Die Interflora Penalty und das Problem mit den Paid Posts

7. März 2013  |     |  17 Kommentare
Ein Beitrag von Julian

Der große britische Blumenversandhandel Interflora hat Links gekauft – und das nicht zu knapp. So kam es vorletzte Woche, dass sie eine massive Abstrafung wegen gekaufter Links bekommen haben. Was aber ist dort eigentlich schief gelaufen?

Sichtbarkeit von Interflora.co.uk

Wie man an der folgenden Grafik sehen kann, hat es die Seite wirklich massiv erwischt. Die Mitarbeiter von Google haben hier bewusst Hand angelegt, denn eine so große Domain verschwindet nicht ohne händisches Drüberschauen im Nirvana.

Sichtbarkeit von Interflora bei Searchmetrics
Sichtbarkeit von Interflora bei Searchmetrics

Martin MacDonald hatte (wahrscheinlich nach den Mitarbeitern von Interflora ;-) ) die Penalty entdeckt und auch gleich versucht, sie zu erklären. Interflora hatte massiv Beiträge von Bloggern gekauft oder mit Produkten bezahlt. Viele dieser Beiträge waren offensichtliche Werbebeiträge (über oder unter den Beiträgen stand “Anzeige” etc.), jedoch waren die Links auf Follow.  Anthony Shapley hat in einem sehr guten Post die Gründe aufgezeigt. Google hat interessanterweise auch einen “Reminder on selling Links” online gestellt, in Webmaster erinnert werden sollen, dass Linkkauf ja immer noch böse ist (falls man es vergessen haben sollte).

Beispiele für gekaufte Posts

Die Strategie von Interflora war es unter anderem, diversen Bloggern gratis Blumenbouquets zu schicken. Google hat erst kürzlich die Webmaster-Richtlinien dahingehend erweitert und wertet auch das Versenden kostenloser Produktproben als Linkkauf:

“Buying or selling links that pass PageRank. This includes exchanging money for links, or posts that contain links; exchanging goods or services for links; or sending someone a “free” product in exchange for them writing about it and including a linkQuelle

So und ähnlich sahen die Posts aus.
So und ähnlich sahen die Posts aus.

 Angriff gegen Linkverkauf

Kurz nachdem es Interflora erwischt hatte, kam es zu einer weiteren manuellen Aktion von Google: Dutzende britische Tageszeitungen verloren ihren Pagerank. Das stand direkt in Zusammenhang mit Interflora, weil die meisten dieser Tageszeitungen eben auch “Advertorials” für Interflora.co.uk enthielten. Hier kann man also von einer Folgeaktion sprechen. Christoph Cemper hat hierzu einen unglaublich ausführlichen Blogpost geschriebenn und bringt viele Beispiele.

Nach 11 Tagen vorbei?

Man munkelt, dass die SEO Verantwortlichen sich bei Interflora bereits auf eine solche Penalty eingestellt hätten. Sofort nachdem das Ranking abgefallen war, wurden sehr viele Webmaster und Blogger angeschrieben und gebeten, die Links zu entfernen. Scheinbar wurden die wahren Gründe oftmals nicht genannt, sondern aufgrund eines “Seiten-Redesigns” sollte man die Links zur Homepage entfernen. Ich vermute außerdem, dass zusätzlich mit dem Disavow Tool gearbeitet wurde und ein Antrag auf erneute Überprüfung gestellt wurde. Das Ergebnis:

Interflora erholt sich bereits wieder - nur 11 Tage Penalty?
Interflora erholt sich bereits wieder – nur 11 Tage Penalty?

Bereits nach 11 Tagen befand sich Interflora auf dem Weg der Besserung und vielleicht kommt die Sichtbarkeit bald sogar wieder auf ihr altes Niveau zurück. Google hat bisher noch keine Stellungnahme zu dem Fall veröffentlicht. Das ist seltsam, denn bei der Zurückstufung großer Marken (BMW, JCPenneys, Google Chrome) gab es oft eine öffentliche Erklärung. Die Zeitspanne, nach der die Penalty aufgehoben wurde, finde ich enorm klein. Das kann aber natürlich daran liegen, dass der Fall öffentlich wurde und Google schnell reagieren wollte, nachdem man die Fehler beseitigt hatte. Oder das Google.co.uk Team ist prinzipiell schneller als das .de Search Quality Team, bei dem die Antwortzeiten zwischen zwei und acht Wochen liegen.

Fazit

Was war das jetzt eigentlich? Nur ein bisschen “Staub aufwirbeln” seitens Google oder doch eine klare Aktion gegen Linkverkauf bzw. -kauf? Von anderen abgestraften Seiten in UK habe ich bisher noch nichts gehört. Und in Deutschland kenne ich eigentlich ganz genau die gleiche Masche, ebenfalls mit Links von kleineren, regionalen Tageszeitungen. Kommt so etwas auch in Deutschland? Oder bleibt es bei einer einmaligen Aktion? Dieses Advertorial-Business ist ja auch in Deutschland noch sehr beliebt, das würde manchen sicher nicht gefallen.

Auch interessant ist, ob sich Interflora wirklich zu 100 % erholt. Damit würde Google ein falsches Signal senden, denn so mancher Webmaster könnte daraufhin überhaupt erst mit Advertorials anfangen. Macht ja auch nichts, wenn man hinterher nur eine 11-tägige Penalty bekommt, vorher aber monatelang Traffic abstaubt.
Eure Meinung?

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Über den Autor

Julian Dziki ist SEO, Online Marketer und Affiliate seit 2007. Suchmaschinenoptimierung München

17 Kommentare

  • Niklas

    Ich hatte in den letzten 4 Wochen eine Seite auf Platz 1 bei einem search volume von 10.000 exact match.

    Nun bin ich mit den wichtigsten Suchbegriffen irgendwo auf Seite 95 seit 2 Tagen. Es hat mächtig bei Google geschäppert,
    viele Forenbeiträge sind in den letzten Tagen zu dem Thema entstanden.

    Zu meiner Seite:
    Es wurde kein einziger Link gekauft, allerdings entstanden ein paar Links von einem von mir erstellen Blog. Doch das war ein Bruchteil der Links.

    Ich weiß nicht, auf welche Art von Links nun Google einen Hass hat.

    Die Seite, welche nun so gut wie keine Besucher mehr hat,
    hat im Schnitt 10 neue Backlinks im Monat erhalten von größten Teils Seiten, welche auch einen guten Trust Flow haben.

    Meine Vermutung:
    Die Main-Keywords wurden zu oft in den Anchors oder allgemein die Keyworddichte verwendet.

    Grüße

  • @Niklas:

    Das ist dann abhängig von der Webseite. Natürlich muss man bei der Linkstruktur darauf achten, dass man da einen guten Kompromiss findet und immer wieder varriiert. Da wurde viel nach Penguin drüber geschrieben. Ich selber fahre da auch lieber defensiv, als mit Karacho in einen Filter reinzulaufen :)

  • Ben

    Ich hab erst heute eine Anfrage für nen Post bekommen, der als Advertorial gekennzeichnet werden soll, aber Follow Link. Grosser Laden mit SEO Abteilung. Gelegentlich fragt man sich was sich Firmen eigentlich denken bezüglich der Guidelines. am Beispiel Interflora sieht man, das es gelegentlich scheppert. Hierzulande boomen Blogverkaufsplattformen. Bin gespannt wie lange das noch gut geht.

  • Max

    Mit diesen Advertorials in Online Tageszeitungen und Co. arbeiten doch die meisten und das ist doch offensichtlicher Linkkauf da die Links allesamt follow sind, warum sagt Google eigentlich in DE nix dazu? Oder ist es echt eine Frage der Zeit oder eine Frage der Menge wie viele man solcher Links hat?

  • Interessant! Daran sieht man mal wieder, wie gut Google das Internet inzwischen strukturieren kann.
    Ich denke, es wäre nicht so extrem aufgefallen, wenn Interflora einige Posts auch auf NoFollow stellen lassen hätte.
    Oder das ganze mehr als neutralen Produkttest maskieren lassen hätte (und eben nicht als Anzeige).

    Ich möchte mal gerne wissen, wie hoch der Umsatzverlust wegen der Bestrafung war? Und wie groß nun der Umsatzverlust in der SEO-Branche ist (wegen Firmen, die nun keine PaidPosts mehr schalten).

    Eigentlich ein Rattenschwanz. Einerseits möchte Google “faire” Links und andererseits zählt immer noch das Motto: Je mehr Links, desto höher die Position. Ganz klar, dass das System ausgenutzt wird.

  • ….dass sich die Site nach Bereinigung ggf. wieder vollständig erholt, finde ich legitim. Schliesslich soll der Algorythmus ja keine nachtragende Institution sein, sondern ein Algo! Was hier in meinen Augen “lediglich” einfliessen sollte, ist, dass sich der Algo Unregelmäßigkeiten merkt, und bei Wiederholungen die Rankings dämpft (Praxis?).
    Aber gerade was die Onlinebleger der Zeitungen in DE anbelangt, werden wir noch viel Spaß haben ;o) Ich glaube u.a. bei Facebook wirbt sogar eine SEO-Agentur damit, dass man dort solche Links kaufen könnte ;o) Das wird noch ordentlich rumpeln!

  • Also für mich ist gehört zu einer groß angelegten PR-Kampagne die Google mit dem Release der Quality Rater Guidelines und den Infos über Alles über die Suche bzw. How Search Works losgetreten hat. Mit solchen Abstrafungen zeigen sie parallel auf, dass das was sie an Informationen kommunizieren auch in der Praxis umgesetzt wird.

  • Max

    Was passiert wenn Google das mit allen Seiten macht Seo machen und solche Anzeigen usw. schalten. wäre das gut für die Qualität der Suchergbenisse?

  • Ich versteh die Panik nicht. Kaum geht mal eine Seite baden (wegen offensichtlich manuellen Intervenierens), befürchten gleich alle, dass gekaufte Links flächendeckend zum Verhängnis werden können. Es ist doch im Grunde völlig egal, ob es sich um einen Produkttest handelt, einen Advertorial Link, einen sponsored Post über die ein Blogvermarkternetzwerk, oder auch einen getauschten Link etc. Alles ist bei Google gleichermaßen unerwünscht, kann aber kaum algorithmisch aufgedeckt werden.

    Solange genügend Variation im Profil der Linkquellen, Linkarten, Linktexte vorhanden ist, sehe ich da überhaupt kein Problem. Meiner Meinung nach, war das ein schönes Beispiel für geschickte Panikmache. Manuell wird eine Seite mit vielen Kauflinks aufgedeckt, abgestraft und anschließend für’s kuschen wieder belohnt (evtl auch für’s petzen via Disavow Tool). Für mich jedenfalls kein Grund zur Beunruhigung, da es ja keine Algo Neuerung war.

  • Hi Julian,

    danke für deinen Post, mit diesem Thema – speziell Advertorials – beschäftige ich mich auch zur Zeit.

    Laut Googlewebmaster Blogpost wird den Seitenbetreibern bei Advertorials-Textlinks ein setzen des rel=”nofollow” Attributes empfohlen, um Google zu signalisieren, dass kein Pagerank vererbt werden soll. Diese Variante ist jedoch eher nur gedultet von Google und wird meiner Vermutung nach trotzdem Einbußen im Trust und Rankings verursachen.

    Da einige Portale nach wie vor follow-Links in Advertorials einsetzen dürften die ersten Abstrafungen in Deutschland nicht mehr lange auf sich warten lassen.

    Passend zum Thema: http://www.traschuetz.com/friendly-reminder-von-google-abstrafung-von-verkauften-textlinks-advertorials/

    Grüße
    Johannes

  • Da habe ich glaub ich was verwechselt. Wenn ein Artikel/Textabschnitt als “sponsored”, “Anzeige” etc gekennzeichnet ist, und trotzdem follow verlinkt wird, würde ich jetzt auch schnellstens handeln. Egal ob Linkgeber oder -empfänger. Das scheint ja auch bei Interflora der Fall gewesen zu sein und lässt sich möglicherweise sogar algorithmisch feststellen.

    In vielen Fällen ist so ein Link aber auch nicht als gekauft zu erkennen (selbst manuell). Dann besteht auch weiterhin kein Grund zur Beunruhigung.

  • Ich verstehe nicht viel von SEO und dem ganzen Drum Herum. Man versucht als “Hobbyblogger” sein bestes und liest mal dies mal das und am nächsten Tag genau das Gegenteil.

    Google maßt sich da ein bisschen viel an und mischt sich auch ein bisschen viel ein, um es mal flapsig auszudrücken.

    Nehmen wir mal an, eine Naturschutzorganisation liegt der Schutz eines Stadtparks am Herzen. Sie fordert über FB und per Mail auf, dass alle die können einen Artikel schreiben sollen wie wichtig der Park für die regionale Flora und Fauna ist.
    Die Organisation benennt Ross und Reiter und deutet mit dem Finger auf eine Firma die Schuld daran ist, dass der Park gefährdet ist. Des weiteren wird noch die Stadt als Übeltäter benannt.
    Weiterhin veranstaltet diese Organisation als Dankeschön für die Mithilfe ein Grillessen im Park.

    Wir haben in diesem konstruierten Fall Geschenke und 3 Links im Spiel (Firma, Stadt, Organisation)

    Wie will jetzt Google wissen wer abgestraft werden soll?
    Die Organisation weil sie Geschenke verteilt? Die Firma die auf einmal viele Links erhält? Oder die Stadtseite, die ebenfalls viele Links erhält (kann ja theoretisch sein dass die Tourismusabteilung einer Stadt sich Links besorgt) nach dem Motto “wunderbarer Park, ökologisch wertvoll in der Stadt XY?

    Und wenn Google keine “Abstrafung” fahren würde, ist das dann Willkür?

  • @Roland:

    Viel zu theoretisch aber trotzdem sehr treffend. Angenommen alle Artikel wo die Links gesetzt wurden (und insgesamt auch vermehrt auf die böse Firma als auf die Stadt) sind prozentual schon mal auffällig geworden (Stichwort: Disavow Tool), dann würde Google über den Algorythmus vermutlich eine erste Vermutung haben. Dann untersucht man nochmal manuell generell das Linkprofil der Firma und davon wird dann vermutlich die Reaktion oder eine zukünftige Reaktion abhängig gemacht.

    Wer die Links aber nur über “gute Blogger” bekommen hätte, die sich tatsächlich für die Initiative interessieren (wegen dem Grillen oder auch aus anderen gründen) oder sonst einfach unauffällig sind, dann würde vermutlich gar nicht erst der Verdacht entstehen, dass irgendetwas problematisch sein könnte.

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