Gretus von Seo-United hat heute mit seinem Beitrag “Google verschenkt Milliarden” aufgelistet, womit Google zusätzlich noch Geld verdienen könnte. Prinzipiell stimme ich Gretus da voll zu – es ließe sich noch weit mehr aus dem Unternehmen herausholen als bisher. Aber wie immer gibt es zwei Seiten zu betrachten.

Nur ein gütiger König regiert lange

Wahrscheinlich ist einer der vielen Gründe warum Google so erfolgreich ist, eben jener, dass sie eben keine Werbung auf der Startseite schalten. Im Vergleich zu Yahoo und MSN, die beide auch Nachrichten und andere Services auf der Startseite anbieten, wirkt die Google Hauptseite vollkommen nackt. Warum? Ganz einfach: Es geht um die Ladezeit.

Alleine schon dadurch, dass Google viel schneller lädt als seine Konkurrenten wird die Seite öfter benutzt. Was erwartet man von einer Suchmaschine? Sie soll schnell aufgerufen werden. Man tippt den Suchbegriff ein und findet das Ergebnis. Das ganze Brimborium, das Yahoo und MSN auf ihrer Startseite haben schadet wahrscheinlich mehr als es nutzt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die allgemeine Vorgehensweise von Google. Im Prinzip ist jeder gleich: Egal wie groß die Firma ist, egal wieviel Geld man hat – Google ist unbestechlich. Man kann Werbung kaufen (Adwords), aber die Suchergebnisse nicht beeinflussen. Bei Abstrafungen ist es Google ebenfalls vollkommen egal, ob man BMW heißt oder sonstwie: Wer sich nicht an die Regeln hält, der fliegt. Auch die von Gretus erwähnten Google Services und vor allem die Tatsache, dass Google sie nicht automatisch an die erste Position stellt, hängen damit zusammen. Man versucht so neutral wie möglich zu sein. Würde Google seine Macht bis an die Grenzen ausnutzen, würden sich vielleicht schnell Konkurrenten finden.

Der Umkehrschluss müsste also her: Gerade weil Google auf den ersten Blick so unkommerziell aussieht, sind sie so erfolgreich. Das trifft wiederrum genau den Kern meiner gestrigen Überlegungen. Ich lasse auf einer Domain ein Drittel weniger Werbung schalten und verdiene damit 30 % mehr als vorher. Die meisten normalen Leute haben auch überhaupt keine Ahnung, wie viel Google verdient.

Auch in der Geschichte haben Könige, Kaiser oder Herrscher durch Spenden, Gnade und sich-einmal-zurücknehmen oft gute Effekte erzielt. So etwa der 19 jährige Augustus, der das Erbe von Caesar, gleich nachdem er es bekommen hatte, zu einem großen Teil dem Volk und den Soldaten schenkte. Jeder Bürger Roms bekam etwa ein durchschnittliches Jahresgehalt geschenkt.

Augustus war damals in keiner staatlichen Funktion, er war faktisch nur ein sehr reicher Privatmann. Es war aber nach seiner Spende für ihn ein leichtes, sich für politische Ämter zu bewerben, weil er durch seine Spende unglaublich beliebt geworden war. Wie beliebt wäre Angela Merkel heute, wenn sie jedem Bürger 20 000 Euro geschenkt hätte?

Aber ich bin vollkommen vom Thema abgekommen. Was ich eigentlich sagen wollte, war: Manchmal ist es besser, nicht unbedingt den letzten Cent aus seinen Kunden zu quetschen und nicht alles zu Geld zu machen. Manchmal bekommt man mehr Geld, weil man weniger Geld verlangt. Und manchmal wird man die größte Suchmaschine der Welt und der “König des Internets” gerade weil man keine Werbung auf seiner Startseite hat.

Aber vielleicht macht Google auch einfach genug Gewinn. Im Jahr 2006 lag der Gewinn (nicht Umsatz!) bei  3,08 Milliarden Dollar. 2007 hat Google dann den Gewinn um 1,1 Milliarden auf 4,2 Milliarden gesteigert. Ich finde, dass eine Gewinnsteigerung von über einer Milliarde Euro innerhalb eines Jahres für ein Unternehmen reicht. Für mich wäre das jedenfalls eine sehr schöne Bilanz.

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4 Responses to Der gütige König Google

  1. Matt sagt:

    So ganz neutral verhält sich Google aber auch nicht immer. Die Abstrafung für bezahlte Links zum Beispiel finde ich total daneben. Sowas hätten sie auch nicht nötig und den Linktausch verhinden sie damit auch nicht.

  2. Julian sagt:

    Ja, du findest es daneben. Aber es ist im Endeffekt doch eine gute Maßnahme um Manipulationen zu vermeiden. Mal davon abgesehen, dass es überhaupt keine wirkliche Abstrafung gibt. :-)

  3. KlonBlog sagt:

    Da ich den Artikel von SEO-United auch sehr naiv und zu kurzfristig gesehen finde, habe ich auch ein Antwortartikel auf meinem Blog geschrieben:
    http://www.klonblog.com/2008/03/18/google-verschenkt-milliarden-falsch/

  4. Erik sagt:

    Mal abgesehen davon, dass Google sehr wohl eigene Services bewirbt. In Suchergebnissen findet man häufiger nun auch Ergebnisse der Bildersuche oder hier und da auch bereits andere Services von Google als reguläre Ergebniseinträge. Bestes Beispiel dürfte hier Blogspot sein.

    Auch bei der Bildersuche ergeben sich kleinere Auffälligkeiten – denn wo jede Seite maximal zwei Ergebnisse anzeigen lassen darf, haben einzelne Blogspot-Blogs teilweise dutzendweise Einträge zum selben Suchbegriff. Fast schon unbemerkt wird hier beständig Traffic auf die eigenen Dienste verwiesen und die Palette derer auch beständig erweitert, um User im eigenen Netzwerk zu binden.

    Google ist nicht unbedingt gütig, nur eben sehr raffiniert.

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