USA vs. Deutschland im Internet Business
03. Sep 2009
Seit einiger Zeit versuche ich im amerikanischen Markt ein wenig mitzumachen. Im heutigen (sogar zweiten heutigen!) Post will ich einmal ein paar Unterschiede zwischen den USA und Deutschland herauskehren, für alle, die vielleicht auch einmal amerikanische Seiten machen wollen.

Qualität der Seiten
Den Qualitätsvergleich Deutschland-USA der Webseiten kann man nicht mit einem Wort beschreiben. Zunächst einmal zu den großen Seiten bzw. Portalen: Hier ist die Qualität meiner Meinung nach deutlich besser. Die USA reiten voraus, während Deutschland immer hinterherhinkt. Digg vs. Yigg – Facebook vs. StudiVz – Stumbleupon vs. (noch nicht mal kopiert, Investoren sollten mal gucken) und viele andere Beispiele zeigen, dass die USA sowohl in Sachen Nutzerfreundlichkeit (Usability), wie auch in Sachen Monetarisierung (siehe Facebook Ads) uns weit vorraus sind. Nur heute freute mich eine Nachricht: Der Mega-Blog Techcrunch berichtete erst gestern über das innovative und erfolgreiche deutsche Startup Amiando, das dank des exzellenten Timon auch ohne Pumba auskommt.
Dann gibt es noch die andere Seite der Medaille: Kleinere Webseiten sind in den USA in aller Regel qualitativ nicht so gut wie deutsche Gegenstücke gleicher Größe. In Deutschland herrscht zum Beispiel (auch wegen der rechtlichen Lage) geradezu eine Panik vor Duplicate Content. In den USA setzt man auch mal gerne einen Blog auf, dessen Content nur aus Feeds anderer Blogs besteht. Und ja, das funktioniert auch.
Publikum unter Webmastern
Überhaupt kommt es mir so vor als wäre die Schere zwischen 50$-Webmastern (die 50 $ pro Monat verdienen) und großen Affiliates weitaus größer als hierzulande. In den USA fehlt sozusagen eine “Internet Mittelschicht”, zu der ich mich auch einfach mal in Deutschland zählen würde. Natürlich muss man bedenken dass im englischsprachigen Raum viele Nicht-Amerikaner mitspielen: Indien, Pakistan, Russland – alles ist vorhanden. Und für viele Menschen weltweit reicht es zum Leben, wenn sie 100 $ im Monat verdienen!
Traffic
Ein sehr bekannter deutscher SEO, der im US-Raum unterwegs ist, sagte mir einmal: “Es ist doppelt so schwer für ein Keyword zu ranken, dafür hast du aber hinterher den zehnfachen Traffic.” Ich denke man braucht nicht lange zu überlegen um sich das auszurechnen. Englisch beherrschen schätzungsweise 350 Millionen bis eine Milliarde Menschen, während Deutsch etwa von 185 Millionen Menschen gesprochen wird. Dementsprechend muss man aber auch beachten, dass viel englischsprachiger Traffic eben nicht aus den USA kommt, sondern von irgendwo auf der Welt. Bestes Beispiel sind wir Deutsche zum Beispiel, von denen viele SEOmoz lesen. Für Rand Fishkin wird es also normal sein, Emails von Japanern, Thailändern, Russen oder Spaniern zu bekommen.
Links
In Sachen Links ist ebenfalls vieles anders: SMO ist in den USA nicht nur ein Luftschloss (wie hierzulande), sondern tatsächlich präsent. Multinationale Firmen werben mit viralen Kampagnen auf Digg.com; Hollywoodstars bekommen horrende Gagen dafür, dass sie bloggen. Schwarzenegger twittert und hat über eine Million Follower, während von Angela Merkel nur diverse Fake Accounts existieren – und das kurz vor der Wahl. In den USA wird viel öfter freiwillig verlinkt, gefollowed und man benutzt Portale wie Digg.com sogar tatsächlich um Nachrichten zu finden, nicht nur um seine eigene Seite hereinzustellen.
Andererseits gibt es auch weit mehr Müll-Links als in Deutschland. Das schwappt sogar bis zu uns herüber: Jeder, dessen Content schon einmal gescraped wurde, weiß wovon ich rede. Blogs mit automatischem Content (von anderen Blogs) erstellen automatisch Trackbacks und sind damit sogar noch erfolgreich. Ihr findet “100 Webkatalogeinträge für 49,95 €” unseriös? So etwas wäre in den USA vor allem viel zu teuer. Massenhaft Links bekommt man zu Spottpreisen.
Neppen & Betrügen
Kauft man solche Links oder irgendeine andere Dienstleistung, die seriös anmutet muss man immer eines bedenken: Derjenige, von dem man eine Dienstleistung kauft, kann in Südchina sitzen. Dementsprechend chancenlos kann es sein, Geld wieder zu sehen – deutsche Gesetzgebung gibt es dort nicht. Umgekehrt gilt das natürlich nicht! Zwar habt ihr in den USA bei vielen Hosting Verträgen Whois-Protection; Diese alleine reicht jedoch nicht um anonym zu sein: Man kann euch auch über die Affiliate-ID “kriegen”. Auch im Ausland solltet ihr daher Urheberrechte und Gesetze einhalten – was andere machen, kann euch egal sein.
Insgesamt sind Dienstleistungen in aller Regel billiger, auch wenn sie von hoher Qualität sind: Ob Links, Plugins für WordPress, Designs oder Content – für alles bezahlt man weniger als in Deutschland. Liefert der Dienstleister aber eine ungeahnt schlechte Qualität, dann sieht es mit “Geld zurück” schlecht aus.
Affiliateprogramme & Adsense
In Sachen Affiliate gibt es unglaublich oft “1-Seiten-Domains”, die zwar keine Navigation haben, dafür aber tolle Testimonials und einen Button zum Bestellen von E-Books etc.. Während man mit solchen Seiten in Deutschland keinen Cent verdienen kann (in der Regel), sind sie in den USA sehr beliebt, auch bei den Usern. Erste Anlaufstellen in den USA sind wohl Clickbank und CJ, natürlich gibt es noch viele andere. Bei Adsense kommt es sehr auf die geografische Herkunft des Traffics an: Wer in Indien auf Adsense klickt, der bringt dem Webmaster unter Umständen nicht so viel wie jemand aus den USA oder Kanada. Insgesamt ist Adsense aber auch international sehr zu empfehlen. So manches Affiliate Netzwerk sträubt sich mittlerweile auch “Non-US-Citizens” in ihre Programme aufzunehmen – warum ist angesichts der Schar von 50$ Affiliates klar.
Fazit: Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind die USA sicherlich nicht. Trotzdem gibt es einige Vorteile – aber auch viele Nachteile. Im Endeffekt wird es sich wohl ausgleichen.
Wer Fragen, Kritik oder Blogspam hat, bitte die Kommentarfunktion benutzen.
Bild: © fritzkocher – Fotolia.com
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Kategorie: Allgemein
About the Author: Julian Dziki is an SEO, Online Marketer & Affiliate since 2007.
Comments (21)
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Schöner Bericht – wirst du denn nun verstärkt in den Staaten aktiv sein?
Im Gegensatz zu Deutschland ist es vor allem noch mal ne Hummer härter eine freie Domain zu finden … da bleibt fast nur noch kaufen übrig.
@markus was ich mache ist ja völlig irrelevant.
Nicht für deine Leser!
Sollte es aber sein!
Ich bin hauptsächlich in den USA aktiv im Affiliate Business und finde es einiges einfacher eine Micronische aufzuspüren und diese zu monetarisieren. Für fast wirklich jedes Themengebiet erhält man in den USA entweder ein ZIP oder CPA Offer mit (sehr) guter Bezahlung.
Man erhält trotz einer Micronische einen stetigen Traffic der in DE wohl kaum zu Stande kommen würde, da zu wenig Interesse herrscht.
Auch bei deinen angesprochenen Salespages gibt es Unterschiede zwischen DE sowie US. Guck dir mal Digibux, das deutsche Pendant zu Clickbank an und dessen Salespages. Na fällt dir da was auf?
Guter Beitrag Julian! Schön, endlich mal wieder was von dir zu lesen!
Liebe Grüße,
Constantin
Welchen Webhoster nimmste denn in den USA?
Interessante Sachen, die du da entdeckt hast. Schade, dass das Verlinken und SMO-Sachen bei uns noch nicht so einfach laufen wie in den Staaten.
Und auch mit den Portalen hast du Recht, da sind die US-Seiten schon viel weiter. Daher schaue ich auch mehr auf die amerikanischen Vorbilder, als auf die deutsche Konkurrenz.
Sag mal sind dir meine Kommentare zu direkt oder wieso werden diese nicht freigeschaltet?
Ist das Verhältnis DE Sites zu deutschsprachigen Menschen besser oder schlechter als EN Sites zu englischsprachigen Menschen? Ich hab grad keine aktuellen Zahlen bei der Hand…
@Mike: Godaddy & Namecheap sind zum Beispiel ganz gute Hoster.
@Manuel: Das war der Askimet Filter – ich habe die Kommentare einfach nicht gesehen. Digibux kannte ich noch gar nicht.
Ahso, der verfluchte Akismet, hehe
Geht am Thema vorbei, aber die Diskussion zwischen Digibux und Clickbank interessiert mich. Wenn ich rein auf deutsche Angebote setze, was ist dann zu bevorzugen?
Ich habe schon vielfach gehört, Digibux ist nicht zu empfehlen. Aber warum? Mal abgesehen von der Aufmachung und unbrauchbaren Statistiken.
Und wieso kann man mit den typischen Verkaufsseiten in DE noch nichts verdienen? Es gibt doch mittlerweile schon einige auch hier, die sich mit diesem Bereich befassen. Sogar schon Angebote neben dem üblichen Get-Rich-Quick gibt es schon.
@Julian: Danke für die Antwort auf Mikes Frage.
@Horst: Ich nutze weder das eine noch das andere, daher kann ich nichts dazu sagen. Die Verkaufsseiten… naja – ob man sowas bewerben muss ist auch mal ne Frage.
Würde mich eben brennend interessieren, wie hoch die Chancen mit solchen Seiten in Deutschland sind. Mein erster Sale auf Digibux war überraschend schnell, dann war aber Flaute.
Wegen dem Hosting: Godaddy wirbt gerade damit, dass sie jetzt extra für europäische Kunden innerhalb Europas hosten.
Ihc glaub bei uns kommt das “NOCH” nicht so ins rolen, weil 70% der Deutschen einfach ZU alt sind. Das wird sich mit der, jetzt 16 Jahre alten, generation ändern.
Viele strauben sich vor dem Internet, zum einen weil die meisten nichtmal wissen was ein browser ist und zum anderen weil sie zu viel Angst haben, was aber auch von allen anderen Medien immer stark gefördert wird. Zum Biespiel wird nie von dem hohen Service und Vertrauenswürdigkeit von Internetunternehmen berichtet, stattdessen aber jeden Tag von Internetverbrechern und dem bösen feindlichen Internet selbst, obwohl diese nur einen weit aus kleineren Prozentsatz ausmachen und die Localen Firmen weit mehr “bescheisen”.
Medien wie TV, Radio und Zeitung haben einfach Angst abgelöst zu werden und müssen die Menschen mit viel Panikmache an sich binden. Erst die jüngere Generation wird das ändern und dann wird auch der, im Vergleich, hohe Qualitätsstandart des deutschen Internets seinen Aufstieg antreten.
Bei solchen vergleichen darf man nie vergessen, das in Deutschland über 60% der bevölkerung über 60 ist und diese Generation kauft nur das was es anfassen kann auch wenns das Dreifache kostet. Die Zeit des Internetmarektings und Onlinecommerce wird, meiner Meinung nach, erst in 3 bis 5 Jahren erst so richtig kommen und das Internet hier zu Lande fahrt aufnehmen.
Max, das wäre natürlich schön, wenn es so geschieht. Dann bau ich mir jetzt schön meine Seiten auf und werde in einigen Jahren noch mehr abkassieren
Und dann lohnen sich auch Dinge wie Treppenlifte im Netz noch mehr, da aktuell noch wenige Senioren im Netz gucken.
Valentin, ich meine nicht, dass es in 3 Jahren mehr Senioren im Netz geben wird, sondern mehr Menschen, die das Internet in ihrem täglichen Leben nutzen, sei es zum einkaufen oder für Dienstleistungen.
[...] USA vs. Deutschland im Internet Business [...]
As far as I can see…. ist der Anspruch der deutschen User an eine Webseite und an die enthaltenden Informationen einfach viel größer als in den USA.
Hier erwartet man, schnell auf der Webseite mit der absoluten Wahrheit zu landen, während man in den USA deutlich unverkrampfter an die Sache rangeht.
Webseiten, die einseitig über ein Thema berichten, praktisch nur aus eigener Meinung bestehen oder darauf ausgelegt sind, ein Produkt über ein Partnerprogrammm zu verkaufen, werden in den USA mehr akzeptiert als hier in Deutschland.
Für mich gibt es zwei Gründe, praktisch nur noch auf dem englischprachigen Markt unterwegs zu sein.
1) Niedrigerer Qualitätsanspruch. Während man in Deutschland eine riesige Übersichtsseite zu einem Thema oder zu einem Produkt bauen muss, um vertrauen aufzubauen und auf dem Markt akzeptiert zu werden, kann man in den USA einfach mit seiner persönlichen Sicht der Dinge hausieren gehen und durch seine Person vertrauen aufbauen. In den USA muss eine Webseite keine unabhängige Institution sein, im Gegenteil. Die Amerikaner wollen kommunizieren, gerne auch mit dir als Person.
2) Die Sprache. Einen englischen (Web)Text zu schreiben ist für mich persönlich sehr viel einfacher als einen deutschen. Nicht wegen der Rechtschreibung, sondern weil man mit der englischen Sprache einfach sehr viel mehr machen kann. Im Deutschen gibt es 100 Möglichkeiten eine einfache Aussage zu verpacken und 96 davon gefallen dem Besucher nicht. Im Englischen gibt es vielleicht 40 Möglichkeiten und die meisten sind absolut OK und klingen gut.