilft, wirklich interessante Analysen werden auch noch verlinkt. Die Leute verlassen sich auf den schnellen Hype und kriegen dann auch nicht mehr. Gute Blogs werden immer noch mit Inhalt befüllt, gelesen und verlinkt. Gibt in Deutschland bloss kaum welche.
Sehr schöner Artikel. Passt gerade in unsere Überlegungen, wie man News und Informationen sinnvoll auf die verschiedenen Kanäle verteilen kann. Welche Info in den Newsbereich, was in einen Newsletter, was in den Blog und was kurz twittern… Ist schwierig, weil man ja nicht überall das Gleiche wiederholen will. Wir experimentieren da noch ein bisschen.
So ein Text ist immer ein guter Anstoss, mal wieder nen Schritt zurückzutreten und einiges zu ordnen. Danke!
Ich sehe das genauso wie Stereophone. Wieso sollte man sein Wissen in einem breiten Blogpost veröffentlichen und damit riskieren, dass gute Linktipps auf Grund des Blogposts obsolet werden.
Die Deutsche SEO Szene kennt doch eh nur Party und Reisen und berichtet von einem Event zum nächsten. Das was in der Vergangenheit gepostet wurde, war mehr Selbstdarstellung als Substanz, eben aus oben genannten Gründen.
Und wenn wir mal ehrlich sind, als wenn ein SEO Blog den Traffic abbekommt, denn man auch noch gut monetarisieren kann. Google wir euch eins Husten.
Da hast Du wirklich ein brenzliges Thema angesprochen…
Ausweg ist schwierig.
Zum iPhone: Hol Dir ein gutes gebrauchtes G1 ohne SimLock, dann hast Du iPhone-Qualitäten und brauchst Dich nicht um T-Mobile zu scheren sowie so viel Geld zu investieren.
Habe es seit ein paar Tagen und bin super-happy. Schnell, gut, jede Menge SEOrelevante Apps. Einzig kein Multitouch… (Zu verschmerzen)
LG,
Olli
Danke, dass war genau der Artikel, den ich seit einer Weile in Planung hatte, aber nicht zum Schreiben kam. Kann ich mir jetzt sparen, besser krieg ich das sicher nicht hin
In Anspielung an einen alten Hit: “Twitter kills the blogstars”
Ich kann den ganzen Hype rund um das Gezwitscher ehrlich gesagt eh´nicht ganz nachvollziehen; Leute, die jeden Tag ein Dutzend Mal den Kanal vollspammen, kann ich nicht ganz Ernst nehmen. Hier und da mal einen interessanten Link zu posten ist in Ordnung; für mehr taugt das Ding (langfristig gesehen) meiner Meinung nach nicht
@loewenherz
wird der Artikel jetzt von dir getwittert oder im Blog verlinkt?
War ja auch ewig (bis vor ner Woche oder so) Twitter-Gegner, vor allem weil es einen noch mehr an’s Netz geißelt. Von daher auch kein Smartphone – ich kenn mich eben
Aus meiner kurzen Twitter-Erfahrung kann ich nur feststellen, dass viele Infos durch die Kanäle gehen, die man über die Blogs einfach aus dem Auge verlieren könnte. Dennoch sind vor allem Monatszusammenfassungen wie bei Jens aka Inhouse SEO in “Twitter-Zeiten” sinnvolle Beiträge, um die Kernaussagen der letzten Wochen nochmal überblicken zu können.
Von daher werden Blogs wegen Twitter nicht aussterben, die Blogger reduzieren ihre Artikel nur noch auf’s Wesentliche – kann ja auch ein Segen sein
Dass nicht mehr alles gebloggt wird, weil für manches halt wirklich Twitter ausreicht, gefällt mir ganz gut. Besonders im letzten Jahr grenzten schon viele Bloggbeiträge (besonders in der SEO-Welt) am Spam (nicht nur die Kommentare waren spammy).
Sobald irgendwer irgendwas bloggte, schrieb fast jeder nen meist überflüssigen Satz dazu – Hauptsache Trackback!
So haben sich über einen längeren Zeitraum viel SEOs selbst disqualifiziert und es selbst bis jetzt noch nichtmal gemerkt. Dass Dank Twitter nicht mehr so viel gebloggt wird und dadurch Links wegfallen ist doch super. Die Trackbacks unter den Posts hatten irgendwie was gemeinsam mit “meineFreunde” im StudiVZ
Naja wenn ich ehrlich bin posted sowieso nur der WPSEO wirklich nutzvolle Tweets – und dafür wurde Twitter auch geschaffen. Es muss nicht immer gleich ein Blogposting zu einem nützlichen Link verfasst werden, wenn 140 Zeichen genügen
Ich nutze Twitter eher weniger, nicht mal täglich. Check es jedoch täglich um kurz auf dem Laufenden zu bleiben (vermehrt US Marketers/SEOS).
Ich nutze jedoch lieber meinen eigenen Blog um meine Meinung kund zu tun und über Themen zu berichten…
Was ich nicht ganz nachvollziehen kann ist deine Meinung über Twitter und Geld damit verdienen. Twitter lässt sich doch hervorragend als Werkzeug nutzen um seinen gezielt aufgebauten Traffic zu monetarisieren.
Das Iphone kostet bei euch in Deutschland über 1000€? Hammer…Zahlte hier gerade mal 200€ für ein Iphone3G 16GB mit Vertragsverlängerung
[...] hat Julian Dziki dazu einen Artikel geschrieben, den ich sehr interessant finde. Wesentliche Aussage: Es gibt ja nicht plötzlich mehr User im Netz [...]
Mir persönlich sind Blogbeiträge auch lieber als Tweets. Zumal man bei Twitter schon dann, wenn man nur wenigen Leuten folgt, bereits jede Menge Unsinn lesen darf.
Andererseits stimmt es auch, dass die SEO-Szene kaum was Spannendes veröffentlicht. Vor allem werden immer wieder alte News in neuen Beiträge gestopft, einfach mit einer neuen Überschrift. Gute Tipps liefert doch keiner, entweder, weil man sein Geheimnis natürlich nicht verrät oder weils man gar keine hat.
Julian hat es meiner Ansicht nach auf den Punkt gebracht. Bei OM ist es eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen einen eigenen Server sowie Domain(s) zu mieten aber nun verlagern viele Leute ihren wertvollen Traffic auf Twitter.
Ich persönlich verwende Twitter überhaupt nicht. Das liegt nicht daran, dass ich altmodisch bin oder mich gegen Neues wehre. Der Zeitaufwand sich aktiv zu beteiligen ist einfach nicht den Nutzen wert, wie ich finde. News hin oder her.
Twitter ist aber sicher cool für kurze Status-Msgs die alles andere als nützlich bzw. im Blog brauchbar sind
[...] Dingen ist, kriegen die Menschen Angst. Julian von seokratie.de hält es für ein Unding das nur noch getweetet und retweetet wird anstaat ordentliche Blogposts zu schreiben, zu verlinken [...]
Ich hab mich jetzt mal Infomäßig mal ein halbes Jahr aus der SEO Szene rausgezogen. Keine Blogs mehr gelesen, etc.
Was hab ich verpasst? nicht viel. Ehrlich gesagt glaube ich fast gar nichts substanzielles.
Was waren denn die großen News der letzten 6 Monate?
Ausser selbstreferenzielles Zeug?
Da wird halt nur noch getwitter, aber wen stört es?
@Yan: Du hast sicher Recht. Es passiert momentan auch nicht viel Neues.
[...] dass immer mehr Blogs “verfallen” und ihre Postingfrequenz herunter schrauben: “Ein Unding: Twittern statt Bloggen” [...]
[...] zum SEOnauten. Wie auch andere Blogs, fürchtet auch dieser, dass das “Twittern” herkömmliche Blogs verschlingt. Immer mehr [...]
[...] Kommentar hier spricht aus, was man zurzeit häufiger im Netz [...]