Widerstand ist zwecklos: Anpassungsfähigkeit im SEO Bereich

3. Februar 2014  |     |  12 Kommentare
Ein Beitrag von Julian Dziki

Heute geht es um ein Kernproblem unserer Branche, das viele SEOs und auch SEO Agenturen beschäftigt. Es geht um Anpassungsfähigkeit im SEO Bereich und die damit verbundenen Probleme.

SEO: Passt Ihr Euch an oder nicht? Foto:  Marek Velechovsky / Shutterstock

SEO: Passt Ihr Euch an oder nicht? Foto: Marek Velechovsky / Shutterstock

„SEO ändert sich ständig“

Schon oft habe ich diesen Satz von SEOs gehört. Meist wird er flankiert mit „Man muss immer up-to-date bleiben“ oder „auf Änderungen im Algorithmus reagieren“. Diese hohle Phrasendrescherei bringt uns überhaupt nichts, denn man muss mal konkret werden, was das bedeutet!

SEO in der Vergangenheit

SEO vor einem Jahr sah für mich ganz anders aus als heute. Und vor fünf Jahren war es schlicht und ergreifend eine völlig andere Arbeit. Vor fünf Jahren zählte mehr oder weniger die Masse an Links und es ging so vieles, was heute überhaupt nicht mehr geht. Ob der Content gut oder schlecht war, war letztlich völlig egal, ich hatte Top-Platzierungen zu wirklich großen Keywords mit richtig schlechten Seiten ohne jeden Mehrwert.

SEO heute und in der Zukunft

In den letzten, gefühlt zwei Jahren hat sich im Google-Algorithmus etwas Grundlegendes getan. Seiten ohne Mehrwert haben kaum noch eine Chance. Seiten mit großem Mehrwert brauchen weniger Links. Guter Content ist keine Kür mehr, sondern muss einfach sein. Es gibt noch viele Leute, die das Gegenteil behaupten, aber die haben anscheinend in den letzten zwei Jahren in einem Erdloch gelebt, sorry. Ich habe meine Arbeitsweise grundlegend geändert und neulich meinte ein neuer Kunde zu uns, dass wir doch eigentlich eher eine PR Agentur als eine SEO Agentur seien. Das stimmt zwar nicht, aber in diese Richtung geht die Reise – für viele, aber nicht für alle. Warum nicht für alle?

Passt Ihr Euch an?

Es ist viel verlangt, wenn man einen Schritt zurückgeht, das große Ganze betrachtet und dann die eigene Arbeit damit kritisch vergleicht. Man braucht ein hohes Maß an Selbstreflexion, man muss ehrlich sein. Wenn einem nicht gefällt, was man sieht, dann muss man Maßnahmen ergreifen um sich anzupassen. Und genau hier hapert es in der Branche. Aber warum?

Warum man sich nicht anpassen will

Mit der größte Grund, warum sich viele im SEO Bereich nicht anpassen, sind gewachsene Strukturen. Angenommen, ein SEO Account Manager hat bisher zehn Kunden betreut und für diese zehn Kunden jeden Monat Links bei diversen Linknetzwerken gekauft. Diese Leistung (des Mitarbeiters) wurde eingepreist und es wurde sehr genau kalkuliert, wie viel Zeit er für das Heraussuchen der Links bei solchen Netzwerken hat. Wenn nun Google daherkommt und schreibt, dass Linknetzwerke abgestraft werden, dann können manche Agenturen nicht einfach vier statt einen Mitarbeiter einstellen, um Links auf anderem Wege zu bekommen.

Noch gravierender ist es mit agentureigenen Netzwerken. Viele Agenturen haben hunderte von Seiten, von denen sie Links an ihre Kunden hergeben. Solche Links kosten oft nicht mehr als 30 Euro (inklusive Content!). Wie soll man seinen Kunden, die man so „erzogen“ hat, klar machen, dass man nun das Vielfache für Links verlangen muss? Und wie sollen die Redakteure, die bisher fünf Texte pro Stunde schreiben mussten, auf einmal so gute Beiträge schreiben, dass sie echte Webmaster freiwillig auf „normalen“ Webseiten online stellen? Und wenn nicht einmal der Chef weiß, wie man „echte“ Links holt, wie soll er es dann seinen Mitarbeitern beibringen?

Personalmangel

Je besser ein Link, desto mehr Zeit braucht er. Wie lange braucht man, um einen Link zu kaufen? Wenn man schnell ist: Auf der Netzwerk Seite einloggen, Keyword eingeben, Webseite suchen, auf „Buchen“ drücken – Zwei Minuten. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ich hier auch alleine sitzen könnte, würde ich auf Linkkauf setzen. Nun gibt es viele SEO Teams, Inhouse wie Agentur, die sich fragen, wie man an gute Links in anständiger Zahl kommt, ohne sie zu kaufen?

Die Antwort ist einfach: Enorm viel Manpower, gepaart mit Erfahrung. Man kann diese Manpower zwar kurzfristig bekommen, aber man muss die Mitarbeiter anlernen, anleiten, kanalisieren, bespaßen (z.B: mit Bier) und man muss einen Mittelweg zwischen Produktivität und Kreativität finden. Das Geld ist nicht so das Problem: Während man vorher das Geld in den Linkkauf gesteckt hat, muss es nun in Mitarbeiter fließen. Problematischer sind da die ganzen „schlimmen“ Dinge, die damit einhergehen, wenn man mit Menschen arbeitet anstatt mit Geld: Urlaub, persönliche Schicksale, schwankende Produktivität, Menschsein usw..

Nehmen wir das Beispiel oben: Der Account Manager, der vorher für 10 Kunden Links aufgebaut hat, macht das jetzt nicht mehr allein, sondern zu acht. Das muss man koordinieren. Und zwar von einem Monat auf den anderen und bei mancher Agentur nicht mit 10, sondern mit 200 Kunden. Wer dann 80 ausgebildete Linkbuilder in Jobbörsen sucht, dem wünsche ich viel Spaß.

Das Wichtigste zum Schluss

Unternehmen, die bisher mit eigenen oder fremden Linknetzwerken gearbeitet haben, können ihre auf Jahre ausgeklügelten Prozesse, Strukturen und Arbeitsweisen nehmen und aus dem Fenster werfen. Im echten Marketing funktioniert nämlich alles ein wenig anders, als in der Massenbestechung (=Linkkauf). Denn Eure neuen Mitarbeiter sind nicht nur Menschen, sondern haben jetzt auch noch mit echten Menschen zu tun: Keine Excel Liste, kein Buchen Knopf, sondern der Handwerker von nebenan mit seinem Handwerksblog, den man überzeugen soll auf die eigenen Kunden zu verlinken. Warum? Wenn Ihr das selbst nicht wisst, könnt Ihr es weder Euren Mitarbeitern noch Euren potenziellen Linkgebern überzeugend beibringen.

Das ist der Grund, warum viele bei Linknetzwerken bleiben werden. Es ist unkompliziert und leicht skalierbar. Und nicht so unangenehm mit vielen Menschen. Keep it simple. Oder?

So und jetzt die andere Seite

Hier mal die Gründe, warum man vielleicht doch in Zukunft auf Manpower setzen sollte:

  • Es ist nicht mehr so langweilig im Büro
  • Man kann seinen eigenen SEO Stammtisch veranstalten, nur mit Mitarbeitern 🙂
  • Man lernt, mit Menschen umzugehen (Ich bin schon viel besser darin geworden, fast schon „nett“)
  • Man kann Dinge tun, die andere nicht tun – einfach weil man sich mal fünf Leute packt und es macht
  • Man macht etwas, was auch in fünf Jahren noch etwas wert sein wird
  • Man kann stolz sein auf das, was man tut. („Ich mache Online Marketing“ vs. „Ich setze Links und gebe Leuten dafür Geld“)
  • Man wird auch in fünf Jahren noch SEO machen (!!!)
  • Falls nicht, kann man einen Wanderzirkus gründen.

Was meint Ihr dazu? Ist die Branche zu starr?

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12 Kommentare

  • Hey Julian,

    schön, dass Du jetzt fast schon nett bist zu Deinen Mitarbeitern 😀

    Aber ich weiß was Du meinst 🙂

  • Mehr Manpower = bessere Qualität (bei gut ausgesuchtem Personal). Mehr Qualität = mehr Erfolg. Mehr Erfolg = mehr Budget. Ein wenig Milchmädchen, aber auch viel wahres drin.

  • Hallo Julian,

    finde deinen Artikel sehr gut und teile deine Anschauung. Es gibt nichts hinzuzufügen, dass wäre nur um den heißen Brei reden.

    VG
    Jens

  • Deinem Fazit ist nichts mehr hinzuzufügen Julian! Die Anforderungen an effektives Online-Marketing und somit auch zu Teilen an SEO werden komplexer und anspruchsvoller. Wer sich hier nicht anpasst, macht den Weg frei für diejenigen, die dafür bereits sind.

  • Interessant an der ganzen Sache finde ich, dass Google gleich doppelt profitiert: Bessere Suchergebnisse führen dazu, dass die User weiterhin bei Google bleiben. SEO-Agenturen müssen jetzt das x-fache berechnen, um weiterhin profitabel arbeiten zu können. So mancher Kunde fragt sich da bestimmt, ob es nicht günstiger ist, in andere Kanäle wie z.B. Adwords zu investieren.

  • tom

    @JonasB: „So mancher Kunde fragt sich da bestimmt, ob es nicht günstiger ist, in andere Kanäle wie z.B. Adwords zu investieren“ – Jepp. Das wird auch das erklärte Ziel von Google sein und in vielen Bereichen ist zumindest ein Mix zwingend erforderlich.

  • Hallo Julian,

    bei dem Artikel überlege ich ihn auszudrucken und ihn all unseren Kunden per Post zuzusenden.

    Einen Punkt gibt es noch, den ich hinzufügen möchte: „Wie Sie wollen etwas auf meiner Seite verändern? Meine Seite ist gut wie sie ist. Ich bezahle Sie für den Linkaufbau. Also gehen Sie los und bauen Sie Links auf!“ Auch auf sowas muss man gefasst sein, wenn Kunden einfach ein besseres Ranking kaufen möchten.

    Irgendwann werden es alle lernen…

    Grüße aus Berlin

    Hendrik

  • Hallo Julian,
    ich stimme dir zu – und bin froh darüber – dass SEO nicht mehr aus reinem Linkkauf besteht sondern endlich auch mit Mehrwert und Content verbunden ist.
    Die Schwierigkeit – aber auch die Herausforderung – für den SEO ist ja nun nicht nur der reine Umfang der Arbeit, sondern auch die Auseinandersetzung mit der Materie. Ich kann ja keinen wertigen Inhalt bringen, wenn ich gar keine Ahnung von dem habe, was die optimierte Website anbietet.
    Aber bisher wurde viel geredet und viele – auch namhafte große SEO Agenturen – arbeiten weiterhin ganz erfolgreich fast ausschließlich mit Webkatalogen und der einfachen Verlinkung auf die Index-Site. Ich bin gespannt, wann sich diejenigen, die sich an die Google-Empfehlungen halten und auf derartige Linkquellen verzichten, tatsächlich an die Spitze bewegen.
    Viele Grüße

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